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Haniel (Unternehmerfamilie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Haniel-Wappen Macco.png
Stammwappen der Familie Haniel

Haniel ist der Name einer rheinländischen Unternehmerfamilie aus Duisburg. Nach einer Erhebung des Magazins Wirtschaftswoche zählten die Haniels 2015 zu den 10 reichsten deutschen Unternehmerfamilien.<ref name="reich">Vermögens-Ranking: So reich sind Deutschlands Milliardäre In: Wirtschaftswoche, 22. Juli 2015.</ref>

Geschichte

Die Familie tritt zuerst im Jahr 1554 auf und beginnt ihre Stammreihe mit dem herzoglich braunschweigisch-lüneburgischen Major Joachim Haniel, der am 7. Oktober 1638 in Lüneburg heiratet.<ref>Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band VI, 1987, S. 420–421.</ref>

Datei:Haniel Corporate Governance.jpg
Die Konzernorganisation von Haniel

Der Firmengründer und Kaufmannssohn Jacob Wilhelm Haniel stammte aus Elberfeld und zog in jungen Mannesjahren nach Ruhrort (heute Duisburg). Die Haniels waren zunächst Weinhändler und Spediteure. Jacob W. (oder sein Bruder Peter Friedrich) Haniel betrieben ab 1771 den ersten Kohlenhandel unter dem Namen Haniel. Auch ein erstes Handelshaus wurde 1772 vom Vater seiner Frau Aletta, dem damaligen Ruhrorter Bürgermeister Jan Willem Noot übernommen (das Ruhrorter Packhaus, das heutige Haniel Museum). Die Familie erwarb dann ab 1805 Anteile an der Eisenindustrie. Sohn Franz Haniel war 1834 der erste Unternehmer, der im Ruhrbergbau wagte, die Mergelschicht zu durchbrechen und so den Tiefbergbau vorantrieb. Er war es auch, der den Steinkohlebergbau auf die linksrheinische Seite brachte. Die Haniels blieben lange Zeit mit der Schwerindustrie, darunter Gutehoffnungshütte und MAN AG, verbunden. 1913 wurde das Vermögen der Familie Haniel auf 618,5 Millionen Mark geschätzt, das entsprach 2017: 3,15 Mrd. Euro.<ref>Christoph Neßhöver, manager magazin: Die reichsten Deutschen: Altes Geld. 13. Januar 2017, abgerufen am 28. Juli 2025.</ref> Heute liegen die Schwerpunkte in Beteiligungen oder Besitz von Firmen der Textilindustrie und Handel.

Unternehmen

Das Oberhaupt der Familie, die etwa 680 Gesellschafter zählt, ist Franz Markus Haniel.<ref>Georg Meck: Das Unternehmen steht über dem Individuum. In: FAZ, 1. September 2007 (online)</ref> Seit 2003 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Franz Haniel & Cie. GmbH, von 2007 bis 2016 war er mit Unterbrechungen auch Aufsichtsratsvorsitzender der Metro AG.<ref name="xxl">Martin Scheele: Familie Haniel. XXL-Händler von der Ruhr. In: Manager Magazin, 19. Juli 2005 (online)</ref><ref>Kirsten Bialdiga, Martin Scheele: Franz Markus Haniel - Hüter der Familienwerte. In: Financial Times Deutschland, 21. September 2007 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.)</ref>

Insgesamt besitzt die Erbengemeinschaft Anteile an 800 bis 900 Unternehmen. Der Gesamtumsatz wurde 2014 mit 3944 Millionen Euro angegeben, das Ergebnis (nach Steuern) mit 686 Mio. und die Mitarbeiterzahl mit 11.544.<ref name="haniel.de">Kennzahlen der Haniel Holding (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 4. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.haniel.de)</ref>

Geschäftsjahr 2015<ref name="haniel.de"/>

Übersicht Konzernabschluss

  • Umsatz 3808 Mio. €
  • Operatives Ergebnis 193 Mio. €
  • Ergebnis vor Steuern 174 Mio. €
  • Ergebnis nach Steuern 120 Mio. €
  • Haniel-Cashflow 329 Mio. €
  • Investitionen 1058 Mio. €
  • Bilanzsumme 6847 Mio. €

Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt 2015 (Kopfzahl) 12.930

Das Vermögen der Dynastie beläuft sich geschätzt auf 6,5 Milliarden Euro (Stand 2015).<ref name="reich" />

Geschäftsprinzipien

Bei der Führung ihres Mischkonzerns hält sich die Familie Haniel an gewisse ungeschriebene Regeln als Prinzipien:

  • Nur Familienmitglieder können Gesellschafter des Familienkonzerns werden (die Familienzugehörigkeit kann dabei sowohl von Geburt an, als auch durch Adoption oder Heirat begründet sein). Verkauf oder Vererbung von Unternehmensanteilen geschieht nur innerhalb des Kreises der zurzeit knapp 680 Eigner.
  • Bei Anteilsverkäufen ist der Erbstamm vorzugsberechtigt, entfernteren Verwandten wird erst danach ein Angebot gemacht. Bei der Preisfindung sollen sich die Familienmitglieder an den Gewinnerwartungen orientieren.
  • Familienmitglieder sollen in den Unternehmen der Gruppe keine andere Rolle als die des Gesellschafters einnehmen. Das Management des Konzerns besteht seit 1917 ausschließlich aus Nicht-Familienangehörigen.
  • Aus den Unternehmen des Haniel-Konzerns dürfen sich die Gesellschafter maximal 25 % des Gewinns ausschütten lassen. Der restliche Profit hat im Unternehmen zu verbleiben.<ref name="MM">Das Wertesystem der Haniels aus Manager Magazin, 9. Juni 2008, deutsch</ref>

Gesellschafterversammlung

Die Treffen der Familien finden alljährlich im Frühling statt. Dazu gehört die Gesellschafterversammlung. Die Gesellschafterversammlung, an der meist nicht mehr als 250 Eigner teilnehmen, wählt die Gremien und legt die Höhe der Ausschüttungen fest. Es gibt einen Beirat aus 30 Gesellschaftern, der regelmäßigen Informationsaustausch zu den Eignern unterhält. Dieser Kreis bildet das eigentliche Machtzentrum des Konzerns. Darin vertreten sind neun Repräsentanten größerer Anteilspakete. Acht von ihnen sind gleichzeitig die Kapitalvertreter im mitbestimmten Aufsichtsrat, einer ist Ersatzmitglied.

Alle zwei Jahre veranstaltet die Holding ein Jugendtreffen, bei dem die Junggesellschafter einen der Geschäftsbereiche des Unternehmens kennenlernen (die Altersgrenze liegt bei 40 Jahren).<ref name="MM"/><ref>Familie Haniel: XXL-Händler von der Ruhr. In: Manager Magazin, 10. Juli 2005 (online)</ref>

Stiftung

1988 wurde die Haniel-Stiftung ins Leben gerufen. Das Stiftungsvermögen betrug zu Anfang rd. 10 Millionen DM, heute beläuft es sich auf 250 Millionen Euro. Die Aufgabe der Stiftung ist es talentierten Nachwuchskräften Stipendien zu gewähren, aber auch Hochschulkooperationen, Bildungschancen und Veranstaltungen anzubieten.

Nobilitierungen

  • Eduard Haniel auf Haimhausen wurde am 7. April 1893 als „Haniel von Haimhausen“ in den erblichen bayerischen Adelsstand erhoben.
  • John Haniel auf Landonvillers (Kreis Metz), preußischer Landrat a. D., wurde am 7. Juli 1899 in den preußischen Adelsstand erhoben.
  • Eugen Haniel wurde am 6. Januar 1904 als preußischer Major in den preußischen Adelsstand erhoben. Am 20. Januar 1912 erhielt er in Bayern eine Namen- und Wappenvereinigung mit den Freiherren von Niethammer als „von Haniel-Niethammer“.

Wappen

  • Das Stammwappen zeigt in Blau auf grünem Boden einen rot-bewehrten silbernen Hahn. Auf dem Helm mit blau-silbernen Helmdecken der Hahn zwischen einem blauen Flug.<ref>Gustav Adelbert Seyler, J. Siebmacher’s grosses und allgemeines Wappenbuch, V. Band, 9. Abteilung; Fünfzehnhundert Neun und Fünfzig bürgerliche Wappen, 1912, S. 21, Tafel: 26</ref>
  • Das Wappen von 1893 zeigt innerhalb eines silbernen Bordes in Rot auf grünem Hügel einen schreitenden schwarzen Hahn mit goldenen Kamm, Lappen und Sporen. Auf dem Helm mit rechts rot-silbernen, links schwarz-goldenen Decken ein offener schwarzer Flug.
  • Das Wappen von 1899 zeigt innerhalb eines roten Bordes in Silber auf grünem Dreiberg einen schreitenden rot bewehrten schwarzen Hahn. Auf dem Helm mit rechts schwarz-silbernen, links rot-silbernen Decken ein offener schwarzer Flug.

Familienangehörige

Zur Familie zählen unter anderem<ref>Harold James: Family Capitalism - Wendels, Haniels, Falcks, and the Continental European Model</ref> Vorlage:Stammbaumliste

Heutzutage heißen viele der Familienstämme nicht mehr nur Haniel, sondern auch Böninger, Horstmann oder Libbert.<ref>Harold James: Deutschlands Dynastien. Haniel, der Duisburg-Clan. In: Handelsblatt vom 7. Januar 2011 (online)</ref>

Literatur

  • August Haniel: Zur Geschichte der Familie Haniel. Düsseldorf, 1913, 20 Seiten, mehrere Stammbäume und Beilagen.
  • Erich Haniel: Verwandtschaftstafeln der erweiterten Familie Haniel. Nürnberg, 1951, 22 Blätter und 18 teils mehrfach gefaltete Stammbaumtafeln im Anhang.
  • Max Karl Feiden, Franz Haniel & Cie. GmbH (Hrsg.): Haniel. Duisburg, 1956.
  • Hans Spethmann: Franz Haniel. Sein Leben und seine Werke. Duisburg, 1956.
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band VI, Band 91 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1987, S. 420–421, ISSN 0435-2408.
  • Brigitte Koch: Haniels dürfen bei Haniel nicht arbeiten. Eine wirtschaftliche Keimzelle des Ruhrgebiets. Stuttgart, 1996.
  • Paul Schmidt-Thomé: Fam.Haniel. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 7. Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • Harold James: Familienunternehmen in Europa. Haniel, Wendel und Falck. 2005, C.H. Beck Verlag, ISBN 978-3-406-53510-9.
  • Bernhard Weber-Brosamer, Franz Haniel & Cie. GmbH (Hrsg.): Haniel 1756–2006: Eine Chronik in Daten und Fakten. Duisburg, 2006.
  • Ulrich Viehöver: Die EinflussReichen: Henkel, Otto und Co – Wer in Deutschland Geld und Macht hat. 2006. ISBN 978-3-593-37667-7.
  • Harold James: Wendels, Haniels, Falcks, and the Continental European Model. 2006.

Weblinks

Commons: Haniel – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein