Fritz Reuter (Musikpädagoge)
Fritz Reuter (* 9. September 1896 in Löbtau; † 4. Juli 1963 in Dresden) war ein deutscher Musikwissenschaftler, Musikerzieher, Komponist und Kapellmeister. Reuter war einer der bedeutendsten deutschen Musikpädagogen des 20. Jahrhunderts. 1952 wurde er als erster Lehrstuhlinhaber für Musikpädagogik an eine deutsche Universität berufen. Außerdem war er Institutsdirektor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Humboldt-Universität zu Berlin. 1955 gehörte er zu den Initiatoren der ersten Hallischen Musiktage.
Leben
Herkunft und Musikstudium
Fritz Reuter entstammte einer sächsisch-erzgebirgischen Handwerkerfamilie.<ref name="Noll20">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 20.</ref> 1896 wurde er als Sohn des Bau- und Zimmermeisters Friedrich August Reuter (geboren 1868)<ref name="Müller">Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. W. Limpert-Verlag, Dresden 1929.</ref> in der Dresdener Arbeitervorstadt Löbtau geboren.<ref name="Eberle">Eintrag zu Fritz Reuter im Catalogus Professorum Halensis, abgerufen am 26. März 2020</ref> Sein Vater arbeitete sich zum Inhaber eines Baugeschäfts empor.<ref name="Noll20" /> Reuters Mutter Johanna, geb. Noack (geboren 1878), hatte sorbische Wurzeln<ref name="Pogoda">Ulrich Pogoda: Sorbische Orgelmusik – ein Überblick. In: Madlena Norberg, Peter Kosta (Hrsg.): Sammelband zur sorbischen, wendischen Kultur und Identität (= Podstupimske pśinoski k Sorabistice. Nr. 8). Universitäts-Verlag, Potsdam 2008, ISBN 978-3-940793-35-5, S. 80–84, hier: S. 82.</ref> und war die treibende Kraft in seiner musikalischen Ausbildung.<ref name="Müller" /> Er erhielt Klavierunterricht bei Max Stranssky und Richard Schmidt, beide Lehrer am Dresdner Konservatorium, sowie Theorieunterricht bei Paul Walde.<ref name="Müller" /> Schmidt machte ihn auch mit der Barockmusik Johann Sebastian Bachs vertraut, die Reuter lieben lernte.<ref name="Noll20" /> 1912 legte er ein Examen ab und lehrte später selbst Musiktheorie und Klavier an der 1914 von Walde gegründeten „Dresdner Lehranstalt für Musik“. Reuter kam früh mit der Musikpädagogik des Dresdner Musikschuldirektors Richard Kaden – sein spiritus rector<ref name="ClemesBuschI">Walter Clemens, Werner Busch: Zum Gedenken an Fritz Reuter. In: Heinz Wegener (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). S. I–VI, hier: S. I.</ref> – in Berührung, die in einer Traditionslinie mit den Ansätzen des Philosophen Karl Christian Friedrich Krause stand.<ref name="Noll20" />
Reuter besuchte zunächst die Bürgerschule, 1916 legte er die Reifeprüfung<ref name="Eberle" /> am Annenrealgymnasium in Dresden ab.<ref name="Müller" /> Während des Ersten Weltkrieges (1916/17) wurde er in Dresden zum Infanteristen (Grenadier) ausgebildet, aber nicht zum Kriegsdienst eingezogen.<ref name="Eberle" /> Nicht Willens das Unternehmen seines Vaters zu übernehmen, brach er mit seinem Elternhaus<ref name="Noll20" /> und begann stattdessen ein Musikstudium. Dieses finanzierte er sich durch zwei „Riemann-Stipendien“, die er für die besten musikwissenschaftlichen Jahresarbeiten erhielt,<ref name="ClemesBuschI" /> sowie studienunterbrechend als Korrepetitor am berühmten Dresdner Zirkus Sarrasani (1917) und als Theaterkapellmeister<ref name="Härtwig" /> in Allenstein/Ostpreußen.<ref name="Noll21">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 21.</ref> Zeitgleich studierte Reuter in Leipzig am Königlichen Konservatorium der Musik und am Seminar für Musikwissenschaft „Collegium musicum“.<ref name="VDK">Verband Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler, Musik-Informationszentrum (Hrsg.): Komponisten und Musikwissenschaftler der Deutschen Demokratischen Republik. Kurzbiographien und Werkverzeichnisse. 2. erweiterte Auflage. Verlag Neue Musik, Berlin 1968, S. 169.</ref> Zu seinen Lehrern gehörten u. a. Otto Weinreich und Robert Teichmüller in Klavier, Stephan Krehl in Komposition und Bernhard Porst in der Kapellmeisterausbildung sowie Hugo Riemann, Hermann Abert und Arnold Schering in Musikwissenschaft. Außerdem hörte er bei Albert Köster und Eduard Sievers in Germanistik sowie bei Eduard Spranger, Theodor Litt, Johannes Volkelt und Hans Driesch in Philosophie und Pädagogik.<ref name="Noll21" /><ref name="VDK" />
1922 wurde er an der Universität Leipzig mit der Dissertation Die Geschichte der deutschen Oper in Leipzig am Ende des 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts (1693–1720) zum Dr. phil. promoviert. Die Referenten der Arbeit waren Hermann Abert und Rudolf Kötzschke.<ref>Karl Josef Funk: Hermann Abert – Musiker, Musikwissenschaftler, Musikpädagoge. J.B. Metzler, Stuttgart 1994, ISBN 3-476-45065-1, S. 361.</ref>
Lehraufträge in Leipzig
Nebenberuflich arbeitete Reuter zunächst auch als Musikkritiker für die Leipziger Musik- und Theater-Zeitung, die 1921<ref>ZDB-ID 2340592-2</ref> erschien.<ref name="ClemesBuschI" /> Wegen seiner Tätigkeit als Komponist wurde er 1921 Lehrer für Musiktheorie am Königlichen bzw. Landeskonservatorium der Musik zu Leipzig.<ref name="ClemesBuschI" /> Dort führte er auf Empfehlung Riemanns das Generalbassspiel in die Theorielehre ein. Außerdem widmete er sich der psychologischen Grundlegung der Gehörbildung.<ref name="Noll21" /> Darüber hinaus war er ab 1922 am Kirchenmusikalischen Institut des Leipziger Konservatoriums tätig, wo er kirchliche Komposition und Musiktheorie sowie Geschichte der Kirchenmusik unterrichtete.<ref name="Eberle" /> Zusätzlich übernahm er 1924/25 an der Universität Leipzig einen Lehrauftrag für die Pädagogik der Schulmusik.<ref name="Eberle" /> Ab 1932 lehrte er auch Musikgeschichte.<ref>Siegmund Helms, Reinhard Schneider, Rudolf Weber: Neues Lexikon der Musikpädagogik. Personenteil, Bosse, Kassel 1994, ISBN 3-7649-2541-8, S. 191f.</ref> Infolge eines Gutachtens Reuters in den 1920er Jahren führte der Sächsische Landtag das Schulfach „Musik“ an Volksschulen und höheren Schulen ein.<ref name="Noll22">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 22.</ref> 1925 wurde er darüber hinaus Mitglied der Prüfungskommission für das musikalische Staatsexamen an der Universität Leipzig.<ref name="ClemesBuschI" /> Neben seiner Hochschuldozentur legte Reuter 1931 das Staatsexamen für das höhere Lehramt in den Fächern Musik und Deutsch ab.<ref name="ClemesBuschII">Walter Clemens, Werner Busch: Zum Gedenken an Fritz Reuter. In: Heinz Wegener (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). S. I–VI, hier: S. II.</ref>
Insbesondere aufgrund seiner Daghestanischen Suite für Orchester (1927), die er für autonome Sowjetrepublik Dagestanische ASSR komponiert hatte, und seinem Dirigat von Leipziger Arbeiterchören („Michaelsche Chöre“) verlor er nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 seine Lehraufträge.<ref name="Eberle" /> Auch pflegte er Kontakte mit jüdischen Musikern (u. a. Alfred Szendrei vom Leipziger Sinfonie-Orchester, dessen Dirigierkunde er 1956 herausgeben sollte) und sozialdemokratischen Politikern.<ref name="Noll23">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 23.</ref> Seine Werke wurden mit einem Aufführungsverbot belegt und die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft kündigte die laufenden Verträge mit Reuter.<ref name="Eberle" /> Szendrei, der die Uraufführungen seines Cellokonzerts (1929 zusammen mit dem Cellovirtuosen Fritz Schertel im Mitteldeutschen Rundfunk<ref>Heinz Wegener: Bibliographie Fritz Reuter. In: Ders. (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). S. I–VIII, hier: S. IVf.</ref>) und seiner Kantate Huttens letzte Tage (1930 zusammen mit dem Bariton Karl Kamann<ref>Heinz Wegener: Bibliographie Fritz Reuter. In: Ders. (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). S. I–VIII, hier: S. III.</ref>) verantwortet hatte, attestierte dem Komponisten 1970 in seinen autobiographischen Aufzeichnungen ein „starkes Talent“. Reuter und Szendrei schlossen Freundschaft und pflegten – unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg – Briefkontakt.<ref>Alfred Szendrei: „Meine Leipziger Jahre“. In: Max Pommer (Hrsg.): Im türkisen-blauen Garten. Der Weg des Kapellmeisters A. S. von Leipzig in die Emigration, erzählt von ihm selbst. Verlag J. G. Seume, Leipzig u. a. 2014, ISBN 978-3-9814045-4-8, S. 11–161, hier: S. 121.</ref>
Sächsischer Schuldienst
Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.429.811).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/34571573</ref><ref name="Prieberg6104">Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. 2. Auflage. Kiel 2009, S. 6104.</ref> 1934 wurde er zusätzlich Mitglied der NSV und im Nationalsozialistischen Lehrerbund.<ref name="Eberle" />
Nach den Stationen als Studienreferendar und -assessor<ref name="Noll23" /> wurde er 1934 Studienrat für Musik und Deutsch an der Rudolf-Hildebrand-Schule<ref name="ClemesBuschII" /> in Leipzig-Connewitz.<ref name="Eberle" /> Dort baute er ein Schüler-Blasorchester auf.<ref name="Noll23" /> 1937 wechselte er an das Sächsische Ministerium für Volksbildung nach Dresden<ref name="Eberle" /> und erhielt ebendort die „Aufsicht über die schulmusikalischen Angelegenheiten“ im Gau Sachsen.<ref name="Noll23" /> 1944 wurde er zum Oberstudienrat befördert.<ref name="Eberle" /> Bis 1945 lehrte er an einer Oberschule in Dresden-Plauen.<ref name="ClemesBuschII" />
Der Musikhistoriker Fred K. Prieberg (2009) stufte einzelne Aussagen in älteren Beiträgen zu Reuter als „Geschichtsfälschung“ ein. So habe er vor 1933 – bis auf seine Lehrverpflichtungen – keine „prominenten Ämter“ innegehabet und dann im Dritten Reich im Schuldienst Karriere gemacht.<ref name="Prieberg6106">Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. 2. Auflage. Kiel 2009, S. 6106.</ref> Andererseits schlug Reuter in den 1940er Jahren die Nachfolge Günther Ramins (Thomaskantor) als künstlerischer Leiter des Musischen Gymnasiums Leipzig, das 1941 von den Nationalsozialisten gegründet worden war, aus.<ref>Werner Heldmann: Musisches Gymnasium Frankfurt am Main 1939–1945. Eine Schule im Spannungsfeld von pädagogischer Verantwortung, künstlerischer Freiheit und politischer Doktrin. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2004, ISBN 3-631-51987-7, S. 599f.</ref>
Professuren in Halle und Berlin
Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde er zunächst aus dem Schuldienst entlassen.<ref name="Noll23" /> Er wurde Mitglied des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes<ref name="Eberle" /> und von der sowjetischen Besatzungsmacht als Dramaturg und Kapellmeister an der Volksoper in Dresden-Gittersee,<ref name="Härtwig" /> den späteren Landesbühnen Sachsen, verpflichtet.<ref name="Eberle" /> 1946 erfolgte seine Entnazifizierung, so konnte er u. a. nachweisen, dass er eine Jüdin unterstützt hatte und von der Gestapo überwacht worden war.<ref name="Eberle" /> Gemäß seinem Schüler Günther Noll (1997) hielt er den Kontakt „zu seinen jüdischen Freunden aufrecht und half ihnen bei der Flucht, trotz der damit verbundenen existentiellen Gefährdungen, versteckte sie auch bei sich zu Hause“.<ref name="Noll23" />
1949 wurde er von der Landesregierung von Sachsen-Anhalt auf Antrag der Pädagogischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Professor mit Lehrauftrag ernannt.<ref name="Eberle" /> Im Gegensatz zu anderen ehemaligen NSDAP-Mitgliedern der Fakultät wurde er in der DDR kein Mitglied einer Blockpartei.<ref>Sonja Häder: Sozialporträt der Pädagogischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg von ihrer Gründung 1946/47 bis zu ihrer Auflösung 1955. Strukturwandel vs. bürgerliche Kontinuität. In: Peter Hübner (Hrsg.): Eliten im Sozialismus. Beiträge zur Sozialgeschichte der DDR (= Zeithistorische Studien. Band 15). Böhlau, Köln u.a 1999, ISBN 978-3-412-13898-1, S. 381–403, hier: S. 395.</ref> Zusätzlich lehrte Reuter ab 1950 Musiktheorie und Komposition an der Staatlichen Hochschule für Theater und Musik Halle. 1952 wurde er an der Universität Halle zum Professor mit Lehrstuhl berufen.<ref name="Eberle" /> Ferner stand er dem dortigen Institut für Musikerziehung von 1949 bis 1955 als Gründungsdirektor vor.<ref>Jan-Hendrik Olbertz: Traditionen und Perspektiven der Pädagogik in Halle. In: Ders. (Hrsg.): Erziehungswissenschaft. Traditionen – Themen – Perspektiven. Leske und Budrich, Opladen 1997, ISBN 3-8100-1674-8, S. 51–86, hier: S. 77.</ref> In Halle etablierte Reuter einen Jahresfachlehrgang für kriegsgediente Musiklehrer, die so ihren Fachabschluss nachholen konnten.<ref>Bernd Fröde, Walter Heise, Rudolf Weber: Interview mit Werner Kaden (* 1928). In: Dies: Gleiches Bestreben in getrennten Ländern. Musikpädagogik in den beiden deutschen Staaten nach 1945 – Zeitzeugen berichten (= IfMpF-Monographie. Nr. 17). Institut für Musikpädagogische Forschung, Hannover 2007, ISBN 3-931852-77-6, S. 251–293, hier: S. 259f.</ref>
Von 1955 bis zu seinem sowjetkritischen Abgang 1962<ref name="Noll16">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 16.</ref> leitete er das Institut für Musikerziehung an der Pädagogischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort setzte er sich für den Neubau eines Konzertsaales ein.<ref name="Eberle" /> Reuters Nachfolger in Berlin wurde sein Schüler Werner Busch.<ref>Bernd Fröde, Walter Heise, Rudolf Weber: Interview mit Hella Brock (* 1919). In: Dies: Gleiches Bestreben in getrennten Ländern. Musikpädagogik in den beiden deutschen Staaten nach 1945 – Zeitzeugen berichten (= IfMpF-Monographie. Nr. 17). Institut für Musikpädagogische Forschung, Hannover 2007, ISBN 3-931852-77-6, S. 165–193, hier: S. 188.</ref>
Von 1951 bis zur Ablösung durch Walther Siegmund-Schultze 1955 war Reuter erster Vorsitzender des Bezirksverbandes Halle-Magdeburg des Verbandes Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler.<ref name="Stöck174" /> Neben Walter Draeger, Gerhard Wohlgemuth und anderen gehörte er als Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Halle zu den Initiatoren der 1955 veranstalteten 1. Hallischen Musiktage.<ref>Thomas Buchholz (Red.): Hallische Musiktage 1955–2005. Hrsg. vom Landesverband Sachsen-Anhalt Deutscher Komponisten e. V., Halle (Saale) 2005, S. 5; buchholz-komponist.de (PDF; 576 kB).</ref> Er war es auch, der im Oktober 1954 die zuvor „aufgeworfene Idee solcher Musiktage erstmals konkretisiert“ hatte.<ref name="Stöck232">Gilbert Stöck: Neue Musik in den Bezirken Halle und Magdeburg zur Zeit der DDR. Kompositionen, Politik, Institutionen. Schröder, Leipzig 2008, ISBN 978-3-926196-50-7, S. 232 / Fn. 352.</ref>
In der DDR wirkte Reuter zeitweise als Fachrichtungsleiter<ref name="MGG">Ludwig Holtmeier: Reuter, Fritz. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 13 (Paladilhe – Ribera). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2005, ISBN 3-7618-1133-0, Sp. 1588–1590 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)</ref> und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Musikerziehung beim Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen sowie Mitglied des Wissenschaftlichen Rates beim Ministerium für Volksbildung der DDR.<ref>Werner Busch: Zum Geleit. In: Heinz Wegener (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). o. S.</ref> Letztlich ist es ihm zu verdanken, dass die Musikerziehung eine universitäre Disziplin wurde.<ref>Bernd Fröde, Rudolf Weber: Interview mit Lothar Höchel (* 1931). In: Bernd Fröde, Walter Heise, Rudolf Weber: Gleiches Bestreben in getrennten Ländern. Musikpädagogik in den beiden deutschen Staaten nach 1945 – Zeitzeugen berichten (= IfMpF-Monographie. Nr. 17). Institut für Musikpädagogische Forschung, Hannover 2007, ISBN 3-931852-77-6, S. 383–411, hier: S. 391.</ref>
Familie und Nachlass
Fritz Reuter war evangelisch-lutherischer Konfession<ref name="Eberle" /> und galt als „tief religiös“.<ref name="Noll19">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 19.</ref> Er war seit 1924 mit der Sängerin<ref>H.L.: Jugendkonzerte im Stundenplan. Weg und Wirken des Generalmusikdirektors Rolf Reuter. In: Neue Zeit, 14. April 1962, Jg. 18, Ausgabe 89, S. 3.</ref> Erna Sophie, geb. Votteler (1896–1968), verheiratet<ref name="Müller" /> und Vater von vier Kindern;<ref name="Noll23" /> sein Sohn Rolf Reuter (1926–2007) wurde Dirigent.<ref name="Härtwig" /> Ein Jahr nach seinem Ruhestand verstarb er 1963 in Dresden<ref name="ClemesBuschV" /> und wurde auf dem evangelischen Inneren Plauenschen Friedhof in Dresden-Plauen beigesetzt.
Sein Nachlass (etwa neun Regalmeter) mit Autographen, Briefen u. a. befindet sich in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.<ref>Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. Auflage. Kiel 2009, S. 9567f.</ref> Zum 25. Todestag Reuters (1988) wurde ebendort eine kleine Ausstellung zu seiner Person eröffnet.<ref>Fritz-Reuter-Ausstellung in der Staatsbibliothek. In: Berliner Zeitung, 7. Juli 1988, Jg. 44, Ausgabe 159, S. 7.</ref>
Weitere Unterlagen befinden sich u. a. in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern Günther Uecker in Schwerin, der Hochschulbibliothek der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, der Monacensia der Münchner Stadtbibliothek und der Stadtbibliothek Trier<ref>Eintrag zu Fritz Reuter in Kalliope</ref> sowie der Sammlung Steven Swanson in Frisco, Texas.<ref>Alfred Sendrey im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (LexM)</ref> Ein Briefwechsel mit seinem Westberliner Kollegen Hermann Grabner (vormaliger Leipziger Universitätsmusikdirektor) von 1951/52 wurde in der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe abgedruckt.<ref>Vgl. Hermann Grabner: Briefwechsel mit Fritz Reuter. In: Heinz Wegener (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). S. 343–345.</ref>
Werk
In den 1920er Jahren wurde Reuter durch die Jugendbewegung politisiert, wobei er eher der „linken“ Strömung zuzurechnen war.<ref name="MGG" /> Im Nationalsozialismus und später im Sozialismus passte er sich sowohl als Komponist als auch als Wissenschaftler an.<ref name="MGG" /> Nach Ludwig Holtmeier (2005) „bediente er jedenfalls die politisch korrekten Gattungen“, wobei er bereits in den späten 1920er Jahren mit verschiedenen Kantaten experimentierte.<ref name="MGG" /> Sein breitgefächertes<ref name="Härtwig" /> kompositorisches Œuvre (Heinz Wegener erarbeitete für die Gedenkschrift Fritz Reuter 1966 ein Werkverzeichnis) beläuft sich auf ca. 300 Werke, von denen während des Krieges einige vernichtet wurden.<ref name="Noll29">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 29.</ref> Er komponierte Vokalmusik- (u. a. ein weltliches Oratorium, sieben Kantaten, eine Messe, Sololieder), Bühnen- (u. a. vier Opern, zwei Melodramen) und Instrumentalmusikwerke (u. a. drei Sinfonien, jeweils ein Konzert für Cello, Violine und Orgel, mehrere Orchestersuiten, Klavier- und Orgelmusik).<ref name="Eberle" /><ref name="Noll29" /> Reuters kompositorischer Weg war gezeichnet „vom spätromantisch-expressionistischen Beginn zu melodisch-satztechnischer Prägnanz auf der Basis polyphoner Stimmführung“, wie Dieter Härtwig (2005) feststellte.<ref name="Härtwig" /> Nach Gilbert Stöck (2008) ging Reuter in der DDR „zuweilen auf kritische Distanz zu einigen Dogmen des sozialistischen Realismus“ und verfolgte einen neuromantischen Stil.<ref name="Stöck174">Gilbert Stöck: Neue Musik in den Bezirken Halle und Magdeburg zur Zeit der DDR. Kompositionen, Politik, Institutionen. Schröder, Leipzig 2008, ISBN 978-3-926196-50-7, S. 174.</ref> Noll attestierte dem Komponisten durchaus einen Hang zu „progressiver Stilistik“.<ref name="Noll25" /> So wurde er u. a. in Konzerten der „Sektion Neue Musik“ der Dresdner Ortsgruppe des Kulturbundes (1949)<ref>Stefan Weiss: Der Dresdner Kulturbund und die Neue Musik (1946–1950). In: Matthias Herrmann, Hanns-Werner Heister (Hrsg.): Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert. Bericht über das vom Dresdner Zentrum für Zeitgenössische Musik und vom Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden veranstaltete Kolloquium (= Musik in Dresden. Band 5). Teil 2: 1933–1966. Laaber, Laaber 2002, ISBN 3-89007-510-X, S. 213–226, hier: S. 226.</ref> und der Hallischen Musiktage (1955)<ref>Thomas Buchholz (Red.): Hallische Musiktage 1955–2005. Hrsg. vom Landesverband Sachsen-Anhalt Deutscher Komponisten e. V., Halle (Saale) 2005, S. 12 (PDF (PDF; 576 kB) ).</ref> gespielt. Seinen ersten größeren Erfolg hatte er mit der Kantate Der Struwwelpeter (1930).<ref name="Härtwig" /> Auf einen Text von Ernst Wiechert schuf er um 1934 das Oratorium Das Spiel vom deutschen Bettelmann.<ref name="Härtwig" /> Prieberg ging auf problematische Kompositionen Reuters in der Zeit des Nationalsozialismus ein wie etwa die vom Reichsverband für Volksmusik herausgegebene Sudetendeutsche Suite (1939), dessen Titel die Abtretung des Sudetenlandes zelebrierte.<ref name="Prieberg6106" /> Weiterhin wurden einzelne Werke wie Der Mütter Kreis (1935) bei einschlägigen Kulturveranstaltungen dargeboten, etwa der NS-Frauenschaft und der NS-Kulturgemeinde.<ref name="Prieberg6106" /> 1937 wurde er neben anderen sächsischen Komponisten bei der „Gaukulturwoche“ Sachsen in Bautzen unter Reichskulturkammerpräsident Peter Raabe vorgestellt.<ref>Dieter Härtwig: Die Dresdner Philharmonie zwischen Paul van Kempen und Heinz Bongartz. Zu Ur- und Erstaufführungen von 1934 bis 1964. In: Matthias Herrmann, Hanns-Werner Heister (Hrsg.): Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert. Bericht über das vom Dresdner Zentrum für Zeitgenössische Musik und vom Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden veranstaltete Kolloquium (= Musik in Dresden. Band 5). Teil 2: 1933–1966. Laaber, Laaber 2002, ISBN 3-89007-510-X, S. 189–202, hier: S. 194.</ref> Zwischen 1945 und 1949 entstanden einige Bühnenwerke u. a. die Neubearbeitungen von Pergolesis Intermezzo La serva padrona<ref>Ernst Krause: Oper A–Z. Ein Opernführer. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, S. 358.</ref> (1947) aus dem Jahr 1733 und des Balletts Henrikje (1947) von Inka Unverzagt.<ref name="Eberle" /> 1948 wurde die Komische Oper Ein Funken Liebe (um 1940) an der Dresdner Volksoper uraufgeführt.<ref>Hansjörg Schneider: Hoffnung zwischen Trümmern. Dresdner Theater nach 1945 (= Dresdner Miniaturen. Band 7). Hellerau-Verlag, Dresden 1999, ISBN 3-910184-66-9, S. 62.</ref> Als hoch entwickelt gilt seine Weimarer Rezeption (1948/49) von Goethes Singspiel Scherz, List und Rache.<ref>Jörg Krämer: Die Rezeption von Goethes Singspielen – zeitgenössische Wirkungen und spätere Annäherungen. In: Gabriele Busch-Salmen (Hrsg.): Goethe-Handbuch. Supplemente, Band 1: Musik und Tanz in den Bühnenwerken. Metzler, Stuttgart u. a. 2008, ISBN 978-3-476-01846-5, S. 75–96, hier: S. 94.</ref> Reuters Musik wurde in der DDR auch vom Konzertorchester seiner Heimatstadt, der Dresdner Philharmonie, aufgeführt.<ref>Dieter Härtwig: Die Dresdner Philharmonie zwischen Paul van Kempen und Heinz Bongartz. Zu Ur- und Erstaufführungen von 1934 bis 1964. In: Matthias Herrmann, Hanns-Werner Heister (Hrsg.): Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert. Bericht über das vom Dresdner Zentrum für Zeitgenössische Musik und vom Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden veranstaltete Kolloquium (= Musik in Dresden. Band 5). Teil 2: 1933–1966. Laaber, Laaber 2002, ISBN 3-89007-510-X, S. 189–202, hier: S. 200f.</ref>
Reuter war ein namhafter Musiktheoretiker.<ref name="MGG" /> Nach den Bemühungen Salomon Jadassohns im ausgehenden 19. Jahrhundert war seine 1929 publizierte Methodik des musiktheoretischen Unterrichts wegweisend.<ref name="MGG" /> Bereits 1926 machte er auf die Entfremdung von Kompositionslehre und Musiktheorie aufmerksam.<ref name="MGG" /> Daraus folgerte er, dass die Musiktheorie wissenschaftlicher und pädagogischer werden müsse.<ref name="MGG" /> Wie auch sein Freund und Kollege Sigfrid Karg-Elert vertrat er eine polaristische und funktionale Harmonik.<ref name="Härtwig" /> So fußte Reuters Lehrbuch Praktische Harmonik des 20. Jahrhunderts (1952) direkt auf dessen Polaristischer Klang- und Tonalitätslehre.<ref>Jonathan Gammert: Polarismus als Politikum. Die Musiktheorie Fritz Reuters und Sigfrid Karg-Elerts als Gegenstand einer ideologischen Kritik. In: Musiktheorie 29 (2014) 1, S. 51–64, hier: S. 52.</ref> Magret Hager (2005) bezeichnete Reuters Werk als „Manifest des Polarismus“.<ref>Magret Hager: Fritz Reuters Praktische Harmonik des 20. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte der Musiktheorie. In: Ariane Jessulat, Andreas Ickstadt, Martin Ullrich (Hrsg.): Zwischen Komposition und Hermeneutik. Festschrift für Hartmut Fladt. Königshausen und Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3211-X, S. 129–137, hier: S. 131.</ref> Seine Anstrengungen in der DDR zogen einen fachwissenschaftlichen Diskurs in der Zeitschrift Musik und Gesellschaft nach sich, an dem sich auch Siegfried Bimberg, Christoph Hohlfeld und Johannes Piersig beteiligten.<ref>Günther Eisenhardt: Fritz Reuters Engagement für die Harmonologik Karg-Elerts. In: Thomas Schinköth (Hrsg.): Sigfrid Karg-Elert und seine Leipziger Schüler. Die Referate des Kolloquiums der Karg-Elert-Gesellschaft in Leipzig vom 1. bis 3. November 1996 (= Mitteilungen der Karg-Elert-Gesellschaft. 1997/98). Von Bockel, Hamburg 1999, ISBN 3-928770-85-3, S. 187–199, hier: S. 191ff.</ref> Die Auseinandersetzung mündete im Konflikt mit Georg Knepler von der Deutschen Hochschule für Musik Berlin, der bei Reuter einen Widerspruch zum dialektischen Materialismus sah.<ref name="MGG" /> Letztlich setzte sich aus sachlichen Erwägungen Hermann Grabners monistische Funktionstheorie, die ihren Ursprung bei Riemann hatte, durch.<ref name="MGG" />
Holtmeier bezeichnete ihn als einen der „Gründungsväter“ der Musikpädagogik in Deutschland.<ref name="MGG" /> Nach Walter Clemens und Werner Busch hat er sich auf dem Gebiet „einen internationalen Ruf erworben“.<ref name="ClemesBuschV" /> Bereits in der Weimarer Republik gab er insbesondere neben Walter Kühn und Georg Schünemann erste musikpädagogische Anstöße.<ref>Alexander J. Cvetko, Stefan Hörmann: Historische Musikpädagogik. In: Michael Dartsch, Jens Knigge, Anne Niessen, Friedrich Platz, Christine Stöger (Hrsg.): Handbuch Musikpädagogik. Grundlagen – Forschung – Diskurse. Waxmann/UTB, Münster u. a. 2018, ISBN 978-3-8252-5040-9, S. 460–463, hier: S. 460.</ref> Früh machte sich Reuter um die „wissenschaftliche Fundierung“ der Musikerziehung verdient.<ref name="Härtwig" /> Reuter veröffentlichte u. a. zur Harmonielehre und legte 1926 ein Elementarwerk zur Musiklehrerausbildung (Musikpädagogik in Grundzügen) vor.<ref name="Eberle" /> 1929 fand sich sein Name in Hugo Riemanns Musik-Lexikon wieder.<ref>Alfred Einstein (Bearb.): Hugo Riemanns Musik-Lexikon. 11. Auflage. M. Hesse, Berlin 1929, S. 1499.</ref> Wie auch Richard Wicke erlangte er dann in der Musikpädagogik der DDR eine exponierte Position.<ref>Wolfgang Martin: Studien zur Musikpädagogik der Weimarer Republik. Ansätze einer Theorie des Musiklernens bei W. Kühn, F. Reuter, G. Schünemann und R. Wicke (= Musikpädagogik. Band 19). Schott, Mainz u. a. 1982, ISBN 3-7957-1718-3, S. 13.</ref> Wilfried Gruhn (1993) nannte ihn den „Nestor der DDR-Musikerziehung“.<ref>Wilfried Gruhn: Geschichte der Musikerziehung. Eine Kultur- und Sozialgeschichte vom Gesangunterricht der Aufklärungspädagogik zu ästhetisch-kultureller Bildung. Wolke-Verlag, Hofheim 1993, ISBN 3-923997-55-8, S. 399.</ref> Eine DDR-Dissertation von 1973 sah in ihm einen „Wegbereiter für eine sozialistische Schulmusikpädagogik“.<ref>Vgl. William Geissler: Fritz Reuter. Seine Entwicklung vom bürgerlichen Kapellmeister, Komponisten und Musikwissenschaftler zum Wegbereiter für eine sozialistische Schulmusikpädagogik. Dissertation A, Universität Halle 1973.</ref> In den 1950er Jahren forderte er die Einbeziehung empirischer Forschungsmethoden in die Disziplin.<ref>Maria Luise Schulten, Kai Stefan Lothwesen: Empirisches Forschen in der Musikpädagogik. In: Dies. (Hrsg.): Methoden empirischer Forschung in der Musikpädagogik. Eine anwendungsbezogene Einführung. Waxmann, Münster 2017, ISBN 978-3-8309-3590-2, S. 9–26, hier: S. 14f.</ref> Bereits in den 1930er Jahren entwickelte er eine Abneigung gegenüber der musikalischen Moderne, vor allem der Neuen Musik.<ref name="MGG" /> Reuter sah den traditionellen Einsatz von Tonalität und Konsonanz als Maßstab für die Musikerziehung an.<ref name="Noll25">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 25.</ref> Ähnlich wie Theodor W. Adorno lehnte er auch die Unterhaltungsmusik und den Jazz ab. Reuter argumentierte mit Platons Ethoslehre.<ref>Wilfried Gruhn: Geschichte der Musikerziehung. Eine Kultur- und Sozialgeschichte vom Gesangunterricht der Aufklärungspädagogik zu ästhetisch-kultureller Bildung. Wolke-Verag, Hofheim 1993, ISBN 3-923997-55-8, S. 401.</ref> Nach Gerd Rienäcker (2010) gehörte er neben Hans-Georg Görner, Georg Trexler und Wilhelm Weismann zu einem Zirkel, „der durch Konservatismus verschiedener Couleur das zeitgenössische Musikschaffen in der DDR diskreditiert hat“.<ref>Frank Kämpfer im Gespräch mit Gerd Rienäcker: … von moralischen Konnotationen befreien. Über DDR-Musikgeschichte vor und nach 1989/90. In: Neue Zeitschrift für Musik 171 (2010) 2, S. 12–15, hier: S. 13.</ref>
Schüler
In seiner Zeit als Hochschullehrer betreute er 19 Dissertationen<ref>Heinz Wegener: Bibliographie Fritz Reuter. In: Ders. (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). S. I–VIII, hier: S. VII.</ref> (Siegfried Bimberg, Hella Brock, Werner Busch, Walter Clemens, Werner Felix, Johannes Hanspach, Lothar Höchel, Hans John, Magdalene Kemlein, Karl Kleinig, Rudolf Lüdecke, Rolf Lukowsky, Paul Michel, Günther Müller, Günther Noll, Günter Olias, Johannes Georg Pahn, Otto Preu und Kurt Wichmann) und vier Habilitationsschriften<ref>Heinz Wegener: Bibliographie Fritz Reuter. In: Ders. (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). S. I–VIII, hier: S. VIII.</ref> (Siegfried Bimberg, Hella Brock, Werner Busch und Rolf Lukowsky).<ref name="Noll28">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 28.</ref>
Zu seinen Schülern, darunter auch Dirigenten und Komponisten, gehörten neben seinem Sohn Rolf Reuter<ref>Gabriele Baumgartner: Reuter, Rolf. In: Gabriele Baumgartner, Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. 1945–1990. Band 2: Maaßen–Zylla. Nachtrag zu Band 1, K. G. Saur, München 1997, ISBN 3-598-11177-0, S. 708.</ref> ferner Heinz Roy<ref name="Pogoda" /> und Manfred Schubert<ref>Annette Thein: Schubert Manfred. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Supplement für beide Teile. Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2008, ISBN 978-3-7618-1139-9 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)</ref> in Berlin, Günter Bust,<ref>Kerstin Hansen: Bust, Günter, im: Online-Portal Musikkoffer Sachsen-Anhalt, musikkoffer-sachsen-anhalt.de; abgerufen am 17. Februar 2019.</ref> Günter Fleischhauer,<ref>Günter Fleischhauer: Fleischhauer, Günter. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 6 (Eames – Franco). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2001, ISBN 3-7618-1116-0 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)</ref> Horst Irrgang,<ref>Günter Bust, Kerstin Hansen: Irrgang, Horst Artur Alfred. In: Guido Heinrich, Gunter Schandera (Hrsg.): Magdeburger Biographisches Lexikon 19. und 20. Jahrhundert. Biographisches Lexikon für die Landeshauptstadt Magdeburg und die Landkreise Bördekreis, Jerichower Land, Ohrekreis und Schönebeck. Scriptum, Magdeburg 2002, ISBN 3-933046-49-1 (Artikel online).</ref> Erhard Ragwitz,<ref>Ingeburg Kretzschmar: Kunst muß immer auch eine Kraftquelle sein. Vorgestellt: Erhard Ragwitz, Professor für Tonsatz und Komponist. In: Berliner Zeitung, 15. März 1986, Jg. 42, Ausgabe 63, S. 10.</ref> Gerhard Wohlgemuth<ref>Gilbert Stöck: Neue Musik in den Bezirken Halle und Magdeburg zur Zeit der DDR. Kompositionen, Politik, Institutionen. Schröder, Leipzig 2008, ISBN 978-3-926196-50-7, S. 125.</ref> und Carlferdinand Zech<ref>Günter Bust, Kerstin Hansen: Irrgang, Horst Artur Alfred. In: Guido Heinrich, Gunter Schandera (Hrsg.): Magdeburger Biographisches Lexikon 19. und 20. Jahrhundert. Biographisches Lexikon für die Landeshauptstadt Magdeburg und die Landkreise Bördekreis, Jerichower Land, Ohrekreis und Schönebeck. Scriptum, Magdeburg 2002, ISBN 3-933046-49-1 (Artikel online).</ref> in Halle an der Saale und Benno Ammann,<ref>Hedwig und Erich Hermann Mueller von Asow (Hrsg.): Kürschners deutscher Musiker-Kalender 1954. 2. Ausgabe des Deutschen Musiker-Lexikons, de Gruyter, Berlin 1954, Sp. 20.</ref> Herbert Collum,<ref name="ClemesBuschV" /> Musja Gottlieb,<ref>Thomas Schinköth: Jüdische Musiker in Leipzig (1855–1945). Kamprad, Altenburg 1994, ISBN 3-930550-00-8, S. 51.</ref> Hans Heintze,<ref name="ClemesBuschV">Walter Clemens, Werner Busch: Zum Gedenken an Fritz Reuter. In: Heinz Wegener (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). S. I–VI, hier: S. V.</ref> Franz Konwitschny,<ref name="Härtwig" /> Lars-Erik Larsson,<ref>Göran Bergendal: Larsson, Lars-Erik. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).</ref> Werner Neumann,<ref>Werner Neumann: Neumann, Werner. In: Friedrich Blume (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Erste Ausgabe, Band 9 (Mel – Onslow). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 1961, DNB 550439609</ref> Assen Najdenow,<ref>Horst Seeger: Musiklexikon. In zwei Bänden. Band 2: L–Z. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1966, S. 337.</ref> Otto Riemer,<ref>Hedwig und Erich Hermann Mueller von Asow (Hrsg.): Kürschners deutscher Musiker-Kalender 1954. 2. Ausgabe des Deutschen Musiker-Lexikons, de Gruyter, Berlin 1954, Sp. 1059.</ref> Peter Schacht<ref>Ludwig Holtmeier: Schacht, Peter. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 14 (Riccati – Schönstein). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2005, ISBN 3-7618-1134-9 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)</ref> und Georg Trexler<ref>Gernot Maria Grohs: Trexler, Georg Max. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Supplement für beide Teile. Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2008, ISBN 978-3-7618-1139-9 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)</ref> in Leipzig.
Ehrungen
Für sein Konzert für Violine und Orchester (1953) wurde Reuter 1955 mit dem Musikpreis der Stadt Halle ausgezeichnet.<ref name="Noll30">Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35, hier: S. 30.</ref> Der Kölner Musikwissenschaftler Paul Mies (1965) befand in einer Werkanalyse: „Das Werk zeigt Reuters Künstlerschaft im schönsten Lichte; es ist meisterhaft“.<ref>Paul Mies: Das Konzert für Violine und Orchester von Fritz Reuter. In: Heinz Wegener (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter (= Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3). S. 419–422, hier: S. 422.</ref>
An der Berliner Humboldt-Universität wurde der Fritz-Reuter-Saal in der Dorotheenstraße 24 nach dem Musikpädagogen benannt. Darin richtete man 1958 auch eine Schuke-Orgel ein.<ref>Markus Voigt: Orgelbewegung in der DDR. Betrachtung eines konträren wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Umfeldes von 1945 bis 1990 (= Schriftenreihe Studien zur Musikwissenschaft. Band 17). Kovač, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4627-1, S. 160.</ref> Postum wurde ihm zu seinem 100. Geburtstag im Konzertsaal ein Gedenkkonzert gewidmet.<ref name="Härtwig" />
Anlässlich seines 65. Geburtstages (1961) wurde ihm von seinem Schüler Siegfried Bimberg eine Festschrift überreicht. An den Feierlichkeiten im neuen Musiksaal der Humboldt-Universität zu Berlin nahmen der Rektor Kurt Schröder, der Dekan der Pädagogischen Fakultät Kurt Haspas und der stellvertretende Minister für Kultur Hans Pischner teil. Ferner erhielt Reuter für seine kulturpolitischen Verdienste vom Staatsrat der DDR den Vaterländischen Verdienstorden in Silber.<ref>Walter Clemens: Feier zum 65. Geburtstag. Prof. Dr. Fritz Reuter. In: Musik in der Schule 12 (1961) 11, S. 535 f.</ref>
Publikationen (Auswahl)
Herausgaben
- Klavierübung. 2 Teile in einem Heft, Mitteldeutscher Verlag, Halle 1951.
- Alte Programm-Musik für Klavier. Mitteldeutscher Verlag, Halle 1951.
- Dirigierkunde (von Alfred Szendrei). 3., überarbeitete Auflage. VEB Breitkopf & Härtel, Leipzig 1956.
Bücher
- Das musikalische Hören auf psychologischer Grundlage. C. F. Kahnt, Leipzig 1925; 2. Auflage 1942.
- Musikpädagogik in Grundzügen. Quelle & Meyer, Leipzig 1926.
- Zur Methodik der Gehörübungen und des Musikdiktats. C. F. Kahnt, Leipzig 1927.
- Praktische Gehörbildung auf Grundlage der Tonika-Do-Lehre. C. F. Kahnt, Leipzig 1928.
- Harmonieaufgaben nach dem System Sigfrid Karg-Elerts. C. F. Kahnt, Leipzig 1928.
- Die Beantwortung des Fugenthemas. Dargestellt an den Themen von Bachs Wohltemperiertem Klavier. C. F. Kahnt, Leipzig 1929.
- Methodik des musiktheoretischen Unterrichts auf neuzeitlichen Grundlagen. E. Klett, Stuttgart 1929; Mitteldeutscher Verlag, Halle 1950; 2. Auflage 1950.
- Der Kuckuck und der Esel. Kinderlieder – Bilderbuch – Klavierschule. Zeichnungen von Erich Weber-Links, Zusammensteller: Kurt Herzog. Junne, Main u. a. 1947.
- Praktisches Partitur-Spielen. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 1951; 2. Auflage. VEB Hofmeister, Leipzig 1954.
- Praktisches Generalbass-Spielen. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 1951; 2. Auflage. VEB Hofmeister, Leipzig 1955.
- Praktische Harmonik des 20. Jahrhunderts. Konsonanz- und Dissonanzlehre nach dem System von Sigfrid Karg-Elert mit Aufgaben. Mitteldeutscher Verlag, Halle 1951.
- Grundlagen der Musikerziehung. VEB Breitkopf & Härtel, Leipzig 1962; bulgarische Übersetzung 1968.
Diskografie
- Sonate für Violine und Klavier (Lausitzer Sonate) / Phantastische Suite für Flöte und Klavier op. 6 / Der Hase und Der Igel (Eterna/Nova, 1965) mit Rolf Reuter, Barbara Reuter-Rau, Heinz Fügner, Ursula Wendler-Reuter und dem Gewandhausorchester Leipzig – Aufnahmen von 1963 und 1964
Literatur
Nachschlagewerke
- Gabriele Baumgartner: Reuter, Fritz. In: Gabriele Baumgartner, Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. 1945–1990. Band 2: Maaßen–Zylla. Nachtrag zu Band 1, K. G. Saur, München 1997, ISBN 3-598-11177-0, S. 707.
- Eintrag zu Fritz Reuter im Catalogus Professorum Halensis
- Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht (Hrsg.): Brockhaus-Riemann-Musiklexikon. In vier Bänden und einem Ergänzungsband. Band 3: L–Q. Schott, Mainz 1989, ISBN 3-7957-8303-8.
- Paul Frank, Wilhelm Altmann: Kurzgefasstes Tonkünstler-Lexikon. Für Musiker und Freunde der Musik. Fortgeführt von Burchard Bulling, Florian Noetzel, Helmut Rösner. Zweiter Teil: Ergänzungen und Erweiterungen seit 1937. Band 1: L–Z. 15. Auflage. Heinrichshofen, Wilhelmshaven 1978, ISBN 3-7959-0087-5, S. 216.
- Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das Deutsche Who’s Who. 12. Ausgabe von Degeners Wer ist’s? Arani, Berlin 1955.
- Dieter Härtwig: Reuter, Fritz. In: Friedrich Blume (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Erste Ausgabe, Band 11 (Rasch – Schnyder von Wartensee). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 1963, DNB 550439609
- Dieter Härtwig: Reuter, Fritz. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- Dieter Härtwig: Fritz Reuter. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): Sächsische Biografie.
- Siegmund Helms, Reinhard Schneider, Rudolf Weber: Neues Lexikon der Musikpädagogik. Personenteil, Bosse, Kassel 1994, ISBN 3-7649-2541-8, S. 191f.
- Ludwig Holtmeier: Reuter, Fritz. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 13 (Paladilhe – Ribera). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2005, ISBN 3-7618-1133-0, Sp. 1588–1590 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)
- Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Vollständig überarbeitete Ausgabe, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-17153-8, S. 438.
- Volker Klimpel: Berühmte Dresdner. Historisch-biographisches Handbuch bedeutender Persönlichkeiten, geboren in Dresden. Hellerau-Verlag, Dresden 2002, ISBN 3-910184-85-5, S. 136.
- Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Band 3: Pallenberg–Singer. De Gruyter, Berlin 1992, ISBN 3-317-00456-8.
- Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. W. Limpert-Verlag, Dresden 1929.
- Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 6104–6107. online
- Horst Seeger: Das grosse Lexikon der Oper. Über 12000 Stichwörter und Erklärungen. Pawlak, Herrsching 1985, ISBN 3-88199-243-X, S. 465.
- Horst Seeger: Musiklexikon. In zwei Bänden. Band 2: L–Z. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1966, S. 337f.
- Wolfgang Suppan: Das neue Lexikon des Blasmusikwesens. Hrsg. in Verbindung mit dem Bund Deutscher Blasmusikverbände, 3. Auflage des Lexikons des Blasmusikwesens, Freiburg-Tiengen 1988, ISBN 3-923058-04-7, S. 293.
- Verband Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler, Musik-Informationszentrum (Hrsg.): Komponisten und Musikwissenschaftler der Deutschen Demokratischen Republik. Kurzbiographien und Werkverzeichnisse. 2. erweiterte Auflage. Verlag Neue Musik, Berlin 1968, S. 169–171.
- Fritz Reuter. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 8: Poethen–Schlüter. K. G. Saur, München 2007, ISBN 978-3-598-25038-5, S. Vorlage:VonBis (books.google.de – eingeschränkte Ansicht).
Aufsätze und Einzelstudien
- Günther Eisenhardt: Fritz Reuters Engagement für die Harmonologik Karg-Elerts. In: Thomas Schinköth (Hrsg.): Sigfrid Karg-Elert und seine Leipziger Schüler. Die Referate des Kolloquiums der Karg-Elert-Gesellschaft in Leipzig vom 1. bis 3. November 1996. Von Bockel, Hamburg 1999, ISBN 3-928770-85-3, S. 187–199 (= Mitteilungen der Karg-Elert-Gesellschaft. 1997/98).
- Jonathan Gammert: Polarismus als Politikum. Die Musiktheorie Fritz Reuters und Sigfrid Karg-Elerts als Gegenstand einer ideologischen Kritik. In: Musiktheorie 29 (2014) 1, S. 51–64.
- William Geissler: Fritz Reuter. Seine Entwicklung vom bürgerlichen Kapellmeister, Komponisten und Musikwissenschaftler zum Wegbereiter für eine sozialistische Schulmusikpädagogik. Dissertation A, Universität Halle 1973.
- Magret Hager: Fritz Reuters Praktische Harmonik des 20. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte der Musiktheorie. In: Ariane Jessulat, Andreas Ickstadt, Martin Ullrich (Hrsg.): Zwischen Komposition und Hermeneutik. Festschrift für Hartmut Fladt. Königshausen und Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3211-X, S. 129–137.
- Wolfgang Martin: Studien zur Musikpädagogik der Weimarer Republik. Ansätze einer Theorie des Musiklernens bei W. Kühn, F. Reuter, G. Schünemann und R. Wicke (= Musikpädagogik, Band 19). Schott, Mainz u. a. 1982, ISBN 3-7957-1718-3.
- Günther Noll: Fritz Reuter (1896–1963). Eine Hommage anläßlich seines 100. Geburtstages. In: Rudolf-Dieter Kraemer (Hrsg.): Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte – Zeitgeschichte – Lebensgeschichte (= Musikpädagogische Forschung. Band 18). Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997, ISBN 3-89206-828-3, S. 14–35.
- Heinz Wegener (Red. Bearb.): Gedenkschrift Fritz Reuter. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 15 (1966) 3, S. 307–457 (mit Beiträgen von Theodor Hoelty-Nickel, Siegfried Borris, Heinrich Besseler, Walther Siegmund-Schultze, Alfred Szendrei, Herbert Schulze u. a.).
Weblinks
- Werke von und über Fritz Reuter im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Fritz Reuter in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Eintrag zu Fritz Reuter in Kalliope
- Fritz Reuter auf dem Theaterzettelportal „Theater und Musik in Weimar 1754–1969“
- Fritz Reuter bei Discogs
- Musikalischer Nachlass an der Staatsbibliothek zu Berlin
Einzelnachweise
<references> <ref name="Härtwig">Dieter Härtwig: Fritz Reuter. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): Sächsische Biografie.</ref> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reuter, Fritz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Komponist, Musikwissenschaftler, Pädagoge und Kapellmeister |
| GEBURTSDATUM | 9. September 1896 |
| GEBURTSORT | Löbtau |
| STERBEDATUM | 4. Juli 1963 |
| STERBEORT | Dresden |
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- Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert)
- Komponist (Oper)
- Musikpädagoge
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- Hochschullehrer (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
- Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin)
- Hochschullehrer (Staatliche Hochschule für Theater und Musik Halle)
- Hochschullehrer (HMT Leipzig)
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- NSDAP-Mitglied
- Musiker (Dresden)
- Deutscher
- Geboren 1896
- Gestorben 1963
- Mann