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Glockengießerei Grüninger

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Die Glockengießerei Grüninger begann im 17. Jahrhundert als Familienbetrieb mit dem Handwerk der Glockengießerei in Villingen (Schwarzwald). Die ältesten Glocken der Grüninger Gießerei gelten der Überlieferung nach als die klangbesten, sie sollen gemäß alter Glockengießertradition Silber enthalten. 1949 wurde der Betrieb nach Neu-Ulm verlegt, wo er zu Beginn der 1950er-Jahre eingestellt wurde.

Datei:Grüninger.jpg
Josef Benjamin Grüninger II. Grab mit Glocke

Geschichte

Um 1580 wurde die Glockengießerei in Villingen außerhalb der Stadtmauer nahe der Käferburg durch Hans Raeble (Reble) gegründet, von dem eine 1590 gegossene Glocke in Riedlingen (St. Georg) erhalten ist. Von seinem Sohn und Nachfolger Christof Reble (* 1591) sind mehrere Glocken erhalten: eine in Schluchsee (St. Nikolaus) von 1614 und ein Glöckle aus der Kirche des Bickenklosters in Villingen, weitere in Rottweil, Jungnau, Wolfach, Achdorf und Hinterzarten. 1645 erfolgt die Übergabe an seinen Schwiegersohn Johann Joachim Grieninger (1624–1676) Sohn des Hammerschmieds Veit Grieninger, der die verwitwete Tochter des Meisters heiratete, von ihm sind drei Glocken erhalten:

Sein Sohn Matthäus Grieninger hatte zwei Söhne, Jakob Pelagius Grieninger und Meinrad Grieninger, von denen eine Glocke im Kloster Friedenweiler erhalten blieb.

Der Nachfahre Franz Joseph Benjamin Grieninger (1735–1795) war einer der aktivsten Glockengießer des Barock in Baden, er goss unter anderem zusammen mit seinem Sohn Nicolaus Grüninger, der nach dem Tod des Vaters den Namen in Grueninger änderte und die Gießerei übernahm, das Geläut für das durch Fürstabt Martin Gerbert wiederaufgebaute Kloster St. Blasien. 1787 wurde durch die Belagerung der Stadt Villingen die außerhalb der Stadtmauer gelegene Gießhütte völlig zerstört; danach zog die Glockengießerfamilie in das Glockenhüsle innerhalb der Stadtmauer in der Nähe des Romäusgymnasiums.

Der Sohn von Nicolaus Grüninger war Severin Benjamin Grüninger, von dem nur eine Glocke erhalten blieb (in Münchingen); er hatte die Söhne Lukas Meinrad und den Nachfolger Benedikt Benjamin Grüninger (1821–1879), von welchem ebenfalls nur wenige Glocken erhalten blieben. Zusammen mit den Söhnen Josef Benjamin Grüninger I. (1844–1912) und Georg Adelbert Grüninger (1852–1918) führte er den Betrieb fort unter dem Namen Grüninger und Söhne.

Nach seinem Tod 1879 führten die Söhne den Betrieb unter verschiedenen Firmierungen weiter, 1879 übernahm der Sohn von Josef Benjamin I., der gleichnamige Josef Benjamin Grüninger II. die Firma, zusammen mit seinem Vater goss er das Geläut für die Stadtkirche St. Bernhard in Karlsruhe mit einem Gesamtgewicht von 11.500 kg. Dies war nach den vergangenen Jahren mit nur kleinen Glocken wieder ein beachtliches Werk der Gießerei. Bis zum Ersten Weltkrieg gossen die Grüningers über 2000 Glocken, von denen jedoch nur wenige überdauert haben.

Der Sohn und Nachfolger Franz Josef Benjamin Grüninger (1901 bis 1963) ist heute allgemein und bei Fachleuten wieder als hervorragender Gießer anerkannt. Durch die Zerstörung des Betriebes in Villingen im Verlauf des Zweiten Weltkriegs musste er auf einen neuen Standort 1948 in Neu-Ulm ausweichen; unter anderem dadurch verursachte er in den frühen 1950er Jahren einen unrühmlichen Abgang, was dem eigentlich handwerklich herausragenden Ruf nicht wohl tat. Als sein bedeutendstes Werk gilt das Geläut für die Stadtkirche Mariä Geburt in Gengenbach.

Weißbronzeglocken

Grüninger lieferte aus Neu-Ulm nach dem Zweiten Weltkrieg neben hochwertigen auch kostengünstige Glocken aus Weißbronze. Diese Legierung enthält Aluminium, das erst um 1880 großtechnisch günstig herstellbar war. Aufgrund dessen ist das Material recht weich und weist deswegen eine starke Abnutzung auf, weswegen diese Glocken bereits wieder ersetzt werden.

Bekannte erhaltene Werke der Glockengießerei Grüninger

Noch heute erklingen – abgesehen von einzelnen kleineren Glocken der Vorkriegszeiten – viele gute Bronzegeläute der Nachkriegszeit, gegossen von 1948 bis 1951. Die besten und bekanntesten sollen folgend aufsteigend mit dem Ton der Grundglocke vorgestellt werden.

Neben diesen bekannten und besonderen Geläuten finden sich vor allem in der Region zwischen Bodensee und Donau noch sehr viele kleinere Glocken und Geläute der Glockengießerei Grüninger. Diese sind nicht unbedingt weiter bekannt, aber als Bronzeglocken gerade ab dem Gussjahr 1949 überwiegend sehr klangvoll. Beispielhaft sollen hier die Geläute von Fronhofen, Langenenslingen, Fleischwangen, Pfullendorf und Ostrach Erwähnung finden.<ref>Glockenfampf: Fronreute (D-RV) Die Glocken der Pfarrkirche St.Konrad in Fronhofen. 28. Oktober 2016, abgerufen am 24. August 2018.</ref><ref>Glockenfampf: Ostrach (D-BW) Die Glocken der Pfarrkirche St.Pankratius. 1. September 2017, abgerufen am 24. August 2018.</ref><ref>Johannes Wittekind: Suche nach dem Geläut einer Kirche oder Kapelle – St.Jakobus Pfullendorf. Erzbistum Freiburg, abgerufen am 24. August 2018.</ref>

In der katholischen Mauritius-Kirche in Stetten am kalten Markt befinden sich drei weitere Glocken von Benjamin Grüninger. Gegossen 1949, als Ersatz für eine im Krieg eingeschmolzene Glocke. Diese drei Glocken tragen die aufeinanderfolgenden Gußnummern 969, 970 und 971.<ref>Jürgen Sieber: Glockengießerei Grüninger. Hrsg.: Geschichtsverein Stetten am kalten Markt.</ref>

Eine Grüninger-Glocke gelangte sogar nach Sachsen: Sie (Schlagton c'', Gewicht 240 kg) entstand 1937 für die Leipziger Propsteikirche und stand nach der Zerstörung dieser Kirche durch Bombenangriffe 1943/44 nicht läutend in einem Nachfolgebau, bis sie 2016 durch Metalldiebe zerstört wurde.<ref>Na also - Geht doch: Lösung für Glockenproblem der neuen Leipziger Kirche. 6. Mai 2015, abgerufen am 27. August 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Grüninger Glocken in Schwarzwaldkirchen und Umgebung

Die Glockengießerdynastie, die im 17. Jahrhundert als kleine Familienmanufaktur begann, hinterließ ihr Erbe in vielen Kirchengebäuden des Schwarzwaldes, von denen jedoch viele nicht mehr erhalten sind. Aus der Jahrhundertwende und den folgenden Jahren sind oder waren in vielen Schwarzwälder Kirchenbauten Glocken der Dynastie zu finden. Zu nennen wären:

Bekannte Mitglieder der Dynastie

  • Jos. Benjamin Grüninger, Stuck- und Glockengießer zu Villingen.<ref>Das Staatsarchiv Sigmaringen enthält eine „Abschrift eines Vertrages mit Jos. Benjamin Grüninger, Stuck- und Glockengießer zu Villingen, über den Umguss einer gesprungenen Glocke von 1775“.</ref>
  • Joseph Benjamin Grüninger (1873–1927), Grüninger V.
  • Joseph Benjamin Grüninger (1901–1963), Grüninger VI.: Er verlegte den Betrieb 1949 nach Neu-Ulm und goss die bekannten Weißbronzeglocken. Von ihm stammen die meisten uns heute bekannten Grüninger-Glocken, da er den Betrieb industrialisierte.

Literatur

  • Jochen Schultheiß, Die Glockengießer aus Villingen. Von Hans Reble bis Franz Joseph Benjamin (VI) Grüninger. Die Geschichte der Villinger Gießhütte von ihrer Gründung um 1580 bis zu ihrem Ende 1951, 2024, ISBN 978-3-95505-483-0

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />