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Finowkanal

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Vorlage:Infobox Fluss

Der Finowkanal (FiK) ist ein etwa 56 km langer Schifffahrtskanal im Bundesland Brandenburg zwischen Liebenwalde an der Havel und Hohensaaten an der Oder. Als sogenannte „Sonstige Binnenwasserstraße“ wird er zu den Bundeswasserstraßen gezählt, wobei aber sein historischer Anfangsteil (etwa 10 km) bis zum Ort Zerpenschleuse und sein historischer Schlussteil (etwa 14 km) ab Liepe nicht eingeschlossen sind. Zwischen Zerpenschleuse und Liepe verläuft er parallel zur Havel-Oder-Wasserstraße (HOW). Ab Liepe ist er in der HOW aufgegangen. Zuständig für seine Verwaltung ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde.

Seit 2016 ist sein historischer Anfangsteil Langer Trödel, der 1926 von der HOW abgesperrt wurde,<ref>Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes: 100 Jahre Havel-Oder-Wasserstraße. 2014, S. 13.</ref> wieder angeschlossen und die verbindende Zerpenschleuse an der Kreuzung mit der Havel-Oder-Wasserstraße wiederhergestellt. Seitdem ist er wie ursprünglich von Liebenwalde bis Liepe durchgehend wieder in Betrieb, heute vorwiegend nur für Bootsverkehr.<ref>Finowkanal nun vollständig befahrbar: in Binnenschifffahrt 07/2016.</ref> Der Lange Trödel ist eine Landeswasserstraße des Landes Brandenburg.

Der Finowkanal war für die handelspolitische Öffnung des Kurfürstentums Brandenburg nach Osten ebenso wichtig wie der in etwa gleicher Zeit gebaute Friedrich-Wilhelm-Kanal zwischen Spree und Oder.<ref>Werner Natzschka: Berlin und seine Wasserstraßen. Berlin 1971, S. 31 und S. 144.</ref> Beide Kanäle stehen unter Denkmalschutz. Der Finowkanal ist zudem die älteste künstliche Wasserstraße in Deutschland, die noch in Betrieb ist.

Geschichte

Der Finowkanal wurde bereits am Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet (erster Finowkanal), aber schon im bald folgenden Dreißigjährigen Krieg wieder zerstört. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde er im Wesentlichen unverändert wieder aufgebaut (zweiter Finowkanal). Seine größte wirtschaftliche Bedeutung hatte der Finowkanal im 19. Jahrhundert mit Beginn der Industrialisierung, und als ab Oranienburg der Oranienburger und bis Liebenwalde der daran anschließende Malzer Kanal gebaut waren. Mit diesen zusammen bildete er den Vorläufer der Havel-Oder-Wasserstraße.

Erster Finowkanal

Der erste Finowkanal wurde 1605 bis 1620 erbaut und war die erste künstliche Verbindung zwischen den zwei deutschen Stromgebieten der Havel und der Oder. Es gab zwar schon 1540 zur Zeit des Kurfürsten Joachim II. einen Entwurf,<ref>Werner Natzschka, S. 25</ref> aber erst Kurfürst Joachim Friedrich erteilte 1603 die Order, Vorlage:"

Die Finow kommt vom Süden und wendet sich südlich des heute nicht mehr vorhandenen Möllensees nach Osten. Bereits 1609 war die Verbindung von Liebenwalde bis zur Finow einschließlich des Baues von fünf Schleusen bis Finowfurt fertiggestellt.<ref>Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes: 100 Jahre …. S. 8</ref> Wegen akuten Geldmangels ging der Ausbau des Kanals, nunmehr in der Trasse der Finow, nur schleppend unter den Kurfürsten Johann Sigismund (1608–1619) und Georg Wilhelm (1619–1640) voran. 1620 konnte erstmals ein Frachtkahn den Finowkanal zwischen Havel und Oder befahren.<ref name="H9">100 Jahre …. S. 9</ref> Der Kanal hatte jetzt Schleusen bis Eberswalde (insgesamt 11). Danach war die Finow nur begradigt worden.<ref name="H9" />

Im Dreißigjährigen Krieg wurden alle Anlagen des Kanals zerstört, und Vorlage:"

Datei:FinowAlt.jpg
Erster Finowkanal:
folgt ab Niederfinow dem direkten Weg der Finow zur damals noch nicht verlegten Oder, die nach der Entwässerung des Oderbruchs hier zur Alten Oder wurde.

Zweiter Finowkanal

Datei:Finow2.jpg
Zweiter Finowkanal:
bevor er im Osten im Hohenzollernkanal aufging, war er in Hohensaaten mit einer eigenen Aufstiegsschleuse an die (Ost-)Oder angeschlossen
Datei:Vosskanal-Abzweig-Troedelgraben-15-01-2008-321.JPG
Wasserstraßen-Dreieck bei Liebenwalde: Abzweigung des Finowkanals (hinten) von Voß- (links) und Malzer Kanal (rechts)
Datei:17-05-23-Fotoflug Barnim-a RR70802.jpg
Heutiges Ende des Finowkanals (links) am Oder-Havel-Kanal unterhalb der Schiffshebewerke Niederfinow

Ab 1743 wurde der Finowkanal durch Erlass Friedrichs II. wiederhergestellt. Die Beamten des Königs wurden beim Studium der alten Archive in Eberswalde davon überrascht, dass es schon einmal den vom Kurfürsten Joachim II. veranlassten Kanal gab. Die gefundenen Unterlagen erleichterten ihnen die Suche nach der zweckmäßigsten Linie, wobei die alte Linie sich als die geeignetste erwies.<ref name="HF2">Festschrift …, 1914, S. 2</ref> Der Kanal war 1746 bereits so weit fertiggestellt, dass Vorlage:" Noch z. Zt. von Friedrich II. wurde der direkte Anschluss des Finowkanals an die Alte Oder aufgehoben. Er wurde aus der unteren Finow heraus nach Norden über die zusätzlich gebaute Lieper Schleuse in den Lieper See verlängert<ref name="HF2" /> und nach dem folgenden Oderberger See erst wieder in die Alte Oder, durch die damals trotz des Oder-Durchstichs östlich der Oder-Insel Neuenhagen noch das meiste Wasser floss, geleitet.

Der Kanal brachte schon bald wirtschaftlichen Aufschwung in die Region, indem er u. a. die Ansiedlung metallverarbeitender Industrie ermöglichte. Wegen der anhaltend guten wirtschaftlichen Entwicklung wurde das Finowtal als das „Märkische Wuppertal“ bezeichnet.<ref name="H11">100 Jahre …. S. 11.</ref>

Für das Ende der Regierungszeit von Friedrichs II. wird konstatiert:<ref>100 Jahre …. S. 10/11.</ref>

  • Länge des Finow-Kanals – 41 km
  • Gefälle – 40 Meter
  • 15 Schleusen (später weniger, z. T. erhöhte)
  • Breite: 9,5 bis 12,5 m in der Fluth (Langer Tödel), 17 bis 22,6 m im Kanal

1898 und 1899 wurden am Finowkanal zwischen der Eberswalder Stadtschleuse und der Ragöser Schleuse durch die damalige Firma Siemens & Halske Versuche mit elektrischen Schiffszügen unternommen. Getestet wurden zwei Systeme: das System Köttgen<ref>Traction mécanique sur les voies navigables – annexe (2-2) (französisch) bei papidema.fr, abgerufen am 25. Februar 2019.</ref> und das System Lamb.<ref>Traction mécanique sur les voies navigables – annexe (3) (französisch) bei papidema.fr, abgerufen am 25. Februar 2019.</ref> Lamb schlug einen an einem fest installierten Drahtseil fahrenden Motor vor, während Köttgen eine elektrische Treidellok vorsah. Die Erfahrungen aus diesen Versuchen flossen später beim Bau der Treidelbahn am Teltowkanal und auch bei der Schleusentreppe Niederfinow ein.

Vorlage:Zitat Er wurde den wachsenden Verkehrforderungen laufend angepasst. So wurden bis 1885 allen seinen Schleusen je eine zweite Kammer hinzugefügt (was auch in den Schleusen der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebauten künstlichen Flussarme der Havel, im Oranienburger und im Malzer Kanal erfolgte).<ref>100 Jahre …. S. 11/12.</ref>

Vorlage:Zitat

  • Entwicklung des ersten und kleinsten Maßschiff in Deutschland: das Finowmaß.
  • Seit Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals Nachtschifffahrt in Deutschland.
  • Entwicklung des Schleusentyps mit versetzten Häuptern (Verwendung auch am Friedrich-Wilhelm-Kanal).
  • Seilschifffahrt und elektrischer Schiffszug erstmals in Deutschland.

Finowmaß

Das Finowmaß wurde mit einer Länge von 40,20 m, einer Breite von 4,60 m und einem Tiefgang von 1,40 m zu einer Norm im Schiffbau. Es war das erste deutsche Binnenschiffmaß. Die Schleusen des Kanals wurden so angelegt, dass sie zwei Schiffe dieses Maßes nebeneinanderliegend aufnehmen konnten. Die Schleusentore sind seitlich gegeneinander versetzt, sodass das zuerst einfahrende Schiff auch zuerst ausfahren kann.

20. Jahrhundert und Gegenwart

Rückgang der Bedeutung

Anfang des 20. Jahrhunderts war es noch üblich, dass Waren innerhalb von Städten auf dem Kanal transportiert wurden. So wurde am Bollwerk in Eberswalde gesponnenes Garn per Lastkahn zur Papierfabrik Finow geschafft.<ref>Aurich: Die Industrie am Finowkanal, Eberswalde 1906; Seite 38/39</ref> Es gab aber auch Fernverkehr auf dem Finowkanal. So bezog die Eisengießerei Budde & Goehde Eisenerz und Koks aus England und Luxemburg sowie Formsand aus Sachsen über den Kanal.<ref>Aurich: Die Industrie am Finowkanal, Eberswalde 1906; Seite 55</ref>

Mit dem 1914 in Betrieb genommenen Oder-Havel-Kanal verlor der Finowkanal zusehends an Bedeutung und so kam der kommerzielle Schiffsverkehr 1972 völlig zum Erliegen. Der modernere Oder-Havel-Kanal bietet Platz für größere Schiffe, hat wesentlich weniger Schleusen und ist somit wirtschaftlicher. Lediglich einige Betriebe, die direkt am Finowkanal lagen, wurden noch angesteuert. Der sich westlich anschließende Lange Trödel wurde bereits 1925 abgetrennt. Die erst 40 Jahre vorher errichteten zweiten Schleusen wurden ab 1914 entweder zugeschüttet oder zu Wehren umgebaut. 2016 wurde der Lange Trödel wiedereröffnet und somit der nordwestliche Anschluss zum Voßkanal wieder freigegeben.

Verschmutzung

Datei:1981-fotozirkel-kulturbund-eberswalde-by-RalfR-08.jpg
Abfluss von Chemieabfällen direkt in den Kanal: 1981
Datei:17-05-23-Fotoflug Barnim-a RR71039.jpg
Die ehemaligen Chemische Fabrik Finowtal und Papierfabrik Wolfswinkel 2017

Im 20. Jahrhundert begann eine zunehmende Verschmutzung des Kanals, insbesondere durch die chemische Fabrik Finowtal und die Papierfabrik. Ungereinigte Abwässer wurden direkt in den Kanal gelassen, was dazu führte, dass er bis zu seiner Mündung bei Oderberg schäumte und stank. Bis heute gilt der Kanal als stark verschmutzt.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref><ref>Brandenburgisches Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Beschreibung des Finowkanals als Güteklasse III (stark verschmutzt)</ref> Schon vor mehr als 100 Jahren war es selbstverständlich, dass Abwasser der Industriebetriebe direkt abgeleitet wurden.<ref>Aurich: Die Industrie am Finowkanal, Eberswalde 1906; Seite 61</ref> Vorlage:Zitat Diese Funkenkammern waren bei allen Metallbetrieben üblich. Es sind unterirdische Auffangbehälter, die mit Grund- oder Flusswasser gefüllt werden und in denen sich die festen Bestandteile langsam absetzen. In regelmäßigen Abständen wurden diese ausgeschippt oder -gebaggert. Im Walzwerk-Altwerk, heute Familiengarten Eberswalde ist ein Teil dieser unterirdischen Anlagen heute zu besichtigen.

In der chemischen Fabrik Finowtal wurde Kampfer für den Export<ref>Neues Deutschland 16. Juni 1955: Kampfer in alle Welt</ref> und Tapetenkleister für die gesamte DDR hergestellt.<ref>IHK Ostbrandenburg: VEB Chemische Fabrik Finowtal</ref> Der als Weichmacher notwendige Kampfer bzw. kampferhaltige Abwässer wurde ungereinigt in den nahen Finowkanal geleitet, was dazu führte, dass es kilometerweit, durch die gesamte Stadt Eberswalde, nach Kampfer roch.

Die Wasserqualität hat sich nach 1990 merklich verbessert.

Tourismus

Datei:Fahrrad-ostern-2006-bluefish-49.jpg
Der Treidelweg ist heute ein Rad- und Wanderweg.

Der Finowkanal ist ein wichtiger Aspekt der Tourismusbranche der Region und Anziehungspunkt für Wassertouristen und Tagesausflügler aus Berlin. Durch den Ausbau des Treidelweges von Finowfurt bis zum Schiffshebewerk Niederfinow zu einem Rad- und Wanderweg erblühte der Finowkanal seit etwa 2000 erneut. Befahrbar ist der Kanal zwischen Liebenwalde und Liepe. Durch die Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg (WIN AG), einer Gründung der Landkreise Barnim, Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin sowie der Städte Eberswalde, Oranienburg, Neuruppin und Templin, ist der Lange Trödel mit dem Bau einer Hub- und einer Klappbrücke in Zerpenschleuse sowie dem Neubau der vormals zugeschütteten Schleuse an der Einmündung in den Oder-Havel-Kanal seit dem Jahr 2016 wieder schiffbar.<ref>Wochenzeitung „Märkischer Sonntag“, 4. Mai 2008, S. 6: Lokales Bernau</ref><ref>win-brandenburg.de</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Rudolf Schmidt: Der Finowkanal. Zur Geschichte seiner Entwicklung (= Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde zu Eberswalde e. V., 11. Jg. 1938).
  • Rudolf Schmidt: Geschichte der Stadt Eberswalde. Verlagsgesellschaft Müller, Eberswalde
    • Band 1: Bis 1740, 1939
    • Band 2: 1740–1940, 1941
    • Nachdruck: Eberswalde 1992 (Band 1) und 1994 (Band 2).
  • Hartmut Ginnow-Merkert: Unser Finowkanal e. V. stellt sich vor. In: Verein für Heimatkunde zu Eberswalde e. V. (Hrsg.): Eberswalder Jahrbuch, Vorlage:ISSN, Jg. 2004/2005, S. 167–177.
  • Ilona Rohowski: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Denkmale in Brandenburg – Landkreis Barnim – Stadt Eberswalde. Werner, Worms am Rhein 1997, ISBN 3-88462-136-X.
  • Hans-Joachim Uhlemann: Berlin und die märkischen Wasserstraßen. DSV / Busse-Seewald, Herford / Hamburg 1994, ISBN 3-88412-204-5.
  • Fabian Lehmann: Der Finowkanal – Entlang einer historischen Industrielandschaft. In: Die Mark Brandenburg, Ausgabe 133, Juni 2024, S. 20–23.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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