Guten Abend, gut’ Nacht
Datei:Guten Abend, gut Nacht.mid
Guten Abend, gut’ Nacht ist ein seit Beginn des 19. Jahrhunderts bekanntes Gedicht deutschsprachiger Volkspoesie. In der Vertonung von Johannes Brahms unter dem Titel Wiegenlied wurde es zu einem der bekanntesten deutschen Schlaflieder.
Die Dichtung
Text
<poem style="margin-left:2em;"> Guten Abend, gut’ Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck’: Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt.
Guten Abend, gut’ Nacht, von Englein bewacht, die zeigen im Traum dir Christkindleins Baum. Schlaf nun selig und süß, schau im Traum ’s Paradies. </poem>
Textgeschichte
Die erste Strophe erschien in ihrer heute bekannten Form erstmals 1808 unter dem Titel Gute Nacht, mein Kind! im dritten Band der von Achim von Arnim und Clemens Brentano herausgegebenen Sammlung Des Knaben Wunderhorn.<ref name="Wunderhorn" />
<poem style="margin-left:2em;"> Gute Nacht, mein Kind!
Guten Abend, gute Nacht, Mit Rosen bedacht, Mit Näglein besteckt, Schlupf’ unter die Deck’, Morgen früh, wenns Gott will, wirst du wieder geweckt.<ref name="Wunderhorn" /> </poem>
Der hochdeutsche Text wurde von Brentano verfasst;<ref name="Liederquell" /> die unmittelbare Vorlage war eine niederdeutsche Textfassung, die acht Jahre zuvor in Johann Friedrich Schützes Holsteinischem Idiotikon erschienen war:<ref name="Rölleke" />
<poem style="margin-left:2em;"> Godn Abend gode Nacht, mit Rosen bedacht, mit Negelken besteeken, krup ünner de Deeken, Morgen frö wills God, wöl wi uns wedder spreeken.<ref name="Idiotikon" /> </poem>
Für eine Verbreitung des Textes besonders im niederdeutschen Raum sprechen weitere, wenn auch später aufgezeichnete Fassungen, die 1897 bei Franz Magnus Böhme abgedruckt sind.<ref name="Böhme" />
Die Motivik geht dabei auf das Spätmittelalter zurück. Ein seit dem 15. Jahrhundert in mehreren Varianten in Liebesbriefen überlieferter Gutenachtwunsch lautet:
<poem style="margin-left:2em;"> Got geb euch eine gute nacht von rosen ein dach von liligen ein pet von feyal ein deck von muschschat ein tuer von negellein ein rigelien dar für<ref name="Schulz-Grobert" /><ref name="Leyser" /><ref name="Meyer" /><ref name="Roehrich" /> </poem>
Deutung
Im Zusammenhang der spätmittelalterlichen Textfassung erschließt sich die heute nicht mehr unmittelbar verständliche Pflanzenmetaphorik besser: die Rosen sollen ein schützendes Dach bilden,<ref name="Schulz-Grobert" /> und die Näglein – eine veraltete, regional aber auch heute noch gebräuchliche Bezeichnung für Gewürznelken<ref name="DWB" /><ref name="Merck" /> – sollen einen Schutz darstellen, da sie wegen ihrer ätherischen Öle gegen Ungeziefer und Krankheitserreger eingesetzt wurden.<ref>Miriam Wiegele: Gewürznelken, heilsames Gewürz. Abgerufen am 21. Juni 2013.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Liebeszauber und Pestamulett. ( des Vorlage:IconExternal vom 26. Juli 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Fachverband der Gewürzindustrie e. V., abgerufen am 21. Juni 2013.</ref>
Der Schutzwunsch bezieht sich dabei allgemein auf einen geliebten Menschen. Der Wunderhorn-Forscher Heinz Rölleke befindet, Arnim und Brentano hätten das Lied „fälschlich“ in den Anhang Kinderlieder einsortiert, „obwohl es sich, wie die Blumensymbole zeigen, tatsächlich um ein Liebeslied handelt“.<ref name="Volksliederbuch" /> „Zum Kinderlied wurde es erst durch Überschrift und Zusammenstellung mit anderen Kinderliedern.“<ref name="Rölleke" />
Eine völlig konträre Interpretation liefert die Ärztin Kristina Hänel, die – ohne Angabe von Quellen – Rosen als Rosmarin deutet, ein zur Abtreibung verwendetes Kraut das eingesetzt wurde, falls die Empfängnisverhütung mittels der Näglen keine ausreichende Wirkung entfaltet hatte.<ref>Kristina Hänel: Eine Warnung aus der Stille der Archive: Vorsicht beim Thema Abtreibung. In: Die Zeit. 50/2024, online abgerufen am 30. November 2024.</ref>
Eine Textstelle, die sich für heutige Hörer ebenfalls nicht unmittelbar erschließt, ist die Wendung „Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“. Nicht wenige Hörer, besonders Kinder, haben die Assoziation, dass das Aufwachen am folgenden Morgen diesem Text zufolge von einer Willkürentscheidung Gottes abhängen könnte.<ref>Podcast-Beitrag zu Guten Abend, gut Nacht von SWR2 (MP3, 9,6 MB, 1:56)</ref> Tatsächlich bringt diese Formulierung einfach eine Demutshaltung der Tatsache gegenüber zum Ausdruck, dass die Zukunft in Gottes Hand liegt. Sie ist in der früher verbreiteten Wendung sub conditione Jacobi formuliert: „So Gott will und wir leben“ (nach Vorlage:Bibel/Link; vgl. auch das arabische In schā'a llāh).<ref>Roman Fraiss: „So Gott will“. Predigt am Altjahresabend 2009. (PDF; 43 kB) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot Pfarrgemeinde Lenzing-Kammer.</ref>
Die ergänzte Strophe
Die zweite Strophe stammt von dem Philologen und Volksliedsammler Georg Scherer (1824–1909),<ref>Ernst Klusen schreibt ohne Angabe von Gründen in: Deutsche Lieder. Insel, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-458-04855-2, S. 822: „2. Strophe Verf. unbekannt, nicht G. Scherer“. Demgegenüber gibt sich Scherer selbst im Inhaltsverzeichnis seiner Kinderliedsammlung als Co-Autor zu erkennen, S. 150; Textarchiv – Internet Archive.</ref> der das Lied in seine 1849 erschienene Sammlung Alte und neue Kinderlieder aufnahm.<ref name="Scherer" /> Durch diese Textergänzung erhielt das Lied einen „deutlich weihnachtlichen Charakter“.<ref name="Liederquell" /> Scherers Fassung der zweiten Strophe weicht von der heute geläufigen Fassung ab:
<poem style="margin-left:2em;"> Guten Abend, gute Nacht, Von Englein bewacht! Die zeigen im Traum Dir den Christkindleinsbaum Droben im Paradies – Schlaf’ nun selig und süß!<ref name="Scherer" /> </poem>
Das Wiegenlied von Johannes Brahms
<score sound="1"> \relative g' {\key es \major \time 3/4 \autoBeamOff
\partial 4 g8 g | bes4. g8 g4 | bes r g8[ bes] | es4 d4. c8 | c4( bes) f8[ g] |aes4 f f8[ g] | aes4 r f8[ aes] | d[ c] bes4 d | es r es,8 es | es'2 c8 aes | bes2 g8 es | aes4 bes c | \appoggiatura g8 bes2 es,8 es | es'2 c8 aes | bes2 g8 es | \afterGrace aes4( { bes16[ aes]) } g4 f | es2 \bar "|."
} \addlyrics { Gu -- ten A -- bend, gut’ Nacht, mit Ro -- sen be -- dacht, mit Näg -- lein be -- steckt schlupf’ un -- ter die Deck’: Mor -- gen früh, wenn Gott will, wirst du wie -- der ge -- weckt, mor -- gen früh, wenn Gott will, wirst du wie -- der ge -- weckt. } </score><ref name="Brahms-Institut" />
Entstehung und biographischer Hintergrund
Johannes Brahms komponierte sein Wiegenlied im Juli 1868 in Bonn<ref name="BraWV" /> und widmete es Bertha Faber, geb. Porubszky, anlässlich der Geburt ihres zweiten Sohnes „zu allzeit fröhlichem Gebrauch“. Brahms hatte die aus Wien stammende Bertha Porubszky 1859 kennengelernt, als diese als Siebzehnjährige während eines Aufenthaltes in Hamburg Mitglied in dem von ihm geleiteten Frauenchor geworden war.<ref name="Kalbeck" /> Bei dieser Gelegenheit hatte sie Brahms mehrere Lieder aus ihrer österreichischen Heimat vorgesungen, darunter eines, das Brahms wohl besonders im Gedächtnis geblieben ist: den Ländler ’s is anderscht aus dem 1844 erschienenen 2. Heft der Sammlung Gebirgs-Bleamln des Heimatdichters Alexander Baumann.<ref name="Sams" /><ref name="Kalbeck" /><ref name="Kahler" />
Obwohl einige erhaltene Briefe zwischen Brahms und Bertha Porubszky ein freundschaftliches Verhältnis andeuten, ist die genaue Art der Beziehung dokumentarisch nicht mehr zu klären und führte zu einigen Spekulationen. Franz Grasberger meinte etwa, Bertha Porubszky habe sich Hoffnungen gemacht, doch Brahms habe Bindungen jeder Art gescheut.<ref name="Grasberger" /> Demgegenüber glaubte Hans Joachim Moser, Fräulein Bertha habe Brahms mit just jenem erwähnten Lied, in dem es darum geht, dass der Versuch Liebe zu erzwingen zu Widerstand führt, einen Korb gegeben.<ref name="Moser" /> Wie dem auch sei, Brahms und Bertha Porubszky kamen nicht als Paar zusammen, blieben sich aber weiterhin freundschaftlich verbunden.
Im Begleitschreiben vom 15. Juli 1868 an das Ehepaar Faber beschreibt Brahms, wie er sich die häusliche Situation des Wiegenlied-Singens vorstellt:
„Frau Bertha wird nun gleich sehen, dass ich das Wiegenlied gestern ganz bloß für ihren Kleinen gemacht habe; sie wird es auch, wie ich, ganz in Ordnung finden, dass, während sie den Hans in Schlaf singt, der Mann sie ansingt und ein Liebeslied murmelt.“<ref name="Gerards" />
Die Beziehung zur Volksliedvorlage
<score sound="1"> <<
\relative aes' {
\key des \major
\time 3/4
\partial 8
aes8 | aes f aes4 r8 aes8 | aes f aes4 r8 aes8 | aes f' f4 f | ges8 c, c4
}
\addlyrics {
Du moanst _ wol, du moanst _ wol, di Liab _ last si zwin _ -- ga
}
\relative f' {
\key des \major
\clef "G_8"
\time 3/4
\partial 8
f8 | f des f4 r8 f8 | f des f4 r8 f,8 | f des' des4 des | c8 ges' ges4
}
>> </score>
Bei der Melodie handelt es sich vermutlich um eine Volksweise, denn sie wurde 1891 auch von dem Volksliedsammler Hans Neckheim (1844–1930) mit geringen Änderungen und auf einen anderen Text (Du werst ja, du werst ja mei Dirndle nit liabn) aufgezeichnet.<ref>Walther Jaffé: Alexander Baumann (1814–1857). Ein Beitrag zum Wiener literarischen Vormärz und zum volkstümlichen Lied in Österreich (= Forschungen zur neueren Literaturgeschichte XLII). Duncker, Weimar 1913, S. 58; scholarsportal.info (PDF; 25 MB).</ref><ref>Hans Neckheim: 222 echte Kärntnerlieder. Band 1. Deutscher Volksgesang-Verein, Wien o. J. [1891], S. 115 f.</ref>
In der Klavierbegleitung seines Wiegenlieds zitiert Brahms den Ländler anfangs fast notengetreu. Ab Takt 11 löst er sich von der Melodie der Vorlage, behält aber den harmonischen Verlauf bei.<ref name="Helms" /> Darüber liegt als Kontrapunkt die von Brahms selbst erdachte Melodiestimme.
Textgrundlage und Editionsgeschichte
Das Wiegenlied erschien noch im Jahr 1868 als Nr. 4 von Brahms’ Sammlung Fünf Lieder für eine Stimme op. 49 im Druck. In der ersten Auflage umfasste es nur die erste Strophe. Als Textvorlage diente Brahms der Abdruck im Deutschen Kinderbuch (1848), das von Karl Simrock, einem Onkel von Brahms’ Verleger, herausgegeben worden war.<ref name="Simrock" /><ref name="Behr" /> Da der Text dort ohne Quellenhinweis abgedruckt war, erkannte Brahms zunächst nicht, dass das Gedicht auch schon in Des Knaben Wunderhorn enthalten ist, obwohl sich auch dieses Buch in seinem Besitz befand.<ref name="Behr" /> Die Erstausgabe erschien folgerichtig mit dem Quellenhinweis „aus Simrock’s Kinderbuch“ auf der Titelseite.<ref name="Brahms-Institut">Opus 49, Fünf Lieder für eine Singstimme und Klavier beim Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck</ref><ref name="Behr" />
Erst später wurde Brahms von einem Freund auf eine zweite Strophe aufmerksam gemacht, offenbar die von Georg Scherer gedichtete, deren Quelle er allerdings zunächst nicht kannte. Im April 1870 schrieb er an seinen Verleger Fritz Simrock:
„Mir tut leid, daß Sie das Wiegenlied schon einzeln herausgegeben haben. Ein Freund teilte mir kürzlich einen zweiten Vers dazu mit. Könnte dieser nicht gelegentlich untergelegt werden?“<ref>Max Kalbeck (Hrsg.): Johannes Brahms. Briefe an P. J. Simrock und Fritz Simrock. Erster Band. 1917. Nachdruck: Schneider, Tutzing 1974, ISBN 3-7952-0143-8, S. 94 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
Da sich Scherers Text allerdings nicht gut an die Melodie anpasste, verzögerte sich die Ergänzung um die zweite Strophe zunächst. Auch Hermann Levi, den Brahms in dieser Frage brieflich um Rat bat, konnte offenbar nicht weiterhelfen. In einem Widmungsblatt für Clara Schumann vom 12. September 1872 ist der Strophentext nur teilweise unterlegt. Erst Ende 1873 fand Brahms eine Lösung, die Strophe in den letzten beiden Versen zu modifizieren, mit der er sich zufriedengab.<ref name="Behr" /><ref name="Sams" /> In dieser Weise zum Strophenlied ausgeweitet, erschien das Lied ab 1874.<ref name="BraWV" /><ref name="Behr" />
1892 bat Brahms Simrock darum, die Quellenangaben des Liedtextes korrigieren zu lassen:
„Könnten Sie wohl bei unserm berühmten Wiegenlied nachträglich mit kleiner Schrift anbringen lassen, nach dem ersten Verse: Aus des Knaben Wunderhorn, und nach dem zweiten: von Georg Scherer. Gar hübsch wäre es, wenn Sie ein solches Exemplar dann an Prof. G. Sch. München, Barerstraße 49, schicken möchten.“
Anlass war, dass Georg Scherer sich an Brahms gewandt und sich ihm als tatsächlicher Autor der zweiten Strophe vorgestellt hatte. Auch, dass das Wunderhorn die Quelle der ersten Strophe ist, dürfte Brahms bei dieser Gelegenheit erfahren haben.
„Scherer schrieb mir ausführlichst über das Wiegenlied, und daß der zweite Vers sich zuerst in seinem Kinderbuch fände und von ihm sei. Ihr Onkel hat ihn auch vermutlich daraus abgeschrieben, jedoch nicht für wichtig und nötig gehalten, den Verfasser zu nennen, mit allem Recht, und um so mehr, als der erste Vers ja auch keine Quelle nennt. Aber ich finde es wohlanständig, wenn wir dem Dichter den gewünschten Spaß machen […]“
Musikalische Analyse
Die Melodie des Pianissimo-Lieds<ref name="Wagner" /> ist volksliedhaft schlicht gehalten. Dennoch zeigen bestimmte Stellen, dass das Werk als Kunstlied eigentlich für die Aufführung durch eine ausgebildete Stimme gedacht ist, so etwa beim Oktavsprung, der inhaltlich auch als „Weckruf“ gedeutet werden kann.<ref name="Schmidt" />
Geprägt ist das Lied von dem rhythmischen Kontrast zwischen der Melodiestimme und der synkopierten Oberstimme der Klavierbegleitung, in dem manche Interpreten das sanfte Schaukeln der Wiege zu erkennen glauben. Letztlich war es aber die Kompositionsmethode, die Ländlermelodie kunstvoll in die Begleitung einzuweben, die zu diesem Effekt führte.
Als Fundament unter den verwobenen Stimmen liegt in der linken Hand der Klavierbegleitung eine Folge einfach gebrochener Akkorde mit dem orgelpunktartig wiederholten Grundton Es, was dem Lied eine leicht psychedelische, hypnotisch-einschläfernde Stimmung verleiht.<ref name="Rummenhöller" /><ref name="Sams" />
Rezeption
Öffentlich aufgeführt wurde das Lied erstmals am 22. Dezember 1869 in Wien durch Marie Louise Dustmann-Meyer (Gesang) und Clara Schumann (Klavier).<ref name="BraWV" />
Das Lied wird in der Literatur ausnahmslos positiv besprochen. Ludwig Misch nennt es „das schönste aller Wiegenlieder“.<ref name="Misch" /> Mehrere Autoren rühmen die meisterhafte Verbindung von Kunst- und Volkslied.<ref name="Jost" /><ref name="Wagner" />
Die Pianistin Elly Ney pflegte ihre Konzerte mit dem Wiegenlied zu beenden und so dem Publikum zu signalisieren, dass keine weitere Zugabe mehr folgen würde.<ref>Elly Ney: Erinnerungen und Betrachtungen: mein Leben aus der Musik. 2. Auflage. Pattloch, Aschaffenburg 1957, S. 103 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Pro Classics CD-Newsletter 2003 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref>
Ungezählt sind die Verwendungen des Wiegenlieds in Spieluhren, die wohl zahllosen Kleinkindern weltweit zu einer ihrer ersten musikalischen Erfahrungen verhalfen.
Das Wiegenlied lässt sich heute in den Soundtracks zu über 60 Filmen nachweisen.<ref name="Joelson-Strohbach" />
Bearbeitungen
Das Wiegenlied erfuhr unzählige vokale und instrumentale Bearbeitungen. Noch zu Brahms’ Lebzeiten erschienen Fassungen für Klavier zu zwei, vier und sechs Händen, zwei Fantasien und eine Salon-Fantasie für Klavier, sowie Arrangements für Klavier mit Violine, Flöte oder Cello, für Harfe, Singstimme mit Zitherbegleitung, Männerchor und für Orchester.<ref name="BraWV" /> Dies veranlasste Brahms 1877 zu der sarkastischen Äußerung Simrock gegenüber: „Wie wär’s, wenn Sie vom Wiegenlied auch Ausgaben in Moll machten, für unartige oder kränkelnde Kinder? Das wäre noch eine Möglichkeit, die Zahl der Ausgaben zu vermehren!“<ref name="Kross" /> – Brahms selbst zitiert eine Moll-Variante der Wiegenlied-Melodie im Seitenthema des ersten Satzes seiner 2. Sinfonie.<ref name="Brinkmann" />
Hervorzuheben ist die Bearbeitung des Pianisten und Komponisten Percy Grainger für Klavier solo als Teil der Free settings on favourite melodies aus dem Jahr 1922.<ref>Percy Grainger: Cradle Song, arrangement for piano (after Brahms, Op. 49/4; FS 1) bei AllMusic (englisch)Vorlage:Abrufdatum</ref> Rudolf Mauersberger schuf einen Satz für gemischten Chor a cappella RMWV 399 sowie einen für Solostimme und Chor RMWV 425.
Weitere Vertonungen
Georg Scherer veröffentlichte das Lied 1849 mit einer offenbar von ihm selbst komponierten Melodiefassung.<ref name="Scherer" /> Dies ist, soweit bekannt, der früheste Versuch einer Vertonung des Gedichts. Der Abdruck in Scherers eigener Kinderliedersammlung blieb allerdings die einzige Veröffentlichung dieser Melodie, die somit weit hinter der Verbreitung und Popularität von Brahms’ späterer Fassung zurückblieb.
Carl Graf Nostitz veröffentlichte 1886 eine Vertonung der ersten Strophe als Teil seiner Fünfzig Lieder.<ref>Guten Abend, gut Nacht bei The LiederNet Archive</ref>
Charles Ives schuf 1900 eine eigene Vertonung des Wiegenlieds, die wie bei Brahms zwei Strophen umfasst.<ref>James B. Sinclair: A Descriptive Catalogue of the Music of Charles Ives. Yale University Press, New Haven 1999, ISBN 0-300-07601-0, S. 548 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Charles Ives: Wiegenlied, song for voice & piano, S. 395 (K. 6B36a) bei AllMusic (englisch)Vorlage:Abrufdatum</ref>
Literatur
- Karen M. Bottge: Brahms’s "Wiegenlied" and the Maternal Voice. In: 19th Century Music. 28/3 (2005), S. 185–213 (Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)).
- Max Friedlaender: Brahms’ Lieder. Einführung in seine Gesänge für eine und zwei Stimmen. Simrock, Berlin und Leipzig 1922, S. 61–64 (Textarchiv – Internet Archive).
- Wolfgang Sandberger (Hrsg.), Brigitte Fassbaender (Geleitwort): Johannes Brahms. Wiegenlied op. 49 Nr. 4. Faksimile nach dem Autographen des Glinka-Nationalmuseums für Musikkultur, Moskau (= Meisterwerke der Musik im Faksimile; 30). Laaber-Verlag, Laaber 2015, ISBN 978-3-89007-777-2.
Weblinks
- Gute Nacht, mein Kind! aus Des Knaben Wunderhorn im Projekt Gutenberg-DE.
- J. Brahms: 5 Lieder, Op. 49: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Gemeinfreie Noten von Wiegenlied Op. 49,4 in der Choral Public Domain Library – ChoralWiki (englisch)
- Opus 49, Fünf Lieder für eine Singstimme und Klavier beim Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck
- Guten Abend, gut Nacht im Liederprojekt von SWR2 und Carus-Verlag
- Xaver Frühbeis: Geheimbotschaft an Bertha Faber: „Guten Abend, gut Nacht“. BR-Klassik Mittagsmusik extra vom 3. Januar 2013, abgerufen am 21. Juli 2016 (mit Hörprobe des Liedes von Alexander Baumann).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Wunderhorn"> Achim von Arnim, Clemens Brentano (Hrsg.): Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder. Band 3. Mohr und Zimmer, Heidelberg 1808, Anhang: Kinderlieder, S. 68 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv). </ref> <ref name="Idiotikon"> Johann Friedrich Schütze: Holsteinisches Idiotikon. Villaume, Hamburg 1800, S. 14; Textarchiv – Internet Archive. </ref> <ref name="Böhme"> Franz Magnus Böhme: Deutsches Kinderlied und Kinderspiel. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1897, S. 315 f. (Textarchiv – Internet Archive). </ref> <ref name="Leyser"> Hermann Joseph Leyser: Denkmäler der Vorzeit. In: Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters. 1833, Jg. 2, Sp. 67–74; Textarchiv – Internet Archive. </ref> <ref name="Schulz-Grobert"> Jürgen Schulz-Grobert: „… mit rosen bedacht“. Mittelalterliche Liebesbriefverse und die Möglichkeiten ihrer „romantischen“ Aktualisierung. In: Ute Jung-Kaiser (Hrsg.): Intime Textkörper. Der Liebesbrief in den Künsten. Lang, Bern 2004, ISBN 3-03910-427-6, S. 33–48 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Roehrich"> Lutz Röhrich: Kinderreim und Kinderspiel – gestern und heute. In: ders.: Gesammelte Schriften zur Volkslied- und Volksballadenforschung. Waxmann, Münster 2002, ISBN 3-8309-6213-4, S. 287–332, hier S. 290 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Meyer"> Ernst Meyer: Die gereimten Liebesbriefe des deutschen Mittelalters. Diss. Marburg 1899, S. 77 f. (Textarchiv – Internet Archive). </ref> <ref name="DWB"> Vorlage:Deutsches Wörterbuch </ref> <ref name="Merck"> Gewürznelken. In: Merck’s Warenlexikon. 3. Auflage. 1884 ff., S. 157 f. </ref> <ref name="Scherer"> Georg Scherer: Alte und neue Kinderlieder, Fabeln, Sprüche und Räthsel. Mayer, Leipzig 1849, S. 43 f.; Textarchiv – Internet Archive. </ref> <ref name="Liederquell"> </ref> <ref name="Volksliederbuch"> </ref> <ref name="Rölleke"> Des Knaben Wunderhorn. Hrsg. von Heinz Rölleke. Band 3. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-030034-7, S. 446. </ref> <ref name="Sams"> Eric Sams: The Songs of Johannes Brahms. Yale University Press, 2000, ISBN 0-300-07962-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Kalbeck"> Max Kalbeck: Johannes Brahms. Biographie in 4 Bänden. 1904–1914. Faksimile-Nachdruck Schneider/Tutzing 1976 (Digitalisat bei Zeno.org.) </ref> <ref name="Gerards"> Marion Gerards: Frauenliebe, Männerleben: die Musik von Johannes Brahms und der Geschlechterdiskurs im 19. Jahrhundert. Böhlau, Köln/Weimar 2010, ISBN 978-3-412-20496-9, S. 155–165 (zugleich Dissertation Universität Oldenburg 2008; eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Kahler"> Otto-Hans Kahler: Brahms’ Wiegenlied und die Gebirgs-Bleamln des Alexander Baumann. In: Brahms-Studien. 6 (1985), ISSN 0341-941X, ISBN 3-88979-012-7, S. 65–70. </ref> <ref name="Helms"> Siegmund Helms: Die Melodiebildung in den Liedern von Johannes Brahms und ihr Verhältnis zu Volksliedern und volkstümlichen Weisen. Dissertation Freie Universität Berlin 1967, S. 67–70. </ref> <ref name="Simrock"> Karl Simrock: Das deutsche Kinderbuch. Brönner, Frankfurt am Main 1848, S. 54; Textarchiv – Internet Archive. </ref> <ref name="Behr"> Johannes Behr: Das Wiegenlied von Brahms. Eine Wunderhorn-Vertonung? In: Antje Tumat (Hrsg.): Von Volkston und Romantik. Des Knaben Wunderhorn in der Musik. Winter, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8253-5333-9, S. 115–123. </ref> <ref name="BraWV"> Margit L. McCorkle: Johannes Brahms. Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis. Henle, München 1984, ISBN 3-87328-041-8, S. 195–202. </ref> <ref name="Kross"> Siegfried Kross: Johannes Brahms. Versuch einer kritischen Dokumentar-Biographie. Band 2. Bouvier, Bonn 1997, ISBN 3-416-02699-3, S. 551 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Brinkmann"> Reinhold Brinkmann: Johannes Brahms. Die Zweite Symphonie: Späte Idylle (= Musik-Konzepte Band 70). Edition Text + Kritik, 1990, ISBN 3-88377-377-8, S. 53 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Joelson-Strohbach"> Harry Joelson-Strohbach: Aimez-vous Brahms? – Brahms im Film. In: Wolfgang Sandberger (Hrsg.): Brahms-Handbuch. Metzler, Stuttgart/Bärenreiter, Kassel 2009, ISBN 978-3-476-02233-2, S. 582–590. </ref> <ref name="Schmidt"> Christian Martin Schmidt: Reclams Musikführer Johannes Brahms. Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-010401-7, S. 267–269. </ref> <ref name="Wagner"> Hans-Dieter Wagner: Johannes Brahms – das Liedschaffen: ein Wegweiser zum Verständnis und zur Interpretation. Palatium, Mannheim 2001, ISBN 3-920671-41-4, S. 75 f. </ref> <ref name="Rummenhöller"> Peter Rummenhöller: „Liedhaftes“ im Werk von Brahms. In: Peter Jost (Hrsg.): Brahms als Liedkomponist: Studien zum Verhältnis von Text und Vertonung. Steiner, Stuttgart 1992, ISBN 3-515-05766-8, S. 38–46, hier S. 43 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Grasberger"> Franz Grasberger: Brahms: Wiegenlied. In: ders.: Kostbarkeiten der Musik. Band 1: Das Lied. Schneider, Tutzing 1968, S. 135–159. </ref> <ref name="Moser"> Hans Joachim Moser: Das deutsche Lied seit Mozart. Band 1. Atlantis 1937, S. 173. </ref> <ref name="Jost"> Peter Jost: Lieder und Gesänge. In: Wolfgang Sandberger (Hrsg.): Brahms-Handbuch. Metzler, Stuttgart bzw. Bärenreiter, Kassel 2009, ISBN 978-3-476-02233-2, hier: S. 239 f. </ref> <ref name="Misch"> Ludwig Misch: Johannes Brahms. Neue Auflage. Velhagen & Klasing, Bielefeld 1922, S. 50. </ref> </references>
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