Gemeine Drachenwurz
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| Gemeine Drachenwurz | ||||||||||||
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| Datei:Dracunculus vulgaris LC0044.jpg
Gemeine Drachenwurz (Dracunculus vulgaris) auf Thasos | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Dracunculus vulgaris | ||||||||||||
| Schott |
Die Gemeine Drachenwurz (Dracunculus vulgaris, Synonym: Arum dracunculus <templatestyles src="Person/styles.css" />L.), auch Schlangenwurz genannt, ist eine Pflanzenart in der Gattung Dracunculus in der Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Sie gehört zu den größten und während der Blütezeit auffälligsten europäischen Arten innerhalb der Familie der Araceae.
Im deutschen Sprachgebrauch versteht man unter „Drachenwurz“ oft die einheimische Sumpfkalla (Calla palustris).
Beschreibung
männliche Blüten (oben),
weibliche Blüten (unten)
Vegetative Merkmale
Die Gemeine Drachenwurz wächst als schlanke bis kräftige ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 60 bis 120 Zentimeter. Sie bildet eine relativ große, abgeflacht-kugelige bis scheibenförmige Knolle als Überdauerungsorgan, mit einem etwas überstehenden bis etwas eingesunkenen Vegetationspunkt. Die in einer grundständigen Rosette angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die langen Blattscheiden hüllen den Blütenstandsschaft ein. Die fußförmige Blattspreite ist in 9 bis 15 Abschnitte zerteilt. Diese mehr oder weniger flachen Blattabschnitte sind elliptisch oder länglich-lanzettlich, wobei der mittlere größer ist als die seitlichen.
Generative Merkmale
Auf einem stielrunden Blütenstandsschaft steht der für Aronstabgewächse typische Blütenstand mit Spatha (einzelnes Hochblatt) und Spadix (Kolben). Das relativ große Spatha besitzt einen gewellten Rand und eine innen dunkel-purpurfarbene, außen grünliche Farbe. Der untere Bereich der Spatha ist mehr oder weniger geschlossen. Der offene Bereich der Spatha ist anfangs aufrecht, krümmt sich aber bald zurück. Der obere, blütenlose, verdickte Abschnitt des Kolbens ist schwarz-violett gefärbt und überragt die Spatha meist. Die männlichen und weiblichen Blüten sind nur durch wenige unfruchtbare Blüten getrennt. Die männlichen Blüten enthalten drei bis vier Staubblätter mit kurzen Staubfäden. Die länglichen bis länglich-spindelförmigen Fruchtknoten sind einkammerig und enthalten nur einige Samenanlagen. Der Blütenstand verströmt einen intensiven Aasgeruch, um Insekten anzulocken.
Der Fruchtstand enthält einige bis viele verkehrt-eiförmige Beeren, die wenige Samen enthalten. Die kugelig-eiförmigen Samen sind etwas seitlich abgeflacht und kantig mit runzeliger Samenschale (Testa).
Chromosomenzahl
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28, seltener 32.<ref name="Tropicos" />
Vorkommen
Die Gemeine Drachenwurz ist im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet und kommt westlich bis Korsika und Sardinien vor. Sie ist auf dem Balkan, den ägäischen Inseln, auf Kreta und im Südwesten der Türkei weit verbreitet. Sie kommt ursprünglich vor im nordöstlichen Algerien, Libyen<ref name="Euro+Med" />, in Korsika, Sardinien, Sizilien, Italien, in Slowenien, Kroatien, Nordmazedonien, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Kreta, in der Ägäis und in der Türkei.<ref name="POWO" /> In Portugal, Großbritannien, Frankreich und in der Schweiz ist sie ein Neophyt. Im Kosovo ist die Ursprünglichkeit fraglich.<ref name="Euro+Med" /> Sie wächst in Wäldern und Gebüschen auf nährstoffreichen, feuchten Standorten.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />
Die Gemeine Drachenwurz wird kultiviert und ist stellenweise verwildert.
Geschichte
Bei den Autoren der europäischen Antike (Dioskurides, Plinius und Galen) wurden Heilpflanzen mit den Namen arum und dracontium in engem Zusammenhang beschrieben.<ref>Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 173 („Colubrina – naterwortz, Serpentaria, viperina, Collum draconis, dragunteum, Luff, draguntea, bleda, saridaison, asclepias […] aaron […] cocodrilla […] columbrina“ = Dracunculus vulgaris Schott, synonym Arum dracunculus L., und Arum italicum Mill, evtl. auch Polygonum bistorta L.)</ref> Diese Pflanzen wurden später als Arum maculatum - Aronstab und Dracunculus vulgaris - Gemeine Drachenwurz gedeutet. Die auch Schlangenwurz (und „Natterwurz“, mittelhochdeutsch nāterwurz<ref>Vgl. etwa Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 391 (colubrina) und 393 (nâterwurz).</ref>) genannte (Gemeine) Drachenwurz wurde seit langer Zeit zur Behandlung von Schlangenbissen verwendet. In Mitteleuropa wurde als „Drachenwurz“ (bzw. dracontea minor) eher die Pflanze Italienischer Aronstab angepflanzt.<ref>Claudia Erbar, Karin Zimmermann: Der Codex Palatinus germanicus 539 – eine Pflanzenliste aus dem 15. Jahrhundert. 2009 (Digitalisat), S. 49.</ref>
Taxonomie und Systematik
Die Gemeine Drachenwurz 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 964 als Arum dracunculus erstpubliziert. In der Gattung Dracunculus konnte diese Artepithet keine Verwendung finden. So wurde 1832 von Heinrich Wilhelm Schott in Schott & Endlicher: Meletemata Botanica, Band 1, S. 17 der Name Dracunculus vulgaris publiziert. Synonyme von Dracunculus vulgaris <templatestyles src="Person/styles.css" />Schott sind Dracunculus creticus <templatestyles src="Person/styles.css" />Schott, Dracunculus vulgaris var. creticus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schott) Nyman und Dracunculus vulgaris subsp. creticus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schott) K.Richt.<ref name="POWO" />
Außer der Gemeinen Drachenwurz gibt es in der Gattung Dracunculus nur noch die Art: Kanarische Drachenwurz (Dracunculus canariensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Kunth). Sie kommt in Madeira und auf den Kanaren-Inseln Teneriffa, Gran Canaria, La Palma, Fuerteventura, Gomera und Hierro vor.<ref name="Euro+Med" />
Bilder
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Stängel mit charakteristischer Zeichnung
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Laubblatt
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Blütenstand
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Junger Fruchtstand
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Knolle
Literatur
- Peter C. Boyce: The genera Dracunculus and Helicodiceros (Araceae: Aroideae). In: Thaiszia. Band 4, Nr. 2, 1994, S. 175–182 (PDF-Datei) (Abschnitt Beschreibung).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Tropicos"> Tropicos. [1]</ref> <ref name="POWO">Datenblatt Dracunculus vulgaris bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.</ref> <ref name="Euro+Med"> E. von Raab-Straube (2021+): Araceae (excl. Lemnoideae). Datenblatt Dracunculus In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="InfoFlora"> Dracunculus vulgaris Schott In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>
Weblinks
- Die Drachenwurz als Giftpflanze.
- [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013.2. Eingestellt von: S. Contu, 2008. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.
- Spektrum.de