Zum Inhalt springen

Hans-Joachim Näther

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Denkmal Jugendwiderstand Altenburg.jpg
Denkmal für die zu Beginn der 1950er Jahre verurteilten Jugendlichen in Altenburg auf dem Hospitalplatz

Hans-Joachim Näther (* 9. Dezember 1929 in Dresden<ref>Staatliches Friedrichgymnasium Altenburg – Widerstand gegen den Stalinismus. In: friedrichgymnasium-altenburg.de. Abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref>; † 12. Dezember 1950 in Moskau<ref name="gegen-diktatur">Hans-Joachim Näther. In: gegen-diktatur.de. 5. Februar 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. März 2016; abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref>) war ein deutscher Dissident in der DDR, der in der Sowjetunion hingerichtet wurde.

Leben

Näther besuchte die Karl-Marx-Oberschule in Altenburg in Thüringen. Er war Mitglied der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD). In der elften Klasse hatte er im Frühjahr 1949 gemeinsam mit seinen drei Mitschülern Ulf Uhlig, Gerhard Schmale und Jörn-Ulrich Brödel eine Widerstandsgruppe gegründet.<ref>Vier Schüler gegen Stalin. Mitteldeutscher Rundfunk, 11. September 2009, abgerufen am 22. November 2025.</ref> Sie klebten Flugblätter der West-Berliner Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU), auf denen Freiheit und freie Wahlen gefordert wurden.<ref name="gegen-diktatur" /> Sie bauten einen Radiosender und versuchten damit die Übertragung einer Rundfunkansprache Wilhelm Piecks anlässlich Stalins 70. Geburtstag am 21. Dezember 1949 zu stören, Näther bezeichnete diesen als „Massenmörder und Diktator“. Ob die Übertragung zu hören war, ist umstritten.<ref>Enrico Heitzer: Einige greifen der Geschichte in die Speichen. S. 8f, 86–91.</ref><ref>Thomas Gaevert: Schwarze Kanäle – Piratenradios in der DDR. (mp3-Audio; 97 MB; 53 Minuten) In: SWR-Kultur-Sendung „Feature“. 2023, abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref>

Ab dem 21. März 1950 verhaftete die Deutsche Volkspolizei (VP) Näther und weitere 17 Personen, wenige konnten fliehen. Näther saß zuerst im Polizeigefängnis Altenburg, dann in Weimar ein. Dort verurteilte ihn ein Sowjetisches Militärtribunal (SMT) zusammen mit seinen Schulkameraden Siegfried Flack (1929–1950) und Wolfgang Ostermann (1928–1950) am 13. September 1950 wegen „Spionage, antisowjetischer Propaganda und Mitgliedschaft in einer konterrevolutionären Organisation“ zum Tod durch Erschießen.<ref>Gerald Wiemers: Heinz Eisfeld. (pdf; 1 MB) In: Freiheit und Recht. 2007/4, Dezember 2007, S. 9–10, abgerufen am 20. Oktober 2025 (html auf archive.org).</ref>

Den nach West-Berlin geflohenen Mitschüler Ludwig Hayne (1931–1951) verhaftete das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) im Juni 1950 in Ost-Berlin beim Verteilen von Flugblättern der KgU. Auch ihn verurteilte das SMT in Weimar zum Tode, am 28. April 1951 wurde er in Moskau hingerichtet.<ref>Arsenij B. Roginskij u. a. (Hrsg.): „Erschossen in Moskau …“ S. 188.</ref>

Nach dem Prozess brachte man Hans-Joachim Näther nach Moskau. Das Präsidium des Obersten Sowjets lehnte sein Gnadengesuch ab. Am 12. Dezember 1950 wurde er im Alter von 21 Jahren in der Butyrka, einem Moskauer Gefängnis, erschossen.

Seine Angehörigen erfuhren erst 1995 von Näthers Hinrichtung. Im selben Jahr, am 8. November, rehabilitierte ihn die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation.

Auf den Altenburger Ereignissen und dem Schicksal Näthers basiert der Jugendroman 50 Hertz gegen Stalin von Steffen Lüddemann.<ref>Wieland Freund: F für Freiheit. In: welt.de. 5. Januar 2008, abgerufen am 20. Oktober 2025 (Rezension).</ref> Im Jahr 2013 wurde im Landestheater Altenburg Mona Beckers Stück Die im Dunkeln über den Altenburger Jugendwiderstand aufgeführt.<ref>Die im Dunkeln: Stück über Widerstand am Beispiel Altenburg von Mona Becker. In: tpthueringen.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Februar 2014; abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref>

Näther verfasste das Gedicht „Der Denunziant“:<ref>Der Denunziant. In: friedrichgymnasium-altenburg.de. Abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref>

„Schmutziger als Kot.
Giftiger als die Schlangen.
Grausamer als Tyrannen.
Familien zerreiß ich Menschen morde ich
Liebenden träufle ich Hass ein
Ein Satan- und doch ein Mensch!
Ein Mensch?“

Weblinks

Literatur

  • Arsenij B. Roginskij u. a. (Hrsg.): „Erschossen in Moskau …“ Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 19501–953. Metropol, Berlin 2005², ISBN 978-3-938690-14-7, S. 278 f.
  • Wolfgang Enke: Hans-Joachim Näther. In: Karl Wilhelm Fricke, Peter Steinbach, Johannes Tuchel (alle Hrsg.): Opposition und Widerstand in der DDR. C. H. Beck, München 2002.
  • Enrico Heitzer: Einige greifen der Geschichte in die Speichen. Jugendlicher Widerstand in Altenburg/Thüringen 1948 bis 1950. Metropol, Berlin 2007.

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Hinweisbaustein