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Große Sternmiere

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Große Sternmiere
Datei:Stellaria holostea001.jpg

Große Sternmiere (Rabelera holostea)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Unterfamilie: Alsinoideae
Gattung: Rabelera
Art: Große Sternmiere
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Rabelera
M.T.Sharples & E.A.Tripp
Wissenschaftlicher Name der Art
Rabelera holostea
(L.) M.T.Sharples & E.A.Tripp

Die Große Sternmiere (Rabelera holostea <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) M.T.Sharples & E.A.Tripp, Synonym: Stellaria holostea <templatestyles src="Person/styles.css" />L.), auch Echte Sternmiere<ref name="FloraWeb" /> oder Großblütige Sternmiere genannt, ist seit 2019 die einzige Art der Pflanzengattung Rabelera innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).<ref name="Sharples2019" /> Sie ist ein weitverbreiteter Frühjahrsblüher in den warmgemäßigten Gebieten Europas bis Westasiens und Nordafrikas.

Beschreibung

Datei:Choix de plantes de l'Europe centrale et particulièrement de la Suisse et de la Savoie (Plate 45) (6032218448).jpg
Illustration aus Choix de plantes de l’Europe centrale et particulièrement de la Suisse et de la Savoie, Tafel 45
Datei:Große Sternmiere12-05-03.JPG
Blütenstand
Datei:Stellaria.holostea4.-.lindsey.jpg
Kantiger Stängel mit gegenständigen, sitzenden Laubblättern
Datei:Greater Stitchwort (Stellaria holostea) (4514555134).jpg
Ausschnitt eines Blütenstandes mit Blütenknospen und Blüte von der Seite, dabei sind die Kelchblätter gut erkennbar
Datei:Echte-Sternmiere-JR-T3-2603-2661-2024-05-01.jpg
Blüte im Detail
Datei:Stellaria holostea seeds.jpg
Samen
Datei:FrancePontecoulantStellaireTapis.jpg
Habitus und Blüten im Habitat

Vegetative Merkmale

Die Große Sternmiere ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze<ref name="BiolFlor" /> und erreicht Wuchshöhen von meist 15 bis 30,<ref name="InfoFlora" /> selten bis zu 60 Zentimetern.<ref name="FloraWeb" /><ref name="FoNA2005" /> Ihre dünnen kriechenden Rhizome<ref name="FoNA2005" /> sind ohne Wurzelknollen. Die aufsteigenden, vierkantigen Stängel<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> sind im oberen Bereich kurz behaart, sonst kahl.<ref name="InfoFlora" /> Die längeren Stängel tragen zahlreiche langgestielte Blüten und finden oft Halt an Nachbarpflanzen. Insgesamt sind die Stängel der Große Sternmiere ziemlich schwach und zerreißen leicht im Bereich der Laubblätter.

Die gegenständig an den Stängeln angeordneten Laubblätter sind alle sitzend.<ref name="InfoFlora" /> Die einfache, steife Blattspreite ist bei einer Länge von 3 bis 9 Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 10 Millimetern schmal-lanzettlich<ref name="FloraWeb" /> oder linealisch-lanzettlich mit runder und stängelumfassender Basis und zugespitztem oberen Ende und rauem,<ref name="InfoFlora" /> behaartem Blattrand; sie ist an ihrer Basis am breitesten.

Generative Merkmale

Ihr trugdoldenartiger Blütenstand enthält locker angeordnet 3 bis 31 Blüten.<ref name="FoNA2005" /> Sie stehen in einem dichasial verzweigten Blütenstand, einem sogenannten Zymoid. Dabei wiederholt sich mehrfach nacheinander ein Verzweigungsmuster, bei dem die Hauptachse in einer Blüte endet, welche wiederum von jeweils zwei Seitenachsen übergipfelt wird. Die laubblattähnlichen, krautigen 5 bis 50 Millimeter langen Deckblätter<ref name="FoNA2005" /> sind bewimpert.<ref name="InfoFlora" /> Der aufsteigende Blütenstiel ist 1 bis 60 Millimeter lang, dünn und flaumig behaart.<ref name="FoNA2005" />

Die zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser von 2 bis 3 Zentimetern radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf kahlen Kelchblätter sind bei einer Länge von 6 bis 8 Millimetern<ref name="InfoFlora" /> eiförmig-lanzettlich mit spitzem oberen Ende und undeutlich dreinervig.<ref name="FoNA2005" /> Die fünf weißen Kronblätter sind bis zur Hälfte ihre Länge gespaltenen und sind bei einer Länge von 8 bis 14 Millimetern etwa 1,5 bis doppelt so lang wie die Kelchblätter.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="FoNA2005" /> Selten fehlen Kronblätter.<ref name="FoNA2005" /> Meist sind zehn Staubblätter vorhanden, die manchmal durch Degeneration weniger sein können.<ref name="FoNA2005" /> Der Fruchtknoten ist oberständig. Es sind drei freie aufsteigende Griffel pro Blüte vorhanden,<ref name="FloraWeb" /> die etwa 4 Millimeter lang sind.<ref name="FoNA2005" />

Die bei einem Durchmesser von 5 bis 6 Millimetern kugelige, mit stumpfem oberen Ende, Kapselfrucht besitzt in etwa die Größe des Blütenkelchs.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="FoNA2005" /> Bei Reife öffnen sich die Kapselfrüchte mit drei Klappen, die sich später in sechs Klappen aufspalten und entlassen die Samen.<ref name="FoNA2005" /> Die rötlich-braunen Samen sind bei einem Durchmesser von 2 bis 3 Millimetern nierenförmig und dicht papillös.<ref name="FoNA2005" />

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 13;<ref name="BiolFlor" /> es wurden Chromosomenzahlen von 2n = 26<ref name="BiolFlor" /><ref name="FloraWeb" /><ref name="IPCN" /><ref name="Oberdorfer2001" /> oder 56<ref name="InfoFlora" /> ermittelt.

Phänologie

In der Schweiz reicht die Blütezeit von Mai bis Juni,<ref name="InfoFlora" /> in anderen Gebieten beginnt die Blütezeit schon im April. Da nicht alle Blüten zugleich blühen, sondern an den Stielen nacheinander, zieht sich die Blütezeit über mehrere Monate hin, obwohl die Einzelblüten nur eine kurze Lebensdauer haben. Im Sommer reifen die Früchte.

Ökologie

Bei der Großen Sternmiere handelt es sich um einen Chamaephyten.<ref name="BiolFlor" /> Über vegetative Vermehrung aus ihren Rhizomknospen und aus den vorjährigen, bodennahen Sprossachsen, bildet sie schnell kleine Horste aus.

Die Große Sternmiere wird entweder von Insekten bestäubt oder ihre zwittrigen Blüten bestäuben sich selbst. Die Große Sternmiere tritt fast ausschließlich in größeren, allerdings selten bestandsbildenden, Gruppen auf. Die Ausbreitung ihrer Samen erfolgt durch den Wind.

Sie ist eine wichtige Nahrungspflanze für etliche Nachtfalterarten. Beispielsweise ist sie eine Nektarpflanze des Hornkraut-Tageulchens (Panemeria tenebrata). Für mehrere weitere Eulenfalter und Spanner stellt sie eine wichtige Raupen-Futterpflanze dar, insbesondere für den potenziell gefährdeten Sternmieren-Blattspanner (Euphyia biangulata), den stark gefährdeten Hornkraut-Blattspanner (Euphyia frustata) und die gefährdete Braune Glattrückeneule (Aporophyla lutulenta).

Vorkommen

Die Große Sternmiere ist in den warmgemäßigten Gebieten Europas, Westasiens und des Kaukasusraums sowie in einigen Ländern Nordafrikas weit verbreitet.<ref name="Euro+Med" /> Es gibt Fundortangaben für das nördliche Algerien, Marokko, Tunesien, das nördliche Portugal, Spanien und Frankreich, Belgien, die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Irland,<ref name="OnlineAtlasBritishIrishFora" /> Dänemark, das südliche Norwegen und Schweden, Estland, Litauen, Lettland, den europäischen Teil Russlands, Belarus, die Ukraine, die Krim, Ciskaukasien, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Dagestan, das westliche Sibirien, die Türkei, Iran, Afghanistan, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien,<ref name="SchedaIPFI-ActaPlantarum" /> Ungarn, Polen, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Albanien, Nordmazedonien und das nördliche Griechenland.<ref name="GRIN" /> Sie ist beispielsweise<ref name="GRIN" /> im östlichen Nordamerika ein Neophyt.

Die Große Sternmiere gedeiht meist in lichten, krautreichen Laub- und Mischwäldern, Hecken und Gebüschen. Dort besiedelt sie vor allem frische bis mäßig trockene, mäßig nährstoffreiche, meist kalkfreie, lehmige und sandige Böden bis in mittlere Gebirgslagen. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Carpinion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Fagion, Pruno-Rubion oder Trifolion medii vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Datei:Stellaria holostea I02.jpg
Illustration aus Jan Kops: Flora Batava, Band 4, 1822

Systematik

Die Erstveröffentlichung der Großen Sternmiere erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Stellaria holostea durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band I, Seite 422.<ref name="Euro+Med" /><ref name="Linné1753" /><ref name="Tropicos" /> Das Artepitheton holostea leitet sich aus den altgriechischen Wörtern ὅλος hólos sowie ὀστέον ostéon für „Knochen“ ab und bedeutet „knochenhart“, dies bezieht sich auf die Stängel. Als Lectotypus wurde 1993 LINN-584.4 durch Bengt Edvard Jonsell und Charles Edward Jarvis in Regnum Vegetabile; ..., Volume 127, Seite 91 festgelegt.<ref name="Tropicos" /> Die Neukombination zu Rabelera holostea <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) M.T.Sharples & E.A.Tripp wurde im November 2019 durch Mathew T. Sharples und Erin A. Tripp in Phylogenetic Relationships Within and Delimitation of the Cosmopolitan Flowering Plant Genus Stellaria L. (Caryophyllaceae): Core Stars and Fallen Stars. In: Systematic Botany, Volume 44, Issue 4, S. 857–876 veröffentlicht. Dafür wurde die neue Gattung Rabelera <templatestyles src="Person/styles.css" />M.T.Sharples & E.A.Tripp aufgestellt.<ref name="Sharples2019" /> Der Gattungsname Rabelera ehrt Richard Kevin Rabeler (* 1953).<ref name="SchedaIPFI-ActaPlantarum" /> Ein weiteres Synonym für Rabelera holostea <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) M.T.Sharples & E.A.Tripp ist Alsine holostea <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Britton.<ref name="FoNA2005" />

Molekulargenetische Daten machten es erforderlich, in der Tribus Alsineae innerhalb der Familie Caryophyllaceae einige Veränderungen in der Systematik durchzuführen. Dabei wurden einige Arten, die bisher der Gattung Stellaria s. l. zugerechnet wurden, in andere Gattungen gestellt und neue Gattungen aufgestellt.<ref name="Sharples2019" />

Quellen und weiterführende Informationen

Literatur

  • Mathew T. Sharples, Erin A. Tripp: Phylogenetic Relationships Within and Delimitation of the Cosmopolitan Flowering Plant Genus Stellaria L. (Caryophyllaceae): Core Stars and Fallen Stars. In: Systematic Botany, Volume 44, Issue 4, November 2019, S. 857–876. doi:10.1600/036364419X15710776741440
  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1828-7.

Einzelnachweise

<references> <ref name="BiolFlor"> Große Sternmiere. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="FloraWeb"> Stellaria holostea L., Echte Sternmiere. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Stellaria holostea L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Tropicos"> Stellaria holostea bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="IPCN"> Stellaria holostea bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011+: Caryophyllaceae.: Datenblatt Stellaria holostea In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Sharples2019"> Mathew T. Sharples, Erin A. Tripp: Phylogenetic Relationships Within and Delimitation of the Cosmopolitan Flowering Plant Genus Stellaria L. (Caryophyllaceae): Core Stars and Fallen Stars. In: Systematic Botany, Volume 44, Issue 4, November 2019, S. 857–876. doi:10.1600/036364419X15710776741440 </ref> <ref name="FoNA2005"> John K. Morton: Stellaria. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 5: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 2. Oxford University Press, New York, Oxford, 2005, ISBN 0-19-522211-3. Stellaria holostea Linnaeus. - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 373. </ref> <ref name="Linné1753"> Carl von Linné: Species Plantarum, Tomus I, 1753, S. 422. eingescannt bei biodiversitylibrary.org. </ref> <ref name="OnlineAtlasBritishIrishFora"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Datenblatt mit Verbreitung auf den Britischen Inseln bei Online Atlas of the British and Irish flora (Memento des Vorlage:IconExternal vom 13. November 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.brc.ac.uk.</ref> <ref name="SchedaIPFI-ActaPlantarum"> Datenblatt Rabelera holostea (L.) M.T. Sharples & E.A. Tripp mit Fotos und Verbreitung in Italien bei Scheda IPFI, Acta Plantarum. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Rabelera holostea/Stellaria holostea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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