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Gelderländer

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Gelderländer
Gelderländer vor einem Vierspänner

Gelderländer vor einem Vierspänner

Wichtige Daten
Ursprung: Niederlande, 19. Jahrhundert
Verbreitung: 1200 bis 3100 Exemplare
Stockmaß: Stuten min. 158 cm, Hengste min. 160 cm
Farben: alle Grundfarben außer Falben und Isabellen, überwiegend Füchse
Haupteinsatzgebiet: Freizeit- und Fahrpferd

Der Gelderländer ist eine niederländische Pferderasse, die vor allem als Kutschpferd Verwendung findet.

Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

Exterieur

Allgemein

Der Gelderländer ist ein mittelgroßes, schweres Warmblutpferd.<ref name=":0">Martin Haller: Der neue Kosmos-Pferdeführer. Franckh-Kosmos, Stuttgart, ISBN 3-440-09059-0, S. 74.</ref>

Körperbau

Datei:Gelderländer stehend.jpg
Stehender brauner Gelderländer

Der trockene Kopf mit geradem Profil und ruhigen, intelligenten Ausdruck<ref name=":1">Elwyn Hartley Edwards: Pferderassen. BLV-Verlagsgesellschaft, München / Wien / Zürich, ISBN 3-405-15983-0, S. 118 - 119.</ref> ist kompakt<ref name=":2">Jasper Nissen: Enzyklopädie der Pferderassen. Europa Band 1. Franckh-Kosmos, Stuttgart, ISBN 3-440-07137-5, S. 255 - 258.</ref>, der Hals von guter Länge, aber meist unzureichend geschwungen<ref name=":2" />. Die Schulter ist kräftig bemuskelt<ref name=":1" />, die Gurttiefe nicht immer genügend<ref name=":2" />. Der kaum in den langen Rücken<ref name=":1" /> hineinreichende Widerrist ist wenig bis mäßig ausgeprägt<ref name=":2" />. Die gerade Kuppe besitzt einen hohen Schweifansatz<ref name=":2" />. Das trockene<ref name=":2" />, kräftige Fundament weist kurze Gliedmaßen, keinen Kötenbehang<ref name=":1" />, gute Gelenke und eine recht kurze und steile Fesselung auf, allerdings sind die Vorderbeine oftmals mit Mangeln behaftet, besser zehenweit gestellt, unterständig und geschnürt<ref name=":2" />. Der typvolle Beschäler L'Invasion (Anglo-Normänner, geb. 1944) brachte neben seinem ansprechenden Typ und gutem Charakter sowie der charakteristischen Fuchsfarbe auch Hufe sehr schlechter Qualität in die Zucht ein; mehr als die Hälfte seiner Nachkommen waren von Hufrolle betroffen.<ref name=":2" /> Die Hufqualität hat sich zwar seitdem verbessert, ist aber weiterhin verbesserungswürdig.<ref name=":2" />

Stockmaß

Zur Registrierung wird bei Stuten eine Widerristhöhe von mindestens 158 cm gefordert, Hengste müssen ein Stockmaß von mindestens 1,60 m aufweisen.<ref name=":2" />

Farbgebung

Der Gelderländer kommt in allen Grundfarben mit der Ausnahme von Falben und Isabellen vor. Vorherrschend sind Füchse anzutreffen. Größere weiße Abzeichen sieht man häufig.<ref name=":2" />

Gewicht

Der Gelderländer wiegt etwa 600 Kilogramm.<ref name=":3">Ernährungs- und Landwirtschaftskomission der Vereinten Nationen: Gelders Paard / Netherlands (Horse). Abgerufen am 28. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Interieur

Der vielseitige Gelderländer besitzt ein munteres und aufgewecktes Temperament sowie einen untadligen Charakter.<ref name=":2" />

Mechanik

Der Gelderländer zeichnet sich im Allgemeinen vor allem durch eine gute Vorhand aus. Der fördernde Schritt ist raumgreifend<ref name=":2" />, der Trab zeigt bei einer aufgerichteten Vorhand viel Aktion<ref name=":0" /><ref name=":2" />, teils tritt die Hinterhand nicht ausreichend unter den Schwerpunkt<ref name=":2" />. Der Galopp ist im Raumgriff oftmals begrenzt<ref name=":2" />, zudem etwas schwerfällig.<ref name=":0" /><ref name=":2" /> Die Sprunganlagen sind überdurchschnittlich ausgeprägt.<ref name=":0" /><ref name=":2" />

Zuchtziel

„Das Geldersche Pferd ist ein elegant gebautes Pferd und soll eine elegante Front, ein ansprechendes Exterieur, ausreichende Knochenstärke und Maße aufweisen, dazu imponierende, runde Bewegungen mit viel Schwung und energischem Antritt aus der Hinterhand. Es eignet sich für den vielseitigen Gebrauch sowohl im Geschirr als auch unter dem Sattel, wobei es sich durch hohe Leistungsbereitschaft und einen zuverlässigen, ehrlichen Charakter auszeichnet.“<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/gelderlanderhorse.nl (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2025. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebotml</ref><ref>Jasper Nissen: Enzyklopädie der Pferderassen Europa Band 1, Seite 259</ref>

Einsatz

Der Gelderländer wird meist als Freizeit- und Fahrpferd eingesetzt.<ref name=":2" />

Bestand

Stand 2017 beträgt die stabile Population 1200 bis 3100 Exemplare. 35 Hengste und 600 Stuten stehen im Zuchteinsatz.<ref name=":3" />

Zucht

Datei:Gelderlander.jpg
Gemälde eines Gelderländers von Otto Erelmann aus dem Jahr 1898

Geschichte

Im 19. Jahrhundert wurde in der niederländischen Provinz Gelderland mit der Zucht dieser Rasse begonnen. Hengste verschiedener Rassen wurden mit heimischen, bodenständigen Stuten gekreuzt. Durch die Einkreuzung von Neapolitaner, Andalusier, Norfolk Roadster, Hackney, Oldenburger, Ostfriese, Holsteiner, Hannoveraner, Anglo-Normanne und Englischem Vollblut gewannen die Pferde an Kraft und Temperament. So entstanden exzellente Wagenpferde, die auch von europäischen Königsfamilien sehr geschätzt wurden.

Mit der zunehmenden Motorisierung der Landwirtschaft kam der Umzüchtungsprozess in Gange. Der Zuchtverband VLN stand diesem skeptisch gegenüber; Kreuzungsprodukte zwischen Gelderländern (und Groningern) mit Englischen Vollblütern wurden zu den Stutenprämierungen nicht zugelassen und die Halbblüter lediglich in ein "Sport-Register" eingetragen, nicht wie beim Zuchtverband NWP, der diesem offener gegenübertrat, in ein "Sport-Stammbuch". 1970 gingen die Zuchtbücher in das Stammbuch des Koninklijk Warmbloed Paard Nederland über, wo man sich auf die Zucht von Sportpferden konzentrierte.<ref name=":2" />

Der ursprüngliche Typ des Gelderländers, den man Basis-Typ nannte, verschwand mehr und mehr; 1979 standen lediglich noch sieben Basis-Hengste im Zuchteinsatz, die nach Ende der Decksaison zur Abkörung bestimmt waren. Damit waren allerdings einige Mitglieder nicht einverstanden. Nach mehreren Demonstrationen der "Vereinigung der Züchter und Freunde des Basis-Pferdes" wurde schließlich drei Jahre später, sprich 1982, eine eigene Zuchtrichtung mit separatem Stutbuch begründet.<ref name=":2" /><ref name=":4">Afstammingsvereisten Gelders paard. Abgerufen am 8. Juni 2021.</ref>

Zuchtbücher

Man begann schon 1890 mit der Eröffnung des Gelderländer Pferdestammbuchs (kurz: GPS) mit der Führung eines Zuchtbuchs. Dieses Register ging 1915 in das NSTg-Stammbuch auf. Als schließlich erneut ein Gelderländer Pferdestammbuch (kurz nun: Sgrt) gegründet wurde, erhielt das Zuchtbuch den Namen Stamboek Gelders Type (kurz: Sgldt). Zudem existierte zeitgleich das Nord-Niederländisches Warmblutpferde-Stammbuch (kurz: NWP). 1970 wurden alle diese Zuchtregister in Pferdestammbuchs des Niederländischen Warmbluts integriert. Heute werden Gelderländer als Zuchtrichtung „Gelders paard“ im Stammbuch des vom Gelderländer abstammenden Niederländischen Warmblutes (kurz KWPN) eingetragen.<ref name=":4" />

Eintragungsvoraussetzungen

Der Anteil von Englischem Vollblut und Hackney bzw. American Saddlebred darf nicht über 12,5 % liegen. Wenn keine der beiden letztgenannten Pferderassen eingekreuzt sind, darf das Englische Vollblut auch zu einem Viertel vertreten sein. Einkreuzungen aller anderen Pferderassen sind ohne weitere Einschränkungen erlaubt, allerdings wurde auf der Generalversammlung der Züchter des Gelderländers eine Aufforderung ausgesprochen, mindestens 75 Prozent Gelderländerblut zur Eintragung verpflichtend zu machen; der Zuchtverband des KWPN äußerte sich dazu nicht.<ref name=":4" />

Siehe auch

Weblinks

Commons: Gelderlander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  • Jasper Nissen: Enzyklopädie der Pferderassen. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09723-4.
  • Bonnie Lou Hendricks: International Encyclopedia of Horse Breeds. University of Oklahoma Press, 1995, ISBN 978-0-8061-3884-8.

Einzelnachweise

<references />