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Eiserne Hand (Götz von Berlichingen)

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Die beiden Handprothesen des Götz von Berlichingen

Als Eiserne Hand oder Jagsthäuser Hand werden zwei dem Ritter Gottfried „Götz“ von Berlichingen zugeschriebene passive Handprothesen aus dem 16. Jahrhundert bezeichnet, deren jüngere wesentlich bekannter ist. Beide Eisernen Hände sind heute im Museum der Götzenburg Jagsthausen ausgestellt.

Im weiteren Sinne bezeichnet der Begriff „Eiserne Hand“ eine größere Gruppe ähnlicher Prothesen aus der Zeit des späten Mittelalters beziehungsweise der frühen Neuzeit.

Hintergrund

Götz von Berlichingen verlor seine rechte Hand 1504 durch den Schuss einer Feldschlange verbündeter Truppen während des Landshuter Erbfolgekrieges. Die Kugel traf nach Götz’ Schilderung den Schwertknauf, woraufhin dieser zersplitterte. Die Splitter trafen die Hand und trennten sie ungefähr auf Höhe des Knöchels<ref name="Quasi0">Günter Quasigroch: Die Handprothesen des fränkischen Reichsritters Götz von Berlichingen – Der Landshuter Unfall.</ref> vom Arm. Die Wucht des Einschlages sei so groß gewesen, dass er sich wunderte, nicht vom Pferd gerissen worden zu sein. Ein alter Knappe habe ihn danach ans Ende des Lagers geführt, wo ihm ein Wundarzt, aus Vorsorge gegen einen Wundbrand, die Hand ablöste, die nur noch an etwas Haut hing.

Götz berichtet in seiner Autobiografie selbst, der Gedanke an eine Kunsthand sei ihm auf dem Krankenbett gekommen, als er sich an einen Reiter namens Kochle erinnerte, der ebenfalls eine eiserne Hand besessen habe.<ref name="Fehd">Götz von Berlichingen: Mein Gottfriden von Berlichingen zw Hornberg vhedt vnd handlungen. Text der Rossacher Handschrift (vor 1567), f. 33v. In: Helgard Ulmschneider (Hrsg.): Götz von Berlichingen Mein Fehd und Handlungen. Thorbecke, Sigmaringen 1981, ISBN 3-7995-7614-2, S. 26 (Digitalisat).</ref>

Im Jahr 1512 gab ein Gefangener in Nürnberg zu Protokoll, „er hab auch Gotzen von Berlichingen mit der ein hand eigentlich gesehen, hab an der eysinen Hand ein handschuch gehabt.“<ref name="Löffler1980" details="S. 12">Liebhard Löffler: Götz von Berlichingen und seine Prothesen (Die beiden Jagsthäuser Hände). In: Orthopädie-Technik. 31/1, Dortmund 1980, ISSN 0340-5591, S. 11–15.</ref> Die erste Erwähnung von Götz von Berlichingen mit der isern hand stammt aus dem Jahr 1518.<ref name="Löffler1984" details="S. 211">Liebhard Löffler: Der Ersatz für die obere Extremität.</ref>

Eiserne Handprothesen waren zur Zeit des Götz von Berlichingen keineswegs neu, obwohl die „Götzhand“ ohne Zweifel die bekannteste ihrer Art ist. Die Verbreitung von Konstruktionen in der Art der ersten Eisernen Hand, mit jeweils paarweise (Altruppiner Hand) oder auch nur in einem einzigen Block (Erste Hand aus Florenz)<ref name="Kahlow" details="S. 210f.">Simone Kahlow: Prothesen im Mittelalter – ein Überblick aus archäologischer Sicht. In: Cordula Nolte (Hrsg.): Homo Debilis. Behinderte – Kranke – Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Band 3, Didymos-Verlag, Korb 2009, ISBN 978-3-939020-23-3, S. 203–223.</ref> beweglichen Fingern lassen darauf schließen, dass es schon Ende des 15. Jahrhunderts „eine europäische Entwicklung oder aber zumindest einen eifrigen Wissensaustausch und Technologietransfer innerhalb des gesamten Kontinents“ (<templatestyles src="Person/styles.css" />Liebhard Löffler)<ref name="Kahlow" details="S. 210" /> gab. Das Konstruktionsprinzip hielt sich über mehrere Jahrhunderte.

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Die erste „Eiserne Hand“

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Die erste „Eiserne Hand“, unrestaurierter Zustand mit abgebrochenem kleinem Finger.
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Ersthand, Finger gebeugt

Die erste Eiserne Hand ist eine passive Handprothese aus Eisenblech,<ref name="Quasi2" details="S. 120" /> die etwa 1504–1510<ref name="Boer" details="S. 2">Wiebke Ada de Boer: Klinisches Bild erworbener Amputationen im Kindesalter – retrospektive Analyse von 124 Patienten aus der Klinik und Poliklinik für technische Orthopadie und Rehabilitation in Münster von 1986 – 2003. Münster 2008 (Digitalisat; PDF; 4,3 MB).</ref> entstand und „dem Standard jener Zeit“ entsprach.<ref name="Quasi1" details="S. 25" /> Insbesondere der Altruppiner Hand ähnelt sie in ihrer Konstruktion und Ausführung stark.<ref name="Quasi1" details="S. 20">Günter Quasigroch: Die Handprothesen des fränkischen Reichsritters Götz von Berlichingen. 1. Fortsetzung: Die Ersthand.</ref><ref name="Löffler1984" details="S. 211" />

Von den beiden Jagsthäuser Händen ist sie die „zweifellos ältere“.<ref name="Quasi1" details="S. 18" /> Sie ist wesentlich einfacher aufgebaut als die zweite Götzhand, aber es handelt sich keineswegs um eine „primitive Art von Kralle“ (<templatestyles src="Person/styles.css" />Helgard Ulmschneider).<ref name="Quasi1" details="S. 22" /> Die Mechanik ist komplex und ähnelt mit Blattfedern und Sperrklinken einem Batterieschloss. Die hohl ausgeführten<ref name="Quasi1" details="S. 22" /> Finger lassen sich paarweise bewegen, also je zwei Finger zusammen. Bei der Bewegung des linken Fingerblocks (Zeige- und Mittelfinger) wird über einen Hebelmechanismus zugleich auch der Daumen – in entgegengesetzter Richtung – bewegt. Durch Druck auf einen auf dem Handrücken angebrachten Knopf springen sämtliche Finger durch Federkraft wieder in die gestreckte Ausgangslage.

Die Blechstärke beträgt etwa 1 mm, der erhaltene Korpus ist 13 cm lang, am Handrücken 7 cm breit und rund 600 g schwer. Die Finger sind 7 cm lang, der Daumen 5 cm.<ref name="Quasi1" details="S. 32" /> Alle Achsen sind fest vernietet, sodass sich die Prothese nicht zerstörungsfrei zerlegen lässt.<ref name="Quasi1" details="S. 23" /> Reste von Ölfarbe zeigen, dass diese erste Götzhand ursprünglich fleischfarben bemalt war.<ref name="Quasi1" details="S. 22" /> Ein Unterarmstulp war ehemals starr angenietet,<ref name="Quasi1" details="S. 22" /> ist jedoch nicht erhalten. Vermutlich war er aus Metall und zur Gewichtserleichterung korbartig gefenstert wie bei der Altruppiner Hand und der Eisernen Hand im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.<ref name="Quasi1" details="S. 30" />

Zu dieser ersten Eisernen Hand ist wenig überliefert, allerdings lassen die starken Gebrauchsspuren darauf schließen, dass Götz sie im Alltag wohl häufiger verwendete als ihr aufwändigeres Pendant. Ein abgebrochener kleiner Finger (siehe Abbildungen) wurde erst 1980 ergänzt.<ref name="Quasi1" details="S. 21" /> Der praktische Nutzen der Prothese ist aber durch die lediglich dreistufige<ref name="Quasi1" details="S. 23" /> Rastung der Finger eher eingeschränkt. Möglicherweise konnte Götz Zügel oder auch einen Schild damit halten.

Forscher der Hochschule Offenburg, die im Jahr 2017 mit Hilfe von Computer-Aided Design und 3D-Druck eine Rekonstruktion dieser ersten Eisernen Hand anfertigten, hielten die Prothese dagegen für „absolut funktional“. Es sei möglich, mit ihr zu schreiben und „gut Gegenstände wie etwa ein Smartphone oder Weinglas“ zu halten.<ref name="hs-offenburg">@1@2Vorlage:Toter Link/www.hs-offenburg.deAus erster Hand (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2023. Suche im Internet Archive ) auf hs-offenburg.de</ref>

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Die zweite „Eiserne Hand“

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Die zweite „Eiserne Hand“ mit gestreckten Fingern
Datei:Eiserne Hand Glasnegativ 1.jpg
Die Zweithand mit gebeugten Fingergliedern
Datei:Mechanismus Zweite Eiserne Hand.jpg
Fingermechanismus

Die zweite Eiserne Hand ist die weitaus bekanntere. Sie entstand „um das Jahr 1530,“<ref name="Quasi2" details="S. 115ff." /> damit wäre sie also rund zwanzig Jahre jünger als die Ersthand. Die Mechanik der passiven Handprothese basiert auf denselben konstruktiven Grundprinzipien wie die der Ersthand, ist jedoch wesentlich komplexer ausgeführt. Im Vergleich zum „genialen“ (<templatestyles src="Person/styles.css" />Günter Quasigroch) Mechanismus ist die Plattnerarbeit allenfalls mittelmäßig, der Hersteller war also wohl eher ein Mechaniker als ein Waffenschmied.<ref name="Quasi2" details="S. 117" />

Der Mechanismus befindet sich ausschließlich in der eigentlichen Hand,<ref name="Mechel">Christian von Mechel: Die eiserne Hand des tapfern deutschen Ritters Götz von Berlichingen.</ref> während die Armschiene (Stulp) nur der Befestigung der Prothese am Unterarm dient. Sie lässt sich aufklappen und wird mit zwei Lederriemen und Schnallen geschlossen.

Die vier Finger sind einzeln in 3 Gelenken, der Daumen in einem Gelenk artikulierbar ausgeführt.<ref name="Mechel" /><ref name="Löffler1984" details="S. 211" /> Mit der gesunden Hand musste der Träger die Fingerglieder der Prothese in die gewünschte Position bringen, wo sie durch einen Sperrklinken­mechanismus (Gesperr) arretierten. Zwei Knöpfe dienten dazu, den Daumen beziehungsweise die vier übrigen Finger durch Federkraft wieder in die Normalstellung (offene Hand) zu bringen.<ref name="Mechel" /><ref name="Karpa" /> Aufgrund des Mechanismus ist die Betätigung der Handprothese recht laut.<ref name="Karpa" />

Nach Drücken eines dritten Knopfes lässt sich das „Handgelenk“ abwinkeln<ref name="Mechel" /> – allerdings nur um etwa 15°, weit weniger als die menschliche Hand. Die vergleichsweise schwach ausgeführte Sperre ist außerdem der Schwachpunkt der gesamten Konstruktion.<ref name="Quasi2" details="S. 113" />

Die eigentliche Hand lässt sich gegenüber dem Armstulpen außerdem auch rotieren (Pronation beziehungsweise Supination),<ref name="Boer" details="S. 2" /> das wulstförmige Radiallager ähnelt dem eines „im Kragen umgehenden“ Helms.<ref name="Quasi2" details="S. 110f." /> Die Feststellung erfolgt hier nur durch Reibung, eine gesonderte Sperrvorrichtung gibt es nicht. Christian von Mechel erkannte diese Bewegungsebene bei seiner ansonsten sehr genauen Beschreibung der Kunsthand nicht.<ref name="Löffler1980" details="S. 14" />

Die zweite Eiserne Hand ist im Ganzen 37 cm lang.<ref name="Löffler1984" details="S. 211" /> Im Gegensatz zur Ersthand war sie nicht fleischfarben bemalt, sondern wurde möglicherweise stattdessen in Verbindung mit einem Handschuh getragen.<ref name="Quasi2" details="S. 119" />

Angeblich<ref name="Karpa" /> konnte Götz mit der Prothese sowohl ein Schwert als auch einen Federkiel halten. Letzteres gelang Quasigroch im Versuch tatsächlich, was mit der Ersthand noch unmöglich gewesen wäre.<ref name="Quasi2" details="S. 112f." /> Außerdem konnte in Versuchen auch der Abzug einer Hakenbüchse, wie Götz sie verwendete, mit der Prothese betätigt werden.<ref name="Montag">Gerd Montag: Arbeitsprothese oder Reliquienhand. Ein wenig Dichtung und Wahrheit über die eiserne Hand des Ritters Götz von Berlichingen (1480–1562). Informationsstelle Edelstahl Rostfrei, Düsseldorf-Oberkassel.</ref> Die Arretierung der Finger erfolgt jedoch auch bei dieser Prothese nicht stufenlos, ein Schwert oder eine Lanze konnte man damit nicht wirkungsvoll greifen. Zum Kampf eignete sich die empfindliche Mechanik ohnehin nicht. Bei endoskopischen Untersuchungen<ref name="Karpa" /> beider Prothesen zeigte die erste Eiserne Hand weitaus mehr Gebrauchsspuren. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei der jüngeren Prothese eher um eine „Sonntagshand“ handelte.<ref name="Löffler1984" details="S. 211" />

Rezeption

Johann Wolfgang von Goethe machte die „Götzhand“ durch sein Drama Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand bekannt. In der Folge entstand ein regelrechter „Reliquienkult“.<ref name="Quasi1" details="S. 19" /> Die Leistungsfähigkeit der Konstruktion wurde in der romantisierenden Vorstellung jedoch überschätzt.<ref name="Quasi1" details="S. 28" /> Da beide Prothesen passiv sind, eignen sie sich lediglich zum Halten von Gegenständen unter Mithilfe der gesunden – bei Götz linken – Hand. Ein Schwert oder eine Lanze führen, zumal mit Kraft, konnte man damit sicher nicht. Götz schrieb jedenfalls mit der Linken, nicht mit der Kunsthand,<ref name="Quasi1" details="S. 22" /> und es ist wahrscheinlich, dass er auch mit der Linken kämpfte.<ref name="Quasi1" details="S. 30" />

Die „Eiserne Hand“ ist Bestandteil der Wappen der Gemeinden Jagsthausen und Schöntal sowie des Logos der Burgfestspiele Jagsthausen. Auch das Truppenkennzeichen der 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“ zeigte sie.

Medizingeschichte

Die „Zweithand“ spielte auch in der neueren Medizin eine Rolle. Die erste willkürlich, also ohne Unterstützung der gesunden Hand, bewegliche Armprothese entwickelte der Berliner Zahnarzt Peter Baliff um 1812. Diese Kunsthand ähnelte äußerlich sehr der jüngeren Götzhand, die Baliff sich zum Vorbild genommen hatte.<ref name="Löffler1984" details="S. 89" /> Auch weitere frühe moderne Kunsthände wie die von Margarethe Caroline Eichler aus dem Jahr 1836 übernahmen Konstruktionsmerkmale der Eisernen Hand.<ref name="Löffler1984" details="S. 91ff." />

Mit dem Ersten Weltkrieg stieg der Bedarf an Prothesen für die oberen und unteren Extremitäten in Europa deutlich an. Robert Forrer berichtet, dass die in Straßburg ausgestellte Balbronner Hand bei den verwundeten deutschen Soldaten größtes Interesse hervorrief.<ref name="Forrer">Robert Forrer: Die eiserne Hand von Balbronn (Elsaß). In: Zeitschrift für historische Waffen- und Kostümkunde. Band 7: 1915–1917, S. 102–107 (Digitalisat).</ref>

Im Jahr 1916 lieh sich der deutsche Chirurg Ferdinand Sauerbruch die Prothese von der Familie Berlichingen, um ihre Funktion zu studieren.<ref name="Karpa" /> Sauerbruch berichtete später, der „sinnreiche Mechanismus“ der Götzenhand habe ihm wertvolle Anregungen bei der Entwicklung des sogenannten Sauerbruch-Arms geliefert, der als die erste moderne Unterarmprothese gilt.<ref name="Sauerbruch">Ferdinand Sauerbruch, Hans Rudolf Berndorff: Das war mein Leben. Kindler & Schiermeyer, Bad Wörishofen 1951; zitiert: Lizenzausgabe für Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1956, S. 184–193.</ref>

Herkunft und Verbleib der Prothesen

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Christian von Mechels Stich der bekannteren Zweithand

Als Urheber der Götzhand wird in der Literatur gelegentlich ein „Dorfschmied zu Olnhausen“ (historisch auch Ollhausen)<ref>Vgl.: Historisch-Politisch-Geographischer Atlas der gantzen Welt. Heinsius, Leipzig 1744–1750, Sp. 950 (Digitalisat).</ref> genannt.<ref name="Karpa">Martin Friedrich Karpa: Die Geschichte der Armprothese unter besonderer Berücksichtigung der Leistung von Ferdinand Sauerbruch (1875–1951). Bochum 2004, S. 18ff. (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Digitalisat (Memento vom 19. Februar 2013 im Internet Archive); PDF; 4,5 MB).</ref><ref name="Sauerbruch" /> Quasigroch vermutet, dass Götz die – beschädigte und unvollständige – „Ersthand“ bei dem besagten Schmied lediglich in Reparatur gegeben hat, dieser jedoch vorzeitig starb.<ref name="Quasi1" details="S. 20" /> In den wenigen zeitgenössischen Berichten gibt es keine Hinweise auf den Herstellungsort.<ref name="Löffler1980" details="S. 14" />

Laut Götz von Berlichingen-Rossach sei die Zweithand nach Götz’ Tod „durch Heirath an die Familie von Hornstein“ gekommen.<ref name="Rossach" details="S. 472">Götz von Berlichingen-Rossach: Geschichte des Ritters Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand und seiner Familie.</ref> Erst 1788 soll sie wieder an die Familie von Berlichingen zurückgegangen sein. Die ältere Hand sei hingegen durchgehend in Familienbesitz geblieben.<ref name="Rossach" details="S. 475" /> Die Darstellung Berlichingen-Rossachs ist jedoch aufgrund einiger Ungereimtheiten zumindest anzuzweifeln,<ref name="Quasi2" details="S. 104" /> weshalb der genaue Verbleib der jüngeren Eisernen Hand bis ins 18. Jahrhundert unklar ist. Die Balbronner Hand aus dem Grab des Ritters Hans von Mittelhausen († 1564) mit nahezu identischer Mechanik bestätigt jedoch ihre Datierung und Echtheit.<ref name="Quasi2" details="S. 103">Günter Quasigroch: Die Handprothesen des fränkischen Reichsritters Götz von Berlichingen. 2. Fortsetzung: Die Zweithand.</ref> Beide Prothesen stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit vom selben, möglicherweise Nürnberger oder Augsburger, Hersteller.<ref name="Quasi2" details="S. 118" />

Der Hofrat Christian von Mechel zerlegte Anfang des 19. Jahrhunderts die Hand im Auftrag der Gräfin Franziska von Berlichingen.<ref name="Rossach" details="S. 473" /> Er beschrieb die Details des Mechanismus sehr ausführlich und fertigte einige detaillierte Stahlstiche an.<ref name="Rossach" details="S. 473" /> Bis zur Demontage zumindest war die Prothese einwandfrei funktionsfähig.<ref name="Quasi2" details="S. 105" />

Beide Eiserne Hände sind heute im Museum der Götzenburg Jagsthausen ausgestellt. Neben den beiden in Jagsthausen aufbewahrten Händen wird noch eine dritte, die sogenannte Grüninger Hand (lange Zeit aufbewahrt im Schloss Grüningen, heute im Deutschen Historischen Museum)<ref>Deutsches Historisches Museum: Erwerbung Grüninger Hand. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. September 2018; abgerufen am 26. Januar 2026.</ref> Götz zugeschrieben. Es handelt sich hierbei jedoch um eine vollständige Unterarmprothese mit beweglichem Ellenbogengelenk,<ref name="Quasi1" details="S. 18ff." /> was nicht zu den anderen beiden Prothesen und den von Götz beschriebenen Verletzungen passt.

Literatur

  • Friedrich Wolfgang Götz von Berlichingen-Rossach: Geschichte der eisernen Hand nebst ihrer Darstellung von innen und außen und Erklärung ihres Mechanismus. In: Geschichte des Ritters Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand und seiner Familie. Brockhaus, Leipzig 1861, S. 469–478 (Digitalisat).
  • Liebhard Löffler: Der Ersatz für die obere Extremität. Die Entwicklung von den ersten Zeugnissen bis heute. Enke, Stuttgart 1984, ISBN 3-432-94591-4.
  • Christian von Mechel: Die eiserne Hand des tapfern deutschen Ritters Götz von Berlichingen. Georg Decker, Berlin 1815 (doi:10.3931/e-rara-14841).
  • Günter Quasigroch: Die Handprothesen des fränkischen Reichsritters Götz von Berlichingen – Der Landshuter Unfall. In: Waffen- und Kostümkunde. Band 22. Deutscher Kunstverlag, München 1980, ISSN 0042-9945, S. 108–112.
  • Günter Quasigroch: Die Handprothesen des fränkischen Reichsritters Götz von Berlichingen. 1. Fortsetzung: Die Ersthand. In: Waffen- und Kostümkunde. Band 24. Deutscher Kunstverlag, München 1982, ISSN 0042-9945, S. 17–33.
  • Günter Quasigroch: Die Handprothesen des fränkischen Reichsritters Götz von Berlichingen. 2. Fortsetzung: Die Zweithand. In: Waffen- und Kostümkunde. Band 25. Deutscher Kunstverlag, München 1983, ISSN 0042-9945, S. 103–120.

Weblinks

Commons: Eiserne Hand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> </references>

Vorlage:Navigationsleiste Prothesen der oberen Extremitäten