Etta Gräfin von Waldersee
Etta Anna Louise Gräfin von Waldersee, geborene von Le Fort (* 22. November 1902 in Altona; † 7. März 1978 in Kiel) war eine deutsche Adlige.
Werdegang
Etta von Le Fort entstammte dem mecklenburgisch-baltischen Adelsgeschlecht Le Fort, einer Familie des Briefadels-Nobilitierungen nach 1400-, genealogisch der älteren adeligen Linie derer von Le Fort. Die bekannte Vertreterin der Vorgeneration und Autorin Gertrud von Le Fort dagegen stammte aus der freiherrlichen Linie der Le Fort. Ihre Eltern waren Hedwig von Graberg (* 1879) und Oberst a. D. Stephan von Le Fort (1872–1954) aus der Linie Pulow, einem früh wieder verkauften Gut. Etta hatte die Brüder Peter-Alexander und Hans Jürgen (1905–1945), die beide Offiziere wurden. Der General d. Inf. Hermann von Graberg war ihr Großvater.
Sie studierte Geschichte und Psychologie in Berlin. Noch während des Studiums war sie Mitbegründerin der Wohlfahrtsorganisation Mütterliche Hilfe und von 1922 bis 1928 ehrenamtlich als deren Geschäftsführerin tätig.<ref>Vgl. Nadine Freund: u. a.: Die Verwaltungsjuristin Theanolte Bähnisch (1899–1973) und der Deutsche Frauenring. Vom reformierten Preußen zur bundesdeutschen Westbindung - eine Wirkungsgeschichte. Auflage-Online-Ressource, Zugleich. Diss. Univ. Kassel-2015, Transcript-Historie, Bielefeld 2018, S. 495.</ref>
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges meldete sie sich freiwillig beim Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Berlin und übernahm das Amt der Sonderbeauftragten für Kriegsgefangene. Anfang 1941 war Berlin kurzzeitig Wohnsitz. Nach Kriegsende war sie 1945 Mitbegründerin des DRK-Landesverbandes Nordrhein und bis 1960 dessen Vizepräsidentin. Mit der Wiedergründung des DRK auf Bundesebene im Jahr 1950 wurde sie Vizepräsidentin und blieb es bis 1966. Ihr früher Einsatz<ref>Michael Borchard: Die deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion. Zur politischen Bedeutung der Kriegsgefangenenfrage 1949–1955. Hochschulschrift-Diss. Univ. Bonn 1998, In: Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte. Band 35; Droste, Düsseldorf 2000, S. 199.</ref> für die heimkehrenden Kriegsgefangenen ist in breiten Teilen der Gesellschaft unbestritten, fand gleichwohl Anklang in rechtskonservativen Kreisen.<ref>Martin Kornrumpf: In Bayern angekommen. Die Eingliederung der Vertriebenen. Zahlen, Daten, Name. In: Dokumente unserer Zeit. Band 3; Olzog, München/Wien 1979, S. 193.</ref>
Sie war zudem im Auftrag der Bundesregierung ab Gründung 1953 Vorsitzende des Deutschen Komitees für UNICEF sowie Mitglied im ZDF-Fernsehrat.
Gräfin Waldersee war in der BR Deutschland mehrfach in der Jugendpolitik eingebunden, bis hin zur Heimerziehung.<ref>Petra Liebner: Das DRK und die Arbeitsgemeinschaft Jugend in Heim und Werk. In: Marion Reinhardt, Bernd Umbach (Hrsg.): Von Altlasten und Neuanfängen. Die ersten Jahrzehnte des Internationalen Bundes. Auflage-Online-Ressource, Wochenschau-Verlag, Frankfurt/Main 2019, S. 156.</ref> In ihrem Sinne sollte so das FJS zu staatsbürgerlicher Gesinnung erziehen.<ref>Christine G. Krüger: Dienstethos, Abenteuerlust, Bürgerpflicht. Jugendfreiwilligendienste in Deutschland und Großbritannien im 20. Jahrhundert. Auflage-Online-Ressource, In: Gunilla Budde, Dieter Gosewinkel, Paul Nolte, Alexander Nützennadel, Hans-Peter Ullmann (Hrsg.): Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 219, VR, Göttingen 2016, S. 169.</ref>
Familie
Bereits 1928 heiratete sie in Berlin Alfred Graf von Waldersee (1898–1984), Industrie-Kaufmann und Geschäftsführer der Firma Franz Haniel & Cie. zu Duisburg, einem direkten Nachfahren des Generals Franz von Waldersee. Ihr Mann war das jüngste Kind, in Schwerin geboren, des gleichnamigen Franz Graf Waldersee (1862–1927) und dessen erster Ehefrau Henriette Grafin von Holstein (1865–1914). Der Vater wurde Fideikommissherr zu Waterneverstorf(f), preußischer Major, preußischer Kammerherr, Rechtsritter des Johanniterordens und nicht zuletzt Mitglied im Preußischen Herrenhaus. Etta und Alfred hatten keine Kinder. Duisburg blieb bis weit in die 1950er Jahre der Hauptwohnsitz. Gut Waterneverstorf erbte Alfreds ältester Bruder George Graf Waldersee. Mit Georg Graf von Waldersee und Franz Heinrich Georg von Waldersee stellten die Familie bei den direkten Vorfahren ebenso königliche preußische Generäle. Den Grafenstand für Preußen erhielt ihre Familie zu Berlin 1786.
Ehrungen
- 1973: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband d. Bundesrepublik Deutschland<ref>Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 71, 11. April 1973.</ref>
- 1977: Henry-Dunant-Medaille d. Internationalen Roten Kreuzes
Literatur
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1941. Jahrgang 114, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 528 f.
- Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. B (Briefadel). 1953. Band I, Band 6 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1953, S. 476.
- Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1956. Band II, Band 12 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1956, S. 194.
- Peter Hammerschmidt: Wohlfahrtsverbände in der Nachkriegszeit: Reorganisation und Finanzierung der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege 1945 bis 1961. Beltz Juventa, Weinheim / München 2005. ISBN 3-7799-1680-0.
Quellen
- Deutsche Biographie-Index u. Übersichten: Waldersee, Etta (1902–1978)(22.11.1902, Altona – 07.03.1978, Kiel)
- Deutsche Digitale Bibliothek: Fragebogen Entnazifizierung Etta Anna Von Waldersee, geb. 22.11.1902 (Sachbearbeiterin)
- Kalliope-Verbund: Waldersee, Etta (1902–1978). (22.11.1902, Altona – 07.03.1978, Kiel)
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Waldersee, Etta Gräfin von |
| ALTERNATIVNAMEN | Waldersee, Etta Von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Adlige |
| GEBURTSDATUM | 22. November 1902 |
| GEBURTSORT | Altona |
| STERBEDATUM | 7. März 1978 |
| STERBEORT | Kiel |
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- Person (Kiel)
- Deutscher
- Geboren 1902
- Gestorben 1978
- Frau