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Garde-Reiter-Regiment (1. Schweres Regiment)

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Datei:Casque du royaume de Saxe.JPG
Helm der Garde-Reiter ab 1907 mit Meißner Löwen als Paradeschmuck

Das Garde-Reiter-Regiment (1. Schweres Regiment) war ein Kavallerieverband der Sächsischen Armee.

Geschichte

Der Verband wurde am 31. Oktober 1680 (Stiftungstag) als Regiment zu Roß „Graf von Promnitz“ aufgestellt und zählt zu den ältesten Kavallerieregimentern in Deutschland. Mehrfach wurde es umbenannt:

  • Kürassier-Regiment (1695)
  • Kürassier-Leib-Regiment (1735)
  • Leib-Kürassier-Regiment (1763)
  • Kurfürst-Kürassier-Regiment (1764)
  • Kürassier-Regiment „Kurfürst“ (1784)
  • Kurfürst Kürassiere (1800)
  • Regiment König-Kürassiere (1806)
  • Leib-Kürrasier-Garde (1807)
  • Garde-Reiter-Regiment (1822)
  • Garde-Reiter-Regiment (1. Schweres Regiment) (1876)
Datei:Garde-Reiter.JPG
Garde-Reiter in Paradeuniform mit Helmbusch (um 1900)

Erster Inhaber des Regiments war 1735 Kurfürst von Sachsen Friedrich August II. Ihm folgten die jeweiligen Landesherrn bis zur Auflösung des Regiments, als letzter Inhaber König Friedrich August III. Das Regiment war immer in Dresden stationiert und hatte spätestens ab 1821 Gardestatus.<ref name="Knötel-Sieg">Herbert Knötel d. J., Herbert Sieg: Handbuch der Uniformkunde. Die militärische Tracht in ihrer Entwicklung bis zur Gegenwart. 10. Auflage. G. Schulz, Hamburg 1971 (Nachdruck), S. 71–73.</ref> Es stellte bereits um 1807 und ständig ab 1815 (anstelle der bisherigen Garde du Corps) die Wache im königlichen Schloss und wurde für repräsentative Aufgaben eingesetzt.<ref>Herrenwachen und höfischer Dienst. In: Börries Freiherr von Münchhausen (Hrsg.): Das Königlich Sächsische Garde-Reiter-Regiment von 1880 bis 1918. Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1926, S. 41–47.</ref> Die nach Gründung des Deutschen Reiches in den 1880er Jahren eingeführte Uniform glich im Schnitt derjenigen der preußischen Garde-Kürassiere, allerdings trugen die sächsischen Garde-Reiter als einziges Kavallerieregiment des deutschen Reichsheeres noch bis 1915 Mannschaftsepauletten mit Achselschuppen aus Messing anstelle von Schulterklappen.<ref name="Hein">[Max] Hein: Das kleine Buch vom Deutschen Heere. Lipsius & Tischer, Kiel 1901; Nachdruck: Weltbild Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-8289-0271-5, Tafel XIII.</ref> In Friedenszeiten war das Regiment immer mit hellbraunen Pferden ausgestattet.

Feldzüge und Kampfhandlungen

Datei:Uniform, Kgl. Sächsisches Garde-Reiter-Regiment, Tafel 21, Paul Casberg.jpg
Reiter des Regiments in feldgrauer Uniform (1916)

Im Laufe seiner langen und wechselvollen Geschichte nahm das Regiment an zahlreichen Schlachten und Gefechten teil. Erstmals zum Kampfeinsatz kam das Regiment beim Entsatz von Wien, das 1683 von den Türken belagert wurde. 1688 kämpfte es gegen Frankreich im Pfälzischen Erbfolgekrieg und ab 1701 im Spanischen Erbfolgekrieg.

1741/42 focht das Regiment im Ersten Schlesischen Krieg auf preußischer Seite gegen Österreich. Nachdem Sachsen politisch die Seiten gewechselt hatte, kämpfte das Regiment zunächst im Zweiten Schlesischen Krieg 1744/45 auf Seite Österreichs gegen den vormaligen Verbündeten. Hier war es unter anderem an den Schlachten von Hohenfriedeberg und Kesselsdorf beteiligt. Unter der politischen Leitung des Staatsministers Graf Brühl trat Sachsen auch in den Dritten Schlesischen Krieg, den Siebenjährigen Krieg, auf der Seite Österreichs ein. Am 16. Oktober 1756 musste die kurfürstliche Armee bei Pirna vor den Preußen kapitulieren. Die sächsischen Reiter wurden mit Gewalt in die Preußische Armee eingegliedert, desertierten jedoch bereits im Frühjahr 1757 größtenteils wieder. Im Exil sammelten sich die sächsischen Kürassiere und dienten als Grenadiere im französischen Sold.<ref name="Knötel-Sieg" />

Das 1765 wieder aufgestellte Regiment kämpfte dann im Jahre 1806 in Koalition mit der Preußischen Armee in der Schlacht bei Jena gegen Frankreich. Nach dem Beitritt zum Rheinbund kamen die sächsischen Königs-Kürassiere unter französisches Kommando und nahmen an der Schlacht bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 teil. Als Leibwache des Königs blieb das Regiment 1812 in der Residenz in Dresden und nahm so nicht an dem desaströsen Russlandfeldzug Napoleons teil. 1813 musste das Regiment nochmals an der Seite der französischen Truppen bei Dresden und Bautzen gegen die Preußen, Österreicher und Russen kämpfen. Ebenso in der Völkerschlacht bei Leipzig. Nachdem sich der sächsische König jedoch am 19. Oktober 1813 in die Gefangenschaft der antifranzösischen Koalition begeben hatte, war der Krieg für die Sachsen auf dieser Seite der Front beendet.

1814/15 nahm die Leib-Kürassier-Garde am Feldzug Blüchers gegen Frankreich teil. Nach der Teilung Sachsens am 2. Mai 1815 auf dem Wiener Kongress wurde die aus den abgetretenen Gebieten Sachsens stammende Mannschaft in das preußische Heer übernommen und dem Husaren-Regiment Nr. 12 eingegliedert.

Die 1821 zum Garde-Reiter-Regiment formierte Einheit kämpfte im Deutschen Krieg von 1866 gegen Preußen und nahm vier Jahre später am Krieg gegen Frankreich 1870/71 teil. Danach wurde es in der neu erbauten Dresdener Albertstadt stationiert.

Im Ersten Weltkrieg fuhr das Regiment nach der Mobilmachung im Verband der 8. Kavallerie-Division (Königlich Sächsische) zunächst an die Westfront nach Lothringen, wo es im Grenzschutz eingesetzt wurde. Bereits im September 1914 erfolgte der Transport an die Ostfront, wo es zunächst an der Schlacht an den Masurischen Seen vom 9. bis 15. September 1914 teilnahm. Weitere Einsätze waren 1915 in Polen und Kurland, danach im Stellungskrieg bis März 1917 in Jakobstadt. Darauf folgten 1918 Einsätze in Riga und Weißrussland.

Im Januar 1919 kehrte das Regiment nach Dresden zurück, wurde demobilisiert und schließlich am 31. März 1919 aufgelöst.

Die Tradition der Garde-Reiter führte in der Reichswehr die 6. Eskadron des Dresdener 12. (Sächsischen) Reiter-Regiments fort, das nach der endgültigen Abwicklung des sächsischen Traditionsregiments im November 1919 auch die Garde-Reiter-Kaserne in der Albertstadt in Dresden bezog. Gleichzeitig wurde das gegenüber der Kaserne aufgestellte Garde-Reiter-Denkmal eingeweiht, das heute nur noch in Resten erhalten ist und an die gefallenen Soldaten des Regiments erinnert.

Verbandszugehörigkeit 1914

Datei:Gardeadler Sachsen.JPG
Helmbeschlag der Sächsischen Armee
XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps in Dresden,
Kommandierender General: General der Infanterie Karl Ludwig d’Elsa
1. Division Nr. 23 in Dresden
Kommandeur: Generalleutnant Karl von Lindeman
1. Kavallerie-Brigade Nr. 23 in Dresden
Kommandeur: Oberst Otto von der Decken

Kommandeure

Uniform

Datei:Kürassier-Regiment Kurfürst (1791) wiki.jpg
Offizier und Soldat des Kürassier-Regiments „Kurfürst“ (um 1791)

Im 17. und im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts war die Grundfarbe der Uniform aller sächsischen Reiter rot, man trug dazu gelbe Lederhosen und hohe Stiefel. 1734 wurden die Röcke der Leibkürassiere weiß mit roten Abzeichen und gelbmetallenen Knöpfen; den Kürass trug man unter dem Rock. Die Farbkombination weiß mit rot wurde auch nach der Neuformierung nach dem Siebenjährigen Krieg im Jahre 1764/65 beibehalten, Hauptbekleidungsstück war nun ein gelblich-weißes Kollett. Die Uniformen veränderten sich bis in napoleonische Zeit wenig, kennzeichnend für das Regiment blieb eine gelbe, rot durchwirkte Hutborte, die in späteren Jahrzehnten den Offizieren vorbehalten blieb, während die Mannschaften kurze Federstutze am Hute trugen. Der Kürass aus geschwärztem Metall bestand nur aus einem Bruststück ohne Rückenteil. 1810 wurde ein Bügelhelm aus gelbem Metall eingeführt, dazu trugen die Leibkürassiere weiße Kolletts und Hosen, hohe Stiefel, Stulpenhandschuhe, einen schwarzen Halbkürass und Achselschuppen. Die Abzeichenfarbe blieb rot, der Bortenbesatz rot und gelb.

Datei:Helm der kgl. sächsischen Kürassier-Leib-Garde 1812.jpg
Raupenhelm der Kürassier-Leib-Garde (1812)

1815 wurde das Regiment mit den Resten der Zastrow-Kürassiere vereinigt und 1821 zum Garde-Reiter-Regiment umformiert, das nun die einheitliche Uniformierung aller drei sächsischen Reiterregimenter erhielt: Lederhelm mit gelbmetallischem Beschlag, Schuppenketten und schwarzer Raupe, weißes Kollett mit zwei Reihen gelber Knöpfe und gelbe Achselschuppen. Aufschläge, Hosen, Schabracken und Mantelsack wurden hellblau, die Hosen mit weißer Biese. Auf den Knöpfen und dem Boden des Mantelsacks trug das Garde-Reiter-Regiment eine Krone. Es behielt auch die früheren, nur leicht gekrümmten Kürassiersäbel mit Stahlkorb, während die anderen Reiterregimenter leichtere Säbel erhielten. 1832 wurden hellblaue Kolletts mit weißen Vorstößen und Borten eingeführt; Kragen, Aufschläge und Schoßbesatz wurden beim Garde-Regiment ebenfalls weiß und blieben das auch, als 1840 die unterschiedlichen Aufschlagsfarben der sächsischen Reiterregimenter zeitweilig abgeschafft wurden und sie sich nur noch durch farbige Ärmelpatten unterschieden.

Datei:Schulterstücke, Sächsisches Garde-Reiter-Regiment, Die Uniformen der deutschen Armee, Ruhl, Tafel 32.jpg
Schulterstücke, Mannschafts-Epauletten und Mantelklappen mit Namenszug (vor 1902)

1849 wurden die Raupen auf den Helmen abgeschafft und die Kolletts durch Waffenröcke ersetzt. Das Garde-Reiter-Regiment behielt in den folgenden Jahrzehnten über alle Reformen der Uniformierung und Regimentsgliederung hinweg die weißen Kragen und Aufschläge, welche nun schwedische Form annahmen. 1862 wurden die Knöpfe am Waffenrock abgeschafft und das Kleidungsstück von nun an vorn durch Haken geschlossen, die unter einem Bortenbesatz angebracht waren. 1867 wurde ein neues Helmmodell eingeführt, das wieder eine Raupe auf dem Bügel besaß und bald nach der Reichsgründung durch Kürassierhelme aus Messing mit Spitzen wie in Preußen ersetzt wurde, die jedoch als Helmbeschlag mit dem sächsische Gardestern verziert waren. Gleichzeitig erfolgte die Einführung des kornblumenblauen Kollers nach preußischem Muster mit schwedischen Aufschlägen. Dieser hatte gelbe Knöpfe und Epauletten aus Messing mit Achselschuppen, die Vorstöße und Streifen der Kollerborte waren kornblumenblau. In das Feld der Mannschaftsepauletten war eine Krone eingelegt.<ref name="Hein" /> Die 1889 bei der gesamten deutschen Kavallerie eingeführten Lanzen hatten in Sachsen grün-weiße Flaggen. 1896 wurden die bis dahin blauen Reithosen durch weiße ersetzt. Der auf den Schulterklappen des 1894 eingeführten grauen Mantels in gelb auf blauem Tuch angebrachte, bekrönte Namenszug König Alberts „AR“ wurde am 24. Juni 1902 in „GR“ und zwei Jahre später zur Thronbesteigung des Königs Friedrich August III. in „FAR“ geändert und ersetzte auch die bisherigen Kronen auf Reitzeug und Epauletten.<ref>Karl Edler von Planitz: Uniform und Ausrüstung. In: Börries Freiherr von Münchhausen (Hrsg.): Das Königlich Sächsische Garde-Reiter-Regiment von 1880 bis 1918. Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1926, S. 27.</ref> Auf dem Helm wurde zur Parade anstelle der Spitzen bis 1907 ein weißer Haarbusch getragen, danach ein aufschraubbarer silberner Löwe, der den Meißner Löwen darstellen sollte. Alle aus Messing gefertigten Teile waren bei den Offizieren vergoldet.

Die 1910 eingeführten feldgrauen Felduniformen entsprachen jenen der preußischen Kürassiere, hatten jedoch zunächst einen besonderen sächsischen Taschenschnitt. Die Hosenvorstöße waren rot, während die Kollerborte des Regiments statt der hellblauen nunmehr weiße Streifen bekam, bevor sie an den Felduniformen ganz wegfiel und die Koller durch Einheitsfeldblusen ersetzt wurden. Das Garde-Reiter-Regiment hatte weiter gelbe Namenszüge auf den Achselklappen und graue Doppellitzen mit weißem Spiegel und kornblumenblauer Füllung am Kragen.<ref name="Knötel-Sieg" />

Literatur

Weblinks

Commons: Garde-Reiter-Regiment – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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Garde-Regimenter: Gardes du Corps | Dragoner: 1 | 2 | Husaren | Kürassier | Ulanen: 1 | 2 | 3

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Jäger-Regimenter zu Pferde: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13

Kürassier-Regimenter: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | Schwere Reiter: 1 | 2

Ulanen-Regimenter: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21

Bayerische Kavallerie-Regimenter: Chevaulegers 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | Schwere Reiter: 1 | 2 | Ulanen: 1 | 2

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