Hafnium(IV)-oxid
| Kristallstruktur | ||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kristallstruktur von Hafnium(IV)-oxid | ||||||||||||||||
| Vorlage:Farbe Hf4+ Vorlage:Farbe O2− | ||||||||||||||||
| Raumgruppe |
P21/c (Nr. 14) | |||||||||||||||
| Allgemeines | ||||||||||||||||
| Name | Hafnium(IV)-oxid | |||||||||||||||
| Andere Namen |
Hafniumdioxid, Hafnia | |||||||||||||||
| Verhältnisformel | HfO2 | |||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
farbloser Feststoff<ref name="alfa" /> | |||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||
| Molare Masse | 210,49 g·mol−1 | |||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||
| Dichte |
9,68 g·cm−3 <ref name="alfa" /> | |||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
2812 °C<ref name="alfa">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Alfa AesarVorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar).</ref> | |||||||||||||||
| Siedepunkt |
5400 °C<ref name="alfa" /> | |||||||||||||||
| Dampfdruck |
gering<ref name="alfa" /> | |||||||||||||||
| Löslichkeit |
nahezu unlöslich in Wasser<ref name="alfa" /> | |||||||||||||||
| Brechungsindex |
2,00 (500 nm)<ref>ltschem.com: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hafnium Oxide ( vom 4. März 2016 im Internet Archive), abgerufen am 2. November 2014.</ref> | |||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C | ||||||||||||||||
Hafniumdioxid ist eine chemische Verbindung aus den Elementen Hafnium und Sauerstoff. Es gehört zur Stoffklasse der Oxide.
Gewinnung und Darstellung
Hafniumdioxid wird durch Glühen des Hydroxids, Oxalats, Oxidchlorids oder Sulfats bei 600–1000 °C dargestellt. Die Hydrolyse von Hf(OR)4 (R = i-Amyl) liefert hochreines Hafniumdioxid.<ref name="brauer">Georg Brauer (Hrsg.): Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearb. Auflage. Band II. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-87813-3, S. 1371.</ref>
Eigenschaften
Hafniumdioxid ist in reinem Zustand ein weißes, mikrokristallines Pulver mit monokliner Kristallstruktur<ref>Robert Ruh, H. J. Garrett, R. F. Domagala, N. M. Tallan: The System Zirconia-Hafnia. In: Journal of the American Ceramic Society. Band 51, 1968, S. 23–27.</ref>, das einen sehr hohen Schmelz- und Siedepunkt sowie eine Dichte von 9,68 g·cm−3 hat. Der Brechungsindex beträgt 1,95 bis 2,00, die Dielektrizitätskonstante der amorphen Form liegt im Bereich von 20 bis 25<ref name="DOI10.1063/1.2387126">Pan Kwi Park, Sang-Won Kang: Enhancement of dielectric constant in HfO2 thin films by the addition of Al2O3. In: Applied Physics Letters. 89, 2006, S. 192905, doi:10.1063/1.2387126.</ref><ref name="DOI10.1007/s00339-005-3208-2">M. N. Jones, Y. W. Kwon, D. P. Norton: Dielectric constant and current transport for HfO2 thin films on ITO. In: Applied Physics A. 81, 2005, S. 285–288, doi:10.1007/s00339-005-3208-2.</ref>. Das Oxid ist praktisch unlöslich in Wasser und organischen Lösungsmitteln.
Es besitzt eine hohe Härte, eine geringe Wärmeausdehnung und ist chemisch Zirkoniumdioxid (ZrO2) sehr ähnlich.<ref name="brauer" /> Die Verbindung hat eine monokline Kristallstruktur mit der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14). Bei 1720 °C geht sie in eine Modifikation mit tetragonalem Kristallsystem<ref name="brauer" /> mit der Raumgruppe P42/nmc (Nr. 137) und bei 2600 °C in eine kubische Form mit der Raumgruppe Fm3m (Nr. 225) über. Die tetragonale Form kann durch Dotierung (zum Beispiel mit Silicium, Germanium, Zink, Titan, Phosphor, Aluminium) stabilisiert werden. Die Formen unterscheiden sich auch in der Dielektrizitätskonstante. So besitzt die monokline Form eine Dielektrizitätskonstante von 16–18, die kubische Form von 30 und die tetragonale Form von 70.<ref name="Daniel Cunningham"></ref> Einige Quellen berichten auch von einer weiteren orthorhombischen Form.<ref>P. Rauwel, E. Rauwel: Probing the Electronic Structure of HfO2 polymorphs via Electron Energy Loss Spectroscopy. In: A. Méndez-Vilas (Hrsg.): Microscopy: Advances in scientific research and education. Band 6, 2014, S. 875–886.</ref>
Ferroelektrisches Hafniumoxid
In dünnen dielektrischen Hafniumdioxid-Schichten kann mittels Dotierung und der Erzeugung von Schichtspannungen eine Phase mit ferroelektrischer orthorhombischer Kristallstruktur erzeugt werden<ref name=":0">Ferroelectricity in hafnium oxide thin films. In: Applied Physics Letters. Band 99, Nr. 10, 5. September 2011, S. 102903, doi:10.1063/1.3634052.</ref>. Aufgrund der bereits weiten Verbreitung von Hafniumoxid als High-k-Dielektrika und der sehr guten CMOS-Kompatibilität ergeben sich neue Anwendungen als Halbleiterspeicher (FeFET, FRAM, FeCap). Solche ferroelektrischen Hafniumoxid-Schichten ermöglichen die Herstellung sehr schneller und energieeffizienter nichtflüchtiger Halbleiterspeicher, vor allem für den Einsatz in mobilen Endgeräten und dem Internet der Dinge. Erste ferroelektrische Speicher auf Basis der ferroelektrischen Verbindung Blei-Zirkonat-Titanat (PZT) konnten sich auf Grund mangelnder Skalierbarkeit und der schwierigen Integrierbarkeit von Blei in den CMOS-Prozess nicht durchsetzen. Ferroelektrisches Hafniumoxid hingegen ermöglicht eine wesentliche Verringerung der Strukturgröße im Vergleich zu PZT unter Verwendung etablierter Materialien<ref>J. Müller, E. Yurchuk, T. Schlösser, J. Paul, R. Hoffmann: Ferroelectricity in HfO2 enables nonvolatile data storage in 28 nm HKMG. In: 2012 Symposium on VLSI Technology (VLSIT). 1. Juni 2012, S. 25–26, doi:10.1109/VLSIT.2012.6242443.</ref>, sodass bereits ferroelektrische Feldeffekttransistoren (FeFET) mit 28 nm Gatelänge hergestellt werden konnten.
Entstehung der ferroelektrischen Kristallphase
Mit Atomlagenabscheidung hergestellte, dünne amorphe Hafniumdioxidschichten (< 20 nm) kristallisieren nach der Temperung in der nicht ferroelektrischen monoklinen Phase<ref name=":0" />. Mit Hilfe von Metallelektroden, welche die Hafniumdioxid-Schicht umschließen, kann eine Spannung in der Schicht von mehreren Gigapascal induziert werden. Diese ermöglicht beim Abkühlen die Transformation der monoklinen Kristallphase in die orthorhombische und tetragonale. Diese Transformation kann durch Dotierung der Schicht mit zum Beispiel Silizium, Yttrium und Zirconium unterstützt werden<ref name=":1">Ferroelectric Zr0.5Hf0.5O2 thin films for nonvolatile memory applications. In: Applied Physics Letters. Band 99, Nr. 11, 12. September 2011, S. 112901, doi:10.1063/1.3636417.</ref><ref>Ferroelectricity in yttrium-doped hafnium oxide. In: Journal of Applied Physics. Band 110, Nr. 11, 1. Dezember 2011, S. 114113, doi:10.1063/1.3667205.</ref>. Die orthorhombische Phase weist eine nicht zentrosymmetrische Kristallachse auf. Diese ermöglicht die Positionsänderung von Sauerstoffionen zwischen zwei stabilen Gitterplätzen im Kristallgitter durch Einwirken eines elektrischen Felds und erzeugt einen dielektrischen Verschiebungsstrom (Polarisation). Der Einfluss der Schichtspannung auf die Kristallphase sinkt mit steigender Schichtdicke, sodass dicke Schichten trotz Metallelektroden in der monoklinen Phase kristallisieren und die remanente Polarisation sinkt. Dünne Schichten im Bereich von 10 bis 15 nm weisen hingegen die besten ferroelektrischen Eigenschaften auf. Bei diesen Schichtdicken ist jedoch der Einfluss eines eventuellen Leckstromes durch die Schicht nicht zu vernachlässigen.
Zirkonoxiddotiertes Hafniumoxid
Das Mischoxid aus dem monoklinen Hafniumoxid und Zirkonoxid zeigt über einen breiten Mischungsbereich von ca. 25–75 % Zirkonoxidanteil im Hafniumoxid ferroelektrisches Verhalten. Dabei wird die maximale remanente Polarisation bei 50 % Zirkonoxidanteil erreicht<ref name="10.1016/j.mee.2017.04.031">Terence Mittmann, Franz P. G. Fengler, Claudia Richter, Min Hyuk Park, Thomas Mikolajick: Optimizing process conditions for improved Hf1 – xZrxO2 ferroelectric capacitor performance. In: Microelectronic Engineering (= Special issue of Insulating Films on Semiconductors (INFOS 2017)). Band 178, 25. Juni 2017, S. 48–51, doi:10.1016/j.mee.2017.04.031.</ref>. Beginnend beim reinen Hafniumoxid findet mit steigender Zirkonbeimischung eine Transformation von der paraelektrischen monoklinen Phase des Hafniumoxid in die ferroelektrische orthorhombische Phase des Hafniumzirkonoxids statt. Ein weiterer Anstieg der Zirkonkonzentration führt zu einer weiteren Phasentransformation in die antiferroelektrische tetragonale Phase,<ref name="10.1016/j.mee.2017.04.031" /> welche auch das reine Zirkonoxid zeigt.
Verwendung
Verwendet wird Hafniumdioxid in der Halbleiterproduktion als High-k-Dielektrikum oder als Vergütungs- oder Spiegelmaterial in der optischen Industrie.
Aufgrund seiner gegenüber Siliciumdioxid erhöhten Dielektrizitätskonstante kann Hafniumdioxid als Werkstoff z. B. bei der Produktion von Halbleiterbausteinen mit 45 nm-Struktur das bisher verwendete Siliciumdioxid ersetzen,<ref>NZZ Online: (Noch) keine Grenzen für das Mooresche Gesetz, 23. Mai 2007.</ref> um CMOS-kompatible Speicher<ref name="HFO1">Nivole Ahner: Mit HFO2 voll CMOS-kompatibel. Hrsg.: elektronik industrie. August 2018.</ref> und FeFETs zu fertigen<ref name="HAF1">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>.
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:EG-Nummer abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:ECHA-InfoCard-ID abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:PubChem abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:DrugBank fehlt lokal
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:CAS-Nummer fehlt lokal
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Hafniumverbindung
- Oxid
- Beschichtungswerkstoff
- Werkstoff der Halbleiterelektronik