Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Sonnwend-Wolfsmilch – Wikipedia Zum Inhalt springen

Sonnwend-Wolfsmilch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Euphorbia helioscopia)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Sonnwend-Wolfsmilch
Datei:E helioscopia1 ies.jpg

Sonnwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia)

Systematik
Unterfamilie: Euphorbioideae
Tribus: Euphorbieae
Untertribus: Euphorbiinae
Gattung: Wolfsmilch (Euphorbia)
Untergattung: Esula
Art: Sonnwend-Wolfsmilch
Wissenschaftlicher Name
Euphorbia helioscopia
L.

Die Sonnwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia) ist eine Pflanzenart in der Gattung Wolfsmilch (Euphorbia) innerhalb der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Der botanische und der deutsche Name weisen auf die Eigentümlichkeit der Art hin, ihre Blütenstände nach der Sonne auszurichten (Heliotropismus).

Beschreibung

Die Sonnwend-Wolfsmilch ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 40 Zentimetern erreicht, die meisten Pflanzen werden jedoch nur 10 bis 20 cm hoch und bleiben unverzweigt oder verzweigen nur gering aus der Basis. Der zylindrische, bis etwa 3 mm dicke Stängel trägt nur wenige verkehrt-eiförmige Laubblätter, die bis etwa 2 cm lang sind. Das Längenwachstum wird mit einem Wirtel aus fünf Blättern abgeschlossen, über dem der endständige Blütenstand erscheint.

Der Blütenstand bildet den umfangreichsten Teil der Pflanze. Er ist eine fünfstrahlige Trugdolde, die dreigeteilt (trichotom) verzweigt ist. Die Hochblätter, die den größten Teil des Laubes ausmachen, sind blattförmig, häufig leicht gezähnt und gelblich-grün. Ebenfalls gelblich-grün sind die nur etwa 1 mm großen Cyathien. Die zuerst gebildeten Cyathien tragen meist fünf, die auf weiter verzweigten Blütenstandsstielen erscheinenden Cyathien meist nur vier breit eiförmige bis fast kreisrunde Nektardrüsen. Die tief gelappte, dreikammerige Kapselfrucht hat einen Durchmesser von etwa 3 mm und ragt auf einem gebogenen Stiel aus dem Cyathium heraus.

Die gesamte Vegetationsperiode liegt etwa zwischen März und November, die Blütezeit zwischen April und Oktober. Gegen Ende der Vegetationsperiode werden die Pflanzen häufig von Mehltau befallen. Spätestens mit dem ersten Bodenfrost sterben sie ab.

Die Art hat die Chromosomenzahl 2n = 42.<ref name="Oberdorfer" />

Datei:Euphorbia helioscopia sl1.jpg
Sonnenwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia)

Ökologie

Die Sonnenwend-Wolfsmilch ist meist ein Therophyt.

Die Blüten blühen durch einen Zivilisationseffekt inzwischen auch im Winter. Die Blütenstände zeigen eine Photonastie d. h., sie sind der Sonne zugewandt. Die Bestäubung erfolgt vor allem durch Fliegen. Hauptblütezeit ist von April bis Oktober.

Die dreiteiligen Spaltfrüchte zerfallen in drei „Kokken“, die sich durch einen Stoßmechanismus explosionsartig öffnen und die netzgrubigen Samen bis 2 m weit fortschleudern. Die Samen sind langlebig. Fruchtreife ist von Juli bis Oktober. Es findet auch Apomixis statt, d. h. die Bildung von Samen ohne Befruchtung.

Vegetative Vermehrung ist durch Wurzelsprosse möglich. Die Art wurzelt bis 80 Zentimeter tief.<ref name="Oberdorfer" />

Vorkommen

Diese Art (möglicherweise identisch mit einer früher lateinisch als Tithymallus oder titmallus bezeichneten Pflanze<ref>Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 273.</ref> und im Mittelalter gelegentlich wie die Esels-Wolfsmilch auch Esula genannt.<ref>Werner Dressendörfer: Spätmittelalterliche Arzneitaxen des Münchner Stadtarztes Sigmund Gotzkircher aus dem Grazer Codex 311. Ein Beitrag zur Frühgeschichte des süddeutschen Apothekenwesens. Königshausen & Neumann, Würzburg 1978 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 15), S. 220 (esula maior: Euphorbia spec. oder Tithymallus dulcis L.)</ref><ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 374 (Esula).</ref>) stammt ursprünglich vermutlich aus dem Mittelmeerraum und verbreitete sich im Neolithikum als Kulturfolger des Menschen (Archäophyt).<ref name="Spohn" /> Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art reicht von Nordafrika über das gesamte Europa und in Asien über Iran und Indien bis nach China und Japan. In Nord- und Südamerika sind eingeschleppte Pflanzen verwildert (Invasive Pflanze).

Die Sonnenwend-Wolfsmilch kommt verbreitet in lückigen Unkrautfluren gehackter Äcker oder in Gärten und Weinbergen vor. Sie bevorzugt stickstoff- und basenreiche, lockere Böden und zeigt Lehm und Nährstoffreichtum an.<ref name="Oberdorfer" /> Nach Ellenberg ist sie ein Frischezeiger, ein Schwachsäure- bis Schwachbasezeiger, an stickstoffreichen Standorten wachsend und eine Verbandscharakterart der Erdrauch-Wolfsmilchgesellschaften (Fumario-Euphorbion).<ref name="Ellenberg" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Die Art steigt in den Allgäuer Alpen im Tiroler Teil bei Benglerwald zwischen Holzgau und Bach bis zu 1200 m Meereshöhe auf.<ref name="Dörr und Lippert" /> In der Schweiz steigt die Art bis 1800 Meter, in Tirol bis 1700 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Hegi" />

Systematik und Taxonomie

Euphorbia helioscopia wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.<ref name="SpPl" />

Man kann zwei Unterarten unterscheiden:

  • Euphorbia helioscopia subsp. helioscopia: Sie kommt in Makaronesien, in Nordafrika und von Eurasien bis zum Indischen Subkontinent vor.<ref name="WCSP" />
  • Euphorbia helioscopia subsp. hiemalis <templatestyles src="Person/styles.css" />A.P.Khokhr.: Sie kommt im Kaukasusgebiet vor.<ref name="WCSP" />

Nutzung

Die Art wurde bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend unter dem Kaiser Shen-Nong ärztlich verwendet.<ref name="Hegi" />

Galerie

Literatur

  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Weblinks

Commons: Sonnwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="SpPl">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 459, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fpage%2F358478~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D</ref> <ref name="Oberdorfer"></ref> <ref name="Ellenberg"></ref> <ref name="Spohn">Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.</ref> <ref name="Dörr und Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 193.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Hegi"> </ref> <ref name="InfoFlora"> Euphorbia helioscopia L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> </references>