Natriumbenzoat
Natriumbenzoat ist das Natriumsalz der Benzoesäure. Es ist als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 211 zugelassen.
Eigenschaften
Natriumbenzoat ist ein farb- und geruchloser, süßlich adstringierend schmeckender Feststoff. Die Verbindung ist geruchlos und schwach hygroskopisch.<ref name="TMI" /><ref>Europäisches Arzneibuch (Pharmacopoea Europaea), 6. Ausgabe, Grundwerk 2008.</ref> Sie ist brennbar und gut in Wasser löslich.
Verwendung
Natriumbenzoat wirkt bakteriostatisch und fungistatisch und wird daher als Lebensmittelzusatzstoff (E 211) zur Konservierung von Lebensmitteln (Wirkungsoptimum bei pH < 3,6) eingesetzt.
Auch in der Kosmetik wird Natriumbenzoat als Konservierungsmittel verwendet. Weiterhin wird ihm eine maskierende Wirkung zugeschrieben, d. h., der Grundgeruch eines Kosmetikums wird verringert.<ref>Informationen zu Natriumbenzoat auf haut.de, abgerufen am 2. November 2016.</ref>
Bei der Synthese von Polypropylen dient es als Keimbildner, der verhindert, dass zu große Sphärolithe entstehen.<ref>New Clarifiers & Nucleators: They Make Polypropylene Run Clearer and Faster. In: Plastics Technology. Juli 2002.</ref>
In der Pyrotechnik wird es als Brennstoff, meist in Verbindung mit brandförderndem Kaliumperchlorat eingesetzt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
In der Medizin wird es in Kombination mit L-Arginin-Hydrochlorid als Notfallmedikament zur Behandlung der Hyperammonämie eingesetzt.<ref>Monatsschrift Kinderheilkunde. 149, Springer-Verlag 2001, S. 1078–1090.</ref>
Verträglichkeit
Da Natriumbenzoat als sicher gilt, ist es eines der weltweit meistverwendeten Konservierungsmittel für Lebensmittel und Kosmetika. Bis zu 0,1 Prozent davon darf der Nahrung zugesetzt werden.
Aufgrund der langen industriellen Verwendung der Substanz wurde in den USA noch keine offizielle Neubewertung vorgenommen, obwohl neuerdings in Zellkulturen und Modellorganismen beunruhigende toxische, mutagene, und teratogene Wirkungen entdeckt wurden.<ref>J. D. Piper, P. W. Piper: Benzoate and Sorbate Salts: A Systematic Review of the Potential Hazards of These Invaluable Preservatives and the Expanding Spectrum of Clinical Uses for Sodium Benzoate. In: Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety. 16, 2017, S. 868–880. doi:10.1111/1541-4337.12284</ref> Die möglichen Beeinflussungen des menschlichen Stoffwechsels sind sehr komplex. Zuletzt beschrieb eine Arbeitsgruppe in Chicago, dass Natriumbenzoat schon in der zulässigen Dosierung durch Histonmodifikation epigenetische Wirkung auf den Stoffwechsel der Phosphoglyceride, der ovariellen Steroidhormone, und des zellulären Signalproteins Phospholipase D ausübt.<ref>H. Huang, D. Zhang u. a.: Lysine benzoylation is a histone mark regulated by SIRT2. In: Nature Communications. 9, 2018, Article number 3374, doi:10.1038/s41467-018-05567-w</ref>
Eine britische Studie an 300 Klein- und Schulkindern nannte 2007 Natriumbenzoat in Cola-Getränken neben anderen Stoffen als möglichen Auslöser hyperaktiven Verhaltens.<ref name="PMID17825405">D. McCann, A. Barrett u. a.: Food additives and hyperactive behaviour in 3-year-old and 8/9-year-old children in the community: a randomised, double-blinded, placebo-controlled trial. In: The Lancet. Band 370, Nummer 9598, November 2007, S. 1560–1567. doi:10.1016/S0140-6736(07)61306-3. PMID 17825405.</ref> Die FDA hielt dazu eine Anhörung ab, bewertete die Studie allerdings als nicht überzeugend.<ref name="PMID21926033">B. Weiss: Synthetic food colors and neurobehavioral hazards: the view from environmental health research. In: Environmental health perspectives. Band 120, Nummer 1, Januar 2012, S. 1–5. doi:10.1289/ehp.1103827. PMID 21926033. Vorlage:PMC.</ref>
Der wissenschaftliche Ausschuss der EFSA erklärte die Substanz zuletzt 2016 für ungefährlich.<ref>EFSA Panel on Food Additives and Nutrient Sources (ANS): Scientific Opinion on the re‐evaluation of benzoic acid (E 210), sodium benzoate (E 211), potassium benzoate (E 212) and calcium benzoate (E 213) as food additives. In: EFSA Journal. 14-3, März 2016, S. 4433. doi:10.2903/j.efsa.2016.4433</ref> Bezüglich der Mutagenität/Teratogenität begründete er seine Ansicht mit einer Mehrgenerationen-Nagetierstudie mit negativem Ergebnis. Bezüglich den möglichen Verhaltensstörungen bei Kindern wurde eine negative Studie aus 2013<ref name="PMID24217026">K. Y. Lok, R. S. Chan u. a.: Food additives and behavior in 8- to 9-year-old children in Hong Kong: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. In: Journal of developmental and behavioral pediatrics : JDBP. Band 34, Nummer 9, Nov-Dez 2013, S. 642–650. doi:10.1097/DBP.0000000000000005. PMID 24217026.</ref> angeführt.
Einzelnachweise
<references />