Grüne Wirtschaft
Die Grüne Wirtschaft ist ein Verband grüner Unternehmerinnen und Unternehmer in Österreich. Sie ist rechtlich ein unabhängiger Verein und eine nahestehende Organisation der Partei Die Grünen – Die Grüne Alternative.
Der Verein wurde im Jahr 1999 gegründet und ist seit der Wirtschaftskammerwahl 2005, bei der österreichweit 4,46 % der Stimmen erreicht wurden, als grüne Fraktion in allen Landeskammern sowie in der Bundeswirtschaftskammer vertreten. Gegliedert ist die Grüne Wirtschaft in neun politisch weitgehend autonome Landesgruppen.<ref>Das sind wir! Das Team der Grünen Wirtschaft. In: Die Grüne Wirtschaft. Abgerufen am 12. November 2024.</ref> Der Sitz des Vereins ist in Wien. Bei den Wirtschaftskammerwahlen im Jahr 2020 erreichte die Grüne Wirtschaft ein bundesweites Ergebnis von 9,5 %.
Zu den vom Verein vorrangig vertretenen Gruppen zählen, laut Selbstdarstellung, die Ein-Personen-Unternehmen, Klein- und Mittelunternehmen.
Themen und Werte
Die Grüne Wirtschaft setzt sich für die Förderung von sozial und ökologisch verantwortungsvollem Wirtschaften ein. Ein zweiter Fokus liegt auf dem Schaffen von Chancengleichheit in der Wirtschaft.
Die Grüne Wirtschaft bekennt sich zu Ökologie, Diversität und Inklusion, Feminismus, Selbstbestimmung, Gewaltfreiheit, Fairness und Transparenz.<ref>Das Mission-Statement der Grünen Wirtschaft. In: Die Grüne Wirtschaft. Abgerufen am 12. November 2024.</ref>
Damit verbundene Forderungen der Grünen Wirtschaft betreffen das Steuer- und Sozialversicherungssystem, um die Rahmenbedingungen speziell für kleine und mittlere Unternehmen gegenüber großen Konzernen zu verbessern.<ref>Schwerpunkte. In: Die Grüne Wirtschaft. Abgerufen am 12. November 2024.</ref>
Transparenz
Die Grüne Wirtschaft setzt sich mit der Website „Wirtschaftskammer Glasklar“ laufend für Transparenz bei den Wirtschaftskammerfinanzen ein. Wiederholte Kritik wurde an den hohen Rücklagen der Wirtschaftskammer geäußert.<ref>Bettina Hoffmann: Über 2 Milliarden Euro Rücklagen. In: Die Grüne Wirtschaft. 1. August 2024, abgerufen am 12. November 2024.</ref>
Sämtliche Bilanzen der Grünen Wirtschaft sind öffentlich auf ihrer Website einsehbar.
Erfolge
2019 setzte die Grüne Wirtschaft mit einem Musterprozess gegen die SVA die Neuregelung des Kinderbetreuungsgeldes für Selbständige durch.<ref>Katharina Thum: #Erfolg: Kindergeld für Selbstständige wird saniert! In: Die Grüne Wirtschaft. 1. August 2019, abgerufen am 12. November 2024.</ref>
Im Dezember 2022 beschloss der Nationalrat ein innovatives Filmfördermodell, welches unter der Leitung von Grüne Wirtschaft Fachverbandsobmann Alexander Dumreicher-Ivanceanu gestaltet wurde.<ref>Nationalrat beschließt neue Filmförderung zur Stärkung des Filmstandorts Österreich (PK1470/15.12.2022) | Parlament Österreich. Abgerufen am 12. November 2024.</ref>
Zahlreiche Verbesserungen für Ein-Personen-Unternehmen, wie z. B. die pauschale Absetzbarkeit des Arbeitszimmers,<ref>Kleinstfirmen und Selbstständige: Steuerreform bringt leichtere Absetzbarkeit für Arbeit zu Hause. 10. November 2021, abgerufen am 12. November 2024.</ref> die Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter<ref>Erhöhung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 1.000 Euro. Abgerufen am 12. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und im Insolvenzrecht<ref>Nationalrat beschließt neue Regeln für Gewährleistungen und Reform des Insolvenzrechts (PK0859/07.07.2021) | Parlament Österreich. Abgerufen am 12. November 2024.</ref> konnten in Zusammenarbeit mit der Grünen Regierungsbeteiligung zwischen 2020 und 2024 durchgesetzt werden.
Durch den Einsatz von Bundessprecherin Sabine Jungwirth wurden mit April 2024 die Rahmenbedingungen für das Ausstellen von e-card mit Foto angepasst, um eine Erleichterung speziell für 24-h-Betreuerinnen und Betreuer zu schaffen.<ref>m: E-Cards: Gemeinden übernehmen die Funktion der Fotoregistrierungsstellen um Gültigkeit nachhaltig sicherzustellen. 1. Februar 2024, abgerufen am 12. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2024 erreichte die Grüne Wirtschaft durch Fachverbandsmitglied Joachim Ivany die Einrichtung eines neuen Lehrberufs „Fachkraft für vegetarische Kulinarik“, die ab 2025 in Kraft treten soll.
Geschichte
Die Grüne Wirtschaft wurde 1999 im Kreis des Grünen Rathausclubs von Christoph Chorherr ins Leben gerufen. Für die Wirtschaftskammerwahlen in Wien 2000 stellten sich Volker Plass in Wien und Josef Schaffer in Niederösterreich als Spitzenkandidaten zur Verfügung. Bei ihrem ersten Antreten erreichte die Grüne Wirtschaft bei den Wiener Wirtschaftskammerwahlen 2000 ein Ergebnis von 5,7 % der Stimmen und 60 Fachgruppen-Mandate. Zwei grüne Mandatare zogen ins Wiener Wirtschaftsparlament ein. Volker Plass wurde Bundessprecher der Grünen Wirtschaft.<ref name=":0">Unsere Geschichte. In: Die Grüne Wirtschaft. Abgerufen am 12. November 2024.</ref>
In den folgenden Jahren wurde der Verein unter Geschäftsführerin Silvia Buschenreiter bundesweit ausgebaut. Bei den Wahlen 2005 trat die Grüne Wirtschaft in allen Landeswirtschaftskammern an und erzielte ein österreichweites Ergebnis von 4,46 % der Stimmen und erstmals drei Mandate im Parlament der Bundeswirtschaftskammer.<ref>Die Wirtschaft hat gewählt. Abgerufen am 12. November 2024.</ref><ref name=":0" /> Die Grüne Wirtschaft zog zudem mit insgesamt 13 Mandaten in acht der neun Landeswirtschaftsparlamente ein. Erstmals stellte die Grüne Wirtschaft mit Fritz Kofler auch den Vorsitzenden der größten Fachgruppe Österreichs, Unternehmensberatung & Informationstechnologie (UBIT) Wien. Außerdem wählte der Bundesfachverband Werbung trotz absoluter Mehrheit des Wirtschaftsbundes den Mandatar der Grünen Wirtschaft Peter Drössler zum Obmann.<ref>Grüne Chronik – FREDA. Abgerufen am 12. November 2024.</ref> Das Antreten der Grünen Wirtschaft bei den Landeskammerwahlen 2005 führte zu den ersten Wahlen in der Wirtschaftskammer Vorarlberg.
Die Grüne Wirtschaft trat bei den Wirtschaftskammerwahlen 2010 mit dem Wahlslogan „Das Wirtschaftswunder bist du!“ in ganz Österreich an und erreichte 5,8 % der Stimmen, 319 Mandate in den Fachorganisationen und insgesamt 20 Mandate in 8 Landeswirtschaftskammern.<ref>Die Wirtschaft hat gewählt. Abgerufen am 12. November 2024.</ref> Im Parlament der Bundeswirtschaftskammer war die Grüne Wirtschaft mit 4 Mandaten vertreten: Angelika Hörmann (Tirol), Manfred Mühlberger (Wien), Volker Plass (Wien) und Josef Scheinast (Salzburg).<ref>Grüne Chronik – FREDA. Abgerufen am 12. November 2024.</ref>
2011 trug die Grüne Wirtschaft zur Aufdeckung eines Immobilienspekulations-Skandals bei. Die Pensionskassen AG der Wirtschaftskammern und der WKO-Pensionsfonds mussten in Folge mit mehr als 100 Millionen Euro saniert werden.<ref>Heftige Kritik an Spekulationsverlusten. Abgerufen am 12. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die Grüne Wirtschaft konnte bei den Wirtschaftskammerwahlen 2015 als einzige Fraktion in allen neun Bundesländern Stimmen hinzugewinnen und nahezu eine Verdoppelung der Mandate auf 602 erzielen. Mit einem österreichweiten Ergebnis von 9,1 % hielt sie Einzug in die Wirtschaftsparlamente aller Landeskammern und erreichte sieben Mandate im Wirtschaftsparlament der WKO.<ref>WKO-Wahlen: Wirtschaftsbund mit Zweidrittelmehrheit. Abgerufen am 12. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Rahmen der Generalversammlung im Herbst 2016 wurde Sabine Jungwirth als Nachfolgerin von Volker Plass zur Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft gewählt.<ref>Grüne Wirtschaft: Sabine Jungwirth zur neuen Bundessprecherin gewählt. Abgerufen am 12. November 2024.</ref> Roland Koppensteiner übernahm 2017 die Geschäftsführung. Seit 2018 führt Catherine Khazen die Geschäfte der Grünen Wirtschaft.<ref>Catherine Khazen ist neue Geschäftsführerin der Grünen Wirtschaft. Abgerufen am 12. November 2024.</ref>
Bei den WK-Wahlen 2020 erreichte die Grüne Wirtschaft mit dem Wahlmotto „Ja Kamma!“ bundesweit 9,5 % der Stimmen. Damit kam sie auf 596 Mandate und 7 Sitze im bundesweiten Wirtschaftskammerparlament.<ref>Wahlergebnisse Wirtschaftskammerwahlen 2020. Abgerufen am 12. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Erstmals wurde mit Alexander Dumreicher-Ivanceanu im Fachverband Film- und Musikwirtschaft ein Vertreter der Grünen Wirtschaft Obmann eines Bundesfachverbands.<ref>Grüne Chronik – FREDA. Abgerufen am 12. November 2024.</ref>
Die Grüne Wirtschaft war zudem bei den Wirtschaftskammerwahlen 2020 maßgeblich bei der Aufdeckung von Wahlbetrug in Kärnten, Oberösterreich und dem Burgenland beteiligt. Die Verfahren endeten mit mehreren Schuldsprüchen.<ref>jakob.winter: Wirtschaftskammer: Wahlbetrüger verurteilt, trotzdem keine Neuwahl. 28. Oktober 2021, abgerufen am 12. November 2024.</ref><ref>burgenland ORF at/Agenturen red: Nach WK-Wahlfälschung: Keine Diversion. 19. Juni 2021, abgerufen am 12. November 2024.</ref>
Bei den WK-Wahlen 2025 erreichte die Grüne Wirtschaft ein bundesweites Ergebnis von 8,3 %. In den Bundesländern Wien und Vorarlberg konnte sie Zugewinne verbuchen und kam auf jeweils 15,7 % und 23,61 % der Stimmen.<ref>WKO-Wahlen: Grüne Wirtschaft freut sich über stabiles Ergebnis. Abgerufen am 9. Februar 2026.</ref> Zusätzlich zu Alexander Dumreicher-Ivanceanu, der als Fachverbandsobmann der Film- und Musikwirtschaft wiedergewählt wurde, stellt die Grüne Wirtschaft mit Eva Kelety auch die Fachverbandsobfrau in der Berufsfotografie.
Bei der Generalversammlung der Grünen Wirtschaft im November 2025 wurde Sabine Jungwirth als Bundessprecherin wiedergewählt.<ref>Gefestigte Führung und klare Agenda: Sabine Jungwirth mit 94 % als Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft bestätigt. Abgerufen am 9. Februar 2026.</ref>
2026 zählt die Grüne Wirtschaft um die 900 Mitglieder in ganz Österreich.
Weblinks
Einzelnachweise
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