Fuchs Gruppe
| DF World of Spices AG
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| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Fuchs Gruppe Logo.svg | |
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1952 |
| Sitz | Dissen am Teutoburger Wald Datei:Flag of Lower Saxony.svg Niedersachsen |
| Leitung |
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| Mitarbeiterzahl | 3100 |
| Umsatz | 660,9 Mio. € |
| Branche | Gewürze |
| Website | www.fuchsgruppe.com |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
Die DF World of Spices GmbH ist die Konzernobergesellschaft der Fuchs Gruppe, einem Hersteller von Gewürzen mit Sitz in Dissen am Teutoburger Wald.
Die Fuchs-Gruppe befindet sich zu 90 % im Besitz der Dieter-Fuchs-Stiftung und zu 10 % im Besitz der Familienstiftung DF Family Trust.<ref>Liste der Gesellschafter der DFS Beteiligungen GmbH vom 27.05.2019. In: Handelsregister.</ref>
Geschichte
Gründung und erste Jahre
1952 gründete Dieter Fuchs (1928–2019) einen Gewürzhandel. Zu Beginn belieferte er per Fahrrad direkt Haushalte mit Salz und Pfeffer in Tüten. Ende der 1950er-Jahre stellte Fuchs den Vertrieb auf Lebensmittelgeschäfte um:<ref name="hb">Moritz Schröder: Gewürzmarkt: Ausgefuchst. Anis, Zimt, Curry: Die Vielfalt im Gewürzregal ist eine Scheinwelt. Vier von fünf Päckchen liefert Dieter Fuchs' Unternehmen. Mit 85 Jahren hat er sich zurückgezogen. Einer seiner Erfolge: dem Kartellamt zu entwischen. In: Handelsblatt. 12. Dezember 2013 (handelsblatt.com [abgerufen am 28. Oktober 2021]).</ref> 1963 brachte er eine Dekorbox in den Handel und folgte damit dem Trend zur Abgabe von Gewürzen in Dosen und Gläsern statt Tüten. 1970 führte er die ersten Gewürzregale für Supermärkte ein, die auch selbst gebaut wurden.<ref>Gewürzproduzent Dieter Fuchs ist tot. In: Welt. 1. März 2019, abgerufen am 28. Oktober 2021.</ref>
Ende der 1960er-Jahre hatte Fuchs sein Unternehmen in zwei Geschäftsbereiche für Kunden aus dem Handel und der Industrie aufgeteilt. Diese Struktur besteht im Kern bis heute. 1977 wurde die erste ausländische Niederlassung in Frankreich errichtet. Im Jahr 1990 wurde der US-amerikanische Konkurrent Baltimore Spice übernommen. Im weiteren Verlauf der 1990er-Jahre expandierte Fuchs nach Brasilien und China.<ref>Fuchs Gewürze erobert China. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 21. September 2017, S. 9.</ref><ref>Stefanie Scharbau: Der Pfeffersack aus Dissen. In: Handelsblatt. 18. Februar 2003, S. 15.</ref>
Übernahmen
Wesentlich für die Entwicklung der Fuchs-Gruppe war der Erwerb von Ostmann Gewürze im Jahr 1998.<ref>Wechsel im Gewürzregal: Fuchs übernimmt Ostmann. In: Süddeutsche Zeitung. Ressort Wirtschaft. 2. Juni 1998, S. 23.</ref> Der Konkurrent befand sich im Eigentum eines australischen Konzerns und hatte Jahre zuvor unter einem anderen Eigentümer so stark an Umsatz verloren, dass der Erwerb durch die Fuchs-Gruppe aufgrund der Unterschreitung von Größenklassen nicht von den Kartellbehörden überprüft werden musste.<ref name="hb" /> Fuchs schloss das Stammwerk von Ostmann in Bielefeld und führte Ostmann als eigenständige Marke weiter.<ref>Fuchs schließt Ostmann-Werk in Bielefeld. In: Handelsblatt. 3. Juli 1998, S. 19.</ref>
Anfang 2000 verkaufte der Lebensmittelkonzern Bestfoods sein Geschäft mit Pfeffer und Kümmel an die Fuchs-Gruppe. Die Produktion von Produkten unter der Marke Ubena Gewürze wurde auf die eigenen Werke umgestellt, der Standort in Bremen geschlossen.<ref>Bestfoods verkauft Gewürzsparte Ubena. In: Stuttgarter Zeitung. 24. Oktober 2000, S. 11.</ref> Zu diesem Zeitpunkt war die Fuchs-Gruppe bereits Marktführer in Europa. Diese Position wurde nicht zuletzt durch den Betrieb eigener Plantagen gesichert.<ref>Hermann-J. Olbermann: Gewürzbranche aufgemischt: Viele Hamburger Traditionsimporteure geben auf – starker Preisanstieg für Pfeffer, Muskat und Piment. In: Hamburger Abendblatt. 7. Januar 2000, S. 22.</ref><ref>Konstantin Richter: Speicherstadt: Die letzten Pfeffersäcke. Es war das scharfe Gewürz, das einige Hamburger reich machte. Etliche Händler mussten aufgeben. Doch nicht alle. In: Die Zeit. AusgabeHamburg. 26. Juni 2014, S. 3 (zeit.de [abgerufen am 21. März 2021]).</ref>
2006 entschied sich das Unternehmen, in den Markt für Feinkost einzusteigen. Hierfür wurde die Mehrheit an Theodor Kattus, nach eigenen Angaben „deutscher Marktführer für internationale Spezialitäten“ mit Marken wie Bamboo Garden, erworben.<ref>Birgit Dengel: Gewürzhändler Fuchs kauft Feinkostfirma – Europäischer Marktführer erweitert Geschäft um Kattus. In: Financial Times Deutschland. 24. August 2006, S. 6.</ref> Zusätzlich kreierte die Fuchs-Gruppe die Marke Escoffier etwa für Fonds und Soßen.<ref>Jarka Kubsova: Im Fuchsbau: Binnen sechs Jahrzehnten ist Dieter Fuchs zum mächtigsten Gewürzhändler Europas aufgestiegen. Konkurrenten hat er kaum noch, der Handel ist ihm untertan. Jetzt spricht er das erste Mal über sein Werk. Es ist die Geschichte seines Lebens. In: Financial Times Deutschland. 15. April 2011, S. 26.</ref>
Rückzug des Gründers
2013 gab Dieter Fuchs die Leitung des Unternehmens aus Altersgründen schrittweise ab, blieb aber beratend tätig. Seine Nachfolge als Vorsitzender der Geschäftsführung trat im Jahr 2015 Nils Meyer-Pries an.<ref>Fuchs Gewürze: Neuer Geschäftsführer geht nach fünf Monaten. In: Neue Osnabrücker Zeitung. Ausgabe Stadt. 15. Februar 2014.</ref><ref>Fuchs Gewürze: Meyer-Pries nun offiziell an der Spitze. In: Neue Osnabrücker Zeitung. Ausgabe Stadt. 9. Februar 2015.</ref> Im Zuge dessen trat Dieter Fuchs die Mehrheit seiner Anteile an die Dieter-Fuchs-Stiftung ab. Die Stiftung war zuvor vorwiegend durch die Förderung der Forschung bekannt.<ref>Christian Schaudwet: Mehrheit des Fuchs-Gewürzkonzerns geht an Stiftung. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 2. Juni 2016, abgerufen am 27. Oktober 2021.</ref>
Im Frühjahr 2019 starb Dieter Fuchs im Alter von 90 Jahren.<ref>Christoph Kapalschinski: Gewürz-Pionier Dieter Fuchs ist tot. In: Handelsblatt. 1. März 2019, abgerufen am 5. November 2021.</ref> Sein Lebenswerk wurde mit dem „Goldenen Zuckerhut“ der Lebensmittel Zeitung ausgezeichnet.<ref>Goldener Zuckerhut 2011: Der Geschmacksverstärker. In: Lebensmittel Zeitung. 4. November 2011, abgerufen am 5. November 2021.</ref> Zudem wurde in Dissen die Dieter-Fuchs-Straße nach ihm benannt. Fuchs war Ehrenbürger der Stadt.<ref>Alexander Heim: Dissen hat jetzt eine Dieter-Fuchs-Straße. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 2. Juli 2021, abgerufen am 5. November 2021.</ref>
Beteiligungen
Dieter Fuchs gab im Jahr 2000 einen Minderheitsanteil von 25,01 % an die finnische Paulig-Gruppe ab, welche diesen über die dänische Saffron-Holding hielt. 2016 wurde der Paulig-Gruppe entscheidender Einfluss auf das Unternehmen gewährt, um dessen Position im globalen Wettbewerb zu stärken.<ref>Marianne Wachholz: Fuchs gewährt Paulig Gruppe mehr Rechte. In: Food Service. 6. Juni 2016, abgerufen am 27. Oktober 2021.</ref><ref>Martin Mehringer: Fuchs Gewürze vor Teilung der Kontrolle: 87-jähriger deutscher Gewürzkönig findet sein Glück in Finnland. In: Manager Magazin. 2. Juni 2016, abgerufen am 27. Oktober 2021.</ref> Die internationale Expansion wurde mit dem Kauf des Konkurrenten Bart Ingredients aus England im Jahr 2017 fortgeführt.<ref>Fuchs Gruppe übernimmt Bart Ingredients aus England. In: Tagesspiegel. 19. Oktober 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (Pressemitteilung).</ref> Das Unternehmen versucht so „auf das veränderte Marktumfeld und insbesondere auf neue Wettbewerber zu reagieren“.<ref>Gewürzhersteller Fuchs verdoppelt Gewinn. In: Neue Westfälische. 31. März 2015, S. 4.</ref><ref>Simon Book: Scharf, aber unsexy. Jahrelang verwaltete Deutschlands Gewürzmarktführer Fuchs sein Imperium im Stillen. Darüber hat das Unternehmen den Kontakt zur jungen Kundschaft verloren – und muss sich nun öffnen. Geht das gut? In: Wirtschaftswoche. 12. Juli 2019, S. 52.</ref><ref>Hanna-Lotte Mikuteit: Wie Ankerkraut den Gewürzmarkt aufmischt. In: Hamburger Abendblatt. 3. August 2018, S. 7.</ref> Im Jahr 2023 wurde der Minderheitsanteil der Paulig-Gruppe zurückerworben.<ref>Fuchs Gruppe erwirbt Minderheitsanteile der Paulig Gruppe zurück. 11. Juli 2023, abgerufen am 12. Dezember 2024.</ref>
Geschäftstätigkeit
Unternehmensstrategie
Das Unternehmen übernimmt nach eigenen Angaben von der landwirtschaftlichen Produktion über die Verarbeitung bis zum Vertrieb möglichst alle Bereiche seines Geschäfts selbst, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten. Die wichtigsten Gewürze, darunter Paprika und Pfeffer, würden unverarbeitet bezogen und in Deutschland vermahlen.<ref>Nachhaltigkeitsbericht 2019/2020. (PDF) Fuchs Gruppe, abgerufen am 27. Oktober 2021.</ref>
Unternehmensbereiche
Das Angebot der Fuchs Gruppe Retail richtet sich in erster Linie an den Groß- und Einzelhandel, der Privatkunden und gewerbliche Abnehmer mit Gewürzen und Gewürzmischungen sowie Feinkostprodukten versorgt. Das Unternehmen ist im deutschsprachigen Raum vor allem für die Marken Fuchs, Ostmann, (Bio) Wagner, Kattus, Fuego, Escoffier und Bamboo Garden bekannt. Dazu kommen Bart, Ubena, Cosmin, Alex und andere auf internationaler Ebene.<ref>Denise Snieguolė Wachter: Dieter Fuchs Gewürze: Der größte Gewürzhändler der Welt steht im Umbruch. Von denen hat fast jeder eine Dose zu Haus – Einblick in eine Branche, die sich lange in Schweigen hüllte. In: Stern. 19. Dezember 2018, abgerufen am 27. Oktober 2021.</ref>
Die Fuchs Gruppe Industry beliefert Groß- und Industriekunden in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Brasilien mit individuellen Gewürzvarianten, Gewürzmischungen, Kräutern und Compounds. Das Unternehmen konzentriert sich dabei primär auf die Snack-, Fleisch- und Molkereiindustrie sowie auf die Fisch-, Convenience- und Backwarenindustrie.<ref name="hb" />
Kritik
Die Fuchs-Gruppe dominiert den deutschen Gewürzmarkt.<ref>Maximilian Vogelmann: Ein scharfes Geschäft: Der Markt für Gewürze wird von der Firma Fuchs dominiert. Kleine Anbieter haben es schwer. In: Tagesspiegel. 12. April 2015, S. 23 (tagesspiegel.de).</ref> Im Jahr 2002 stellte das Bundeskartellamt fest, dass das Unternehmen auf dem deutschen Markt für den Vertrieb von getrockneten Gewürzen, Gewürzmischungen und Kräutern gegenüber dem Einzelhandel einen Marktanteil von 75 % habe.<ref>Bundeskartellamt untersagt Behinderung von Wettbewerber durch Europas größten Gewürzanbieter Fuchs Gewürze. Bundeskartellamt, 21. August 2002, abgerufen am 30. Dezember 2022.</ref> Der Fuchs-Gruppe wurde untersagt, den Wettbewerb durch bestimmte Ausschließlichkeitsbindungen in Lieferverträgen zu behindern.<ref>Kartellamt rügt Gewürzanbieter – Fuchs behindert den Wettbewerb. In: Tagesspiegel. 22. August 2002, S. 20 (tagesspiegel.de).</ref> Weil es in der Folge vereinzelt zu Verstößen gegen das in der Verfügung ausgesprochene Verbot kam, verhängte das Bundeskartellamt im Jahr 2006 ein Bußgeld in Höhe von 250.000 Euro gegen das Unternehmen.<ref>Behinderung des Wettbewerbs: Gewürz-Riese Fuchs muss blechen. In: Handelsblatt. 9. Mai 2006, abgerufen am 23. Januar 2023.</ref><ref>Kartellamt greift durch – Gewürz-Fuchs muss zahlen. In: Frankfurter Rundschau. 10. Mai 2006, S. 9.</ref><ref>Verstoß gegen Kartellrecht. In: Lebensmittel-Zeitung. 9. Mai 2006 (lebensmittelzeitung.net [abgerufen am 23. Januar 2023]).</ref> Die Fuchs-Gruppe stellte das beanstandete Verhalten ab und ging gerichtlich nicht gegen die Entscheidung vor.
Weblinks
- Website der Fuchs-Gruppe
- Moritz Schröder: Gewürzmarkt. Ausgefuchst. In: Handelsblatt. 12. Dezember 2013: „Anis, Zimt, Curry: Die Vielfalt im Gewürzregal ist eine Scheinwelt.“
- Denise Snieguolė Wachter: Warum sich Fuchs nicht mehr auf seinem Gewürzregal ausruhen kann. Interview mit den Nachfolgern von Dieter Fuchs. In: STERN. 20. Dezember 2018.
Einzelnachweise
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- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Infobox Unternehmen/Logoeinbindung
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Hersteller von Würzmitteln, Gewürzen und anderen würzenden Zutaten
- Lebensmittelhersteller (Niedersachsen)
- Markenname (Gewürze)
- Produzierendes Unternehmen (Landkreis Osnabrück)
- Dissen am Teutoburger Wald
- Unternehmensgründung 1952