al-Fāschir
| arabisch الفاشر al-Faschir | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
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| Koordinaten | 13° 37′ N, 25° 21′ O
{{#coordinates:13,623166666667|25,35425|primary
|
dim=20000 | globe= | name=al-Faschir | region=SD-DN | type=city
}} |
| Basisdaten | ||||||
| Staat | Sudan | |||||
| Vorlage:Info ISO-3166-2/admtypelink | Schamal Darfur | |||||
| ISO 3166-2 | SD-DN | |||||
| Distrikt | al-Faschir | |||||
| Einwohner | 286.277 (Berechnung 2009) | |||||
al-Fāschir (2017)
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Al-Faschir (arabisch الفاشر {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ; alternative Schreibungen El Fasher oder al-Fashir) ist die Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Schamal Darfur (Nord-Darfur), die sich im gleichnamigen Distrikt al-Faschir befindet.
Lage
Die Stadt liegt rund 800 km westlich von Khartum und knapp 200 km nördlich von Nyala auf 700 m Höhe in der Marra-Bergregion.
Bevölkerung
Al-Faschir hat 286.277 Einwohner (Berechnung 2009).
| Jahr | Einwohner<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>
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|---|---|
| 1973 (Zensus) | 51.932 |
| 1983 (Zensus) | 84.298 |
| 1993 (Zensus) | 141.884 |
| 2009 (Berechnung) | 286.277 |
Bei al-Fāschir befinden sich mehrere Lager für Binnenvertriebene, darunter das Abu Shouk und El Salam IDP Camp im Norden der Stadt und südwestlich außerhalb dieser an der Straße Richtung Nyala das Flüchtlingslager Zamzam, das jedoch im April 2025 von den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) angegriffen und großflächig zerstört wurde.<ref>Abu Shouk Camp Profile – Al Fasher, North Darfur State, Sudan, October 2022. In: ReliefWeb. Norwegian Refugee Council, 25. Januar 2023, abgerufen am 5. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Dominic Johnson: „Zamzam wird jetzt systematisch zerstört“. In: taz.de. 15. April 2025, abgerufen am 5. November 2025.</ref>
Geschichte
Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert war al-Faschir das Zentrum des Keira-Sultanats der Fur. Die Stadt war Ausgangspunkt für eine wichtige Kamelkarawanen-Route, die Darb el-arba'in (arabisch درب الأربعين {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), die nach Norden durch Darfur bis Assuan und Asyut führte. Auf ihr wurden Ebenholz, Elfenbein und Sklaven aus den zentralafrikanischen Waldgebieten zu den ägyptischen Märkten gebracht. 1821 eroberte Muhammad Ali das Funj-Sultanat und die Kurdufan-Provinz von Darfur. Für das Sultanat in al-Faschir begann eine schwierige Koexistenz mit den neuen Herrschern, welche die traditionellen Sklavenrouten nach Süden in die Bahr al-Ghazal-Region kontrollierten. 1874 drang der Anführer des größten Sklavenreiches Zubayr Pasha Rahma Mansur mit seiner gut ausgerüsteten Sklavenarmee in Darfur ein, sie gewannen die Herrschaft und töteten Sultan Ibrahim Qarad in der Schlacht von al-Manawashi. Darfur gehörte nun offiziell zum Herrschaftsbereich des Türkisch-Ägyptischen Sudans. Dagegen gab es ab Januar 1877 eine Revolte durch Harun ibn Sayf ad-Din, einen der Sultane, die sich der ägyptischen Oberhoheit widersetzten. Der Aufstand Haruns konnte erst im Sommer 1879 durch den von Gouverneur Gordon kurz zuvor nach Darfur entsandten Rudolf Slatin niedergeschlagen werden. Im Dezember 1883 musste sich Rudolf Slatin der Armee des Mahdi ergeben. Am 15. Januar 1884 fiel al-Faschir nach einwöchiger Belagerung an die Mahdisten.
Am 22. Februar 1889 unterlagen in der Schlacht von al-Faschir der Fur-Sultan Abu Kairat und der mit ihm verbündete Muhammad Zayn, genannt Abu Jummayza, ein Prediger des Sanussiya-Ordens, gegen eine Armee der Mahdisten unter Osman Adam, dem Gouverneur von Kurdufan.<ref>Martin W. Daly: Darfur's Sorrow. A History of Destruction and Genocide. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2007, ISBN 978-0-521-87618-6, S. 75 f.</ref> Mit der Schlacht von Umm Diwaykarat in Kurdufan am 24. November 1899 wurden die Mahdisten aus Darfur vertrieben. Die Fur hatten stets Widerstand gegen die Mahdisten geleistet, zuletzt unter ihrem Anführer Ali Dinar. Nach dem Ende der Mahdi-Herrschaft stellte Ali Dinar das Sultanat wieder her. 1909 wurde die im Westen gelegene Region Wadai von Franzosen erobert. Ali Dinar regierte relativ unabhängig von den Briten in Khartum, bis er 1916 bei der Eroberung Darfurs durch anglo-ägyptische Truppen umkam.<ref>Kevin Shillington: Encyclopedia of African History. Band 1: A – G. Taylor & Francis, London 2004, ISBN 1-280-28968-6, S. 120.</ref>
Der Palast des Sultans ist bis heute erhalten und beherbergt ein Museum, das besichtigt werden kann.
Darfur-Konflikt
Mit der Erstürmung der Garnison von al-Faschir gelang den Rebellengruppen im anhaltenden Darfur-Konflikt im Juni 2003 der erste große militärische Sieg. Zuvor hatte es bereits Angriffe auf Ortschaften in der Umgebung gegeben. Al-Faschir ist Hauptumschlagplatz für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Region: Hirsearten, Erdnüsse und Sesam. Nach dem Bürgerkrieg war al-Faschir Basis für die humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen und verschiedener NGOs. Die Stadt profitierte von dieser „Kriegswirtschaft“ und erlebte einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und einen Bauboom. Es waren etwa 500 internationale Helfer vor Ort, rund 3000 Arbeitsplätze wurden für Einheimische geschaffen.<ref>Edmund Sanders: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />A Darfur capital is a humanitarian boomtown. ( vom 20. Juli 2008 im Internet Archive) In: Los Angeles Times, 30. April 2008.</ref> Seit 2008 befindet sich das Hauptquartier der UNAMID-Friedenstruppen in al-Faschir. Im Stadtteil Gubba liegen Flüchtlingslager und das städtische Krankenhaus.
Al-Faschir gehörte mehrfach zum umkämpften Gebiet zwischen Regierungstruppen und Dschandschawid auf der einen und Rebellen (besonders der JEM) auf der anderen Seite. Wegen der angespannten Sicherheitslage wurden im Dezember 2006 ein Teil der ausländischen Hilfskräfte vorübergehend evakuiert.<ref>UN pulls out non-essential staff from Darfur town. In: Sudan Tribune, 6. Dezember 2006.</ref> Im Januar 2008 wehrte die Regierung mit Luftangriffen auf die Umgebung einen Angriff der JEM ab.<ref>Sudan army continues to bomb rebels around Darfur’s El-Fasher. In: Sudan Tribune, 27. Januar 2008.</ref> Mit dem Bürgerkrieg haben Kriminalität und Bandenwesen zugenommen. Hilfsorganisationen und selbst UNAMID beklagen Fahrzeugdiebstähle.<ref>Vehicle stolen in second attack on UNAMID in two days. In: Sudan Tribune, 22. März 2009.</ref>
Massenmorde durch die Rapid Support Forces (Mai 2024 – November 2025)
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Am 22. Mai 2024 wurde das Camp Abu Shouk in al-Faschir von den Rapid Support Forces (RSF) überfallen und ausgeraubt. Etwa 60 % der mehr als 100.000 Einwohner des Camps flohen daraufhin. In den darauffolgenden Tagen gab es in anderen Teilen der Stadt ebenfalls Kämpfe.<ref>Tens of thousands flee as paramilitaries attack Sudan's al-Fashir, activists say. Reuters, 24. Mai 2024, abgerufen am 25. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 13. Juni 2024 forderte der UN-Sicherheitsrat, die Belagerung zu beenden.<ref>Sudan: Sicherheitsrat fordert Ende der Belagerung von El Fasher. In: evangelisch.de. Abgerufen am 16. Juni 2024.</ref> Im Juli 2025 wurde die Stadt immer noch belagert.<ref>Christian Putsch: „Sonst sterben wir. Durch Bomben – oder an Hunger“. In: welt.de. 22. Juli 2025, abgerufen am 22. Juli 2025.</ref>
Im August 2025 warnte das Welternährungsprogramm (WFP), dass die 300.000 Bewohner der seit Mai 2024 belagerten Stadt aufgrund der Abgeschnittenheit von humanitärer Hilfe bzw. aufgrund der Hungersnot ums Überleben kämpfen; so müssten die Bewohner mitunter auf Abfälle und Tierfutter zurückgreifen, um nicht zu verhungern.<ref>UN warnen vor Hungersnot im Sudan: "Familien leben von Abfällen und Tierfutter". In: tagesschau.de. 5. August 2025, abgerufen am 5. August 2025.</ref>
Nachts am 10. bis morgens am 11. Oktober 2025 wurde von den RSF ein Flüchtlingslager in der Stadt mit Drohnen und Artilleriegeschossen angegriffen und zahlreiche – nach Angaben von lokalen Aktivisten mindestens 60 – Menschen wurden getötet.<ref>Viele Tote bei Angriff der RSF-Miliz im Sudan. In: tagesschau.de. 11. Oktober 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref><ref>Über 60 Tote bei RSF-Angriff auf Flüchtlingsunterkunft im Sudan. Der Standard, 11. Oktober 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref>
Nach Verhandlungen zwischen der RSF und der sudanesischen Armee zog sich die Armee schließlich gegen die Zusicherung freien Geleites aus al-Fāschir zurück.<ref name="Christian Meier">Christian Meier: Die letzte Bastion im Westen fällt. Die Einnahme Al-Faschirs durch die RSF-Miliz könnte ein Wendepunkt im Krieg um Sudan sein. Nun mehren sich Berichte über Gräueltaten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Oktober 2025, S. 6.</ref> An ihrer Stelle zogen am 26. Oktober 2025 Einheiten der RSF in die Stadt ein. Dass die Armee sie der RSF preisgab, empfanden die Bewohner der Stadt als „Verrat“.<ref name="Christian Meier" /> Unmittelbar sollen RSF-Kämpfer mit Massentötungen begonnen haben; basierend auf Satelliten- und Open-Source-Daten schätzte eine Forschungseinrichtung der Yale University, dass bis Ende Oktober 2025 über 10.000 Menschen in der Stadt getötet wurden.<ref name=":0">Kalina Brookfield, Reem Abdo Kahin: Yale lab reports mass killings in Sudan, calls for student activism. In: Yale Daily News. 31. Oktober 2025, abgerufen am 29. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":1">»Vom Weltraum aus ist das Blut auf den Straßen zu erkennen«. In: spiegel.de. Der Spiegel, 31. Oktober 2025, abgerufen am 29. November 2025.</ref> Laut der Weltgesundheitsorganisation wurden allein in der Geburtsklinik Saudi Maternity Hospital mehr als 460 Menschen von den RSF getötet. Laut Tagesschau ist der Konflikt sehr stark von ethnischen Faktoren geprägt. Maßgeblich sei dabei die Konkurrenz um Land und Wasser zwischen traditionell nomadischen, arabischen Volksgruppen und sesshaften, nicht-arabischen Gruppen.<ref>Offenbar Hunderte Menschen in Geburtsklinik getötet. In: tagesschau.de. 29. Oktober 2025, abgerufen am 4. November 2025.</ref>
Der Tagesspiegel berichtete am 1. November 2025 über den Rückzug der Armee am 26. Oktober 2025. Satellitenbilder aus der Zeit vom 29. Oktober bis 1. November zeigen Ansammlungen von Leichen.<ref name=":2">31 Ansammlungen von Leichen entdeckt. In: tagesspiegel.de. 1. November 2025, abgerufen am 3. November 2025.</ref><ref name=":0" /><ref name=":1" /> Nach Angaben der UNO waren bis Ende Oktober etwa 65.000 Menschen aus der Stadt geflohen. Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichtete, dass zu dem Zeitpunkt viel weniger Menschen als erwartet nach Tawila, wo MSF arbeitet, geflohen seien. Es sei zu erwarten, dass viele Bewohner von al-Faschir getötet oder gefangen genommen worden seien oder sich verstecken würden.<ref name=":2" /> Hatten laut dem lokalen Direktor des Norwegian Refugee Council Stand Anfang November etwa 6000 Flüchtlinge Tawila erreicht,<ref name="apnews">Noha Elhenawy: Fears grow for thousands trapped in Sudan’s el-Fasher as few reach safety. AP News, 2. November 2025, abgerufen am 4. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> hatten laut den Vereinten Nationen Ende November etwa 700.000 Flüchtlinge die Kleinstadt bevölkert.<ref>»Wir sprechen von extremer Erniedrigung, sexueller Folter und Sklaverei«. In: spiegel.de. 25. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.</ref> Auch in der rund 770 Kilometer nordöstlich von al-Fāschir gelegenen Stadt ad-Dabba kamen Flüchtlinge an.<ref>Barbara Plett Usher: 'I saw them driving over injured people' - the terrifying escape from war in Sudan. BBC, 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Sudan's displaced and exhausted doctors treat fellow El-Fasher survivors. In: france24.com. 24. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Verkehr
Der Flughafen al-Faschir liegt am westlichen Stadtrand. Eine Fernstraße führt von al-Fāschir Richtung Süden nach Nyala in Dschanub Darfur (Süd-Darfur) und Richtung Osten über an-Nahud in Gharb Kurdufan (West-Kurdufan), al-Ubayyid und Umm Rawāba in Schamal Kurdufan (Nord-Kurdufan) bis Kusti am Weißen Nil. Zudem verläuft eine Landstraße Richtung Westen über Tawila und Kabkabiya nach al-Dschunaina in Gharb Darfur (West-Darfur).<ref>2.3 Sudan Road Network. In: lca.logcluster.org. Logistics Cluster, abgerufen am 3. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref></ref><ref>Dominic Johnson: Der neue Krieg bringt neues Elend. In: taz.de. 17. April 2023, abgerufen am 5. November 2025.</ref>
Klimatabelle
| al-Faschir | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Klimadiagramm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stadtplan von unosat.org ( vom 23. Juni 2007 im Internet Archive)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Northern Darfur: El Fasher Town Plan. ( vom 16. Oktober 2006 im Internet Archive) Stadtplan mit Eintrag der Hilfsorganisationen (PDF; 489 kB)
Einzelnachweise
<references />