Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz
Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz<ref>Impressum. In: Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz. Abgerufen am 6. Januar 2020.</ref> (kurz EKS; bis Jahresende 2019 Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK) mit Sitz in Bern ist der Zusammenschluss der reformierten Kantonalkirchen (zumeist – mit Ausnahme der Kantone Neuenburg und Genf – Landeskirchen) und der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz. Die EKS ist ein zivilrechtlicher Verein mit 25 Mitgliedern (Stand 2021).
Geschichte
Vorgängerorganisationen waren die evangelische Tagsatzung und die 1858 entstandene «Schweizerische reformierte Kirchenkonferenz». Eine offizielle konfessionelle Lehre gibt es nicht, die Kirchen sehen sich als «bekenntnisfrei».<ref name="Apostolikumsstreit">Vgl. Rudolf Gebhard: Apostolikumsstreit. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 27. Januar 2011, abgerufen am 23. Mai 2017. Vgl. Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn / Eglises réformées Berne-Jura-Soleure: Bekenntnisse. Abgerufen am 23. Mai 2017.</ref>
Der SEK wurde am 7. September 1920 gegründet. Ort der Gründungsversammlung war das Stadthaus Olten. Mitglieder waren 15 reformierte Kirchen und zwei Diasporaverbände (reformierte Minderheiten in katholischen Kantonen). 1921 wurden die kantonalen Kirchen der Kantone Genf, Neuenburg und Waadt aufgenommen, 1922 die Bischöfliche Methodistenkirche. 1946 gründete der SEK das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS). 1959 trat der SEK der Konferenz Europäischer Kirchen bei. 1973 wurde eine Erklärung der gegenseitigen Anerkennung der Taufe zwischen dem SEK, der Schweizer Bischofskonferenz und der Christkatholischen Kirche unterzeichnet.<ref>100 Jahre Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK Chronik 1920–2020</ref>
2018 beschloss der «Schweizerische Evangelische Kirchenbund», sich per Anfang 2020 als Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) neu zu organisieren und sich eine entsprechende Verfassung zu geben.<ref>Der Kirchenbund wird 2020 zur Kirche. ref.ch, 18. Dezember 2018.</ref><ref>Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund wird 2020 zur Kirche. In: www.kath.ch. 18. Dezember 2018, abgerufen am 6. Januar 2020.</ref> An der Rechtsform hat sich damit nichts geändert, die EKS ist dieselbe juristische Person wie der SEK, rechtlich handelt es sich um eine Änderung des Vereinsnamens verbunden mit einer Statutenrevision. Die Vereinsstatuten werden vereinsintern als „Verfassung“ bezeichnet, die Mitgliederversammlung als „Synode“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz EKS Neue Verfassung Genehmigt von der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes am 18. Dezember 2018. ( vom 3. Mai 2021 im Internet Archive)</ref>
Im August 2019 befürwortete der SEK die zivilrechtliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare.<ref>srf.ch: Ehe für alle - Reformierte Kirche sagt: Ja, ich will </ref> Am 27. Mai 2020 trat Ratspräsident Gottfried Locher zurück im Zusammenhang mit einer Beschwerde, zu deren Inhalt «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» keine weiteren Angaben gemacht wurden; ob die Vorwürfe mit einer Strafklage einhergingen, wurde ebenfalls nicht kommuniziert.<ref>Vanessa Buff, Rücktritte in der EKS: Was aktuell bekannt ist – und was noch nicht, ref.ch, 17. Juni 2020. Vanessa Buff, all EKS «Wir können die aufgeworfenen Fragen nicht ewig unbeantwortet lassen», ref.ch, 29. März 2021.</ref> Die NZZ berichtete über «amouröse Verstrickungen» Lochers.<ref>Simon Hehli, Amouröse Verstrickungen stürzen die reformierte Kirche in die Krise, NZZ, 15. Juni 2020.</ref>
Organe
Rat
Der Rat ist das Exekutivorgan des EKS und wird durch den Präsidenten geführt. In der Regel treffen sich die sieben Mitglieder (bis 2010 neun Mitglieder) des Rats einmal im Monat zu einer zweitägigen Sitzung in Bern.
Aktuelle Ratsmitglieder sind (Stand 1. September 2025), in Klammer (Kantonal-)Kirche:
- Rita Famos (ZH), Präsidentin
- Michel Rudin (LU)
- Catherine Berger (AG)
- Pierre-Philippe Blaser (FR)
- Florian Schubert (NE)
- Sandro Bugmann (SZ)
- Philippe Kneubühler (BEJUSO)
- Bisherige Ratspräsidenten
- 1920–1921: Wilhelm Hadorn
- 1921–1930: Otto Herold
- 1930–1941: Eugène Choisy
- 1941–1954: Alphons Koechlin
- 1954–1962: Henri D’Espine
- 1962–1965: Alphonse Küenzi
- 1966–1970: Alexandre Lavanchy
- 1970–1978: Walter Sigrist
- 1978–1986: Jean-Pierre Jornod
- 1986–1998: Heinrich Rusterholz
- 1999–2010: Thomas Wipf
- 2011–2020: Gottfried W. Locher
- 2020–: Rita Famos
Synode
Die Synode (bis 2019 Abgeordnetenversammlung) ist das Parlament (Legislative) der EKS. Sie tritt zwei Mal pro Jahr zusammen, im Juni als Gast einer Mitgliedkirche, im November in Bern. Die Mitgliedkirchen sind mit rund 80 Synodalen vertreten, die Diakonie- und die Frauenkonferenz stellen je zwei Delegierte mit Rede- und Antragsrecht.
Die Synode wählt das Präsidium und die Mitglieder des Rates, nimmt den Jahresbericht entgegen und beschliesst über Budget und Jahresrechnung. Sie kann dem Rat auf dem Weg von Motionen und Postulaten Aufträge erteilen, über Interpellationen Auskünfte verlangen und in Resolutionen ihre Haltung zu aktuellen Fragen zum Ausdruck bringen.
Geschäftsstelle
Die Geschäftsstelle am Sulgenauweg 26 in Bern beschäftigt rund 35 Personen in den Bereichen:<ref>Geschäftsstelle. Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz, abgerufen am 29. Dezember 2023.</ref>
- Theologie und Ethik
- Kirchenbeziehungen
- Aussenbeziehungen und Werke
- Kommunikation
- Zentrale Dienste
Geleitet wird sie seit dem Februar 2016 von Hella Hoppe.<ref>Kirchenbund: Hella Hoppe Geschäftsleiterin ad interim. In: Nachrichtenportal ref.ch. Reformierte Medien, 16. Februar 2016, abgerufen am 29. Dezember 2023.</ref>
Ökumenische Beziehungen
Die EKS ist Mitglied in zahlreichen ökumenischen Organisationen, beispielsweise in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK Schweiz)<ref>Mitglieder. Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz, abgerufen am 26. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, im Ökumenischen Rat der Kirchen, in der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen und in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa.
Mitgliedkirchen
Das Gebiet der Schweiz gliedert sich in 24 reformierten Kantonalkirchen. Als weiteres Mitglied der EKS ist die Evangelisch-methodistischen Kirche nicht auf ein Kantonsgebiet beschränkt, sondern umfasst in der Schweiz rund 100 Standorte.<ref>Mitgliedkirchen. Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz, abgerufen am 29. Dezember 2023.</ref>
Literatur
- Emil Marion: Die protestantische Schweiz. Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund. Ursprung und Geschichte. Evangelischer Verlag, Zollikon 1958.
- Heinz Rüegger: Reformiert-methodistische Kirchengemeinschaft. In: Theologische Zeitschrift (Basel), Jg. 53 (1997), S. 240–254.
Weblinks
- Website der EKS
- Rudolf Dellsperger: Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund (SEK). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz in der Archivdatenbank des Schweizerischen Bundesarchivs
Einzelnachweise
<references />
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