Zum Inhalt springen

Else Buschheuer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Else Buschheuer.jpg
Else Buschheuer posiert auf einer abfotografierten Automatenaufnahme

Else Buschheuer (* 12. Dezember 1965 als Sabine Knoll in Eilenburg) ist eine nonbinäre schriftstellerisch tätige Person.

Leben

Else Buschheuer wuchs in der DDR auf. Ihr Vater war der Geophysiker Peter Knoll und ihre Mutter Kosmetikerin.<ref>Else Buschheuer Internationales Biographisches Archiv 02/2014. Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 19/2019, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 31. März 2023 (Artikelanfang frei abrufbar).</ref> 1986 ließ sie ihren Vornamen von Sabine in Else ändern, in Anlehnung an Else Lasker-Schüler.<ref>Markus Maier: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />»Masserberg«-Autorin: »Anna erscheint mir wie meine Tochter«. (Memento vom 17. Oktober 2014 im Internet Archive). Anna Fischer und Else Buschheuer im Interview. In: Superillu.de, Mai 2010. (Interview geführt anlässlich der Erstausstrahlung des Fernsehfilms Masserberg am 19. Mai 2010 im Ersten.)</ref><ref name="DFK-Im-Gespraech-20210421">Schriftsteller*in Else Buschheuer. Das Leben als Patchwork. Deutschlandfunk Kultur: Sendung in der Reihe Im Gespräch, Moderation: Katrin Heise; gesendet am 21. April 2021, Länge 33:22 Minuten. (Begleittext und Sendung als mp3 zum Download bereitgestellt auf der Website von Deutschlandfunk Kultur, abgerufen am 31. März 2023.)</ref> Buschheuer war viermal verheiratet,<ref>Kölner Treff. ARD, 11. August 2019, abgerufen am 2. April 2023.</ref> unter anderem mit den Journalisten Hans-Peter Buschheuer und Udo Reiter. Sie ist Mutter einer Tochter.<ref name="EB-Kriegerin-2019" />

2019 outete sich Buschheuer in der WDR-Talkshow Kölner Treff als lesbisch.<ref>L-MAG-Autorin Sonya Winterberg über das extrovertierte Multi-Talent: Ein Wirbelwind durch und durch. Die Journalistin und Fernsehmoderatorin Else Buschheuer hat ein bewegtes Leben. In: L.MAG – Das Magazin für Lesben. Ausgabe September/Oktober 2019, S. 50–51 (Artikel online (PDF; 10,4 MB) auf der Website von L.MAG, abgerufen am 31. März 2023).</ref> In einem Interview in der Sendereihe Im Gespräch im Deutschlandfunk Kultur im Jahr 2021 machte Buschheuer ihre geschlechtliche Identität als nicht-binär bekannt und erzählte u. a. von der Leidenschaft, Queer Tango zu tanzen und dadurch starre Geschlechterrollen zu überwinden. Darin wird Buschheuer zusammenfassend zitiert: „Ein Gefühl dafür gibt das queere Tangotanzen. Wo man mal führt, mal sich führen lässt, die Rollenverteilung von Mann und Frau aufgehoben ist.“<ref name="DFK-Im-Gespraech-20210421" /><ref>Vgl. auch: Else Buschheuer: Hier noch wer zu retten? Über die Liebe, den Tod und das Helfen. Heyne, München 2019, ISBN 978-3-453-20288-7, Kapitel Voilà Madame! »Lassen Sie die Lawine rollen!« (eingeschränkte Buchvorschau in der Google-Buchsuche).</ref>

Wirken

Nach der Wende schrieb Buschheuer für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, u. a. für Tagesspiegel, taz, Der Spiegel,<ref>Zum Beispiel: Else Buschheuer: Opfor oder Dädor? Ein Beitrag zur Phänomenologie des Ossis. Essay. In: Spiegel Kultur. 15. August 2009, abgerufen am 31. März 2023.</ref> Stern und Die Weltwoche. Sie arbeitete für die Fernsehsendungen Spiegel TV Magazin auf RTL und Akte – Reporter decken auf auf Sat.1. Sie moderierte u. a. den Wetterbericht bei n-tv, ProSieben und war Moderatorin u. a. beim Kulturweltspiegel im Ersten.<ref>ARD-„Kulturweltspiegel“. Aus für Else. In: Spiegel Kultur. 21. November 2001, abgerufen am 31. März 2023.</ref> Für MDR Figaro schrieb und sprach sie von 2008 bis 2012 die wöchentliche Kolumne Gladiatorin des Alltags.<ref>Else Buschheuer: Bloggen: Ich bin auf Entzug. In: Tagesspiegel Online. 5. Mai 2009, abgerufen am 31. März 2023: „Else Buschheuer gibt das Bloggen auf und erklärt, warum sie nicht länger eine ‚gläserne Frau‘ sein will.“</ref>

Von 2001 bis 2005 lebte Else Buschheuer in New York. Von 2000 bis 2009 betrieb sie ein Internet-Tagebuch, das als einer der ersten Blogs im deutschsprachigen Raum gilt, wenngleich zu dieser Zeit der Begriff Blog noch keine Verbreitung fand. Sie berichtete live über die Terroranschläge am 11. September 2001 in ihrem Internet-Tagebuch; ihre ersten Einträge verfasste sie bereits um 9:34 Ortszeit, 30 Minuten nach dem Einschlag des zweiten Flugzeuges und vor den Einstürzen des World Trade Centers. Buschheuer lieferte damit einen persönlichen und vielbeachteten Bericht der Ereignisse, die von deutschsprachigen Medien rezipiert wurden. Der Bericht gilt als die erste deutschsprachige Reaktion auf die Geschehnisse der Terroranschläge. Dass sie „den 11.9.2001 überlebt“ hat, betrachtete sie rückwirkend als Teil ihres „Heldenzettels“.<ref>Else Buschheuer: Von New York nach Leipzig: Schluss mit „How Are You Today Honey“. In: Süddeutsche Zeitung. 17. März 2011, abgerufen am 31. März 2023.</ref>

Später wurden die Blogeinträge, die aktuelle Ereignisse aus Buschheuers Leben zeigten, thematisch zugeordnet und in insgesamt acht Buchpublikationen zwischen 2002 und 2009 veröffentlicht.<ref>Juliane Blank: Katastrophe und Kontingenz in der Literatur. Zufall als Problem der Sinngebung im Diskurs über Lissabon, die Shoah und 9/11. Hochschulschrift. De Gruyter, Berlin 2021, ISBN 978-3-11-071220-9 (als Online-Ausgabe ISBN 978-3-11-071257-5), Kapitel 2.1 Bloggen aus der Unsicherheitszone: Else Buschheuers New York –Tagebuch, S. 426.</ref>

Buschheuers Werke Ruf! Mich! An! (2000) und Masserberg (2001) lassen sich der Popliteratur zuordnen. Der Roman Masserberg wurde 2010 mit Anna Fischer in der Hauptrolle verfilmt. Fast vier Millionen Zuschauer sahen den Film im Fernsehen. Anfang 2026 veröffentlichte Buschheuer das Buch ex@frau, bei dem es sich um einen autofiktionalen Roman handelt, der in der queeren Szene Berlins spielt.<ref>Nadine Lange: „Weder noch“ als Lebensgefühl: Else Buschheuers autofiktionaler Roman „ex@frau“. Tagesspiegel, 28. Januar 2026, abgerufen am 19. März 2026.</ref>

Auszeichnungen

Publikationen (Auswahl)

Romane
  • Ruf! Mich! An!. Roman. Diana, München/Zürich 2000, ISBN 978-3-8284-0041-2.
  • Masserberg. Roman. Diana, München/Zürich 2001, ISBN 978-3-8284-0049-8.
  • Venus. Roman. Diana, München 2005, ISBN 3-453-29012-7.
  • der koffer. Roman. Diana, München 2006, ISBN 978-3-453-35194-3.
  • Zungenküsse mit Hyänen. Roman. Aufbau, Berlin 2013, ISBN 978-3-351-03536-5.
  • ex@frau Roman. Konkursbuch, Tübingen, 2026, ISBN 978-3-88769-276-6.
Non-Fiction
  • www.else-buschheuer.de. Das New-York-Tagebuch. Band 1, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002, ISBN 978-3-462-03095-2 (enthält die Berichte vom Terroranschlag am 11. September 2001 in New York).
  • Verrückt bleiben! Mein Leitfaden für freie Radikale. Aufbau, Berlin 2012, ISBN 978-3-351-02743-8.
  • Hier noch wer zu retten? Über die Liebe, den Tod und das Helfen. Heyne, München 2019, ISBN 978-3-453-20288-7.<ref>deutschlandfunkkultur.de: Else Buschheuer übers Helfen - "Kaputt zurück, das ist mein Leben". 22. März 2019, abgerufen am 13. Oktober 2025.</ref>
Essays (Auswahl)
  • 2005: Teresa hat mich reingelegt.<ref>Else Buschheuer: Teresa hat mich reingelegt. In: taz am Wochenende, Ausgabe 7607, 5. März 2005, abgerufen am 31. März 2023.</ref>
  • 2011: Sterbebegleitung: Ich bin da, Heinz.<ref>Else Buschheuer: Sterbebegleitung: Ich bin da, Heinz. In: Süddeutsche Zeitung, 7. Oktober 2011, abgerufen am 31. März 2023.</ref>
  • 2014: Schmerzdame.<ref>Else Buschheuer: Schmerzdame. Rubrik Sex. In: SZ Magazin, Heft 33/2014, 19. August 2014, abgerufen am 31. März 2023.</ref>
  • 2017: Meine Beiden.<ref>Else Buschheuer: Meine Beiden. Rubrik Leben und Gesellschaft. In: SZ Magazin, Heft 25/2017, 27. Juni 2017, abgerufen am 31. März 2023.</ref>
  • 2018: Die dressierte Frau.<ref>Else Buschheuer: Die dressierte Frau. Rubrik Leben und Gesellschaft. In: SZ Magazin, Heft 8/2018, 13. April 2018, abgerufen am 31. März 2023.</ref>
  • 2018: Asche zu Asche.<ref>Else Buschheuer: Asche zu Asche. Rubrik Leben und Gesellschaft. In: SZ Magazin, Heft 10/2018, 13. April 2018, abgerufen am 31. März 2023.</ref>
  • 2019: Kriegerin.<ref name="EB-Kriegerin-2019" />

Verfilmungen

Literatur

  • Juliane Blank: Katastrophe und Kontingenz in der Literatur. Zufall als Problem der Sinngebung im Diskurs über Lissabon, die Shoah und 9/11. Hochschulschrift. De Gruyter, Berlin 2021, ISBN 978-3-11-071220-9 (als Online-Ausgabe ISBN 978-3-11-071257-5), Kapitel 2 Schockzustand und Kontingenzabwehr in ,Echtzeit-Reaktionen* von Else Buschheuer, Kathrin Röggla und Durs Grünbein, S. 425–437; hier: S. 426.

Weblinks

Commons: Else Buschheuer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein