SIG 540
| SIG 540 | |
|---|---|
| SG 540 Manurhin noBG.png | |
| Allgemeine Information | |
| Militärische Bezeichnung | SIG 540 |
| Einsatzland | siehe Nutzer |
| Entwickler/Hersteller | SIG/SIG, Manurhin, FAMAE, INDEP |
| Produktionszeit | seit 1977<ref name="SA" /> |
| Modellvarianten | SG 540, SG 542, SG 543 |
| Waffenkategorie | Sturmgewehr |
| Ausstattung | |
| Gesamtlänge | 950 mm |
| Gewicht (ungeladen) | 3,52 kg |
| Lauflänge | 460 mm |
| Technische Daten | |
| Kaliber | SG 540, SG 543: 5,56 × 45 mm NATO SG 542: 7,62 × 51 mm NATO |
| Mögliche Magazinfüllungen | SG 540, SG 543: 20, 30 Patronen SG 542: 20 Patronen |
| Munitionszufuhr | SG 540, SG 543: Kurvenmagazin SG 542: Stangenmagazin |
| Kadenz | 650–800 Schuss/min |
| Feuerarten | Einzelschuss, Dauerfeuer |
| Anzahl Züge | SG 540, SG 543: 6 SG 542: 4 |
| Drall | 305 mm |
| Visier | Diopter |
| Verschluss | Drehkopfverschluss |
| Ladeprinzip | Gasdrucklader |
| Listen zum Thema | |
Das SIG 540 (auch SG 540) ist ein Sturmgewehr im Kaliber 5,56 × 45 mm NATO, das von der SIG Holding entwickelt worden ist. Bei SIG wurde das Gewehr nicht in großen Stückzahlen gefertigt. Das SIG 540 wurde jedoch für verschiedene Länder lizenziert. Zudem war es die Grundlage für das spätere SG 550, das als Sturmgewehr 90 bei der Schweizer Armee eingesetzt wird.
Geschichte
Im Hinblick auf den bevorstehenden Produktionsauslauf des SG 510 begann die SIG Mitte der 1960er-Jahre mit der Entwicklung eines neuen Sturmgewehrs, das vor allem für den Export vorgesehen war. Dabei sollte der damalige Trend zu leichteren und kostengünstigeren Waffen berücksichtigt werden. Aus diesem Grund wurden verschiedene Kaliber erprobt, darunter die neue 5,56 × 45 mm NATO-Patrone. Zu Beginn pflegte die SIG eine Zusammenarbeit mit Beretta, die jedoch später wieder beendet wurde. Ab 1965 arbeitete die SIG an den Versuchsmodellen SG 530, die das Verschlusssystem des SG 510 übernahmen. Aufgrund verschiedener Probleme ersetzte man 1967 den verzögerten Rollenverschluss durch einen verriegelten Rollenverschluss mit Gasdruckladung. Dennoch blieben die Versuchswaffen störanfällig. Da Waffen mit diesem Funktionsprinzip auch nicht kostengünstig hergestellt werden konnten, stellte die SIG die Entwicklung des SG 530 ein.<ref name=":0">Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen: Schützenwaffen (1945–1985). In: Illustrierte Enzyklopädie der Schützenwaffen aus aller Welt. 1. Auflage. Band 2. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1988, ISBN 978-3-327-00514-9, S. 381–384.</ref><ref name=":1">Ernst Grenacher: Schweizer Militärgewehre Hinterladung 1860-1990. 2. korrigierte und überarbeitete Auflage. VS Medien GmbH, Nassau 2022, ISBN 978-3-944196-42-8, S. 739.</ref><ref name=":2">Warum ein leichteres Sturmgewehr? In: Allgemeine schweizerische Militärzeitschrift. Band 144, Nr. 5, 1978, S. 233–234, doi:10.5169/seals-51641 (e-periodica.ch).</ref>
1969 begann die SIG unter der Leitung von Eduard Brodbeck erneut mit der Entwicklung eines neuen Sturmgewehrs. Dieses Mal orientierte man sich am Funktionsprinzip der Kalaschnikow-Sturmgewehre (Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss). 1971 wurde der erste Prototyp des neuen SG 540 fertiggestellt, wobei einige Komponenten des SG 530 übernommen wurden. Um die Erfolgschancen auf dem Exportmarkt zu erhöhen, entwickelte man neben dem SG 540 im Kaliber 5,56 × 45 mm NATO auch das SG 542 im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO, sowie die Kurzversion SG 543 im Kaliber 5,56 × 45 mm. Moderne Fertigungsverfahren und Kunststoffbauteile ermöglichten eine leichte Waffe und kostengünstige Herstellung. Ab 1974 wurden die drei Modelle international zum Verkauf angeboten.<ref name=":0" /><ref name=":1" />
Mit dem Bundesgesetz über das Kriegsmaterial von 1972 wurden Waffenexporte jedoch erschwert. Aus diesem Grund begann die SIG 1973 eine Kooperation mit dem französischen Unternehmen Manurhin mit Sitz in Mülhausen. Zunächst wurden noch einige Komponenten von SIG produziert. Schließlich übernahm Manurhin die vollständige Serienproduktion und stellte insgesamt ungefähr 100 000 Exemplare der Modelle SG 540, SG 542 und SG 543 her.<ref name=":0" /><ref name=":1" /><ref name=":2" />
Unter der Bezeichnung SG 541 wurden ab 1973 verschiedene Versuchsmodelle für die Schweizer Armee produziert. Letztlich führte diese Entwicklung nach mehreren Änderungen zum SG 550, das als Sturmgewehr 90 bei der Schweizer Armee als Ordonnanzwaffe eingeführt wurde.<ref name=":1" />
Technik
Das Gewehr ist ein Gasdrucklader mit langem Hub und Drehkopfverschluss. Anders als beim Kalaschnikow-System ist die Gasstange nicht fest am Verschlussträger angebaut, sondern über den abnehmbaren Verschlusshebel verbunden. Zudem umschließt die Schließfeder die Gasstange und befindet sich vollständig vor dem Verschluss. Der Gasregulator verfügt über drei Einstellungen: „0“ (keine Gaszufuhr bzw. manuelles Nachladen; für den Einsatz von Gewehrgranaten), „1“ (normale Gaszufuhr; für den Normalbetrieb) und „2“ (erhöhte Gaszufuhr; zur Behebung von Funktionsstörungen infolge von Verschmutzung). Die Abzugsgruppe erlaubt neben dem Sichern auch Einzelschuss und Dauerfeuer. Optional kann ein Mechanismus für Drei-Schuss-Feuerstöße installiert werden. Die Visiereinrichtung besteht aus einem Dioptervisier mit einer drehbaren Visiertrommel (mit verschiedenen Stellungen für unterschiedliche Schussdistanzen) und einem von Seitenbacken geschützten Korn. Die Modellvarianten SG 540 und SG 542 verfügen zudem über eine Vorrichtung für ein Zweibein sowie ein Mündungsfeuerdämpfer, der das Abfeuern von 22-mm-Gewehrgranaten (NATO-Standard) und das Aufpflanzen eines Bajonetts ermöglicht. Sämtliche Versionen können mit einem festen Kolben oder einem Umlegkolben ausgerüstet werden. Außerdem ist eine Vorrichtung für ein Zielfernrohr vorhanden.<ref name=":0" /><ref></ref>
Modellvarianten
| Variante | Länge | Gewicht leer | Lauflänge | Kaliber |
|---|---|---|---|---|
| SG 540<ref name="WG" /> | 950 mm | 3,26 kg | 460 mm | 5,56 × 45 mm / 7,62 × 39 mm |
| SG 540-1<ref name="weaponsystems" /> | 950 mm / 720 mm | 3,31 kg | – | 5,56 × 45 mm |
| SG 542<ref name="WG" /> | 1000 mm | 3,55 kg | 465 mm | 7,62 × 51 mm / .243 Winchester |
| SG 542-1<ref name="weaponsystems" /> | 1000 mm / 754 mm | 3,55 kg | – | 7,62 × 51 mm |
| SG 543<ref name="WG" /> | 805/569 mm | 3,0 kg | 300 mm | 5,56 × 45 mm |
Lizenzen
- Datei:Flag of Chile.svg Chile – FAMAE<ref name="WG" />
- Datei:Flag of France.svg Frankreich – Manurhin<ref name="WG" />
- Datei:Flag of Portugal.svg Portugal – INDEP<ref name="weaponsystems" />
Nutzer
- Datei:Flag of Bolivia.svg Bolivien – Die bolivianische Armee benutzt das SG 542<ref name="armyrecbol" />
- Datei:Flag of Burkina Faso.svg Burkina Faso – Die burkinischen Streitkräfte nutzten das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 890" />
- Datei:Flag of Chile.svg Chile – Die chilenischen Streitkräfte haben das SIG 540 als Ordonanzwaffe eingeführt<ref name="WG" />
- Datei:Flag of the Democratic Republic of the Congo.svg Demokratische Republik Kongo – Die Streitkräfte der Demokratischen Republik Kongo nutzen das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 891" />
- Datei:Flag of Djibouti.svg Dschibuti – Die djiboutischen Streitkräfte nutzten das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW09 894" />
- Datei:Flag of Côte d'Ivoire.svg Elfenbeinküste – Die Streitkräfte der Elfenbeinküste nutzten das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW09 894" />
- Datei:Flag of Ecuador.svg Ecuador – Die Fuerzas Armadas del Ecuador nutzten das SG 540.<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW09 894" />
- Datei:Flag of France.svg Frankreich – Die französischen Streitkräfte haben das SIG 542 für eine kurze Zeit eingesetzt. Diese wurden dann durch das FAMAS ersetzt<ref name="SA" />
- Datei:Flag of Gabon.svg Gabun – Die gabunischen Streitkräfte nutzen das SG 542<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 893" />
- Datei:Flag of Cameroon.svg Kamerun – Die kamerunischen Streitkräfte nutzen das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 891" />
- Datei:Flag of Lebanon.svg Libanon – Die libanesischen Streitkräfte nutzten das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW09 894" />
- Datei:Flag of Mauritius.svg Mauritius – Die mauritischen Sicherheitskräfte nutzen das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 897" />
- Datei:Flag of Nigeria.svg Nigeria – Die nigerianische Armee benutzt das SIG SG 540<ref name="armyrecnig" />
- Datei:Flag of Paraguay.svg Paraguay – Die Streitkräfte Paraguays benutzen das SIG SG 540<ref name="armyrecpar" />
- Datei:Flag of Portugal.svg Portugal – Die portugiesischen Streitkräfte nutzten das SIG 540<ref name="WG" />
- Datei:Flag of Senegal.svg Senegal – Die Senegalesischen Streitkräfte nutzen das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 900" />
- Datei:Flag of Eswatini.svg Eswatini – Die Streitkräfte Eswatinis nutzen das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW09 903" />
- Datei:Flag of Seychelles.svg Seychellen – Die seychellischen Streitkräfte nutzten das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 900" />
- Datei:Flag of Chad.svg Tschad – Die Tschadischen Streitkräfte nutzten das SG 542<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 891" />
- Datei:Flag of Togo (3-2).svg Togo – Die togolesischen Streitkräfte nutzten das SG 540<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 904" />
- Datei:Flag of the Central African Republic.svg Zentralafrikanische Republik – Die zentralafrikanischen Streitkräfte nutzten das SG 540-1<ref group="Jane’s infantry weapons" name="Janes IW08 891" />
Literatur
- Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen: Schützenwaffen (1945–1985). In: Illustrierte Enzyklopädie der Schützenwaffen aus aller Welt. 5. Auflage. Band 1+2. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1988, ISBN 3-89488-057-0, S. 381–384.
Weblinks
Einzelnachweise
<references> <ref name="SA">SIG SG 540. In: securityarms.com. Abgerufen am 1. April 2015.</ref> <ref name="weaponsystems">SG-540. In: weaponsystems.net. Abgerufen am 1. April 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="WG">Maxim Popenker: SIG 540 / 542 / 543. In: world.guns.ru. Modern Firearms, abgerufen am 1. April 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="armyrecbol">Bolivian army military equipment. In: armyrecognition.com. Abgerufen am 1. April 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="armyrecnig">Nigerian army military equipment. In: armyrecognition.com. 4. Dezember 2008, abgerufen am 1. April 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="armyrecpar">Paraguayan army military equipment. In: armyrecognition.com. Abgerufen am 1. April 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> </references>
Jane’s infantry weapons
<references group="Jane’s infantry weapons"> <ref name="Janes IW08 890">Richard Jones, Leland S. Ness: Jane’s Infantry Weapons, 2008–2009. 34. Auflage. Jane’s Information Group, Alexandria (VA) 2008, ISBN 978-0-7106-2834-3, S. 890.</ref> <ref name="Janes IW08 891">Richard Jones, Leland S. Ness: Jane’s Infantry Weapons, 2008–2009. 34. Auflage. Jane’s Information Group, Alexandria (VA) 2008, ISBN 978-0-7106-2834-3, S. 891.</ref> <ref name="Janes IW08 893">Richard Jones, Leland S. Ness: Jane’s Infantry Weapons, 2008–2009. 34. Auflage. Jane’s Information Group, Alexandria (VA) 2008, ISBN 978-0-7106-2834-3, S. 893.</ref> <ref name="Janes IW08 897">Richard Jones, Leland S. Ness: Jane’s Infantry Weapons, 2008–2009. 34. Auflage. Jane’s Information Group, Alexandria (VA) 2008, ISBN 978-0-7106-2834-3, S. 897.</ref> <ref name="Janes IW08 900">Richard Jones, Leland S. Ness: Jane’s Infantry Weapons, 2008–2009. 34. Auflage. Jane’s Information Group, Alexandria (VA) 2008, ISBN 978-0-7106-2834-3, S. 900.</ref> <ref name="Janes IW08 904">Richard Jones, Leland S. Ness: Jane’s Infantry Weapons, 2008–2009. 34. Auflage. Jane’s Information Group, Alexandria (VA) 2008, ISBN 978-0-7106-2834-3, S. 904.</ref> <ref name="Janes IW09 894">Richard Jones, Leland S. Ness: Jane’s Infantry Weapons, 2009–2010. 35. Auflage. Jane’s Information Group, Alexandria (VA) 2009, ISBN 978-0-7106-2869-5, S. 894.</ref> <ref name="Janes IW09 903">Richard Jones, Leland S. Ness: Jane’s Infantry Weapons, 2009–2010. 35. Auflage. Jane’s Information Group, Alexandria (VA) 2009, ISBN 978-0-7106-2869-5, S. 903.</ref>
Jones, Richard D. Jane’s Infantry Weapons 2009/2010. Jane’s Information Group; 35 edition (January 27, 2009). ISBN 978-0-7106-2869-5. </references>