Franz Boehm (Widerstandskämpfer)
Franz Boehm (* 3. Oktober 1880 in Bolleschin (Westpreußen); † 13. Februar 1945 im KZ Dachau) war ein römisch-katholischer Priester des Erzbistums Köln, Widerstandskämpfer und Märtyrer.
Leben
Franz Boehm entstammte einer deutsch-polnischen Lehrerfamilie. Er wurde 1880 in Bolleschin in Westpreußen geboren. Die Grundschuljahre verbrachte er im Rheinland. Das Abitur legte er in Mönchengladbach ab. Nach den philosophischen und theologischen Studien in Bonn wurde er 1906 zum Priester für das Erzbistum Köln geweiht. An seinen drei Kaplansstellen im Ruhrgebiet war er auch in der Polenseelsorge tätig, da er die polnische Sprache beherrschte. Auch taufte er in der Muttersprache und nicht wie damals vorgesehen in Latein. Die erste Pfarrstelle trat er 1917 in St. Katharina in Gerresheim/Vennhausen (heute Düsseldorf-Gerresheim) an. Von 1923 bis 1936 war er Pfarrer an der Pfarrkirche St. Johannes in Sieglar.<ref>Albert Schulte. Das Pfarrarchiv von St. Johannes Sieglar. In: Troisdorfer Jahreshefte Jahrgang I, S. 102 ff. Troisdorf 1951 (Link)</ref> Nach einer von Boehm selbst als "Exilzeit" bezeichneten Zwischenphase wurde Boehm im April 1938 vom Kölner Kardinal Schulte zum Pfarrer an St. Gereon in Monheim am Rhein berufen. Im Juni 1944 wurde er in der Kirche von den Nationalsozialisten wegen fortgesetzten staatsabträglichen Verhaltens<ref name="Gestapo-Akte"> Boehms Gestapo-Akte im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Signatur: RW 0058 Nr. 9323</ref> verhaftet. Im August wurde Boehm ins KZ Dachau deportiert, wo er am 13. Februar 1945 starb.
Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Unterstützt durch den damaligen Sieglarer Bürgermeister Jakob Hörsch<ref>Albert Schulte: Die Machtergreifung 1933 in Sieglar. Troisdorfer Jahreshefte, Band 13 (1983), S. 2–24; abgerufen am 22. November 2022.</ref> ermittelte die Staatspolizei wiederholt gegen Boehm und erließ zahlreiche Sanktionen. 1934 kam es zu einem Strafverfahren, das aber eingestellt wurde; 1935 wurde es Boehm verboten, Religionsunterricht zu erteilen. Zugleich erhielt er die erste Ausweisung, die allerdings 1936 durch eine Amnestie aufgehoben wurde. Bereits 1937 folgte die zweite und endgültige Ausweisung aus dem Regierungsbezirk Köln. Boehm musste Sieglar verlassen. Bis Juni 1938 leitete Boehm keine eigene Pfarrei. Boehm schreibt dazu: In dieser Exilzeit weilte ich – besser irrte ich umher – in Neuss, Grevenbroich, Westerwald, Angermund, Kempenich und Richrath.<ref> Pfarrchronik St. Gereon Monheim: Die Einführung des neuen Pfarrers Franz Boehm 16. Juni 1938, Pagina 117.</ref> und auf die Zuweisung einer neuen Wirkungsstätte durch das Generalvikariat warten. Diese erzbischöfliche Politik zum Schutz des eigenen Klerus wurde von Boehm auch als Kaltstellung empfunden. In einem persönlichen Brief an einen jüngeren Mitbruder schreibt Boehm, er sei „von seiner kirchlichen Behörde [....] enttäuscht, da er keine Anerkennung und Hilfe erfahren“ habe. Er habe jedoch „das stolz-demütige Bewusstsein in Sieglar [...] [seine] letzten Kräfte eingesetzt“ und nach dem „Leitfaden“ gelebt, „einmütig für den Glauben und das Evangelium kämpfen und sich in keiner Weise von Widerstand einschüchtern lassen“ zu wollen. In Briefen an das Generalvikariat bat er darum, „sich des körperlichen und seelischen Drucks“ zu erbarmen und ihm „eine neue Wirkungsstätte baldmöglichst zuzuweisen“.<ref>H. Moll, Zeugen für Christus, Paderborn 2019, S. 343.</ref> Nach Boehms Berufung zum Monheimer Pfarrer belebte sich das das dortige Pfarrleben durch Veranstaltungen des Müttervereins, einen Einkehrtag für Frauen und Jungfrauen sowie durch wöchentliche Bibelstunden und religiöse Veranstaltungen (Kindergarten und Jugend). Boehm leistete in seinem priesterlichen Wirken auch weiterhin Widerstand gegen das Regime. Der zunehmenden Eskalation setzte er stets das Bibelwort entgegen: „Es sind lauter stumme Hunde, sie können nicht bellen“ (Vorlage:Bibel/Link). Aus der 450 Seiten umfassenden Gestapo-Akte<ref name="Gestapo-Akte"> Boehms Gestapo-Akte im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Signatur: RW 0058 Nr. 9323</ref> geht hervor, dass Boehm 1938 eine Geldstrafe und 1941 eine Verwarnung wegen Gottesdiensten in polnischer Sprache erhielt. 1942 wurde er wegen einer Christkönigspredigt zu einem Sicherungsgeld in Höhe von 3000 RM verurteilt. Ostern 1944 predigte er gegen das NS-Filmwesen, was seine Verhaftung nach sich zog. Am 5. Juni 1944 wurde Boehm unmittelbar nach einer Messe noch in der Kirche verhaftet. Im Zusammenhang der Verhaftungen um den 20. Juli 1944 wurde er in den Pfarrerblock im Konzentrationslager Dachau gebracht. Am 11. August 1944 wurde er in einem Einzeltransport nach Dachau gebracht, weil er offensichtlich mit dem zum Freiburger Kreis des Widerstand gegen den Nationalsozialismus gehörenden Juristen und Wirtschaftswissenschaftler Franz Böhm aus Mannheim verwechselt wurde.<ref>Peter Buter / Rudolf Pohlmann: Pfarrer Franz Boehm 1880–1945, Glaubenszeuge und Märtyrer. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, 2020, S. 168.</ref><ref>Franz Böhm – wie einer der Väter der sozialen Marktwirtschaft der Gestapo entkam . Tabula Rasa Magazin vom 1. März 2015. Abgerufen am 7. Juni 2023.</ref> Auch ein Schreiben seines Bischofs vermochte an der Inhaftierung von Pfarrer Franz Boehm nichts zu ändern. Am 13. Februar 1945 starb Boehm im KZ Dachau an den Folgen einer medizinisch unbehandelten Gesichtsrose.
Nachwirkung
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Stolperstein in Monheim am Rhein
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Stolperstein in Düsseldorf
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Pfarrer-Franz-Böhm-Haus, Monheim am Rhein
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Franz-Boehm-Schule, Düsseldorf
Franz Boehm gilt als einer der mutigsten Pfarrer des Erzbistums Köln in der Zeit des Nationalsozialismus. In Monheim am Rhein erinnert in der Franz-Boehm-Straße vor dem Treppenaufgang zu St. Gereon ein Stolperstein an Boehm – ebenso vor dem Pfarrhaus St. Katharina in Düsseldorf. In Düsseldorf wurde die Katholische Grundschule am Kamper Weg 2002 in „Franz-Boehm-Schule“ umbenannt. In Monheim und Sieglar sind Straßen und Gemeindezentren nach Franz Boehm benannt. In Düsseldorf scheiterte im Juni 2004 die Benennung einer Straße nach Boehm an den Gegenstimmen der CDU in der Bezirksvertretung 7. Im Jahre 2020 wurde in Monheim eine Gedenkstätte zur Ehre des unvergessenen Pfarrers eingeweiht.<ref>Im Jahre 2020 wurde in Monheim eine Gedenkstätte zur Ehre des unvergessenen Pfarrers eingeweiht. Rheinische Post vom 20. Juni 2020. Abgerufen am 29. Juli 2022.</ref>
Die katholische Kirche hat Pfarrer Franz Boehm im Jahr 1999 als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen. In der Wanderausstellung „Märtyrer des Erzbistums Köln aus der Zeit des Nationalsozialismus“, die das Bildungswerk der Erzdiözese Köln an verschiedenen Orten seit 2006 zeigt, nimmt Franz Boehm eine herausragende Stellung ein. Im Jahre 2010 wurde beim Erzbistum Köln eine Petition für ein Seligsprechungsverfahren eingereicht.<ref>Monheim: Seligsprechung für Boehm? Westdeutsche Zeitung vom 28. September 2010. Abgerufen am 29. Juli 2022.</ref> Als Zeitzeuge berichtete der Philosophiehistoriker Karl Bormann in dem Verfahren zur Seligsprechung, er habe an Boehm vor allem geschätzt, dass dieser „hilfsbereit, tief gläubig, pflichtbewusst, streng und kompromisslos“<ref>Monheim : Seligsprechung angestrebt. Rheinische Post vom 10. Oktober 2010. Abgerufen am 29. Juli 2022.</ref> gewesen sei.
An ihn und weitere christliche Widerstandskämpfer wurde im November 2022 in der Ausstellung „Märtyrer – christliche Gewaltopfer der NS-Zeit“ des Landtags NRW erinnert, bei deren Eröffnung als Zeitzeuge ein Messdiener von Pfarrer Boehm anwesend war.<ref>Ausstellung "Märtyrer - christliche Gewaltopfer der NS-Zeit", Landtag NRW, 10. November 2022; abgerufen am 21. November 2022.</ref><ref>Till-Reimer Stoldt: Lasst uns über christliche Helden reden, Die Welt, 21. November 2022; abgerufen am 21. November 2022.</ref>
Siehe auch
Literatur
- Heinz Boberach: Berichte des SD und der Gestapo über Kirchen und Kirchenvolk in Deutschland 1934–1943. Mainz 1971.
- Peter Buter / Rudolf Pohlmann: Pfarrer Franz Boehm 1880–1945, Glaubenszeuge und Märtyrer; Eigenverlag der Katholischen Kirchengemeinde St. Gereon in Monheim am Rhein, 2005; 156 Seiten, ISBN 3-00-016142-2.
- Ulrich von Hehl: Katholische Kirche und Nationalsozialismus im Erzbistum Köln 1933–1945. Mainz 1977.
- Ulrich von Hehl: Priester unter Hitlers Terror. 4., durchges. und erg. Aufl. Schöningh: Paderborn 1998.
- Bedšrich Hoffmann: And Who Will Kill You: The Chronicle of the Life and Sufferings of Priests in the Concentration Camps. 4. Aufl., Pallottinum, Poznań 1994, ISBN 83-7014-223-0, S. 395.
- Peter Buter, Art.: Pfarrer Franz Boehm, in: Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn u. a. 1999, 8. erweiterte und aktualisierte Auflage 2024, Band I, S. 343–347.
- Albert Schulte: Franz Böhm - Biographie. Troisdorfer Jahreshefte Band 5 (1975), S. 88–89.
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boehm, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher römisch-katholischer Priester, NS-Opfer |
| GEBURTSDATUM | 3. Oktober 1880 |
| GEBURTSORT | Boleszyn |
| STERBEDATUM | 13. Februar 1945 |
| STERBEORT | Konzentrationslager Dachau |
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- Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert)
- Römisch-katholische Kirche im Deutschen Reich 1933–1945
- Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus)
- Todesopfer im KZ Dachau
- Märtyrer
- Person, für die in Nordrhein-Westfalen ein Stolperstein verlegt wurde
- Person, für die in Düsseldorf ein Stolperstein verlegt wurde
- Deutscher
- Geboren 1880
- Gestorben 1945
- Mann