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Mittleres Zittergras

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Mittleres Zittergras
Datei:449 Briza media.jpg

Mittleres Zittergras (Briza media), Illustration

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Gattung: Zittergräser (Briza)
Art: Mittleres Zittergras
Wissenschaftlicher Name
Briza media
L.

Das Mittlere Zittergras (Briza media), auch als Gewöhnliches oder Gemeines Zittergras bezeichnet, ist eine Art aus der Gattung der Zittergräser (Briza) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae) gehörendes Gras magerer Wiesen und Weiden. Es ist vor allem durch seine herzförmig geformten Ährchen gekennzeichnet und als Ziergras bekannt.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Das Mittlere Zittergras ist eine ausdauernde Pflanze, die über kurze, unterirdische Rhizome lockere Rasen bildet. Es erreicht Wuchshöhen zwischen 20 und 50 (bis 100) Zentimetern. Die dünnen, glatten Halme wachsen aufrecht und tragen 2 bis 3 kahle Knoten.<ref name="Conert1994" /> Die glatten Blattscheiden sind geschlossen. Die unbehaarten, glatten und an den Rändern rauen Blattspreiten tragen eine dünne, kurze Spitze. Sie erreichen 6 bis 15 Zentimeter Länge und 2 bis 4 Millimeter Breite. Das Blatthäutchen ist als schmaler, 1 bis 2 Millimeter breiter Saum ausgebildet.

Generative Merkmale

Der Blütenstand ist eine lockere, ausgebreitete und pyramidenförmige Rispe mit langen dünnen und rauen Rispenästen. Die Rispe ist 5 bis 16 Zentimeter lang und 4 bis 12 Zentimeter breit.<ref name="Conert1994" /> Die 3- bis 14-blütigen, lang gestielten Ährchen werden 4 bis 7 Millimeter lang. Sie sind breit eiförmig bis herzförmig und oft rotviolett überlaufen. Ihr Stiel ist 5 bis 20 Millimeter lang.<ref name="Conert1994" /> Die Hüllspelzen sind untereinander fast gleich und 2,5 bis 3,8 Millimeter lang.<ref name="Conert1994" /> Die Deckspelzen sind den Hüllspelzen ähnlich, 3,6 bis 4,2 Millimeter lang und ebenfalls stark gewölbt.<ref name="Conert1994" /> Die Vorspelzen sind zweinervig und 3,5 bis 4 Millimeter lang.<ref name="Conert1994" /> Die Staubbeutel sind 2 bis 2,5 Millimeter lang.<ref name="Conert1994" />

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 14<ref name="Oberdorfer2001" /> oder 28.<ref name="Conert1994" />

Ökologie

Das Mittlere Zittergras ist ein Hemikryptophyt. Die Blüten sind homogam und windblütig. Durch Luft zwischen den Karyopsen und den Spelzen haben die Früchte ein sehr geringes spezifisches Gewicht und können als Ballonflieger durch den Wind verbreitet werden. Bei Nässe ist auch eine Verbreitung durch Tiere und als Regenschwemmling möglich.

Datei:Zittergras mittleres (Briza media)@20170619 02.jpg
Mittleres Zittergras im Naturpark Südheide
Datei:Zittergras Briza media@20130610.jpg
Bestand im Naturpark Südheide
Datei:Briza media - keskmine värihein.jpg
Mittleres Zittergras in Keila, Estland
Datei:Briza media sl5.jpg
Stängel mit Laubblatt und Blatthäutchen
Datei:Briza media sl8.jpg
Ährchen

Verbreitung und Standort

Das Mittlere Zittergras kommt in fast ganz Europa und im gemäßigten Asien bis Sibirien und China vom Flachland bis ins Gebirge vor. Außerdem gedeiht es in Makaronesien.<ref name="WCSP" /> In Europa hat es Vorkommen in fast allen Ländern und fehlt nur in Lettland und in Nordmazedonien und ist in Island nur eingebürgert.<ref name="Euro+Med" />

Es ist die einzige in Deutschland wild vorkommende Zittergrasart. In den Allgäuer Alpen steigt es in Bayern am Ostabstieg des Hochgrat, an der Laufbacher Kirche und im Tiroler Teil am Heuberg bei Häselgehr bis zu 1800 m Meereshöhe auf.<ref name="Dörr und Lippert" /> Im Kanton Wallis erreicht es am Stellisee bei Zermatt 2500 Meter.<ref name="Conert1994" />

Man findet das Mittlere Zittergras verbreitet in mageren Wiesen und Weiden. Es ist eine Lichtpflanze und ein Magerkeitszeiger; deshalb verschwindet es auf gedüngtem Grund sehr schnell. Hinsichtlich der Bodenart ist es ansonsten wenig anspruchsvoll. Es erträgt zeitweise Trockenheit gut, wird aber durch kurz dauernde Vernässung noch nicht konkurrenzunfähig. In den Alpen steigt es bis zur Waldgrenze an. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2w+ (mäßig trocken aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Es ist eine Klassencharakterart der Molinio-Arrhenatheretea, der Gesellschaften des Wirtschaftsgrünlandes und ein Magerkeitszeiger.<ref name="Oberdorfer2001" /> Vor allem kommt es in Gesellschaften des Verbands Mesobromion vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Gefährdung

In der Roten Liste der Pflanzen Deutschlands (Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen) war das Mittlere Zittergras lange Zeit in der Kategorie “V” (Vorwarnstufe) eingeordnet. Aktuell ist es jedoch als "Ungefährdet" mit langfristigem Bestandstrend "Mäßiger Rückgang" eingestuft.<ref>Redaktion: BMBF LS5 Internetredaktion: Detailseite - Rote-Liste-Zentrum Rote-Liste-Zentrum. Abgerufen am 24. Mai 2025.</ref> Die Art verschwindet auf Weiden und Wiesen bei starker Beweidung und bei Düngung.<ref name="Conert1994" /> In der Schweiz ist die Art „nicht gefährdet“.<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie und Systematik

Der wissenschaftliche Name Briza media wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Tomus 1, S. 70 erstveröffentlicht.<ref name="SpPl" />

Man kann 2 Unterarten unterscheiden:<ref name="Euro+Med" />

  • Briza media subsp. elatior <templatestyles src="Person/styles.css" />(Sm.) Rohlena: Sie kommt in Europa in Italien, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Moldau, Türkei, Ukraine und in Russland vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Briza media <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. media.

Nutzung

Briza media wird aufgrund der attraktiven Ährchen häufig als Ziergras kultiviert. Das Untergras wird vom Vieh als Heu gerne gefressen.

Trivialnamen

Für das Mittlere Zittergras bestehen bzw. bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bäbergras (Mecklenburg), Bewergras (Mecklenburg), Bewerke (Göttingen), Biwerke (Göttingen), Bibbernägelk (Altmark), Chörbligräs (St. Gallen), Unser lieben Frauen Flachs, Flemmel (Schlesien), Flohblumen (St. Gallen im Toggenburg), Hasenbrod (im Westrich), Hasenbrödle (Augsburg), Hasengras, Hasenörlin (Odenwald, Rheinpfalz), Ich achte sein nicht (Schlesien), Jungfernhaar (Sachsen), Klepperde (Augsburg), Läuse (Hessen), Middel (Norddeutschland, niederdeutsch), Muttergottestränen (Kärnten), Wilder Tuft (Tirol im Pinzgau), Vlinkern (Göttingen), Vlinseke (Göttingen), Wäntelegras (St. Gallen bei Obertoggenburg), Zedern, Zittergras (Kärnten, Ulm), Zitterläuse (Hessen), Zitterli (Schweiz), Zitterln (Schwaben bei Ulm und Memmingen, St. Gallen) und Zydern.<ref name="Pritzel-Jessen 1882" />

Quellen

Literatur

  • Ernst Klapp, Wilhelm Opitz von Boberfeld: Taschenbuch der Gräser. Erkennung und Bestimmung, Standort und Vergesellschaftung, Bewertung und Verwendung. 12., überarbeitete Auflage. Paul Parey, Berlin / Hamburg 1990, ISBN 3-489-72710-X.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Pritzel-Jessen 1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 67, online. </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 70 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D70%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D). </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5 </ref> <ref name="Dörr und Lippert"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 178. </ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Conert1994">Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Seite 506–508. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1994. ISBN 3-489-52020-3.</ref> <ref name="InfoFlora"> Briza media L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Euro+Med"> B.Valdés, H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Briza media In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Mittleres Zittergras – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien