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Flugplatz Fürstenwalde

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Flugplatz Fürstenwalde

(geschlossen 2010)

Datei:Fürstenwalde (Spree) asv2022-08 img3 Solarpark.jpg
Ehemaliger Flugplatz mit Solarpark, Luftbild
Kenndaten
ICAO-Code EDAL (bis 2010)
Flugplatztyp Verkehrsflughafen
Koordinaten 52° 23′ 23″ N, 14° 5′ 45″ OKoordinaten: 52° 23′ 23″ N, 14° 5′ 45″ O
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Höhe über MSL 43 m  (141 ft)
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 0,8 km nordöstlich von Fürstenwalde/Spree
Strasse Buchholzer Straße
Bahn Oderbruchbahn
Nahverkehr Buslinie
Basisdaten
Eröffnung 1915 (Vorgängerflugplatz), 1937 (moderner Flughafen)
Schliessung (Südteil faktisch 1994), (ganzer Flughafen 2010)
Betreiber Luftwaffe (1937–1945)
Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (1957–1990/94)
Bundesrepublik Deutschland (1990–1996)
Betriebsgesellschaft Fürstenwalde mbH (1997–2008)
A/S Developed AG (2008)
Terminals 1
Start- und Landebahnen
11/29 (2010 geschlossen) 800 m × 40 m Gras
6/24 (1994 geschlossen) 1200 m × 45 m Beton

Der Flugplatz Fürstenwalde oder auch Flugplatz Fürstenwalde-Neuendorf (Südteil bis 1994 Militärflugplatz Fürstenwalde) war ein Flugplatz im Nordosten von Fürstenwalde/Spree. Er diente von 1915 bis 1994 als reiner Militärflugplatz. Ab den 1970er Jahren war er auch teilweise für die zivile Luftfahrt zugelassen. 2009 wurde der Flughafen bis auf Weiteres geschlossen. Im Sommer 2010 wurde er offiziell geschlossen und der Flugverkehr größtenteils an den Flugplatz Eggersdorf verlagert.

Ein kleiner Teil des Flugplatzes befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Neuendorf im Sande. Das Flugfeld wurde im Jahr 2011 größtenteils mit einem Solarpark überbaut.

Geschichte

Vorgängerflugplatz

Nachdem in Fürstenwalde bereits während des Ersten Weltkriegs 1915 ein Militärflugplatz zur Ausbildung von Flugpersonal der kaiserlichen Fliegertruppe errichtet worden war, dieser aber 1925 wieder geschlossen wurde, kam es 1937 zum Neubau des heutigen Flugplatzes Fürstenwalde im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht.

Zweiter Weltkrieg

Der Flugplatz vom Fliegerhorst Waldfrieden wurde Garnison der IV. Gruppe des Kampfgeschwaders 152 „Hindenburg“, die mit Junkers Ju 52 ausgestattet war und die erste fliegende Einheit Fürstenwaldes wurde. Im Zuge dieser Nutzung unternahm 1942 die Versuchsfliegerin Hanna Reitsch von Fürstenwalde aus Testflüge gegen die bei Bad Saarow stationierte Luftsperrabteilung 207.

Im Februar 1945 befanden sich Teile des Schlachtgeschwaders 2 „Immelmann“ auf dem Flugplatz, die von hier aus die Schlacht um Berlin unterstützen sollten.

Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung ausgesuchter fliegender aktiver Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe die hier zwischen 1937 und 1945 stationiert waren.<ref>Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 199, abgerufen am 8. Juni 2024.</ref>

Von Bis Einheit Ausrüstung
Mai 1937 September 1937 IV. Gruppe des Kampfgeschwaders 152 Junkers Ju 52
Oktober 1937 September 1938 Kampfgruppe z.b.V. 1 Junkers Ju 52
August 1938 Oktober 1938 III. Gruppe des Jagdgeschwaders 132 Heinkel He 112B, Messerschmitt Bf 109D
November 1938 November 1938 II. Gruppe des Jagdgeschwaders 141 Messerschmitt Bf 109D
Mai 1939 August 1939 II. Gruppe des Zerstörergeschwaders 1 Messerschmitt Bf 109D/E
August 1939 August 1939 Stab und I. Gruppe des Jagdgeschwaders 2 Messerschmitt Bf 109E
Dezember 1944 März 1945 Stab und 2. Staffel der Nahaufklärungsgruppe 8 Messerschmitt Bf 109G-8
Dezember 1944 Februar 1945 2. Staffel der Nahaufklärungsgruppe 3 Messerschmitt Bf 109G-8
Dezember 1944 Februar 1945 Stab, II., III. und 10.(Pz)/Schlachtgeschwader 2 Focke-Wulf Fw 190F-8, Henschel Hs 123, Junkers Ju 87D-5
Januar 1945 Januar 1945 II. Gruppe des Transportgeschwaders 3 Junkers Ju 52
Februar 1945 April 1945 Stab und I. Gruppe des Schlachtgeschwaders 1 Focke-Wulf Fw 190F-8

Am 20. April 1945 wurde der Flugplatz von Angehörigen der 1. Belorussischen Front besetzt und bis Kriegsende von verschiedenen Jagdfliegereinheiten und einem Aufklärerregiment der sowjetischen Luftstreitkräfte als Einsatzflugplatz genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1945 die Werfthalle demontiert. Von 1958 bis 1962 wurde Fürstenwalde durch das mit Mi-4 ausgerüstete 239. Hubschrauberregiment und ab Anfang der 1960er Jahre von den Landstreitkräften der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland genutzt,<ref>Stefan Büttner: Rote Plätze. Russische Militärflugplätze Deutschland 1945–1994. Fliegerhorste–Aerodorme–Militärbrachen. Hrsg.: Lutz Freundt. AeroLit, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4, S. 112.</ref> so durch die 464. Raketenbrigade und die 65. Kraftfahrzeugbrigade.<ref>M. P. Burlakow u. a.: Sowjetische Truppen in Deutschland 1945 bis 1994: Gedenkalbum. Junge Garde, Moskau 1994, ISBN 5-235-02221-1, S. 21/22.</ref> Ab 1957 wurde der Nordteil des Flugplatzes der GST für den Motor- und Segelflug zugänglich gemacht, allerdings mit Unterbrechungen. Ab 1971 war dort die Abteilung Agrarflug der DDR-Fluggesellschaft Interflug hauptsächlicher Betreiber. Der Südteil war als Militärflugplatz Fürstenwalde aktiv.

Nachwendezeit

Nach dem Betriebsende von Interflug und dem Ende der Zivilflugbeschränkungen der DDR wurde der Flugplatz Fürstenwalde Sitz diverser Sportfliegervereine, so von Aero Club Fürstenwalde (gegr. 1990) und Segelflugverein Berliner Aeroclub Mitte e. V.

Die russischen Streitkräfte zogen 1994 ab. Der Südteil mit der Betonbahn und den Flughafengebäuden wurde außer Dienst gestellt und liegt seitdem brach.

Im Jahr 1997 übernahm die Betriebsführung die Flugplatz Betriebsgesellschaft Fürstenwalde mbH, die später von der dänischen Gesellschaft Airport Development A/S erworben wurde. Am Flugplatz Fürstenwalde entstand 1998 eine Werkstatt zum Bau historischer Flugzeuge, wo originalgetreue, flugfähige Nachbauten der Etrich-Taube (1910) sowie von Baureihen der Hersteller Albatros und Farman entstehen.

Die alten Betonbahnen sind durch Kriegseinwirkung und Fremdnutzung unbrauchbar geworden.

2003 wurde damit begonnen, das Kasernengelände „Waldfrieden“ abzureißen. Das Projekt wurde 2004 beendet. Die Flugzeugwerkstätten und das alte Terminalgebäude blieben jedoch vorerst bestehen.

Gegenwart

Das Ende für den Flugverkehr kam 2009. Die Luftfahrtbehörde des Landes Brandenburg untersagte den Betrieb, weil ein ordentlicher Betrieb nicht mehr gewährleistet werden konnte. Im Jahr 2010 erlosch die Betriebsgenehmigung endgültig, und die Stadt Fürstenwalde hatte nach 95 Jahren Flughafengeschichte keinen Flughafen mehr.<ref>JSander: Fürstenwalder Flugplatz wird abgewickelt. In: Märkische Oderzeitung. 28. Juni 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal;.</ref>

Solarpark

Im Jahr 2011 wurde ein Großteil des Flugplatzes mit einem Solarpark überbaut. Mit einer Fläche von 74 Hektar und einer Leistung von 40 MW<ref>Uwe Stemmler: Solarstrom in der Region. zuverlässig, wie das Wetter. In: Märkische Oderzeitung. 25. Januar 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. September 2016;.</ref> gehört er zu den größten Solarparks Deutschlands.

Gewerbegebiet ehemaliger Flughafen

Seit 2011 wird daran gearbeitet, dass die verbliebenen Flugzeugwerkstätten und das Terminalgebäude abgerissen werden und ein Gewerbegebiet entstehen soll. Der Fürstenwalder Bürgermeister Hans-Ulrich Hengst sagte, dass keinerlei neue Gewerbegebiete benötigt würden, es gäbe für ein weiteres Gewerbegebiet nicht genug Industrie in Fürstenwalde. 2013 begann der Abriss der Bauten.

Einzelnachweise

<references />