Johannes Bell
Johannes (Hans) Bell (* 23. September 1868 in Essen; † 21. Oktober 1949 in Würgassen) war ein deutscher Politiker (Zentrum) und Jurist.
Leben
Johannes (gelegentlich auch Hans) Bell war der Sohn des Obergeometers Josef Bell und der Josefine geb. Steuer. 1896 heiratete Johannes Bell Trude geb. Nünning. Bell besuchte das Gymnasium in Essen, Dortmund und Minden. Er studierte von 1886 bis 1889 Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen, Leipzig und Bonn. Während seines Studiums wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindungen AV Guestfalia Tübingen, KDStV Burgundia (Leipzig) und KDStV Bavaria Bonn im CV. 1889 wurde er Referendar in Werden, Essen und Hamm und im gleichen Jahr zum Dr. jur. utr. promoviert. 1893 war Bell kurzzeitig Gerichtsassessor, bis er sich im Januar 1894 als Rechtsanwalt, ab 1900 auch als Notar, am Landgericht Essen niederließ. Er war ein führendes Mitglied der Zentrumspartei. So war er Vorstandsmitglied der Reichstagsfraktion und Vorstandsmitglied der rheinischen Zentrumspartei.
Bell war von 1900 bis 1919 Stadtverordneter in Essen und wurde 1908 für den Wahlkreis Düsseldorf 13 (Stadtkreis Essen) in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Von 1919 bis 1921 war Bell Mitglied der Preußischen Landesversammlung. Er saß von 1912 bis 1933 im Reichstag und war von Mai 1920 bis Oktober 1926 dessen Vizepräsident. 1912 bis 1918 vertrat Bell im Reichstag den Wahlkreis Düsseldorf 7 (Moers-Rees),<ref>Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1912. Heft 2. Berlin: Verlag von Puttkammer & Mühlbrecht, 1913, S. 94 (Statistik des Deutschen Reichs, Band 250)</ref> von 1924 bis 1933 den Wahlkreis 23 Düsseldorf. Dazwischen wurde er im Wahlkreis 26 Düsseldorf für die Legislaturperiode von 1920 bis 1924 gewählt. Von 1919 bis 1920 war er Mitglied der Deutschen Nationalversammlung in Weimar. Dorthin wählte ihn der bereits erwähnte Wahlkreis 23 Düsseldorf. Die Stichwahl 1912 gewann er gegen den Berliner Staatsanwalt Ernst Rosenfeld, den Kandidaten der Nationalliberalen.
1914 organisierte er eine Kundgebung der Zentrumspartei im Städtischen Saalbau in Essen, die gegen die Bestrebungen der Berliner Richtung im Gewerkschafts- und Zentrumsstreit protestierte und für die er Wilhelm Marx und Theodor Wacker als Redner gewinnen konnte.<ref>Kölnische Volkszeitung Nr. 129, 13. Februar 1914.</ref> Die Kundgebung in Essen nannte die Kölnische Volkszeitung einen „Eckstein der Geschichte des deutschen Zentrums“.<ref>Essen-Berlin, in: Kölnische Volkszeitung Nr. 157, 20. Februar 1914, S. 1.</ref>
Als stellvertretender Vorsitzender des dritten Untersuchungsausschusses (Völkerrechtsverletzungen) des Reichstages war Bell Herausgeber des Berichts Völkerrecht im Weltkrieg (1914–1918) (5 Bände).
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb er noch bis November 1933 Mitglied des Reichstages.
Minister
Bell amtierte ab 13. Februar 1919 als Reichskolonialminister und wurde am 21. Juni 1919 Reichsverkehrsminister. In seine Amtszeit bis 30. April 1920 fällt die Verstaatlichung der deutschen Eisenbahngesellschaften – das Ende einer Entwicklung, die bis 1918 im Wesentlichen von dem preußischen Minister Paul von Breitenbach vorangetrieben worden war. Von Mai 1926 bis Januar 1927 war er unter Reichskanzler Wilhelm Marx kurzzeitig Reichsjustizminister.
Johannes Bell unterzeichnete für das Deutsche Reich, zusammen mit Außenminister Hermann Müller (SPD), den Versailler Vertrag. Die Parteien der politischen Rechten setzten ihn daraufhin in den Folgejahren unter erheblichen Druck.
Werke
- Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte. 1917.
- Volkswirtschaftliche und mittelständische Fragen für die Kriegs- und Übergangszeit. 1918.
- Volksstaat und Staatsvolk. 1928.
- Strafrechtsreform. Aufsatzsammlung. 1930.
- Deutsche und österreichische Strafrechtsreform. 1936.
Literatur
- Handbuch der verfassungsgebenden Nationalversammlung. 1919.
- Cuno Horkenbach (Hrsg.): Das Deutsche Reich von 1918 bis heute. 1930.
- Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1: A–K. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, DNB 453960286.
- Reichstagshandbuch 1920–1933. 1933.
- Wilhelm Kosch: Das katholische Deutschland
- Alfred Milatz: Bell, Johannes. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Max Schwarz: MdR, Biographisches Handbuch der Reichstage. 1965
- Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3870340371 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
- Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation. 3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage, Droste Verlag, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1, Nr. 94, S. 93.
- Walther Killy (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie., Bd. 1, München 1995, ISBN 3-598-23160-1, S. 409.
Weblinks
- Literatur von und über Johannes Bell im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Zeitungsartikel über Johannes Bell in den Historischen Pressearchiven der ZBW
- Gabriel Eikenberg: Johannes Bell. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)
- Johannes Bell in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Biografie von Johannes Bell. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich)
- Johannes Bell in der Online-Version der Edition Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik
- Nachlass Bundesarchiv N 1272
Einzelnachweise
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Vorlage:Klappleiste/Anfang Otto Landsberg | Eugen Schiffer | Andreas Blunck | Rudolf Heinze | Eugen Schiffer | Gustav Radbruch | Rudolf Heinze | Gustav Radbruch | Erich Emminger | Josef Frenken | Hans Luther (komm.) | Wilhelm Marx | Johannes Bell | Oskar Hergt | Erich Koch-Weser | Theodor von Guérard | Johann Viktor Bredt | Curt Joël | Franz Gürtner | Franz Schlegelberger (komm.) | Otto Georg Thierack Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang Johannes Bell | Gustav Bauer | Wilhelm Groener | Rudolf Oeser | Rudolf Krohne | Wilhelm Koch | Theodor von Guérard | Georg Schätzel | Adam Stegerwald | Theodor von Guérard | Gottfried Treviranus | Paul von Eltz-Rübenach | Julius Dorpmüller Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Philipp Scheidemann (Ministerpräsident, SPD) | Eugen Schiffer (DDP) | Bernhard Dernburg (DDP) | Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau (parteilos) | Hugo Preuß (DDP) | Otto Landsberg (SPD) | Rudolf Wissell (SPD) | Robert Schmidt (SPD) | Gustav Bauer (SPD) | Gustav Noske (SPD) | Johannes Bell (Zentrum) | Johannes Giesberts (Zentrum) | Georg Gothein (DDP)
Eduard David (SPD) | Matthias Erzberger (Zentrum)
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Gustav Bauer (Reichskanzler, SPD) | Matthias Erzberger (Zentrum) | Eugen Schiffer (DDP) | Hermann Müller (SPD) | Eduard David (SPD) | Erich Koch-Weser (DDP) | Rudolf Wissell (SPD) | Robert Schmidt (SPD) | Alexander Schlicke (SPD) | Gustav Noske (SPD) | Johannes Bell (Zentrum) | Johannes Giesberts (Zentrum) | Wilhelm Mayer (Zentrum) | Otto Geßler (DDP)
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Hermann Müller (Reichskanzler, SPD) | Erich Koch-Weser (DDP) | Adolf Köster (SPD) | Andreas Blunck (DDP) | Joseph Wirth (Zentrum) | Robert Schmidt (SPD) | Andreas Hermes (Zentrum) | Alexander Schlicke (SPD) | Otto Geßler (DDP) | Johannes Bell (Zentrum) | Gustav Bauer (SPD) | Johannes Giesberts (Zentrum) | Eduard David (SPD)
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Wilhelm Marx (Reichskanzler, Zentrum) | Gustav Stresemann (DVP) | Wilhelm Külz (DDP) | Johannes Bell (Zentrum) | Peter Reinhold (DDP) | Julius Curtius (DVP) | Heinrich Haslinde (Zentrum) | Heinrich Brauns (Zentrum) | Otto Geßler (DDP) | Rudolf Krohne (DVP) | Karl Stingl (BVP)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bell, Johannes |
| ALTERNATIVNAMEN | Bell, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (Zentrum), MdR und Jurist |
| GEBURTSDATUM | 23. September 1868 |
| GEBURTSORT | Essen |
| STERBEDATUM | 21. Oktober 1949 |
| STERBEORT | Würgassen |
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