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Gewöhnliches Bitterkraut

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Gewöhnliches Bitterkraut
Datei:Illustration Picris hieracioides0.jpg

Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides), Illustration

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Cichorioideae
Gattung: Bitterkräuter (Picris)
Art: Gewöhnliches Bitterkraut
Wissenschaftlicher Name
Picris hieracioides
L.

Das Gewöhnliche Bitterkraut (Picris hieracioides) oder Habichtskraut-Bitterkraut ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Bitterkräuter (Picris) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Beschreibung

Datei:Picris hieracioides subsp. hieracioides sl4.jpg
Die Trichome besitzen meist ankerförmige Widerhaken
Datei:Picris hieracioides Sturm34.jpg
Illustration

Vegetative Merkmale

Das Gewöhnliche Bitterkraut ist eine zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 90, selten bis zu 150 Zentimetern erreicht. Die oberirdischen Pflanzenteile sind borstig behaart. Die Pflanzenteile enthalten Milchsaft. Das relativ kurze Rhizom bildet Knospen und schmeckt bitter. Der Stängel ist aufrecht, oben verzweigt, borstig behaart, selten oben kahl.

Die Laubblätter sind länglich bis lanzettlich, ungeteilt, gezähnelt bis buchtig gezähnt, beiderseits zerstreut bis dicht borstig behaart. Die Grundblätter und die unteren Stängelblätter sind gestielt.<ref name="Hegi1987" /> Die oberen Laubblätter sind mit gerundetem Grund sitzend.

Generative Merkmale

Die Blütezeit liegt, je nach Unterart, im Mai bis Oktober. In einem doldenrispigen Gesamtblütenstand sind die körbchenförmigen Teilblütenstände locker angeordnet. Die Blütenkörbchen weisen einen Durchmesser von etwa 1 Zentimeter auf und enthalten nur Zungenblüten. Korbschäfte und Hülle sind mit weißlichen, oft gegabelten Borstenhaaren besetzt oder kahl. Die Hülle ist in der Mitte meist eingeschnürt<ref name="Hegi1987" /> und enthält zwei Reihen von Hüllblätter. Die Hüllblätter sind 10 bis 15 Millimeter lang, mit kleinen, länglich-lanzettlichen, widerhakig behaarten, schwarzgrünen Außenhüllblättern. Ein Blütenkorb enthält 44 bis 75 Zungenblüten.<ref name="Hegi1987" /> Die zygomorphen Zungenblüten sind gelb, außen etwas rot überlaufen und doppelt so lang wie die Hüllblätter.<ref name="Hegi1987" />

Die Achänen sind 2,5 bis 5 Millimeter lang, etwas gebogen, kurz oder undeutlich geschnäbelt und meist schwarzbraun.<ref name="Hegi1987" /> Der Pappus besitzt ungleiche federige und schneeweiß Pappushaare, die etwa 6 Millimeter lang sind.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 10.<ref name="Oberdorfer2001" />

Datei:PICRIS HIERACIOIDES - MORROCURT - IB-134 (Parraca).JPG
Blütenkörbe im Habitat
Datei:Picris hieracioides subsp. hieracioides sl10.jpg
Achäne von Picris hieracioides subsp. hieracioides

Ökologie

Beim Gewöhnlichen Bitterkraut handelt es sich um einen Hemikryptophyten. Vegetative Vermehrung durch Wurzelsprosse kommt vor.

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Hymenoptera, Diptera), auch Selbstbestäubung ist möglich. Die Diasporen, es sind die Achänen, werden durch den Wind ausgebreitet.

Das Gewöhnliche Bitterkraut ist Wirtspflanze für die Pilzarten: Eriophyes picridis, Stictodiplosis picridis, Bremia lactucae, Entyloma picridis, Erysibe polygoni, Erysibe taurica, Leptosphaeria ogilviensis und Puccinia picridis.<ref name="Hegi1987" /> Ein seltener „Wurzelschmarotzer“ ist die Bitterkraut-Sommerwurz (Orobanche picridis).<ref name="Hegi1987" />

Vorkommen

Das Gewöhnliche Bitterkraut ist in Europa, in den gemäßigten Gebieten Asiens und in Indien, Nepal sowie Bhutan weitverbreitet.<ref name="GRIN" /> Im südlichen Afrika, in Australien, Neuseeland, auf Hawaii, in Kanada und in den Vereinigten Staaten ist es ein Neophyt.<ref name="GRIN" />

Das Gewöhnliche Bitterkraut ist in Mitteleuropa häufig und wächst collin bis montan Höhenstufe in Höhenlagen von bis zu 1600 Metern in lückigen Rasengesellschaften, an Wegen, Dämmen, Wiesen, Waldrändern, in Steinbrüchen, Ödland, Dünengebüschen und Flusskies, ruderal beeinflussten Halbtrockenrasen und im Saum von Gebüschen. Es gedeiht meist auf basen- und meist kalkreichen, stickstoffhaltigen, wenig humosen, nicht zu trockenen Lehm- oder Tonböden.

Das Gewöhnliche Bitterkraut ist eine Pionierpflanze und ein Kulturbegleiter. Nach Ellenberg ist es eine Lichtpflanze, intermediär kontinental wachsend. Das Gewöhnliche Bitterkraut ist Charakterart der Ordnung wärmebedürftiger und Trockenheit ertragender Ruderalfluren (Onopordetalia acanthii) bzw. eine Verbandcharakterart halbruderaler kontinentaler Halbtrockenrasen (Artemisio absinthii-Elymion hispidi).

In den Allgäuer Alpen steigt es in Gipfelnähe der Kanzelwand in Bayern in der Unterart Großblütiges Bitterkraut (Picris hieracioides subsp. grandiflora) in eine Höhenlage von bis zu 2030 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> Im Kanton Wallis steigt das Gewöhnliche Bitterkrautin eine Höhenlage von bis über 1800 Meter, auf dem Pilatus in eine Höhenlage von bis zu 2060 Meter.<ref name="Hegi1987" />

Die Sippe ist ein eurasisch (kontinentales)-submediterranes Florenelement.

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Picris hieracioides erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Tomus II, S. 792.<ref name="SpPl" />

Es ist eine sehr variable Art.

Je nach Autor gibt es in Mitteleuropa etwa vier Unterarten:

  • Großblütiges Bitterkraut oder Gebirgs-Habichtskraut-Bitterkraut, Geöhrtes Bitterkraut (Picris hieracioides subsp. grandiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ten.) Arcang., Syn.: Picris hieracioides subsp. paleacea <templatestyles src="Person/styles.css" />(Vest) Domin & Podp.): Es kommt in Italien, Deutschland, Polen und in der Slowakei vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Gewöhnliches Bitterkraut s. str. oder Gewöhnliches Habichtskraut-Bitterkraut s. str. (Picris hieracioides subsp. hieracioides): Es kommt in Europa, in der Türkei, im Kaukasusgebiet, in Kasachstan, im westlichen Sibirien und in Indien vor.<ref name="GRIN" />
  • Dorniges Bitterkraut oder Stacheliges Habichtskraut-Bitterkraut (Picris hieracioides subsp. spinulosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Guss.) Arcang., Syn.: Picris hieracioides subsp. setulosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ces. & al.) Arcang.): Es kommt ursprünglich in Spanien, Frankreich, auf den Kanal-Inseln, in Italien, Sizilien, Malta, Kroatien, Slowenien, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Slowakei, Tschechien und in der Türkei vor.<ref name="Euro+Med" /> In Deutschland kommt es als Neophyt vor, in der Schweiz und in Ungarn ist die Ursprünglichkeit fraglich.<ref name="Euro+Med" />
  • Stängelumfassendes Bitterkraut oder Pippau-Habichtskraut-Bitterkraut (Picris hieracioides subsp. umbellata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schrank) Ces.; Syn.: Picris hieracioides subsp. villarsii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Jordan) Nyman, Picris hieracioides subsp. auriculata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Sch. Bip.) Hayek, Picris hieracioides subsp. crepoides <templatestyles src="Person/styles.css" />(Saut.) Nyman, Picris hieracioides subsp. sonchoides <templatestyles src="Person/styles.css" />(Vest) Thell., Picris hieracioides subsp. tatrae <templatestyles src="Person/styles.css" />(Borbás) Domin & Podp.): Es gibt Fundortangaben für Spanien, Andorra, Frankreich, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Ungarn, Tschechien, Serbien, die Slowakei, Bulgarien und Rumänien.<ref name="Euro+Med" />

Außerhalb Mitteleuropas gibt es beispielsweise die Unterarten:

  • Picris hieracioides subsp. japonica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Thunb.) Krylov; mit der Varietät:
    • Picris hieracioides subsp. japonica var. koreana <templatestyles src="Person/styles.css" />Kitam.
  • Picris hieracioides subsp. kamtschatica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ledeb.) Hultén
  • Picris hieracioides subsp. longifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss. & Reut.) P.D.Sell: Sie kommt in Portugal und in Spanien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Picris hieracioides subsp. rielii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Sennen) O.Bolòs & Vigo: Sie kommt in Spanien und in Frankreich vor.<ref name="Euro+Med" />

Bilder

Picris hieracioides subsp. japonica:

Quellen

Literatur

  • H. H. Allan: Flora of New Zealand. Band 1: Indigenous Tracheophyta – Psilopsida, Lycopsida, Filicopsida, Gymnospermae, Dicotyledons. 1961, Nachdruck 1982, ISBN 0-477-01056-3, Picris hieracioides (online).
  • John L. Strother: Picris Linnaeus. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 19: Magnoliophyta: Asteridae, part 6: Asteraceae, part 1 (Mutisieae–Anthemideae), Oxford University Press, New York und Oxford, 2006, ISBN 0-19-530563-9. Picris hieracioides Linnaeus S. 303 - textgleich online wie gedrucktes Werk. (Abschnitt Beschreibung)

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 792 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D792%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D). </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 663. </ref> <ref name="Euro+Med"> Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Picris hieracioides In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Hegi1987"> Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. S. 1036–1040. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9. </ref> </references>

Weblinks