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Günther Krause

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Datei:Bundesarchiv Bild 183-1990-0711-300, Günther Krause (CDU) (cropped).jpg
Günther Krause, 1990

Günther Krause (* 13. September 1953 in Halle (Saale), DDR) ist ein deutscher Ingenieur und ehemaliger Politiker (CDU). Er war 1990 Parlamentarischer Staatssekretär beim Ministerpräsidenten der DDR und mit Wolfgang Schäuble Verhandlungsführer beim deutsch-deutschen Einigungsvertrag, von 1990 bis 1991 Bundesminister für besondere Aufgaben und von 1991 bis zu seinem Rücktritt 1993 Bundesminister für Verkehr. Sein Leben ab 1990 ist geprägt von Affären und finanziellen Betrügereien.<ref>Neues vom Bundesverkehrsminister a. D. »Sie sind doch bescheuert!«, von Adrian-Basil Mueller, Spiegel TV 23. Februar 2022.</ref>

Leben und Beruf

Datei:Bundesarchiv Bild 183-1990-0831-031, Berlin, Einigungsvertrag, Schäuble, Krause.jpg
Einigungsvertrag: Wolfgang Schäuble, Lothar de Maizière und Günther Krause, 1990

Nach dem Abitur 1972 leistete Krause seinen Wehrdienst bei der NVA ab und absolvierte dann von 1974 bis 1978 ein Studium an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar (heute Bauhaus-Universität), Sektion Rechentechnik und Datenverarbeitung, das er als Diplom-Ingenieur beendete. Von 1978 bis 1982 arbeitete er beim VEB Wohnungsbaukombinat in Rostock. Von 1982 bis 1990 war er an der Ingenieurhochschule in Wismar tätig. 1984 erfolgte mit der Dissertation Ein Beitrag zur automatengestützten Projektierung in der Wandbauweise seine Promotion zum Dr.-Ing. an der Hochschule für Architektur und Bauwesen. Im Jahr 1987 erwarb er in Wismar zusätzlich den Dr. sc. techn., das Thema der Arbeit war diesmal Eine einheitliche CAM/CAP-Entwicklungstechnologie – die Voraussetzung zur dezentralen Nutzung der Mikrorechentechnik in der Seeverkehrswirtschaft.

Im Jahre 1990 wurde Krause zum Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Wismar berufen. Seit 1993 betrieb er als selbständiger Unternehmer eine Firma für Heizkostenabrechnung in Osteuropa. 1994 erwarb er 50 % der Bank Companie Nord und übernahm den Vorsitz in deren Aufsichtsrat.<ref>Karriere: Abschluß mit Champagner. In: Der Spiegel. Nr. 33, 1994 (online).</ref> Ebenfalls 1994 war er kurzzeitig im Aufsichtsrat der I.G. Farbenindustrie AG i. A. Als Geschäftsführer leitete er die Unternehmensberatung IBP GmbH, ab 2008 mit Zweigniederlassung, ab 2013 mit Hauptsitz in Brandenburg-Kirchmöser.<ref name="IBP" /> Diese wollte aus Abfällen Verbrennungsöl erzeugen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />www.homment.com/Prof. Dr. Guenther Krause (Memento vom 8. Juli 2015 im Internet Archive)</ref> Im Juni 2016 wurde vom Amtsgericht Potsdam das Insolvenzverfahren über das Vermögen seines Unternehmens eingeleitet.<ref>Anhaltspunkte für Insolvenzverschleppung? – Ex-Minister Günther Krause ist erneut pleite. In: maz-online.de. Märkische Allgemeine Zeitung, 17. Juni 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Januar 2018; abgerufen am 1. Januar 2018.</ref><ref>Brandenburg an der Havel – Gläubiger von Ex-Minister warten auf ihr Geld. In: maz-online.de. Märkische Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 1. Januar 2018.</ref><ref name="TP 2018">Strafbefehl gegen Ex-Minister Günther Krause im Bann der Neutrinos. In: Der Tagesspiegel, 28. März 2018</ref>

Krause ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Neutrino Deutschland GmbH<ref>Scientific Advisory Board. Abgerufen am 31. Dezember 2020.</ref>, einem Unternehmen, das mit beschichteten Metallen aus Neutrinos elektrische Energie zu gewinnen vorgibt. Stand der Forschung ist allerdings, dass die „Gewinnung von Gleichstrom aus Sonnenenergie, insbesondere Neutrinostrahlung, den gängigen physikalischen Gesetzen“ widerspricht.<ref>Harald Lesch: Neutrinos als unendliche Energiequelle? In: YouTube. Terra X Lesch & Co, 16. Oktober 2019, abgerufen am 6. Januar 2020.</ref><ref name="Spiegel 2018">Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch, Jörg Schmitt: Ermittlungsverfahren gegen Ex-Minister Günther Krause : Wunder sind seine Spezialität. In: Der Spiegel 9/2018, 25. Februar 2018, abgerufen am 6. Januar 2020.</ref><ref name="HAZ 2018"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ex-Minister Krause: „Eine Wende wie die DDR hätte der Westen gar nicht hingekriegt“. (Memento vom 14. Oktober 2019 im Internet Archive) Bei: haz.de, 29. Dezember 2018</ref><ref name="TP 2018" /> Die vermeintliche Energiegewinnung durch Neutrinos thematisiert er auch in seinem 2020 erschienenen Buch Das ewige Licht: Der Beginn eines neuen Zeitalters.<ref>Günther Krause: DAS EWIGE LICHT. 1. Auflage. Weltbuch Verlag, 2020, ISBN 978-3-906212-56-2.</ref>

Ab dessen Gründung 1995 bis 1997 war Krause Vorsitzender des Yachtclubs Berlin-Grünau.<ref name="vr-hd">Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg, Eintrag „Yachtclub Berlin-Grünau“ (VR 15630), historischer Abdruck (abgerufen von handelsregister.de am 2. Januar 2025).</ref>

Im Januar 2020 war er als Kandidat in der 14. Staffel der RTL-Sendung Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! zu sehen<ref>RTL stellt Kandidaten vor: Ex-Minister Krause zieht ins Dschungelcamp. In: Spiegel Online. 1. Januar 2020 (spiegel.de [abgerufen am 1. Januar 2020]).</ref> – schied aber bereits nach dem ersten Tag wegen gesundheitlicher Probleme aus.

Günther Krause hat drei Kinder, vier Enkel und ist seit April 2004 in zweiter Ehe mit Heike Krause-Augustin verheiratet. Zunächst wohnte er in Börgerende-Rethwisch, ab 2008 mit Nebenwohnung und von 2013 bis 2017 mit Hauptwohnung in Brandenburg-Kirchmöser<ref name="IBP"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Krause wird ein Brandenburger. (Memento vom 21. Juni 2016 im Internet Archive) In: Märkische Allgemeine, 5. November 2013.</ref> sowie von 2017 bis 2018 in Fincken-Knüppeldamm.<ref name="Spiegel 2018" /><ref name="HAZ 2018" /> Seit 2018 lebt er in Werder (Havel).<ref name="HAZ 2018" />

Partei und Abgeordneter

Krause trat 1975 der CDU bei, einer Blockpartei der DDR. Von 1987 bis 1989 war er CDU-Kreisvorsitzender im Kreis Bad Doberan. Im März 1990 wurde er zum Vorsitzenden des neugegründeten Landesverbandes der CDU in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Diese Funktion hatte er bis zu seinem Rücktritt 1993 inne. Seine Nachfolgerin wurde Angela Merkel.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte der CDU Mecklenburg-Vorpommern (Memento vom 2. April 2013 im Internet Archive) auf der Website des Landesverbandes, abgerufen am 13. August 2014.</ref> Ab der freien Parlamentswahl am 18. März 1990 gehörte Günther Krause der Volkskammer an und ab dem 10. April 1990 als Nachfolger von Lothar de Maizière Vorsitzender der dortigen CDU/DA-Fraktion. Wenige Tage vor dem 3. Oktober sorgte Krause dafür, dass Reporter bei einer Beratung von Abgeordneten über die namentliche Nennung von Mitgliedern der Staatssicherheit (Stasi) aus dem Saal geschickt wurden und forderte sie vorher auf, den Mitschnitt zu löschen: „Wenn Sie das nicht machen, werde ich Sie verklagen“.<ref>Spiegel-TV: „2. Oktober 1990 – Der letzte Tag der DDR“</ref>

Zum 3. Oktober 1990 wurde Krause des Mitglied des Deutschen Bundestages. Bei der Bundestagswahl 1990 gewann er mit 45,2 % der Stimmen das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Wismar/Doberan. Bei der Bundestagswahl 1994 trat Krause nicht mehr an und schied aus dem Bundestag aus. Zur Bundestagswahl 1998 trat er erneut an, unterlag aber seinem SPD-Wettbewerber Dirk Manzewski.<ref name="Der tiefe Fall">Porträt: Der tiefe Fall des Günther Krause auf spiegel.de</ref><ref>Vera Gaserow: Robin Hood des Ostens. In: Die Zeit. Nr. 15, 1998 (zeit.de).</ref>

Öffentliche Ämter

Von Mitte April bis zum 2. Oktober 1990 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Amt des Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière. In dieser Funktion war er auch ab dem 6. Juli 1990<ref>Chronik auf der Website der Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/deutsche-einheit/verhandlungen-ueber-den-einigungsvertrag-beginnen-438424.</ref> auf der ostdeutschen Seite Verhandlungsführer bei den Gesprächen über den deutsch-deutschen Einigungsvertrag und unterschrieb diesen am 31. August 1990 zusammen mit Wolfgang Schäuble. In der Eigentumsfrage bezog Günther Krause eine differenzierte Position. Auf der einen Seite wollte er sicherstellen, dass das Agrarland aus der Bodenreform, soweit es privates Eigentum von DDR-Bürgern (auch durch Vererbung) geworden war, nicht wieder weggenommen werden kann. Ihm und der DDR-Regierung ging es insbesondere um die Sicherung von 40 Jahren Heimatrecht der DDR-Bürger sowie den Schutz der von ihnen erworbenen Grundstücke. Der Schutz derjenigen DDR-Bürger, die sich durch Kauf oder ihre privilegierte Funktion ein Grundstück angeeignet hatten, sollte nach seiner Ansicht auf jeden Fall Vorrang haben. Deswegen setzte er sich dafür ein, dass die Industrie- und Bodenreform 1945–1949 nicht rückgängig gemacht werden kann.<ref>Johannes Ludewig: Unternehmen Wiedervereinigung. Von Planern, Machern, Visionären. Osburg Verlag, Hamburg 2015, ISBN 978-3-95510-076-6. S. 35</ref> In dieser Zeit waren über 10.000 Betriebe enteignet worden und viele Unternehmer danach in die Westzonen geflüchtet. Krause setzte sich hier dafür ein, dass in der Gemeinsamen Regierungserklärung vom 15. Juni 1990 von Entschädigungen statt Rückgabe die Rede ist. Wolfgang Schäuble modifizierte dies und ersetzte das Wort Entschädigung durch das Wort Ausgleichsleistungen.<ref>Wolfgang Schäuble: Der Vertrag. Wie ich über die deutsche Einheit verhandelte. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München Januar 1993, ISBN 3-426-77027-X. S. 254–257</ref> Krause trug wesentlich dazu bei, dass der Vertrag in sieben Wochen ausgehandelt werden konnte.<ref>Johannes Ludewig: Unternehmen Wiedervereinigung. Von Planern, Machern, Visionären. Osburg Verlag, Hamburg 2015, ISBN 978-3-95510-076-6, S. 31–39.</ref> Dies war die Voraussetzung, um die Wiedervereinigung in kurzer Zeit zu vollenden. Es gab auch Stimmen, die sofort nach Artikel 23 des Grundgesetzes beitreten wollten, ohne gesonderten Einigungsvertrag (Antrag der DSU) und Stimmen, die einen deutlich verlangsamten Beitritt befürworteten.

Nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde er als Bundesminister für besondere Aufgaben in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Nach der Bundestagswahl 1990 wurde er am 18. Januar 1991 zum Bundesminister für Verkehr ernannt. In dieser Funktion trug er wesentlich dazu bei, dass es verkürzte Planungsverfahren in Ostdeutschland gab, z. B. konnte der Bau der Ostsee-Autobahn A20 in Mecklenburg-Vorpommern in relativ kurzer Zeit fertiggestellt werden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Internet-Zeitung Rostock: Ein Orden in Kiew. (Memento vom 8. Juli 2015 im Internet Archive)</ref> Nach dem Rücktritt des Bundespostministers Christian Schwarz-Schilling wurde er am 17. Dezember 1992 von Bundeskanzler Helmut Kohl mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Bundesministers für Post und Telekommunikation beauftragt,<ref name="schwarzschilling-krause">Post und Telekommunikation, Allgemeines Januar bis Dezember 1992. In: Post und Telekommunikation. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juni 2010; abgerufen am 7. Oktober 2013.</ref> die er bis zur Ernennung eines Nachfolgers am 21. Januar 1993 übernahm.<ref name="krause-bötsch">Post und Telekommunikation, Allgemeines Januar bis Dezember 1993. In: Post und Telekommunikation. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. Juli 2013; abgerufen am 7. Oktober 2013.</ref> Im Bundestag setzte er sich für eine Wiedergutmachung der Enteignungen aus den Jahren 1945–1949 ein. Mit den Abgeordneten Hans H. Gattermann (FDP), Rupert Scholz (CDU) und Wilhelm Rawe (CDU) erarbeitete er die Gesetzesinitiative „Ausgleichszertifikatsmodell“.<ref>BT-Drs. 12/7588: Beschlußempfehlung und Bericht des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages. Ausgleichszertifikat, S. 32/33, 18. Mai 1994, abgerufen am 6. Januar 2020.</ref> Nach diesem sollte bei Wegfall der Vermögensabgabe bis zum Jahre 2003 auf der Grundlage fiktiver Verkehrswerte per 3. Oktober 1990 in Sachwerten entschädigt werden, danach in Bruchteilen des Verkehrswertes in Geld. Das Ausgleichszertifikatsmodell wurde im Bundestag gelesen, danach in den Finanzausschuss geleitet, dort abgelehnt bzw. im Vermittlungsausschuss abgeändert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />BT-Plenarprotokoll 12/158, S. 13361B – 13387C, 13. Mai 1993 (Memento vom 15. Juli 2015 im Internet Archive)</ref> Diesem Konzept wurde insbesondere deshalb nicht zugestimmt, da die zeitnahe Einlösung der Ausgleichszertifikate zu einer unmittelbaren Belastung des Bundeshaushaltes geführt hätte. Außerdem waren die neuen Bundesländer der Auffassung, das Coupon-Modell führe zu einer ungerechtfertigten Bevorzugung der Alteigentümer.

Krause kandidierte 1995 für das Amt des Oberbürgermeisters von Rostock, unterlag aber dem Kandidaten der SPD Arno Pöker.<ref name="Der tiefe Fall" />

Am 10. Januar und am 28. Oktober 1999 gab Günther Krause zwei eidesstattliche Versicherungen ab. Er wandte sich in der ersten eidesstattlichen Versicherung gegen die Behauptung, die Sowjetunion hätte für ihre Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung zur Bedingung gemacht, dass die Vermögenswerte, die in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945 bis 1949 enteignet worden seien, nicht zurückgegeben werden dürfen. Er bestätigte, dass die Sowjetunion keinesfalls auf einer solchen Regelung bestanden, sondern dies als „innerdeutsche“ Frage aufgefasst habe.<ref>Gernot Biehler: Auswirkungen auswärtiger Interessen im innerstaatlichen Recht, Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2005, ISBN 978-3-16-148447-6, S. 77 (Interpretation der eidesstattlichen Versicherungen von Günther Krause).</ref><ref>Udo Madaus: …damit die Wahrheit nicht vergessen wird! Frieling & Huffmann GmbH & Co.KG, Berlin 2014, ISBN 978-3-8280-3180-7, S. 104–106, eidesstattliche Versicherungen von Günther Krause im Wortlaut.</ref> In der zweiten eidesstattlichen Versicherung wehrte er sich gegen die Interpretation seiner ersten Aussage durch das Bundesverwaltungsgericht, ohne ihn anzuhören.<ref>kpkrause: Unterdrückte Verbrechen und zwei Lügen.</ref> Mit dieser Einschätzung bestätigte er Aussagen von Michail Gorbatschow vom 1. März 1998<ref>Enteignet für die Einheit? Der Kampf um das alte Eigentum. Bundesverband Deutscher Landwirte e. V., abgerufen am 21. September 2017.</ref><ref>ARD auf YouTube: Gorbatschow dementiert Wiedervereinigungs Story von Kohl.</ref> und Außenminister Eduard Schewardnadse.<ref>Berliner Zeitung: Bodenreform war kein Verhandlungsthema.</ref>

Affären, Gerichtsverfahren, Verurteilungen

Krause schied am 13. Mai 1993 aus dem Amt des Verkehrsministers aus und trat bald darauf auch vom Vorsitz der CDU in Mecklenburg-Vorpommern zurück. Grund waren mehrere in der Öffentlichkeit als Affären behandelte Vorgänge:<ref>Winfried Hammelmann, Sven Northeim: Die Selbstbedienungsrepublik. Steckbriefe: Unsere Skandalpolitiker und ihre Affären. Vito von Eichborn, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-8218-1189-7, Günther Krause: Abonnement auf Affären, S. 79.</ref>

  • „Raststättenaffäre“ (1991): Verkauf der ostdeutschen Autobahnraststätten 1990 an die niederländische Hotelkette Van der Valk<ref>Lizenz zum Gelddrucken. Auf spiegel.de, vom 1. Juli 1991.</ref>
  • „Autobahnaffäre“ (1991): Krause soll die Bevorzugung des Unternehmens Kracon für den Bau der neuen A 20 bewirkt haben.
  • „Umzugsaffäre“ (1991): Sein Umzug vom DDR-Dienstsitz Berlin an den vormaligen Familienwohnsitz Börgerende, den er sich vom Staat mit rund 6000 DM finanzieren ließ. Der Bundesrechnungshof beanstandete die Erstattung der Umzugskosten nach einer Prüfung allerdings nicht.<ref>Andreas Montag: Können keine neue Mauer bauen. Mitteldeutsche Zeitung, 1. Oktober 2010, Teaser abgerufen am 6. Januar 2019, Gesamtansicht anmelde- oder kostenpflichtig.</ref><ref>siehe auch Rainer Blasius (FAZ, 8. Dezember 2014): Straußens Mut, Krauses Maut</ref>
  • „Putzfrauenaffäre“ (1992/3): Krause und seine Frau sollen beim Arbeitsamt für die langzeitarbeitslose Putzfrau Zuschüsse beantragt haben und vom Amt eine zu hohe Förderung der Lohnkosten erhalten haben. Letztlich ließ sich auch hier kein Fehler in der Förderung feststellen.

Krause musste im Jahr 2001 einen Offenbarungseid leisten. In einem Strafverfahren vor dem Landgericht Rostock zur Aufarbeitung der millionenschweren Insolvenz seines Unternehmens Aufbau Invest wurde er zunächst am 23. Dezember 2002 in erster Instanz zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.<ref>Handelsblatt: Revisionsantrag stattgegeben, BGH hebt Urteil auf.</ref> Zur Last gelegt waren ihm Insolvenzverschleppung, Untreue, Betrug und Steuerhinterziehung. Dieses Urteil wurde am 7. Juli 2004 vom Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben und das Verfahren an das Landgericht Rostock zu neuer Verhandlung zurückverwiesen. Er wurde in 25 von 27 Tatvorwürfen nicht verurteilt, weil die meisten Tatvorwürfe verjährt waren.<ref>Jörg Schmitt, Gunther Latsch, Jürgen Dahlkamp, Rafael Buschmann: Günther Krause: Der abenteuerliche Abstieg des Ex-Verkehrsministers. In: Spiegel Online. 25. Februar 2018, abgerufen am 27. Januar 2024.</ref><ref>Manager-Magazin: Bewährung für Günther Krause.</ref> Das Landgericht Rostock verurteilte ihn am 30. Oktober 2007 zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten. Die Revision dieses Urteils (wieder durch den 5. Strafsenat des BGH) endete am 24. März 2009 durch Beschluss mit der teilweisen Einstellung des Verfahrens und der Abänderung der Urteilsfassung des Landgerichts dahin, dass Krause wegen Betruges und vorsätzlichen Verstoßes gegen die Konkursantragspflicht zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt sei, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.<ref>Kurz vermeldet: Recht. nach dpa auf verkehrsrundschau.de, vom 14. April 2009.</ref><ref>Auferstanden aus Ruinen. In: Der Spiegel 10/2010, 8. März 2010.</ref>

Krause und seine Frau bewohnten über ein Jahr lang eine Luxusvilla an der Mecklenburgischen Seenplatte, ohne den Kaufpreis von 459.000 Euro dafür zu bezahlen. Der Verkäufer erwirkte gerichtlich den Auszug.<ref>Norbert Koch-Klaucke: Das Schuldendrama von Günther Krause. In: berliner-zeitung.de. 19. Januar 2020, abgerufen am 24. Februar 2022.</ref> Kurz vor einer Zwangsräumung zogen sie aus.

Krause geriet auch wegen weiterer Betrugsfälle in die Schlagzeilen, etwa wegen Geldes, das er sich für den Erwerb einer Küche geliehen hatte und nicht zurückzahlte.<ref>Spiegel TV: Schuldner der besonderen Art: Neues von Ex-Verkehrsminister Krause auf YouTube, 24. Februar 2022.</ref>

In einem weiteren Bankrott- und Betrugsprozess vor dem Landgericht Rostock wurde Krause vorgeworfen, er habe Vermögen in einem Insolvenzverfahren verheimlicht und Darlehensgeber über seine Zahlungsfähigkeit und Zahlungsbereitschaft getäuscht. Im September 2023 gestand Krause die Tatvorwürfe<ref>Günther Krause legt Geständnis ab. In: spiegel.de. 4. September 2023, abgerufen am 4. September 2023.</ref> und wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt.<ref>n-tv Nachrichten: "Mann der deutschen Einheit" zur Bewährung verurteilt. Abgerufen am 28. September 2023.</ref> Die Verurteilung ist durch die mit Beschluss vom 29. Mai 2024 erfolgte weitestgehende Verwerfung der Revision rechtskräftig.<ref>Urteil des Landgerichts Rostock gegen früheren Bundesminister rechtskräftig, Pressemitteilung Nr. 123/2024 vom 5. Juni 2024 des Bundesgerichtshofs, abgerufen am 7. Juni 2024.</ref>

Literatur

  • Oliver Dürkop (Hrsg.): Günther Krause: Rückblick. Im Gespräch mit Oliver Dürkop. winterwork Verlag, Borsdorf 2023, ISBN 978-3-9891303-2-6. (Umfassende Einführung, Interview mit Wolfgang Schäuble, Unterredungen mit Krause, Fotomaterial sowie einschlägige Dokumente wie Reden, Verträge, Urkunden und Zeugnisse.)
  • Johannes Ludewig: Unternehmen Wiedervereinigung. Von Planern, Machern, Visionären. Osburg Verlag, Hamburg 2015, ISBN 978-3-95510-076-6. (Ausführliches Buch über den Einigungsvertrag, persönliche Überzeugungen, Hintergründe und ein eigenes Kapitel über Günther Krause.)
  • Wolfgang Schäuble: Der Vertrag. Wie ich über die deutsche Einheit verhandelte. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1993, ISBN 3-426-77027-X. (Buch über den Einigungsvertrag aus Sicht von Wolfgang Schäuble und ein eigenes Kapitel über Günther Krause, S. 140–149 sowie viele weitere Erwähnungen.)
  • Constanze Paffrath: Macht und Eigentum Böhlau Verlag, Köln 2004, ISBN 3-412-18103-X. (Ausführungen zum Einigungsvertrag, zur Gemeinsamen Erklärung und viele zu Günther Krause S. 90–96, 101, 106, 131, 143, 157, 162, 174, 243, 298 und mehr)
  • Helmut Müller-Enbergs: Krause, Günther. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, S. Vorlage:VonBis (bundesstiftung-aufarbeitung.de).

Weblinks

Commons: Günther Krause – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Franz Josef Strauß (CSU, 1953–1955) | Robert Tillmanns (CDU, 1953–1955) | Waldemar Kraft (GB/BHE, 1953–1956) | Hermann Schäfer (FDP, 1953–1956) | Heinrich Krone (CDU, 1961–1964) | Ludger Westrick (CDU, 1964–1966) | Horst Ehmke (SPD, 1969–1972) | Egon Bahr (SPD, 1972–1974) | Werner Maihofer (FDP, 1972–1974) | Wolfgang Schäuble (CDU, 1984–1989) | Hans Klein (CSU, 1989–1990) | Rudolf Seiters (CDU, 1989–1991) | Lothar de Maizière (CDU, 1990) | Sabine Bergmann-Pohl (CDU, 1990–1991) | Günther Krause (CDU, 1990–1991) | Rainer Ortleb (FDP, 1990–1991) | Hansjoachim Walther (DSU, 1990–1991) | Friedrich Bohl (CDU, 1991–1998) | Bodo Hombach (SPD, 1998–1999) | Thomas de Maizière (CDU, 2005–2009) | Ronald Pofalla (CDU, 2009–2013) | Peter Altmaier (CDU, 2013–2018) | Helge Braun (CDU, 2018–2021) | Wolfgang Schmidt (SPD, 2021–2025) | Thorsten Frei (CDU, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Hans-Christoph Seebohm (DP/CDU, 1949–1966) | Georg Leber (SPD, 1966–1972) | Lauritz Lauritzen (SPD, 1972–1974) | Kurt Gscheidle (SPD, 1974–1980) | Volker Hauff (SPD, 1980–1982) | Werner Dollinger (CSU, 1982–1987) | Jürgen Warnke (CSU, 1987–1989) | Friedrich Zimmermann (CSU, 1989–1991) | Günther Krause (CDU, 1991–1993) | Matthias Wissmann (CDU, 1993–1998) | Franz Müntefering (SPD, 1998–1999) | Reinhard Klimmt (SPD, 1999–2000) | Kurt Bodewig (SPD, 2000–2002) | Manfred Stolpe (SPD, 2002–2005) | Wolfgang Tiefensee (SPD, 2005–2009) | Peter Ramsauer (CSU, 2009–2013) | Alexander Dobrindt (CSU, 2013–2017) | Christian Schmidt (CSU, komm. 2017–2018) | Andreas Scheuer (CSU, 2018-2021) | Volker Wissing (FDP/parteilos, 2021-2025) | Patrick Schnieder (CDU, seit 2025) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Hans Schuberth (CSU, 1949–1953) | Siegfried Balke (parteilos/CSU, 1953–1956) | Ernst Lemmer (CDU, 1956–1957) | Richard Stücklen (CSU, 1957–1966) | Werner Dollinger (CSU, 1966–1969) | Georg Leber (SPD, 1969–1972) | Lauritz Lauritzen (SPD, 1972) | Horst Ehmke (SPD, 1972–1974) | Kurt Gscheidle (SPD, 1974–1982) | Hans Matthöfer (SPD, 1982) | Christian Schwarz-Schilling (CDU, 1982–1992) | Günther Krause (CDU, komm. 1992–1993) | Wolfgang Bötsch (CSU, 1993–1997) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

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Reinhold Lobedanz (1945–1952) | Günther Krause (1990–1993) | Angela Merkel (1993–2000) | Steffie Schnoor (2000–2001) | Eckhardt Rehberg (2001–2005) | Jürgen Seidel (2005–2009) | Lorenz Caffier (2009–2017) | Vincent Kokert (2017–2020) | Eckhardt Rehberg (2020, kommissarisch) | Michael Sack (2020–2021) | Eckhardt Rehberg (2021–2022, kommissarisch) | Franz-Robert Liskow (2022–2024) | Daniel Peters (seit 2024)

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