Markteffizienzhypothese
Die Markteffizienzhypothese ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), kurz EMH, fälschlicherweise aufgrund der wörtlichen Übersetzung oft als Effizienzmarkthypothese bezeichnet) ist eine Theorie der Finanzökonomik, die besagt, dass Marktpreise alle verfügbaren Informationen widerspiegeln. Eine direkte Konsequenz ist, dass kein Marktteilnehmer dem Markt langfristig überlegen sein kann, außer durch Glück oder Nutzung nicht-öffentlicher Informationen.
Die Markteffizienzhypothese stellt eine theoretische Grundlage der modernen Portfoliotheorie dar.<ref>Edwin J. Elton: Modern portfolio theory and investment analysis. 6th ed Auflage. J. Wiley & Sons, New York 2003, ISBN 0-471-23854-6.</ref> Außerdem bildet die Markteffizienzhypothese das Fundament des passiven Investierens mit Indexfonds.<ref>Frank K. Reilly: Investment Analysis & Portfolio Management. ISBN 978-0-17-041603-0, S. 186.</ref><ref>Patrick Bernau: Eugene Fama: Der Markt weiß alles. In: FAZ.net. (Online [abgerufen am 9. Juli 2020]).</ref> Im Jahr 2013 wurden Eugene Fama zusammen mit Robert J. Shiller und Lars Peter Hansen für ihre Arbeiten zur empirischen Analyse von Märkten (bzw. „for their empirical analysis of asset prices“) mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.<ref>Nobelkomitee</ref>
Geschichte
Die Beobachtung, dass Aktienkurse einen zufälligen Verlauf ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) aufweisen, wurde zuerst 1900 durch den französischen Mathematiker Louis Bachelier gezeigt.<ref name="Davis">Mark Davis: Louis Bachelier’s Theory of Speculation: the Origins of Modern Finance. Princeton University Press, 2011, ISBN 978-1-4008-2930-9.</ref> Allerdings haben Wirtschaftshistoriker in Jules Regnault einen noch früheren Beobachter dieser Eigenschaft gefunden.<ref name="Jovanovic">Franck Jovanovic: Bachelier: Not the forgotten forerunner he has been depicted as. An analysis of the dissemination of Louis Bachelier’s work in economics. In: The European Journal of the History of Economic Thought. Band 19, Nr. 3, Juni 2012, ISSN 0967-2567, S. 431–451, doi:10.1080/09672567.2010.540343.</ref> Bacheliers Arbeit wurde von verschiedenen Mathematikern wie Joseph L. Doob, William Feller und Andrei Kolmogorow zitiert.<ref name="Jovanovic" /><ref>Robert Jarrow, Philip Protter: A short history of stochastic integration and mathematical finance: the early years, 1880–1970. In: Institute of Mathematical Statistics Lecture Notes - Monograph Series. Institute of Mathematical Statistics, Beachwood, Ohio, USA 2004, ISBN 978-0-940600-61-4, S. 75–91, doi:10.1214/lnms/1196285381.</ref>
Während der 1930er bis 1950er Jahre befassten sich nur wenige Forscher mit der Zufälligkeit der Aktienkursbewegungen. Dennoch wurden wegbereitende Arbeiten von Alfred Cowles, Holbrook Working oder Maurice Kendall veröffentlicht.<ref name=":2">Encyclopedia of Quantitative Finance. 1. Auflage. Wiley, 2010, ISBN 978-0-470-05756-8, doi:10.1002/9780470061602.eqf01031 (wiley.com [abgerufen am 12. August 2025]).</ref> 1940 argumentierte Friedrich August von Hayek, dass Märkte die effizienteste Weise seien, die in einer Gesellschaft verstreuten Informationen zu aggregieren. Durch die Möglichkeit, von privaten Informationen zu profitieren, bestehe ein großer Anreiz für Marktteilnehmer, diese Informationen für Transaktionen zu nutzen. Dadurch würden Marktteilnehmer für effizientere Marktpreise sorgen.<ref></ref>
In den 1960er Jahren nahm das Interesse an der Markteffizienzhypothese weiter zu, da es nun möglich war, mit Computern viele Aktienkurse schnell und effizient miteinander zu vergleichen.<ref name="Read" /> Die Aktienkursbewegungen wurden immer häufiger mit stochastischen Konzepten erklärt, z. B. durch Harry Roberts, Maurice Osborne, Paul Cootner oder Benoît Mandelbrot.<ref name=":2" /><ref>Victor Niederhoffer: The Life of Matthew Fontaine Maury Osborne. In: The Investment Office. 6. Juni 2024, abgerufen am 12. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Martin Sewell: History of the Efficient Market Hypothesis. In: Research Note. RN/11, Nr. 04. UCL Department of Computer Science, London 2011 (ucl.ac.uk [PDF]).</ref> Bacheliers Dissertation wurde wieder publiziert.<ref>Paul H. Cootner: The random character of stock market prices. Risk, 2000, ISBN 1-899332-84-7 (©1964).</ref> Die wesentlichen Beiträge zur Markteffizienzhypothese lieferten schließlich Paul Samuelson (1965)<ref name="Samuelson">Paul A. Samuelson: Proof that Properly Anticipated Prices Fluctuate Randomly. In: World Scientific Handbook in Financial Economics Series. Band 5. WORLD SCIENTIFIC, 2015, ISBN 978-981-4566-91-9, S. 25–38, doi:10.1142/9789814566926_0002.</ref> und vor allem Eugene Fama (1965<ref name="Fama-1965">E. F. Fama: The Behavior of Stock Market Prices. In: Journal of Business. Band 38, 1965, S. 34–105.</ref><ref name=":1" />, 1970<ref name="Fama-1970"></ref>).
1965 präsentierte Paul Samuelson einen mathematischen Beweis, dass Preise in effizienten Märkten einem Martingal folgen müssen.<ref name="Samuelson" /> Sein Beweis wird häufig zusammen mit den empirisch beobachteten Zufallsbewegungen von Aktienkursen als Argument für die Markteffizienzhypothese angeführt. Dabei handelt es sich aber um einen logischen Fehlschluss. Aus den empirisch beobachteten zufälligen Verläufen kann nicht geschlossen werden, dass Aktienmärkte deshalb effizient seien.<ref name="Read">Colin Read: The efficient market hypothesists: Bachelier, Samuelson, Fama, Ross, Tobin and Shiller. ISBN 978-0-230-27421-1.</ref>
“From a nonempirical base of axioms you never get empirical results.”
„Von einer nicht-empirischen axiomatischen Basis erhält man niemals empirische Ergebnisse“
Im selben Jahr wie Samuelsons grundlegender Aufsatz veröffentlichte Eugene Fama seine Dissertation, in welcher er statistisch-empirische Untersuchungen der Random-Walk-Theorie vorlegte.<ref name="Fama-1965" /> 1970 systematisierte Fama in einer einflussreichen Übersichtsarbeit die wesentlichen theoretischen und empirischen Forschungsergebnisse. Außerdem operationalisierte er erstmals die Markteffizienzhypothese und lieferte eine Reihe von empirischen Tests.<ref name="Fama-1970" /> Die Markteffizienzhypothese kann jedoch nur zusammen mit einem Risikomodell formuliert werden (Verbundhypothese).<ref name="Fama-1991">E. F. Fama: Efficient Capital Markets II. In: Journal of Finance. Band 46, Nr. 5, 1991, S. 1575–1617.</ref> Die Finanzökonomie untersucht daher seit den 1980er Jahren Marktanomalien, das heißt Abweichungen vom jeweils spezifizierten Markt- bzw. Risikomodell.<ref>G. William Schwert: Chapter 15 Anomalies and market efficiency. In: Handbook of the Economics of Finance. Band 1. Elsevier, 2003, ISBN 978-0-444-51363-2, S. 939–974, doi:10.1016/s1574-0102(03)01024-0.</ref> In der Regel handelt es sich dabei um Abweichungen zum CAPM.<ref name="Fama-1992">Eugene F. Fama, Kenneth R. French: The Cross-Section of Expected Stock Returns. In: The Journal of Finance. Band 47, Nr. 2, Juni 1992, S. 427–465, doi:10.1111/j.1540-6261.1992.tb04398.x.</ref>
Grundlagen
Die Markteffizienzhypothese besagt, dass die Preise, die in einem Markt erzielt werden, sämtliche Informationen widerspiegeln, die in diesem Markt verfügbar sind. Sie bezieht sich in aller Regel nur auf Kapitalmärkte. Informationen zu Unternehmen, Staaten und Rohstoffen führen hier bereits Sekunden nach dem Bekanntwerden zu Konsequenzen in den Kursen, was ein Indiz dafür ist, dass die Preise sehr schnell den Informationsstand des Marktes repräsentieren. Dies ist gleichbedeutend mit der Aussage, dass der Markt rationale Erwartungen hat. Eine rationale Erwartung bedeutet nicht zwingend, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer rational (oder auch nur informiert) sein müssen, sondern lediglich, dass die Gesamteinschätzung (Erwartungswert) der Marktteilnehmer rational ist.<ref name=":1">E. F. Fama: Random Walks in Stock Market Prices. In: Financial Analysts Journal. Band 21, 1965, S. 55–59.</ref><ref name="malkiel">Burton G. Malkiel: Random Walk down Wall Street. W.W.Norton and Company, 2007, ISBN 0-393-06245-7, S. 246.</ref>
Eugene Fama hat die Markteffizienzhypothese erstmals operationalisiert. Dazu hat er drei Grade von Markteffizienz vorgelegt und empirische Tests präsentiert. Dies bezieht sich auf die Kernaussage der Markteffizienzhypothese, nämlich dass Preise alle verfügbaren Informationen widerspiegeln. Die drei Grade spezifizieren, was genau unter „allen verfügbaren Informationen“ zu verstehen ist. Das heißt, sie geben an, was die Menge der verfügbaren Informationen darstellt.<ref name="Fama-1970" />
Schwache Markteffizienzhypothese
Die schwache Form der Markteffizienzhypothese nimmt an, dass alle historischen Preisverläufe eingepreist sind.<ref name="Fama-1970" /> Daraus folgt, dass aus den Kursverläufen der Vergangenheit nicht auf Kurse in Gegenwart und Zukunft geschlossen werden kann. Wenn diese Variante der Effizienz vorliegt, dürfte man mit Technischer Analyse keinen Informationsvorsprung erzielen können.<ref name="steinerbruns">Manfred Steiner, Christoph Bruns: Wertpapiermanagement: professionelle Wertpapieranalyse und Portfoliostrukturierung. 8., überarb. und erw. Auflage. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2002, ISBN 3-7910-1992-9, S. 41 ff.</ref>
Mittelstrenge Markteffizienzhypothese
Die mittelstrenge Form der Markteffizienzhypothese nimmt an, dass zusätzlich zu den Informationen der schwachen Markteffizienzhypothese auch alle weiteren öffentlichen Informationen eingepreist sind.<ref name="Fama-1970" /> Dazu gehören zum Beispiel Geschäftsberichte, Jahresabschlüsse, Konjunkturindikatoren und Wertpapieranalysen von Finanzanalysten. Fundamentalanalyse wäre demnach sinnlos, weil alle öffentlich verfügbaren Informationen schon eingepreist seien.<ref name="steinerbruns" /><ref name="scheufele">Bertram Scheufele, Alexander Haas: Medien und Aktien. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2008, ISBN 978-3-531-15751-1, S. 27.</ref>
Strenge Markteffizienzhypothese
Die strenge Form der Markteffizienzhypothese nimmt an, dass alle marktrelevanten Informationen im Kurs enthalten sind. Das schließt alle öffentlichen und Insider-Informationen ein.<ref name="Fama-1970" /> Demnach wäre Insiderhandel unmöglich.<ref name="steinerbruns" />
Beispiel
Traditionelle Märkte (Wochenmarkt, Supermarkt, Einzelhandel, Großhandel) werden generell als nicht effizient angesehen. Ein Grund dafür ist, dass der Käufer hier in der Regel ein erhebliches Informationsdefizit gegenüber dem Verkäufer hat und dass ein Handel hier nicht immer mit Gewinnabsicht (sondern z. B. mit Konsumabsicht) getätigt wird.
Challenger-Katastrophe
Ein klassisches Beispiel zur Illustration der Markteffizienzhypothese in der wissenschaftlichen Literatur ist die Challenger-Katastrophe.<ref name=":0">Laurence E. Blose, Robin Bornkamp, Marci Brier, Kendis Brown, Jerry Frederick: Catastrophic events, contagion, and stock market efficiency: the case of the space shuttle challenger. In: Review of Financial Economics. Band 5, Nr. 2, Januar 1996, S. 117–129, doi:10.1016/S1058-3300(96)90010-5.</ref><ref>Michael T Maloney, J. Harold Mulherin: The complexity of price discovery in an efficient market: the stock market reaction to the Challenger crash. In: Journal of Corporate Finance (= Market Microstructure and Corporate Finance). Band 9, Nr. 4, 1. September 2003, ISSN 0929-1199, S. 453–479, doi:10.1016/S0929-1199(02)00055-X (sciencedirect.com [abgerufen am 14. August 2022]).</ref> Dabei kam es am 28. Januar 1986 um 11:39 Uhr beim Start des Space-Shuttles Challenger zu einem schweren technischen Versagen, das mit der Explosion des Shuttles endete. Die gesamte siebenköpfige Besatzung kam bei der Tragödie zu Tode.<ref>Karen Workman: The Challenger Space Shuttle Disaster, 30 Years Later. In: The New York Times. 28. Januar 2016, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 14. August 2022]).</ref>
8 Minuten später erreichte die Nachricht die Börsen über den Dow Jones News Wire.<ref name=":0" /> In der Folge kam es zu einem starken Handel aller Aktien der an dem Bau des Space-Shuttles beteiligten Unternehmen, d. h. Lockheed Martin, Morton Thiocol, Rockwell International und Martin Marietta. Alle Aktien fielen fast unmittelbar um etwa 2–3 %, außer Morton Thiocol, dessen Kurs im Verlauf des Tages um 12 % einbrach. Der Markt identifizierte also die von Morton Thiocol hergestellten Booster-Raketen als die wahrscheinliche Hauptursache für den Crash und innerhalb von Stunden wurde diese Information im Aktienkurs berücksichtigt.<ref>Daniel Gross: The disaster market. 8. August 2003, abgerufen am 14. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Eine 6 Monate später beginnende öffentliche Untersuchung des Vorfalls, in der auch der Physiknobelpreisträger Richard Feynman aussagte, ermittelte Morton Thiocols fehlerhafte Bauteile als Hauptursache der Challenger-Katastrophe.<ref>Richard P. Feynman: "Kümmert Sie, was andere Leute denken?" neue Abenteuer eines neugierigen Physikers. Unveränd. Taschenbuchausg Auflage. München 1996, ISBN 978-3-492-22166-5.</ref>
Der Markt hatte also bereits am Tag der Katastrophe die korrekte Ursache angenommen und mit dem Kursverlust von 12 % die Kosten für das Unternehmen berechnet, die sich aus den späteren Schadensersatzforderungen und Reparaturkosten ergeben würden.<ref>The Wisdom of Crowds - The Story of The Stock Market’s Reaction to the Challenger Explosion. 28. Januar 2020, abgerufen am 14. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Empirische Überprüfung
In einem Markt, in dem man stets zu Preisen kaufen/verkaufen kann, die sämtliche Informationen reflektieren, kann man davon ausgehen, dass man nie zu teuer kauft und nie zu billig verkauft. In der Konsequenz würde daraus auch folgen: „Niemand kann erwarten, dauerhaft höhere Gewinne als der Markt(-durchschnitt) zu erzielen“.
- Empirische Tests der schwachen Effizienz zeigten, dass diese in der Realität gegeben ist. Eine serielle Korrelation von Kursen besteht höchstens kurzfristig, ein systematisches Ausnutzen von Informationen erfolgt aufgrund der Transaktionskosten nicht.<ref name="Fama-1970" /><ref name="heun">Michael Heun: Finanzmarktsimulation mit Multiagentensystemen. Deutscher Universitäts-Verlag, 2007, ISBN 978-3-8350-0937-0, S. 95.</ref>
- Empirische Untersuchungen zu der mittelstarken Effizienz kommen tendenziell zu einer Bestätigung. Aufgrund von methodischen Problemen sind diese Ergebnisse jedoch mit Vorsicht zu behandeln.<ref name="heun" />
- In der Literatur herrscht weitgehend Einigkeit, dass starke Effizienz in der Realität nicht vorkommt. Bei Veröffentlichung wichtiger Informationen sind an den Börsen regelmäßig signifikante Kursveränderungen zu beobachten, die Informationen können nicht schon vorher eingepreist gewesen sein.<ref name="heun" /> Mehr noch, vor Veröffentlichung sind häufig abnormale Kursbewegungen zu beobachten, die nur mit Insiderhandel zu erklären sind.<ref></ref>
Verschiedene Studien kamen zu dem Ergebnis, dass eine Mehrzahl der aktiv-gemanagten Investmentfonds in den USA gegenüber einem marktneutralen Portfolio keine systematische Überrendite liefert. Dies ist im Rahmen der Markteffizienzhypothese erklärbar und wird durch diese vorhergesagt.<ref name="Fama-2010">Eugene F. Fama, Kenneth R. French: Luck versus Skill in the Cross-Section of Mutual Fund Returns. In: The Journal of Finance. Band 65, Nr. 5, 2010, ISSN 1540-6261, S. 1915–1947, doi:10.1111/j.1540-6261.2010.01598.x.</ref><ref>Alan Crane, Kevin Crotty: How Skilled Are Security Analysts? In: The Journal of Finance. Band 75, Nr. 3, Juni 2020, ISSN 0022-1082, S. 1629–1675, doi:10.1111/jofi.12890.</ref><ref>Jonathan Berk, Richard Green: Mutual Fund Flows and Performance in Rational Markets. National Bureau of Economic Research, Cambridge, MA Oktober 2002, doi:10.3386/w9275.</ref> Wenn man die höheren Kosten dieser Fonds abzieht, bieten sie im Durchschnitt keinen Mehrwert gegenüber passiven Indexfonds.<ref name="Fama-2010" />
Bei empirischen Überprüfungen der Markteffizienzhypothese wurden Anomalien gefunden, wie z. B. Kalenderanomalien („Januareffekt“), Über- und Unterreaktionen und längere Phasen der Übertreibung (Spekulationsblasen).<ref name="schulz">Ann-Christine Schulz: Die Rolle der Finanzanalysten bei der Verbreitung von Managementkonzepten. Gabler Verlag, 2011, ISBN 978-3-8349-3016-3, S. 55.</ref><ref>Christian Christen: Politische Ökonomie der Alterssicherung – Kritik der Reformdebatte um Generationengerechtigkeit, Demographie und kapitalgedeckte Finanzierung. Metropolis-Verlag, Marburg 2011, S. 398.</ref> Allerdings sind solche Anomalien Gelegenheiten für Arbitrage-Geschäfte. Der Januar-Effekt verschwand sehr schnell nach seiner Veröffentlichung.<ref>Burton G Malkiel: The Efficient Market Hypothesis and Its Critics. In: Journal of Economic Perspectives. Band 17, Nr. 1, 1. Februar 2003, ISSN 0895-3309, S. 59–82, doi:10.1257/089533003321164958.</ref>
In der Forschung relevante Anomalien, die ein Problem für die Markteffizienzhypothese bzw. das klassische Capital Asset Pricing Model (CAPM) darstellen, sind etwa das Size und Value Premium. Darunter versteht man die systematische Überrendite von kleinen Firmen (Size), bzw. billig bewerteten Unternehmen, relativ zu einer fundamentalen Unternehmenskenngröße (Value).<ref>Rolf W. Banz: The relationship between return and market value of common stocks. In: Journal of Financial Economics. Band 9, Nr. 1, 1. März 1981, ISSN 0304-405X, S. 3–18, doi:10.1016/0304-405X(81)90018-0.</ref><ref>Barr Rosenberg, Kenneth Reid, Ronald Lanstein: Persuasive evidence of market inefficiency. In: The Journal of Portfolio Management. Band 11, Nr. 3, 30. April 1985, ISSN 0095-4918, S. 9–16, doi:10.3905/jpm.1985.409007.</ref> Eugene Fama und Kenneth French konnten diese Anomalien im Rahmen der Markteffizienzhypothese durch eine Modifikation des CAPM erklären, indem sie ein Dreifaktorenmodell einführten, welches Aktienrenditen auf drei statistisch unabhängige Risikofaktoren zurückführt.<ref name="Fama-1992" /><ref>Eugene F. Fama, Kenneth R. French: Common risk factors in the returns on stocks and bonds. In: Journal of Financial Economics. Band 33, Nr. 1, 1. Februar 1993, ISSN 0304-405X, S. 3–56, doi:10.1016/0304-405X(93)90023-5.</ref>
In einer Übersichtsarbeit weist Fama darauf hin, dass die bisherigen Studien von Verhaltensökonomen zu systematischen Marktanomalien keine relevanten Ergebnisse produziert hätten. Die präsentierten Anomalien lassen sich durch Zufall erklären und waren nur kurzfristig, aber nicht langfristig messbar.<ref>Eugene F. Fama: Market Efficiency, Long-Term Returns, and Behavioral Finance. ID 15108. Social Science Research Network, Rochester, NY 1. Februar 1997, doi:10.2139/ssrn.15108 (ssrn.com [abgerufen am 30. Dezember 2020]).</ref>
Verbundhypothese
Fama weist bei empirischen Überprüfungen der Markteffizienzhypothese auf das Verbundhypothesen-Problem hin. Es ist nicht möglich, die Markteffizienzhypothese zu testen, ohne zugleich ein Marktmodell zu spezifizieren. Anomalien sind dann entweder durch Marktineffizienzen oder ein falsches Marktmodell zu erklären. Fama zufolge kann die Markteffizienzhypothese daher per se nicht getestet werden. Denn ein Test der Markteffizienzhypothese ist zugleich ein Test des zugrundeliegenden Marktmodells.<ref name="Fama-1991" />
Rezeption
Seit Ende der 1970er Jahre wird die Markteffizienzhypothese in Zweifel gezogen. Alternative Erklärungen zur Preisbildung und Informationsverarbeitung von Märkten vertreten Robert J. Shiller, Paul Krugman, Daniel Kahneman, Amos Tversky und Richard Thaler.<ref>Robert J Shiller: From Efficient Markets Theory to Behavioral Finance. In: Journal of Economic Perspectives. Band 17, Nr. 1, 1. Februar 2003, ISSN 0895-3309, S. 83–104, doi:10.1257/089533003321164967 (aeaweb.org [abgerufen am 30. Dezember 2020]).</ref>
“It should be obvious to the most casual and unsophisticated observer by volatility arguments like those made here that the efficient markets model must be wrong … The failure of the efficient markets model is thus so dramatic that it would seem impossible to attribute the failure to such things as data errors, price index problems, or changes in tax law.”
„Für den zwanglosen und ehrlichen Beobachter sollte aufgrund der Volatilitätsargumente wie den hier dargestellten klar sein, dass die Markteffizienzhypothese falsch sein muss … Das Scheitern des Modells der Markteffizienzhypothese ist so dramatisch, dass es unmöglich erscheint, das Scheitern solchen Dingen wie Datenfehlern, Problemen des Preisindex oder Änderungen im Steuerrecht zuzuschreiben.“
Paul Samuelson bezeichnete Aktienmärkte als „mikroeffizient“ aber „makroineffizient“. Damit ist gemeint, dass die Markteffizienzhypothese sehr viel besser das Verhalten von Einzelaktien beschreibt, als das Verhalten des Aktienmarktes als Ganzen.<ref>Jeeman Jung, Robert J. Shiller: Samuelson’s Dictum and the Stock Market. In: Economic Inquiry. Band 43, Nr. 2, 2005, ISSN 1465-7295, S. 221–228, doi:10.1093/ei/cbi015.</ref>
Sanford J. Grossman und Joseph E. Stiglitz haben gezeigt, dass vollständig effiziente Märkte unmöglich sind, da Informationen mit Kosten verbunden sind. Diejenigen Marktteilnehmer, welche diese Kosten tragen, erhalten in effizienten Märkten keine Kompensation, weshalb die Liquidität effizienter Märkte bei null liegt. Daher können Märkte nicht vollständig effizient sein.<ref></ref> Dieser Sachverhalt wird auch als das Grossmann-Stiglitz-Paradox bezeichnet.<ref>Matt Levine: Good Investors Make Investing Harder. In: Bloomberg News. 3. Juli 2019, abgerufen am 5. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Siehe auch
Literatur
- Eugene F. Fama: Efficient Capital Markets, A Review of Theory and Empirical Work. In: Journal of Finance, Band 25, 1970, S. 383–417.
- Burton G. Malkiel: A Random Walk Down Wall Street. W.W.Norton and Company, 2007, ISBN 0-393-06245-7.
- T. Gudehus: 5.10 Markteffizienz und Selbstregelung. In: Dynamische Märkte, Praxis, Strategien und Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft. Springer, Berlin / Heidelberg / New-York 2007, ISBN 978-3-540-72597-8, S. 113 ff.
Weblinks
- Eintrag im Gabler Wirtschaftslexikon
- Übersichtsseite zur Markteffizienzhypothese von Martin Sewell (englisch)
Einzelnachweise
<references />