Damnica
Damnica (deutsch Hebrondamnitz, früher Hebron-Damnitz; kaschubisch<ref name=Naum127 >Im Jahr 1867 gab es unter den Einwohnern des Kreises Stolp noch 188 Kaschuben in einigen Dörfern in der Nähe der Küstenseen und im Südosten (Groß Rakitt); vergleiche Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 127–128, (Ziffer 4.)</ref> Damnica, slowinzisch Dą̃mńică<ref>Eintrag im „Slowinzischen Wörterbuch“ von Friedrich Lorentz. Zum System der Slowinzisch-Lautschrift von Lorentz, vgl. „Slowinzische Grammatik“, S. 13–16 (scan 40–43), anschließend die Lautlehre.</ref>) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern im Powiat Słupski. Das Dorf ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde.
Geographische Lage
Das Dorf liegt in Hinterpommern, in einer weiten Ebene östlich von Słupsk (Stolp) zwischen der Stolpe (Słupia) und der Lupow (Łupawa) am Ufer des Karstnitz-Bachs (Charstnica). Östlich des Ortes befindet sich ein großes Waldgebiet, der ehemals so genannte Hebrondamnitzer Forst.
Geschichte
Der Ort wurde früher nur Damnitz genannt und erhielt den Namen Hebron-Damnitz – zur Unterscheidung von dem 20 Kilometer weiter südlich gelegenen (Raths-)Damnitz – nach dem Obristen Daniel Hepburn. Als die Anhänger der Königin Maria Stuart verfolgt wurden, floh der schottische Edelmann Alexander Hepburn nach Stargard in Pommern. Sein am 16. Oktober 1584 in Stargard geborener Sohn Daniel Hepburn war im Dreißigjährigen Krieg kaiserlicher Obrist und erwarb im Jahre 1617 das Gut Damnitz. Anstelle der Schreibweise „Hebron-Damnitz“ wurde zum 10. September 1934 die Schreibweise „Hebrondamnitz“ amtlich festgelegt.<ref>Systematisches Verzeichnis der Namens- und Bestandsänderung von Gemeinden. Auszugsweise abgedruckt in: Fritz R. Barran: Städte-Atlas Pommern. 2. Auflage. Rautenberg, Würzburg 2005, ISBN 3-8003-3097-0, S. 192.</ref>
Der historischen Dorfform nach ist Hebrondamnitz ein Gassendorf. 1407 wurden Pribe und Woldach Kuseke zu lüthen Damnitz genannt. 1469 belehnte Herzog Erich II. von Pommern die Brüder Klaus und Lorenz von Stojentin mit mehreren Dörfern, darunter auch Damnitz. 1485 und 1585 war es im Besitz derer von Schwave.
Im 18. Jahrhundert kam das Gut in den Besitz der Familie Hainsky. Der Generalleutnant Johann von Hainsky übergab die Güter am 13. Juli 1725 an Siegmund von Hainsky. Dessen Erbtochter Henriette Dorothea von Hainsky heiratete den noblierten Oberamtmann Johann Christoph von Thiele und nach dem Tod des selbigen 1756 in zweiter Ehe Friedrich Bogislaw von Puttkamer, der Landrat des Kreises Stolp wurde. In der Familie Puttkamer blieb das Gut bis in das 19. Jahrhundert hinein.
1782 gab es in Hebrondamnitz ein Vorwerk, eine Wassermühle, sechs Bauern, vier Halbbauern, drei Kossäten, eine Schmiede und ein Schulmeister und insgesamt 24 Haushaltungen.<ref>Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil 2, Band 2, Stettin 1784, S. 958–959, Nr. 30.</ref>
1835 erwarb Oberstleutnant Heinrich Karl Philip von Damnitz das Gut. Letzte Besitzer des Guts waren Richard von Blankensee (1884), Freiherr Karl von Gamp-Massaunen (1910), dann seiner Witwe Klara Freifrau von Gamp-Massaunen (1924) und (1938) Karl Wilhelm Armster-Gamp, von Beruf Kammersänger und Schauspieler, zweiter Ehemann der der Tochter Ilse, geb. Freiin von Gamp.<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Teil B (Briefadel). 1941. 91. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 128.</ref>
Am 1. April 1927 hatte das Gut Hebrondamnitz eine Flächengröße von 1333 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 485 Einwohner.<ref name="Albrecht">Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere (S. 400.)</ref> Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Hebrondamnitz in die Landgemeinde Hebrondamnitz eingegliedert.<ref>Amtsbezirk Hebrondamnitz (Territorial.de)</ref>
Anfang der 1930er Jahre war die Gemeindefläche 1544 Hektar groß. Es gab auf dem Gemeindegelände insgesamt sechs Wohnstätten:<ref>Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Vorlage:Webarchiv</ref> Vorlage:Mehrspaltige Liste Im Jahr 1925 standen in Hebrondamnitz 53 Wohngebäude. Das Restgut hatte eine Fläche von 750 Hektar, wovon 55 Hektar Ackerland und 695 Hektar Wald waren. Neben dem Gut existierten 86 bäuerliche Betriebe. Vor 1945 gab es im Dorf einen Bäcker, einen Bauunternehmer, einen Metzger, einen Gasthof und ein Bahnhofsrestaurant, zwei Kolonialwarenhandlungen, ein Malergeschäft, ein Sägewerk, eine Schmiede und eine Viehhandlung.<ref>Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1036 (Google Books).</ref> Im Jahre 1939 wurden 181 Haushaltungen und 717 Einwohner gezählt.
Bis 1945 war Hebrondamnitz eine Landgemeinde im Landkreis Stolp im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Hebrondamnitz war Sitz eines gleichnamigen Amtsbezirks. Der Ort war Sitz eines Standesamts und einer Gendarmerie. Zuständiger Amtsgerichtsbereich war Stolp.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eroberte am 8. März 1945 die Rote Armee Hebrondamnitz. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde es von der Sowjetunion wie ganz Hinterpommern der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die polnische Administration verwaltete Hebrondamnitz unter der polonisierten Ortsbezeichnung ‚Damnica‘ und vertrieb in der Folgezeit die gesamte einheimische Bevölkerung.<ref name="KHP">Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Lübeck 1989, S. 567. (Ortsbeschreibung Hebrondamnitz; PDF)</ref>
Später wurden in der Bundesrepublik Deutschland 340 und in der DDR 174 aus Hebrondamnitz vertriebene Dorfbewohner ermittelt.<ref name="KHP" />
Das Dorf ist heute der Amtssitz der nach ihm benannten Gmina Damnica im Powiat Słupski in der Woiwodschaft Pommern (1975 bis 1998 Woiwodschaft Słupsk). Hier leben jetzt etwa 1250 Menschen.
Kirche
Die Bevölkerung von Hebrondamnitz war vor 1945 überwiegend evangelischer Konfession. Der Ort gehörte zum Kirchspiel Dammen im Kirchenkreis Stolp-Altstadt im Ostsprengel der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 lag in Hebrondamnitz der Anteil der katholischen Bevölkerung bei 2,4 %.
In Hebrondamnitz wurde 1906/07 eine Kapelle für gottesdienstliche Zwecke errichtet.
Polnisches Kirchspiel seit 1945
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist fast ausnahmslos katholisch. Das Dorf gehört zur Parochie Zagórzyca (Sageritz) im Dekanat Główczyce (Glowitz) im Bistum Pelplin (Erzbistum Danzig) der Katholischen Kirche in Polen.
Für evangelische Kirchenglieder ist die Parochie der Kreuzkirchengemeinde in Słupsk (Stolp) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zuständig.
Schule
Die Hebrondamnitzer Volksschule war vor 1945 dreistufig. Im Jahre 1932 unterrichteten 2 Lehrer 134 Schulkinder in 3 Klassen. Diese Schule besuchte auch mehrere Jahre der spätere Ballistiker, Ingenieur und Hochschuldezernent Hubert Schardin (1902–1965), dessen Vater hier Lehrer war.
Verkehr
Nördlich, von Damno (Dammen) kommend, führt eine Nebenstraße durch den Ort, die sieben Kilometer weiter südlich bei Mianowice (Mahnwitz) auf die polnische Landesstraße 6 (ehemalige deutsche Reichsstraße 2, heute auch Europastraße 28) Danzig – Stettin trifft. Damnica ist Bahnstation an der Bahnstrecke Gdańsk–Stargard.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter des Ortes
- Rudolf Stricker (1829–1890), deutscher Intendanturbeamter und Verleger
- Hannes Kirk (1924–2010), deutscher Fußballspieler und Fußballtrainer
Mit dem Ort verbunden
- Friedrich Bogislaw von Puttkamer (1732–1806), preußischer Landrat des Kreises Stolp, starb auf seinem Gut Hebrondamnitz
Literatur
- Hebron-Damnitz, Dorf und Rittergut, unweit der Lupow, Kreis Stolp, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912. (Sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Hebron-Damnitz). (meyersgaz.org)
- Hebron-Damnitz, In: Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 958–959, Ziffer 30. (Google Books)
- Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Lübeck 1989, S. 563–567. (Ortsbeschreibung Hebrondamnitz; PDF/Digitalisat)
- Hannelore Schardin-Liedtke: Hebrondamnitz, aus der Geschichte eines pommerschen Dorfes. Lutken Dampnitze, Damnitz, Hebron-Damnitz, Hebrondamnitz, Dębnica, Damnica = Damnica, z historii pewnej pomorskiej wsi. Berlin 2016. Vorlage:DNB
- Hannelore Schardin-Liedtke: Damnica | Hebrondamnitz. In: Zamki i ogrody w wojewodztwie pomorskim; Nr. 2, In: Szczecin: Fundacja Akademia Europejska Kulice-Külz - Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark. Hrsg. Deutsche Gesellschaft. Berlin/Szczecin 2019, ISBN 978-83-946698-1-2.
Sekundärliteratur
- Pommersches Güter-Adressbuch. 1892. Verlag Friedrich Nagel (Nachf.) (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 158–159. (Google Books)
- P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche. Band 2: Provinz Pommern. 2. Auflage, Nicolai (Rudolf Stricker), Berlin 1884, S. 88–89. (Google Books)
Weblinks
- Amtsbezirk Hebrondamnitz (Territorial.de)
- Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Vorlage:Webarchiv
Einzelnachweise
<references />