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Patentblau V

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von E131)
Strukturformel
Struktur von Patentblau V
Allgemeines
Name Patentblau V
Andere Namen
  • Calciumbis(4-{[4-(diethylamino)phenyl][4-(diethyliminio)-2,5-cyclohexadien-1-yliden]methyl}-6-hydroxy-1,3-benzol­disulfonat) (IUPAC)
  • C.I. Acid Blue 3
  • C.I. Food Blue 5
  • C.I. 42051
  • Vorlage:E-Nummer
Summenformel C54H62CaN4O14S4
Kurzbeschreibung

dunkelblauer Feststoff<ref name="sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 222-573-8
ECHA-InfoCard 100.020.522
PubChem 77073
ChemSpider 69519
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 1159,42 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Calciumsalz

keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze<ref name="GESTIS" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Patentblau V (systema­tische Bezeichnung C.I. Acid Blue 3) ist ein Triphenyl­methan­farbstoff, dessen Calcium-Salz vorwiegend als Lebens­mittel­farbstoff (E 131)<ref>siehe Verordnung (EG) Nr. 1333/2008</ref> verwendet wird. Patentblau V gehört zu den Patentblau-Farbstoffen und wurde als erster Vertreter dieser Farbstoffgruppe 1888 bei Meister, Lucius & Brüning, der späteren Hoechst AG, patentiert.<ref name="Patent">Patent DE46384C: Verfahren zur Darstellung grüner und blaugrüner Farbstoffe aus der Malachitgrün-Reihe. Angemeldet am 13. August 1888, veröffentlicht am 12. Februar 1889, Anmelder: Farbwerke vorm. Meister, Lucius & Brüning in Höchst a. M. (Abschnitt V. Verfahren zur Ueberführung der unter II. beschriebenen hydroxylirten Farbstoffe der Malachitgrünreihe in «Säurefarbstoffe»).</ref> Der Farbstoff wird auch als Natriumsalz<ref>Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Patentblau V, Natriumsalz: CAS-Nr.: Vorlage:CASRN, EG-Nr.: 243-654-4, ECHA-InfoCard: Vorlage:ECHA, GESTIS: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), PubChem: 9916325, ChemSpider: 8091973, DrugBank: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), Wikidata: Q27273425.</ref> hergestellt und gehandelt.

Geschichte

Nach dem Vorbild der Synthese von Malachitgrün wurde in den oben genannten Laboratorien in Frankfurt am Main/Höchst aus 3-Hydroxybenzaldehyd (früher meta-Oxybenzaldehyd) und N,N-Diethylanilin ein blauer Farbstoff gewonnen. Dieser erwies sich jedoch als Gemisch mehrerer chemischer Verbindungen.<ref>Ernst Erdmann, Hugo Erdmann: Zur Constitution des Patentblaus. In: Justus Liebigs Annalen der Chemie, Jg. 1897, Bd. 294, Heft 3, S. 376–392. doi:10.1002/jlac.18972940308.</ref>

Herstellung

Datei:Crystals of Patent Blue V.jpg
Patentblau-V-Kristalle

Nach dem Deutschen Reichspatent Nr. 46384 vom 18. August 1888 wird ein Gemisch von Diethylanilin, 3-Hydroxybenzaldehyd und konzentrierter Schwefelsäure auf 130 °C erhitzt. Es entsteht eine Schmelze, die anschließend mit Natronlauge behandelt wird. Aus der Reaktionsmasse wird ein substituiertes Triphenylmethan isoliert, die sogenannte Oxyleukobase, die mittels Schwefeltrioxid in konzentrierter Schwefelsäure sulfoniert wird. Die gebildete Disulfonsäure wird in Form des Calciumsalzes isoliert.

Synthese von Patentblau V

Zur Herstellung des Farbstoffs wird das Zwischenprodukt mit Bleidioxid oder Mangandioxid oxidiert.<ref name="Patent" />

Später wurden mehrere Patente angemeldet mit dem Ziel, die zu Nebenprodukten führenden harschen Reaktionsbedingungen dieses Verfahrens zu vermeiden. So kann beispielsweise die Oxidation der Leukobase mit Chinonen anstelle der problematischen Metalloxide erfolgen.<ref name="FR3109151" />

Eigenschaften

Das dunkelblaue Pulver ist in Wasser und Ethanol leicht löslich. In saurer Lösung ist Patentblau V grüngelb, in basischer blau.

Verwendung

Patentblau V wird als Lebensmittelfarbstoff verwendet und wurde 1962 in der Europäischen Union unter der E-Nummer E 131 zugelassen.<ref>siehe Richtlinie 62/2645/EWG</ref> Im International Numbering System ist es unter der Nummer 131 als Lebensmittelfarbstoff registriert. Es findet aufgrund seiner kräftigen blauen Farbe und hohen Brillanz vor allem als Farbstoff für Zuckerwaren (z. B. Fruchtgummi), Glasuren, Getränken (z. B. Likören, wie Blue Curacao, oder zusammen mit Chinolingelb in „Waldmeister“-Getränken) und Götterspeise, Ostereiern und Arzneimitteln Verwendung. Ein Nachteil von Patentblau V ist dessen geringe Lichtechtheit. Es gilt als toxikologisch unbedenklich,<ref name="EFSA2013" /> da in Metabolismusuntersuchungen festgestellt wurde, dass es nach oraler Aufnahme kaum resorbiert wird. In Australien, den Vereinigten Staaten, Kanada und Norwegen ist Patentblau V nicht zugelassen, da man es als Auslöser für Allergien vermutet.<ref name="Bützer" /><ref name="Heymans" />

In der Medizin wird es zur Markierung von Geweben verwendet. Bei der Lymphografie dient es als Diagnostikum zur Markierung von Lymphgefäßen vor einer Röntgenaufnahme mit Kontrastmitteln. Wächterlymphknoten können so erkannt werden. Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis, wie z. B. Sterillium, werden mit Patentblau gefärbt. Als Hilfsmittel zur Kontrolle von Zahnbelägen (Plaques), z. B. in der Professionellen Zahnreinigung, wird Patentblau V zum Anfärben empfohlen; es ist Bestandteil verschiedener Tests, u. a. mit Tabletten zur Früherkennung (Prophylaxe). In der Kosmetik werden Lösungen von Patentblau V als Augentropfen beworben; sie sollen das Augenweiß auf sanfte Weise intensivieren.<ref name="DAZ2022" /> Als Futtermittelzusatz für Tiere, die nicht der Lebensmittelerzeugung dienen, wurde es wegen seiner vermuteten Wirkung als Aneugen ab dem 1. April 2026 von der EU vom Markt genommen.<ref>Durchführungsverordnung (EU) 2025/2543 der Kommission vom 11. Dezember 2025 zur Verweigerung der Verlängerung der Zulassung für Patentblau V als Zusatzstoff in Futtermitteln für nicht zur Lebensmittelerzeugung bestimmte Tiere und zur Aufhebung der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 643/2013</ref>

In der Tiermedizin wird Patentblau V zum Einfärben von Arzneimitteln zur Euthanasie eingesetzt, um das Risiko fataler Verwechslungen zu minimieren.<ref>Euthadorm - ÖFFENTLICHER BEURTEILUNGSBERICHT (gemäß § 34 Abs. 1a Nr. 2 AMG). Abgerufen am 21. August 2025. </ref>

Nachweis

Die Qualität von Farbstoffproben kann durch Flüssigkeitschromatographie geprüft werden. UV-Vis-Detektoren und MS-Elektrospray dienten zur Identifizierung. 1H- und 13C-NMR-Spektren von Patentblau V wurden angegeben.<ref name="FR3109151">Patent FR3109151B1: Procédé de synthèse de composés triarylméthane sulfonés - Process for the synthesis of sulfonated triarylmethane compounds. Angemeldet am 10. April 2020, veröffentlicht am 8. April 2022, Anmelder: Provepharm Life Solutions, Erfinder: Babak Sayah, Stéphane Queru, Nicolas Drillaud, Nicolas Lopez. (EP2021/058771B1 vom 1. April 2021)</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: Patentblau V – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch

Einzelnachweise

<references> <ref name="Bützer"> Peter Bützer: Stabilität von Patentblau V, E 131. In: ResearchGate. Januar 2007, S. 1–13 ([1] [abgerufen am 18. April 2011]). </ref> <ref name="DAZ2022"> Blau macht weiß – Dr. Theiss verspricht mit Patentblau-V-Augentropfen „strahlende Ergebnisse“. In: DAZ.online. Deutsche Apotheker Zeitung, 31. Oktober 2022, abgerufen am 3. Januar 2025. </ref> <ref name="EFSA2013"> Wissenschaftler der EFSA verstärken die Koordination bei der Bewertung von Lebens- und Futtermittelzusatzstoffen. EFSA, 1. März 2013, abgerufen am 3. Januar 2025. </ref> <ref name="Heymans"> Sina Heymans, Arie Sleutel, Thomas Schoeller, Laurenz Weitgasser: Anaphylactic Reaction to Patent Blue Dye After Supermicrosurgical Lymphaticovenular Anastomosis for the Treatment of Secondary Lymphedema. In: Bernd Beispiel (Hrsg.): Cureus. 23. Februar 2024, doi:10.7759/cureus.54767. </ref> </references>