Kleines Mädesüß
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| Kleines Mädesüß | ||||||||||||
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| Datei:Filipendula vulgaris 'Dropwort' (Rosaceae) plant.JPG
Kleines Mädesüß (Filipendula vulgaris) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Filipendula vulgaris | ||||||||||||
| Moench |
Das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris), auch Klein-Mädesüß oder Knolliges Mädesüß genannt (weitere Trivialnamen sind Knollen-Geißbart, Wiesenkönigin und Filipendelwurz), ist eine Pflanzenart aus der Gattung Mädesüß (Filipendula) und gehört in die Familie der Rosengewächse (Rosaceae).
Beschreibung
Erscheinungsbild und Blatt
Das Kleine Mädesüß ist eine sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 80 Zentimetern.<ref name="FloraWeb" /> Die Wurzeln sind oft spindelförmig, seltener kugelig angeschwollen,<ref name="HegiHuber1961" /> woraus sich der deutsche Trivialname Knolliges Mädesüß ergibt. Der meist aufrechte und einfache, seltener im oberen Bereich verzweigte Stängel ist kahl, im Querschnitt stielrund bis schwach kantig<ref name="FloraWeb" /> oder schwach mit Rillen versehen und nach oben weniger beblättert.
Die Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette und wechselständig am Stängel entfernt verteilt angeordnet.<ref name="FloraWeb" /> Die kurz gestielten oder sitzenden Laubblätter sind 15 bis 25 cm lang sowie 3 (selten bis zu 4) cm breit und unterbrochen undeutlich doppelt gefiedert.<ref name="FloraWeb" /> Die 8 bis 30 Fiederblättchen<ref name="FloraWeb" /> sind im Umriss länglich und selbst wieder fiederlappig oder doppelt gezähnt und die größeren sind 10 bis 25 mm lang und 4 bis 8 mm breit. Die Blätter sind beiderseits grün, oberseits kahl und unterseits etwas behaart.
Blütenstand, Blüte und Frucht
Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Viele Blüten stehen in einem zusammengesetzten, doppeltraubigen Blütenstand zusammen, der eine Länge von 3 bis 10 cm und unterschiedlich lange und starke Verzweigungen aufweist. Die teils gestielten, teils sitzenden Blüten sind radiärsymmetrisch. Sie besitzen meist sechs Kelchblätter. Die meist sechs weißen, außen oft etwas rötlichen Kronblätter sind 5 bis 9 mm lang und länglich-verkehrt-eiförmig. Jede Blüte besitzt 20 bis 40 Staubblätter, die so lang wie oder länger als die Kronblätter sind. Die sechs bis zwölf Fruchtblätter sind behaart und tragen an der Spitze eine schirmförmige Narbe.
Die einsamigen, balgfruchtähnlichen Achänen sind 3 bis 4 mm lang, hellbraun und nicht schraubenförmig gewunden.<ref name="HegiHuber1961" />
Chromosomenzahl und Inhaltsstoffe
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14, selten 16.
Die Wurzelknollen enthalten Stärke und Gerbstoffe.
Giftigkeit
Extrakte zeigten keine Zytotoxizität in drei verschiedenen Zelllinien (IC50 > 50 μg/ml).<ref>Jelena Katanić, Eva-Maria Pferschy-Wenzig, Vladimir Mihailović, Tatjana Boroja, San-Po Pan, Stefanie Nikles, Nadine Kretschmer, Gvozden Rosić, Dragica Selaković, Jovana Joksimović, Rudolf Bauer: Phytochemical analysis and anti-inflammatory effects of Filipendula vulgaris Moench extracts. In: Food and Chemical Toxicology, Band 122, Dezember 2018, S. 151–162, doi:10.1016/j.fct.2018.10.001.</ref>
Ökologie
Das Kleine Mädesüß ist eine vielstängelige Staude mit teilweise verdickten, sprossbürtigen Wurzeln mit Speicher- und Wurzelfunktion. Diese bilden außerdem Laubsprosse zur Selbstausbreitung. Die Keimung erfolgt bereits im Vorfrühling.<ref name="Düll" />
Die sich strahlig ausbreitenden Griffel der Blüten bieten den Bestäubern eine gute Aufsitzfläche, wodurch in der Regel Fremdbestäubung ermöglicht wird. Bei ausbleibendem Blütenbesuch krümmen sich die innersten Staubblätter zur Narbe hin und es kommt zur Selbstbestäubung.<ref name="Düll" />
Die behaarten, geraden Früchte haben einen gebogenen Griffelrest, der die Klettausbreitung ermöglicht.<ref name="Düll" />
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet des Kleinen Mädesüß reicht von Europa und Nordafrika bis Zentralasien. Fundorte gibt es im Vereinigten Königreich, in Irland, Dänemark, Schweden, Norwegen (bis fast 64 Grad nördlicher Breite), Finnland, dem Baltikum, Polen, Belarus, Ukraine, Orenburg, Altai, Oblast Swerdlowsk, Russland, Mitteleuropa, Italien, Frankreich, Portugal, Spanien, dem ehemaligen Jugoslawien, Ungarn, der Slowakei, Albanien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, der Türkei, Marokko, Algerien, im Kaukasusgebiet von Georgien, Aserbaidschan, Armenien und im Iran.<ref name="Kurtto" /><ref name="Hegi1995" /> In Nordamerika und der östlichen Region Primorje kommt das Kleine Mädesüß als Neophyt vor.<ref name="GRIN" />
In Mitteleuropa kommt das Kleine Mädesüß im Tiefland vereinzelt vor (beispielsweise auf Fehmarn und an der Unterelbe). In den Mittelgebirgen mit kalkhaltigem Gestein ist es selten, und es fehlt hier gebietsweise.<ref name="Aichele1994" /> Die mitteleuropäischen Fundorte liegen am Westrand des Verbreitungsgebietes.<ref name="Aichele1994" /> In den Alpen in Oberbayern steigt es bis in Höhenlagen von etwa 900 Metern,<ref name="HegiHuber1961" /> im Jura bis 1000 Metern auf.<ref name="Oberdorfer" /> Im Kanton Wallis und in Tirol erreicht es sogar 1400 Meter, in Judikarien 1500 Meter Meereshöhe.<ref name="HegiHuber1961" /> In Österreich tritt das Klein-Mädesüß in allen Bundesländern auf und gilt als gefährdet. Im pannonischen Gebiet kommt diese Art häufig vor, ansonsten ist sie zerstreut bis sehr selten.<ref name="ExkÖst3" />
Das Kleine Mädesüß gedeiht in Mitteleuropa vorwiegend auf trockenen oder wechselfeuchten, stickstoffarmen, humushaltigen Lehm- oder Tonböden in nicht zu kalter Lage, während es auf der iberischen Halbinsel nach Süden immer seltener wird, nur noch in Gebirgen vorzufinden ist sowie dort Uferbereiche und feuchte Magerrasen vorzieht.<ref>Filipendula vulgaris. In: Flora vascular de Andalucía. Abgerufen am 29. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="Aichele1994" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w+ (frisch aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Das Knollige Mädesüß in Mitteleuropa kommt auf Magerrasen, in Halbtrockenrasen, in Pfeifengraswiesen, in Kiefernwäldern und an Waldrändern vor auf kalkhaltigem, tonigem, wechseltrockenem Untergrund. Es kommt in Mitteleuropa in Gesellschaften des Mesobromion, des Cirsio-Brachypodion, des Molinion, des Potentillo-albae-Quercion-petraeae und des Geranion sanguinei vor.<ref name="Oberdorfer" />
Taxonomie
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Spiraea filipendula <templatestyles src="Person/styles.css" />L. durch Carl von Linné in Species Plantarum.<ref name="SpPl" /> Conrad Moench stellte sie 1794 in die Gattung Filipendula und ersetzte den Namen von Linné mit dem nomen novum Filipendula vulgaris <templatestyles src="Person/styles.css" />Moench.<ref name="Moench" /> Weitere Synonyme von Filipendula vulgaris <templatestyles src="Person/styles.css" />Moench sind: Filipendula hexapetala <templatestyles src="Person/styles.css" />Gilib. ex <templatestyles src="Person/styles.css" />Maxim., Ulmaria filipendula <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Hill.<ref name="tropicos" /><ref name="GRIN" />
Nutzung
Die Blüten können zu Sirup oder Marmelade verarbeitet werden.<ref>Garten-Europa.com: Mädesüss-Sirup. Abgerufen am 29. November 2021.</ref> Wurzelknollen und junge Laubblätter können als Gemüse oder Salat zubereitet werden.<ref name="HegiHuber1961" /> Ihr Geschmack ist süßlich bitter.
In der Heilkunde wurde das Kleine Mädesüß (lateinisch früher als filipendula und „roter Steinbrech“ bezeichnet) zur Behandlung von Steinleiden eingesetzt<ref>Eberhard Stübler: Leonhart Fuchs und die Pharmakognosie. In: Beiträge zur Württembergischen Apothekengeschichte II (1953–55). Nr. 2, 1953, S. 37–40, hier: S. 39.</ref><ref>Vgl. Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 34 (Filipendula „rot stain breche“).</ref><ref>Vgl. auch Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. 5 Bände (unter Mitwirkung von Wilhelm Wissmann und Wolfgang Pfeifer). Leipzig (1937) 1943–1972 (Band 1, 2 und 5/Registerband [1958 mit Wilhelm Wissmann]), Stuttgart/Wiesbaden (1976) 1977–1979 (Band 3 ab Sp. 481, und 4, aus dem Nachlass hrsg. von Heinz Paul); Neudruck (Lizenzausgabe) Köln 2000, ISBN 3-88059-982-3, Band 3, S. 437–438.</ref><ref name="HegiHuber1961" /> und lateinisch, wie andere als steinbrechend geltende Pflanzen, als saxifraga bezeichnet.<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 455 (saxifraga, steinprech: Filipendula hexapetala Gilib., auch Filipendula ulmaria Maxim. bzw. Filipendula ulmaria A. Br. und Scolopendrium vulgare Smith).</ref>
Quellen
- Kleines Mädesüß. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum (Abschnitt Beschreibung)
Literatur
- Peter William Ball: Filipendula Miller. In:
Einzelnachweise
<references> <ref name="Aichele1994"> </ref> <ref name="Hegi1995"> Heinrich E. Weber: Rosaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage Band IV, Teil 2 A, Seite 280–283. Blackwell-Wissenschafts-Verlag Berlin 1995. ISBN 3-8263-3016-1.</ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="tropicos"> Filipendula vulgaris bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Moench"> Conrad Moench: Methodus plantas horti botanici et agri Marburgensis: a staminum situ describendi. Band 2, Officina nova libraria academiae, Marburg 1794, S. 663, Digitalisat.</ref> <ref name="FloraWeb"> Kleines Mädesüß. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum abgerufen am 23. Februar 2012.</ref> <ref name="Düll"> </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 490, Digitalisat</ref> <ref name="Kurtto"> Arto Kurtto, Raino Lampinen, Leo Junikka: Atlas florae europaea. Band 13. Rosaceae (Spiraea to Fragaria, excl. Rubus). Seite 34–35. Helsinki 2004. ISBN 951-9108-14-9</ref> <ref name="Oberdorfer"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5.</ref> <ref name="ExkÖst3"> </ref> <ref name="HegiHuber1961">Gustav Hegi, Herbert Huber: Familie Rosaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 2, Seite 272–274. Verlag Carl Hanser, München 1961.</ref> <ref name="InfoFlora"> Filipendula vulgaris Moench In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>
Weblinks
- Filipendula vulgaris Moench, Kleines Mädesüß. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Kleines Mädesüß. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)