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Evangelische Pfarrkirche (Dossenbach)

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Datei:Evangelische Kirche Dossenbach6.jpg
Evangelische Kirche Dossenbach

Die Evangelische Kirche Dossenbach, auch Pelagiuskirche genannt, im gleichnamigen Teilort in der Gemeinde Schwörstadt im Landkreis Lörrach ist ein neugotischer Bau aus den 1850er Jahren. Die Vorgängerkirche wurde durch einen Brand zerstört. Die erste urkundliche Erwähnung eines Gotteshauses im Ort datiert auf die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Geschichte

Vorgeschichte

Ungesicherten Vermutungen zufolge könnten die Franken in Dossenbach bereits im 6. oder 7. Jahrhundert eine Eigenkirche errichtet haben.<ref name="ReferenceA">Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 340 (08.1)</ref> Eine Verehrung des Heiligen Pelagius, dem diese Kirche später geweiht war, wurde bereits im 10. Jahrhundert von der Diözese Konstanz gefördert.<ref>Kleines Kirchenbuch vom Wiesental und Oberrhein 1556–1956, 1956, S. 48–50</ref> Die erste schriftlich gesicherte Erwähnung eines Geistlichen („G. de Tossinbah plebanus“) war erst 1247.<ref>J. Escher, P. Schweizer: Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich, 1888 ff, 2. Band, S. 159</ref> Die Kirche („ecclesia Tossenbach“) wurde zwischen 1360 und 1370 zum ersten Mal erwähnt.<ref>W. Haid: Liber marcarum in diocesi Constanciensi. In: F. D. A. 5, 1870, S. 87</ref> Über die Ausmaße und Architektur dieser Kirche ist nichts überliefert. Dossenbach trat erst mit Einführung der Reformation im Markgräflerland 1556 zum evangelischen Glauben über und verlor bereits zwei Jahre später seine Selbständigkeit, als das Gotteshaus 1558 zur Filialkirche Maulburgs erklärt wurde.<ref name="ReferenceA" />

Umgestaltung und Instandsetzung

Infolge des Dreißigjährigen Kriegs verursachte Schäden wurden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mehrfach behoben. Bekannt ist, dass die Kirche einen achteckigen, sehr spitz zulaufenden Dachreiter aus Holz hatte. Während ihr Zustand zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch gut gewesen sein muss, verschlechterte er sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte zusehends.<ref>Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 340 (08.2)</ref> Für die notwendigen Instandsetzungsarbeiten nahm man 1761 Grund- und Aufriss, so dass das Äußere der Kirche bekannt ist. Chor und Langhaus waren demnach in einem rechteckigen Bau mit Satteldach zusammengefasst. Über dem Chor war der Dachreiter angebracht. Die im Jahr 1762 beendeten Restaurierungsarbeiten müssen nicht zufriedenstellend verlaufen sein, so dass man 1765 erneut nachbessern musste und dabei den Kirchturm auch leicht erhöhte.<ref>Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 340 (08.3)</ref> Trotzdem wurden 1767 Forderungen nach einer Vergrößerung des Bauwerks laut. Erst 1807 wurde die Kirche nach Plänen des Baumeisters Wilhelm Frommel grundlegend umgestaltet. Diese Kirche fiel jedoch bereits am 16. Juni 1856 einem Brand zum Opfer.<ref>Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 340 (08.4)</ref>

Heutiger Neubau

Ein Jahr nach dem Brand erwog man bereits den Neubau der Kirche, und 1853 wurde Dossenbach wieder zur selbständigen Pfarrei erhoben. Die neue Kirche wurde von 1855 bis 1857 im neugotischen Stil errichtet; ihre Weihe erfolgte am 25. Mai 1857.<ref>Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 340</ref>

Ein neuer Altar wurde 1950 aufgestellt. Während 1954 nur Fenster und Innenanstrich erneuert wurden, kam es von 1976 bis 1978 zu einer grundlegenden Renovierung der Kirche, bei der man eine neue Sakristei anbaute und die Dachhaube des Glockenturms in Kupferblech ersetzte.<ref>Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 341</ref>

Beschreibung

Kirchenbau

Die Dossenbacher Kirche steht auf einer erhöhten Hanglage an der Durchfahrtsstraße des Ortes und wird von einem Friedhof umgeben. Das rechteckige Langhaus hat an seinen Längsseiten je fünf spitzbogige, lange Fenster. Der polygonale Chor ist über ein niedrigeres Walmdach abgeschlossen. An der Südwestseite befindet sich das Hauptportal, darüber eine Fensterrose. Aus dem Dachgiebel erhebt sich der Glockenturm, aus dem sich an jeder Seite kleine Giebeldreiecke erheben. Das Dach bildet eine schlanke Pyramide, die von einer Turmkugel und einem Kreuz bekrönt wird.

Innenraum und Ausstattung

Das hohe Langhaus ist mit einer flachen Holzdecke eingedeckt. Die Saalkirche ist mit Einzelsitzen ausgestattet. Ringsherum führte eine Empore U-förmig entlang der Langhauswände. Zur Südwestfassade ist die Orgel aufgestellt. Langhaus und Chor werden von einem Triumphbogen getrennt. Links am Bogen steht ein Kanzelpult aus Holz, mittig im Chor ist der schlichte Holzaltartisch aufgestellt.

Datei:Evangelische Kirche Dossenbach3.jpg
Glockenturm

Glocken

Das dreistimmige Bronzegeläut der Dossenbacher Pelagiuskirche setzt sich wie folgt zusammen:

Name Schlagton Gussjahr Gießerei
Hoffnung b′ 1950 Bachert, Karlsruhe
Glaube des′′
Liebe es′′

Orgel

Die Orgel der Dossenbacher Kirche wurde 1862 durch den Freiburger Orgelbauer Fridolin Merklin erbaut. Das denkmalgeschützte Instrument, das auf einer Empore über dem Haupteingang steht, arbeitet mit mechanischen Schleifladen und mechanischer Traktur. Die zehn Register verteilen sich auf ein Manual und Pedal. Das Instrument wurde 1960 durch die Orgelwerkstatt Peter Vier instand gesetzt. Die Disposition lautet:<ref>Schwörstadt / Dossenbach – Pelagiuskirche – Orgel Verzeichnis – Orgelarchiv Schmidt.</ref>

Manual C–f3
Principal 8′
Bourdon 8′
Salicional 8′
Wienerflöte 8'
Principal 4′
Rohrflöte 4′
Octav 2′
Mixtur III 2′
Pedal C–d1
Subbas 16′
Violoncello 08′

Literatur

  • Johannes Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, Müllheim/Baden 1989, ISBN 3-921709-16-4, S. 340–341.

Weblinks

Commons: Evangelische Kirche (Dossenbach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 47° 36′ 53,7″ N, 7° 51′ 32,3″ O

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