Hamburger Anzeiger
Der Hamburger Anzeiger war eine überparteiliche liberale Tageszeitung für Hamburg und seine 1937 eingemeindeten Nachbarstädte. Vor dem Zweiten Weltkrieg auflagenstärkste Zeitung Hamburgs, wurde sie in der Zeit des Nationalsozialismus gleichgeschaltet und erschien nach Kriegsende zeitweise unter dem Titel Hamburger Freie Presse.
Geschichte
Gegründet 1888 von dem Essener Verleger Wilhelm Girardet als General-Anzeiger für Hamburg-Altona, richtete er sich anfangs vornehmlich an Industriearbeiter und entwickelte sich dank aktueller und kurz gefasster Berichterstattung schon bald zur auflagenstärksten Tageszeitung im Hamburger Raum.<ref name=":2"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hamburg vor 80 Jahren. In: medien.hamburg.de ( vom 13. März 2007 im Internet Archive)</ref><ref name="ChSo">Christian Sonntag: Medienkarrieren. Biografische Studien über Hamburger Nachkriegsjournalisten 1946–1949. München 2006, S. 40.</ref>
Spätestens ab Anfang 1921<ref>Hamburger Anzeiger, Ausgabe vom 21. Januar 1921. In: europeana.eu. Abgerufen am 4. November 2024.</ref> unter dem Titel Hamburger Anzeiger, wurde das Blatt 1922 mit der Neuen Hamburger Zeitung fusioniert, die 1895 ebenfalls von Girardet gegründet worden war, wie das Altonaer Schwesterblatt linksliberale Positionen vertrat, aber eher auf den gebildeten Mittelstand zielte. Auch nach der Fusion blieb der Anzeiger weiterhin erfolgreich, insbesondere durch seine illustrierten Wochenendbeilagen.<ref name=":2" />
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der Anzeiger kurzzeitig verboten, der bisherige Chefredakteur Alois Winbauer entlassen<ref name=":0">Christof Brauers: Die FDP in Hamburg 1945 bis 1953. Start als bürgerliche Linkspartei. München 2007, S. 104.</ref> und durch den Nationalsozialisten Hans Jacobi ersetzt.<ref name=":3">Rita Bake: Verschiedene Welten II. 109 historische und aktuelle Stationen rund um den Infoladen der Landeszentrale für Politische Bildung und des Jugendinformationszentrums in Hamburgs Neustadt am Dammtorwall 1. Landeszentrale für Politische Bildung, Hamburg 2010, ISBN 978-3-929728-52-1, S. 197 (hamburg.de [PDF; abgerufen am 14. April 2026]).</ref> In der Folge erlebte die Redaktion des Anzeigers den „größten personellen Bruch der Hamburger Zeitungen“<ref name=":3" />; 1935 übernahm der parteieigene Eher-Verlag auch die Mehrheit des Anzeiger-Verlages. Die Zeitung erschien noch bis Ende August 1944 unter eigenem Titel und genoss insbesondere wegen ihres vergleichsweise unangepassten Kulturteils weiterhin hohes Ansehen.<ref name=":3" /> Am 1. September 1944 wurde mit dem Hamburger Fremdenblatt sowie dem NS-eigenen Hamburger Tageblatt zur „Kriegsarbeitsgemeinschaft“ Hamburger Zeitung vereinigt.<ref name="ChSo" />
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erschien der Anzeiger von April 1946 bis September 1952 unter dem Titel Hamburger Freie Presse zunächst als FDP-nahe Tageszeitung unter britischer Lizenz. Lizenzträger waren Paul Heile und Hans Sommerhäuser, verlegt und gedruckt wurde die Zeitung aber weiterhin bei Girardet am Gänsemarkt. Als Chefredakteur fungierte wiederum Alois Winbauer, der schon vor 1933 in gleicher Funktion für den Anzeiger gearbeitet hatte und weitere ehemalige Redakteure für die neue Zeitung gewinnen konnte. Die von der britischen Militärregierung per Papierzuteilung festgelegte Auflage betrug anfangs 80.000 Stück und stieg nach der Währungsreform 1948 auf etwa 135.000; Verbreitungsgebiet war Hamburg und das nördliche Umland.<ref name=":1">Daniel A. Gossel: Die Hamburger Presse nach dem Zweiten Weltkrieg (= Beiträge zur Geschichte Hamburgs, Bd. 45), Hamburg 1993, ISBN 3-923356-53-6.</ref>
Nach dem Auslaufen der Lizenzpflicht 1949 und dem erfolgreichen Start der Springer-Neugründung Hamburger Abendblatt verlor die HFP an Auflage, wenn auch weniger stark als andere Lizenzzeitungen. Nach dem Konkurs der CDU-nahen Hamburger Allgemeinen Zeitung Anfang 1950 führte die HFP zeitweilig den Untertitel Hamburger Allgemeine, um deren Leserschaft für sich zu gewinnen.<ref name=":1" />
Ab Herbst 1952 erschien die Zeitung schließlich wieder unter dem traditionellen Titel Hamburger Anzeiger und stellte 1957 endgültig ihr Erscheinen ein.<ref name=":1" />
Mitarbeiter
- Erich Andres, Fotograf
- Max Behrens, Journalist
- Manfred Delling, Journalist
- George Dibbern, Journalist
- Rolf Erdmann<ref>German Group Takes Part on New Steamship, April 1927</ref>
- Erich Klabunde
- Erich Lüth
- Bernhard Meyer-Marwitz, Freelancer seit 1936
- Ursula Roeh
- Arthur Rundt
- Herman George Scheffauer, Journalist
- Hugo Sieker, Journalist, Autor and Publizist
- Hans Georg von Studnitz, Journalist
- Hilde Weber, Illustratorin und Cartoonistin
Einzelnachweise
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