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Geflügeltes Johanniskraut

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Geflügeltes Johanniskraut
Datei:Hypericum tetrapterum 04 by Line1.jpg

Geflügeltes Johanniskraut (Hypericum tetrapterum)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)
Gattung: Johanniskräuter (Hypericum)
Art: Geflügeltes Johanniskraut
Wissenschaftlicher Name
Hypericum tetrapterum
Fr.

Das Geflügelte Johanniskraut (Hypericum tetrapterum), auch Flügel-Hartheu<ref name="FloraWeb" /> oder Flügel-Johanniskraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Johanniskräuter (Hypericum) innerhalb der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae).

Beschreibung

Datei:Hypericum quadrangulare — Flora Batava — Volume v2 - clean.jpg
Illustration aus Flora Batava, Volume 2
Datei:Hypericum tetrapterum (Hypericaceae) - (flowering), Zeewolde, the Netherlands.jpg
Blütenstand
Datei:Hypericum tetrapterum sl2.jpg
Blüte im Detail
Datei:Neuchâtel Herbarium - Hypericum tetrapterum - NEU000099543.jpg
Herbarbeleg

Vegetative Merkmale

Das Geflügelte Johanniskraut ist eine überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 60, selten bis zu 80 Zentimetern erreicht. Der selbstständig aufrechte Stängel ist deutlich vierkantig und hohl.<ref name="FloraWeb" /> Es werden fadenförmige unterirdische Ausläufer gebildet.

Die gegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter umfassen diesen etwa zur Hälfte. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 4 Zentimetern elliptisch bis eiförmig. Die Blattspreiten sind dicht und fein durchscheinend punktiert und besitzen am Rand auch schwarze Drüsen.<ref name="FloraWeb" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit liegt im Hochsommer<ref name="FloraWeb" /> von Juni bis September. In den oberen Blattachseln stehen trugdoldige Blütenstände.<ref name="FloraWeb" />

Die zwittrigen Blüten sind, radiärsymmetrisch und in der Regel fünfzählig, allerdings kommen auch vierzählige Blüten vor, mit doppelter Blütenhülle. Die meist fünf, manchmal vier Kelchblätter sind bei einer Länge von bis zu 5 Millimetern lanzettlich mit spitzen oberen Enden.<ref name="FloraWeb" /> Die meist fünf, manchmal vier hellgelben Kronblätter sind nur 5 bis 8 Millimeter lang<ref name="InfoFlora" /> und haben am Rand nur wenige (keine bis vier Stück) schwarze punkt- oder strichförmige Drüsen. Es sind 30 bis 40 Staubblätter vorhanden.

Die spitze eiförmige Kapselfrucht ist etwa doppelt so lang wie der Kelch, besitzt schwarze Drüsen und enthält zahlreiche Samen. Die schwarzen Samen sind zylindrisch.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 8, es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n =16 vor.<ref name="FloraWeb" />

Unterschied zu anderen Johanniskraut-Arten

Im Unterschied zu anderen Johanniskraut-Arten hat der hohle Stängel vier schmale „Flügelleisten“ (Kanten); das Artepitheton tetrapterum bedeutet demgemäß vierflügelig (griechisch: τετρα- (tetra-) vier und πτερόν (pteron) Flügel) und erklärt das deutsche Adjektiv „geflügelt“. Die Blüten sind ähnlich dem Echten Johanniskraut, aber nur halb so groß. Man findet es an nassen nährstoffreichen Standorten wie Wiesengräben, Ufern und an Bächen.<ref name="Sebald1989" />

Ökologie

Beim Geflügelten Johanniskraut handelt es sich um einen Hemikryptophyten; es überwintert grün, wobei seine Überlebensknospen bedeckt von Laub bzw. Erde überdauern.<ref name="FloraWeb" /> Die vegetative Vermehrung erfolgt durch kurze fadenförmige, unterirdische Ausläufer. Das Geflügelte Johanniskraut tritt in kleineren bis größeren Gruppen auf.<ref name="Düll2011" /> Die Stängelflügel dienen der Stabilisierung in Trockenzeiten. Die hohlen Stängel sichern die Sauerstoffversorgung des Wurzelbereichs.<ref name="Düll2011" />

Es erfolgt Selbst- oder Insektenbestäubung.<ref name="Düll2011" /><ref name="FloraWeb" />

Die Ausbreitung der Samen erfolgt mit Hilfe des Windes<ref name="FloraWeb" /> und durch Schwimmausbreitung.<ref name="Düll2011" />

Verwendung

Das Geflügelte Johanniskraut dient als Zierpflanze für Teichränder.<ref>Flügel-Hartheu - gestalte deinen Garten ökologisch & pflegeleicht. Abgerufen am 8. Februar 2025.</ref>

Vorkommen

Das Geflügelte Johanniskraut ist in Zentraleuropa und in Westasien in flachen und mittleren Höhenlagen verbreitet. Dabei reicht die Verbreitung im Norden bis Dänemark und Schweden, im Osten bis zur Ukraine, im Südosten bis Bulgarien und Griechenland und im Süden bis Italien und Spanien. Außerhalb Europas sind Funde in Algerien, im nördlichen Iran, Irak, Israel, Libanon, Syrien und der Türkei dokumentiert. In Australien ist es ein Neophyt.

Man findet das Geflügelte Johanniskraut auf nassen, sumpfigen, nährstoffreichen Böden wie Wiesengräben, Feuchtwiesen und an Ufern von Teichen und Bächen. Das Geflügelte Johanniskraut gedeiht am besten auf feuchten bis nassen, häufig überschwemmten Böden, die niemals stark sauer, sondern eher stickstoffreich sind. Es ist in Mitteleuropa eine Filipendulion-Verbandscharakterart, kommt aber auch im Convolvulo-Epilobietum hirsuti aus dem Verband Convolvulion sowie in Gesellschaften der Ordnungen Phragmitetalia, Agrostietalia oder der Klasse Epilobietea angustifolii vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> In den Allgäuer Alpen steigt das Geflügelte Johanniskraut in Bayern beim Oberjoch bis zu einer Höhenlage von 1100 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> Im Kanton Wallis erreicht Hypericum tetrapterum bis zu einer Höhenlage von etwa 1300 Metern<ref name="Hegi1966" />, auf der Iberischen Halbinsel wird sogar eine Höhenlage von 2400 Metern erreicht.<ref name="FloraVascular" />

Entsprechend den ökologische Zeigerwerten nach Ellenberg wird das Geflügelte Johanniskraut als Halbschattenpflanze für mäßig warmes Seeklima angegeben.<ref name="Düll2011" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Systematik und Verbreitung

Die Erstveröffentlichung des korrekten Namens Hypericum tetrapterum als Art erfolgte 1828 durch Elias Magnus Fries in Novitiae Florae Suecicae S. 236. Synonyme für Hypericum tetrapterum <templatestyles src="Person/styles.css" />Fr. non <templatestyles src="Person/styles.css" />Lam. sind: Hypericum acutum <templatestyles src="Person/styles.css" />Moench, Hypericum quadrangulum <templatestyles src="Person/styles.css" />L.<ref name="GRIN" />

Je nach Autor gibt es etwa drei Varietäten unterscheiden:<ref name="WCSP" />

  • Hypericum tetrapterum var. anagallifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Boiss.: Sie kommt von der südlichen Türkei bis Israel vor.<ref name="WCSP" />
  • Hypericum tetrapterum var. corsicum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Steud.) Boiss.: Sie kommt in Korsika vor.<ref name="WCSP" />
  • Hypericum tetrapterum <templatestyles src="Person/styles.css" />Fr. var. tetrapterum: Sie kommt von Europa bis zum Kaukasusraum und vom Mittelmeerraum bis zum Iran vor.<ref name="WCSP" />

Quellen

Literatur

  • Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur. Wildpflanzen Mitteleuropas. ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5, S. 69.
  • Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 219.

Einzelnachweise

<references> <ref name="FloraWeb"> Hypericum tetrapterum Fr., Flügel-Hartheu. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="WCSP"> Vorlage:WCSP </ref> <ref name="InfoFlora"> Hypericum tetrapterum Fr. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Hegi1966"> </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="Sebald1989"> Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur. Wildpflanzen Mitteleuropas. ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5, S. 69. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 219. </ref> <ref name="FloraVascular">Datenblatt mit Verbreitung auf der Iberischen Halbinsel bei Flora Vascular. </ref> </references>

Weblinks