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Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde

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Satzungsheft der GBM

Die Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e. V. (GBM) wurde im Mai 1991 in Berlin von entlassenen Wissenschaftlern, Juristen und Künstlern aus der ehemaligen DDR sowie vormaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit gegründet.<ref name="Stasiverein">Jan Thomsen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />GBM sieht sich als „Stasi-Verein“ verunglimpft (Memento vom 6. Oktober 2015 im Internet Archive), Berliner Zeitung, 3. Juli 2008; abgerufen am 8. Mai 2019.</ref> Seit dem 10. Dezember 1992 war der Verein im Vereinsregister des Amtsgerichts Charlottenburg eingetragen.<ref name="verfassungsschutz_berlin">Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Abteilung Verfassungsschutz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bericht im Ausschuss für Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses von Berlin vom 14. März 2007 und 18. April 2007 (Memento vom 15. April 2010 im Internet Archive) (PDF; 284 kB)</ref> Die GBM war gemeinnützig.<ref>Berliner Zeitung: Die GBM soll nicht mehr gemeinnützig sein: SPD und CDU: Stasi-Vereine beobachten. Abgerufen am 23. April 2020.</ref>

Die GBM war 1994 Gründungsmitglied des Forums Menschenrechte, aus dem sie 2012 ausgeschlossen wurde, nachdem sie sich geweigert hatte, sich von ihren Äußerungen zum Mauerbau zu distanzieren.<ref name="Bericht Ausschluss">Jahresbericht 2012. Forum Menschenrechte, S. 6, abgerufen am 25. April 2019 (PDF-Download). Zum Hintergrund vgl. den Wortlaut der beanstandeten Erklärung: [1] (PDF, dort S. 1–2) oder [2] (html).</ref>

Politikwissenschaftler, Historiker und Opferverbände der DDR-Diktatur warfen der GBM und insbesondere dem Stasi-Insiderkomitee DDR-Apologie, Geschichtsklitterung und Geschichtsrevisionismus vor.<ref>Eckhard Jesse: Fakten und Erkenntnisse, keine Mythen und Legenden. Deutschland Archiv, 10. Oktober 2011, online auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.</ref><ref>Hubertus Knabe laut einer <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressemeldung (Memento vom 25. Mai 2015 im Internet Archive) der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen vom 7. April 2008</ref><ref>Rainer Wagner: Protest gegen Tätigkeit der „Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde (GBM)“. (pdf) 3. April 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 30. Juli 2014; abgerufen am 6. Juni 2018 (PRESSEERKLÄRUNG).</ref>

Die GBM stellte im Dezember 2022 nach 31 Jahren ihre Tätigkeit ein.<ref>Frank Schumann: Abgesang mit Chor. Die GBM hat sich in Berlin offiziell verabschiedet. In: nd. nd.Genossenschaft eG, 13. Dezember 2022, ISSN 0323-3375, S. 12 (nd-aktuell.de [abgerufen am 14. Dezember 2022]).</ref>

Gesellschaftlicher Hintergrund

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Kopf der Zeitschrift „Icarus“
Datei:2013 Kopf der Zeitschrift 'Akzente' 001.jpg
Kopf der Zeitschrift „Akzente“

Medien

Die GBM gab ab 1994 die vierteljährliche Zeitschrift für soziale Theorie, Menschenrechte und Kultur: Icarus heraus, deren Erscheinen 2012 aus finanziellen Gründen eingestellt wurde. Weiterhin erschien Akzente, die Monatszeitung der GBM.

Daneben war die GBM Herausgeber verschiedener politischer Bücher über die Nachwendezeit sowie einiger Karikaturbände. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes Berlin von 2007 „lassen die GBM-Publikationen (…) eine deutliche Distanz der Autoren zur Bundesrepublik Deutschland und ihrem politischen System erkennen“.<ref name="verfassungsschutz_berlin" />

Mitgliederstruktur

Prägend für das Bild in der Öffentlichkeit waren ältere Personen mit und ohne SED-Kader-Vergangenheit, die nach 1990 ihre Ämter oder Reputation als Angehörige der DDR-Funktionselite oder als Künstler, Wissenschaftler oder Juristen verloren hatten.<ref name="verfassungsschutz_berlin" /> Die GBM selbst sah sich als parteiunabhängig an.

2010 hatte die GBM nach eigener Aussage 2500 natürliche Mitglieder in 30 Ortsverbänden im Osten Deutschlands.

Angeschlossen als korporative Mitglieder waren verschiedene weitere Vereine, unter anderem die Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung. Deren Mitglieder wurden nicht zu den GBM-Mitgliedern gerechnet.

Datei:Blaue Rose der GBM.jpg
Blaue Rose als Logo der GBM

Das GBM-Zeichen war eine Blaue Rose. Das Logo wurde vom ehemaligen DDR-Staatskünstler Walter Womacka entworfen.<ref name="verfassungsschutz_berlin" />

Politische und wissenschaftliche Einordnung

Der Historiker Christian von Ditfurth ordnete 1998 die GBM als eng verflochten mit der PDS ein, ebenso wie die Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung und die Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte.<ref>Christian von Ditfurth: Ostalgie oder linke Alternative. Meine Reise durch die PDS. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1998, ISBN 3462027069 (PDF; 435 kB)</ref> Gleichlautend äußerten sich auch 1999 der DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß<ref>Konrad Weiß: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wo die DDR beatmet wird. Vom seltsamen Treiben des Bonner Clubs der DDR-Spione (Memento vom 4. Oktober 2006 im Internet Archive). In: Berliner Morgenpost. 12. April 1999</ref> und 2006 das Thüringer Sozialministerium, das erklärte, die Stasi-Leute seien heute gut organisiert in Vereinigungen wie der Gesellschaft für Bürgerrechte und Menschenwürde oder der Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung.<ref>Claus Peter Müller: SED-Regime: Die Opfer leiden immer noch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. November 2006</ref>

2004 erwirkte die GBM durch Gerichtsurteil eine Unterlassungsverfügung gegen die Autorin Anna Funder, die in ihrem Buch Stasiland Anschuldigungen gegen die GBM erhoben hatte.<ref>Lars-Broder Keil: „Keiner will als Bad Boy der Geschichte dastehen“. In: Die Welt. 8. August 2006</ref>

In einer Veröffentlichung der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit wurde sie 2006 als ein Beispiel für Organisationen, die sich mit der politischen und juristischen Unterstützung von SED- und MfS-Aktiven befassen, aufgeführt.<ref>Steffen Alisch: Wir brauchen eine solche so genannte Gedenkstätte nicht… (html) In: Einsichten und Perspektiven. Bayrische Zeitschrift für Politik und Geschichte 02/2006. Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, 25. Juli 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. August 2006; abgerufen am 18. Juli 2021.</ref>

In einem ausführlichen Bericht des Berliner Verfassungsschutzes von 2007 heißt es: „Im Vordergrund der Vereinsarbeit steht die Wahrung von DDR-Traditionsbeständen sowie die Mitgliederbetreuung bei der Rentenberatung.“ Die GBM sei somit „zum einen Interessenvertreterin, zum anderen DDR-Brauchtumspflege- und Traditionsverein. […] Eine Beeinflussung des GBM-Vereinslebens durch ehemalige MfS-Angehörige ist nicht feststellbar. […] Sollten ehemalige MfS-Bedienstete eine relevante Gruppe in der GBM darstellen, so nutzen sie den Rahmen der GBM nicht für ihre Agitation. […] Bei den Auftritten ehemaliger, zumeist ranghoher Stasi-Offiziere bei öffentlichen Veranstaltungen seit 2002 hat die GBM wahrscheinlich keine koordinierende Funktion.“<ref name="verfassungsschutz_berlin" /> Ferner heißt es in diesem Bericht: „Das Demokratie- und Legitimitätsverständnis der GBM entspricht immer noch dem der SED von 1946 bis 1989.“<ref name="Stasiverein" /> Er sieht die GBM als „Plattform für Personen, die nach 1990 ihre Ämter oder Reputation als Angehörige der DDR-Funktionselite oder als Künstler, Wissenschaftler oder Juristen verloren haben“.<ref>Berichte im Ausschuss für Verfassungsschutz (VSA) des Abgeordnetenhauses von Berlin, behandelt in öffentlicher und nicht-öffentlicher Sitzung am 14. März 2007 und am 18. April 2007, S. 4</ref>

Der Historiker Hubertus Knabe bezeichnete die Mitglieder 2007 als „DDR-Nostalgiker“, deren Tätigkeit „ein organisierter Kampf für die Interessen von Stasi- und SED-Kadern“ sei.<ref>Hubertus Knabe: Die Täter sind unter uns. Propyläen, 2007, ISBN 3-549-07302-X, S. 43.</ref>

Der NDR verpflichtete sich 2007, „zukünftig zu unterlassen, zu behaupten oder zu verbreiten, Stasi-Offiziere hätten die Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde gegründet“. Dies war in der Talkshow Anne Will (Sendung Unrecht vergeht nicht: der lange Schatten der DDR am 30. September jenes Jahres) behauptet worden.<ref>GBM siegt im Streit mit Anne Will. In: Neues Deutschland. 15. Oktober 2007, abgerufen am 14. April 2023.</ref>

Laut einem Bericht des Tagesspiegel vom April 2008 sah die Berliner Innenverwaltung die GBM als „Zusammenschluss alter Stasi-Mitglieder“.<ref>Stasi-Vorwürfe gegen Verein in Lichtenberg – SPD-Fraktion: Bezirk soll Zusammenarbeit beenden. In: Der Tagesspiegel. 6. April 2008</ref>

In einem ausführlichen Bericht des Deutschlandfunks von 2009 hieß es, die GBM sei „eine kuriose Mischung aus Rentnerverein, der sich um die Anhebung der Renten Ostdeutscher bemüht, Menschenrechtsorganisation und DDR-Nostalgieverband.“<ref>Michael Meyer: Die Schönfärber. Über Versuche, die DDR-Geschichte umzudeuten. In: Deutschlandfunk. 19. Februar 2009, abgerufen am 1. Mai 2014.</ref> Jonas Mueller-Töwe von t-online bezeichnete den Verein 2021 als „Interessenvertretung ehemaliger Stasimitarbeiter“.<ref>Jonas Mueller-Töwe: Rot-rot in Mecklenburg-Vorpommern: Schwesigs Regierung hat ein Stasi-Problem, T-online, 15. November 2021</ref>

Ziele und Aktivitäten

Als obersten Zweck nannte der Verein den „Schutz der Menschenwürde“, die „Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen“ und „Beiträge zur inneren Einheit Deutschlands“.

Im Mai 2011 legte die GBM dem UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte eine Beschwerde über die Verletzung von wirtschaftlichen und sozialen Rechten insbesondere von Menschen in den östlichen Bundesländern vor,<ref>Comments of the Society for the Protection of Civil Rights and Human Dignity (GBM) relating to the implementation of the International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights in the Federal Republic of Germany, presented to the Committee on Economic, Social and Cultural Rights in view of its consideration of the fifth periodic report of the Federal Republic of Germany in May 2011 (MS Word; 81 kB), abgerufen am 19. September 2011</ref> die der Ausschuss in seinem Bericht vom 12. Juli 2011 teilweise übernahm.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Consideration of reports submitted by States parties under articles 16 and 17 of the Covenant (Memento vom 2. Juni 2011 im Internet Archive) (PDF; 63 kB), abgerufen am 19. September 2011</ref> In einem Artikel des Spiegels vom 11. Juli 2011 wurde die Arbeitsweise des UN-Ausschusses kritisiert.<ref name="Spiegel-2011-07-11">Alexander von Neubacher: Düsteres Bild. In: Der Spiegel. Nr. 28, 11. Juli 2011, S. 80.</ref>

Weiterhin war die GBM an einem Bericht mehrerer Organisationen an den UN-Ausschuss beteiligt.<ref>Parallel Report On Economic, Social and Cultural Rights (PDF; 662 kB)</ref>

Die GBM gab seit 1992 unter dem Generalthema „Unfrieden in Deutschland“ sechs Weißbücher heraus:

  • Weißbuch I: Diskriminierung in den neuen Bundesländern. Berlin 1992, ISBN 3-928556-06-1.
  • Weißbuch II: Wissenschaft und Kultur im Beitrittsgebiet. Berlin 1993, ISBN 3-928556-13-4.
  • Weißbuch III: Bildungswesen und Pädagogik im Beitrittsgebiet. Berlin 1994, ISBN 3-928556-29-0.
  • Weißbuch IV: Kirche im Sündenfall. Als Pfarrer in Kapellendorf. Mit einem Nachwort von Dieter Frielinghaus. Berlin 1995, ISBN 3-929994-42-9.
  • Weißbuch V: Unrecht im Rechtsstaat. Strafrecht und Siegerjustiz im Beitrittsgebiet. Berlin 1995, ISBN 3-929994-43-7.
  • Weißbuch VI: Enteignung der Ostdeutschen. Schkeuditz 1999, ISBN 978-3-932725-60-9

Die GBM veranstaltete Rentensprechstunden und Kunstausstellungen. 2010 wurde ein Künstlerlexikon der DDR vorgelegt.<ref>Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Ein Projekt der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e. V. Verlag neues leben, Berlin, 2010, ISBN 978-3-355-01761-9.</ref>

Mitgliedschaft in Organisationen

Nachdem die GBM vergeblich aufgefordert worden war, sich öffentlich von Äußerungen zum Mauerbau zu distanzieren, wurde sie am 23. Mai 2012 aus dem Forum Menschenrechte ausgeschlossen.<ref name="Bericht Ausschluss" />

Menschenrechtspreis

Die GBM vergab jährlich einen von ihr so benannten Menschenrechtspreis, der nach Einschätzung des Berliner Verfassungsschutzes an ideologisch nahestehende Personen verliehen wurde.<ref name="verfassungsschutz_berlin" /> Preisträger waren:

<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />

Literatur

  • Scott Calnan: The effectiveness of domestic human rights NGOs: a comparative study. Hotei Pub, 2008, ISBN 978-90-04-17021-6.
  • Norman Bock: Postkommunistischer Geschichtsrevisionismus. Die Verklärung der SED-Diktatur. In: Gesellschaft. Wirtschaft. Politik, Jg. 58, Nr. 3 (2009), S. 377–386.

Weblinks

Einzelnachweise

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