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Straßen-Gänsefuß

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(Weitergeleitet von Dorf-Gänsefuß)

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Straßen-Gänsefuß
Datei:Chenopodium urbicum Sturm26.JPG

Straßen-Gänsefuß (Oxybasis urbica), Illustration

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Atripliceae
Gattung: Oxybasis
Art: Straßen-Gänsefuß
Wissenschaftlicher Name
Oxybasis urbica
(L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch

Der Straßen-Gänsefuß (Oxybasis urbica,<ref name="Fuentes 2012" /> Syn. Chenopodium urbicum), auch Stadt-Gänsefuß, Dorf-Gänsefuß<ref name="BIB" /> oder Steif-Gänsefuß<ref name="BIB" /> genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist Europa und Asien. Als eingeführte Art kommt er auch in Nordamerika vor.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Datei:Chenopodium urbicum sl2.jpg
Habitus
Datei:Chenopodium urbicum sl19.jpg
Laubblatt
Datei:Chenopodium urbicum sl11.jpg
Blütenstand
Datei:Chenopodium urbicum sl28.jpg
Blütenstand

Der Straßen-Gänsefuß ist eine einjährige krautige Pflanze. Der steif aufrechte Stängel erreicht eine Länge von 20 bis 100 (max. bis 120) cm und ist nicht oder nur schwach verzweigt, oft gelblich gestreift, gerippt und unbemehlt.

Die wechselständigen Laubblätter sind beiderseits (oliv)-grün und fast kahl. Die unteren Blätter erreichen eine Länge von 3 bis 11 (selten bis 20) cm und eine Breite von 3 bis 10 cm und sind 1,5 bis 4 cm lang gestielt. Die Blattspreite ist dreieckig oder rhombisch, mit gestutzter oder keilförmiger Basis, am Rand bogig gezähnt oder mit nach außen gerichteten basalen Lappen. Die oberen Blätter können auch lanzettlich und fast ganzrandig sein.

Blütenstand und Blüte

Die Blütenstände sind end- oder seitenständige, steif aufrechte, nahezu blattlose ährige Rispen. In gedrängten, kleinen, fast kugeligen Knäueln (Teilblütenständen) von 2,0 bis 3,5 mm Durchmesser stehen die Blüten zusammen. Vorblätter fehlen. Die Blüten sind zwittrig oder weiblich. Die Blütenhülle besteht aus fünf gelbgrünen, bis zur Basis getrennten Tepalen. Diese sind breit eiförmig bis elliptisch mit einer Länge von 0,6 bis 0,8 mm und einer Breite von 0,4 bis 0,8 mm, oben stumpf und am Rücken gerundet oder etwas angeschwollen und kahl. Es sind 5 Staubblätter (bisweilen fehlend) und zwei kurze Narben vorhanden.

Frucht und Samen

Zur Fruchtzeit bedeckt die Blütenhülle die linsenförmige Frucht locker und fällt nur teilweise zusammen mit dieser ab. Die häutige, braune Fruchtwand liegt dem Samen locker an. Der meist horizontale Same ist linsenförmig mit einem Durchmesser von 1,0 bis 1,2 mm und rundlichem Umriss und abgerundetem Rand. Seine (rotbraun)-schwarze Samenschale weist schwache, netzartige Streifen auf oder ist fast glatt.

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.<ref name ="Tropicos" />

Ökologie

Die Bestäubung erfolgt in der Regel durch den Wind.<ref name="BiolFlor" /> Die Blütezeit reicht in Deutschland von Juni bis August.<ref name="BiolFlor" />

Der Straßen-Gänsefuß ist eine Nahrungspflanze für die Raupen des Melden-Blattspanners (Pelurga comitata).<ref name="HOSTS" />

Vorkommen und Gefährdung

Der Straßen-Gänsefuß ist von Europa über Südwestasien und Zentralasien bis ins westliche Sibirien verbreitet. Innerhalb Europas ist die Art sowohl im Norden als auch im Süden seltener. Eingeführt kommt sie auch in Nordamerika vor.

Sie besiedelt Ruderalstellen, ortsnahes Brachland, Eisenbahnstrecken, Felder und Flussufer. Während sie in Mitteleuropa im Flach- und Hügelland wächst, kann sie im Iran bis in Höhenlagen von 1770 m gedeihen.

In Deutschland ist diese Art schon vor mehr als einem halben Jahrtausend als Begleiter von Kulturpflanzen eingeschleppt worden (Archaeophyt). Hier wächst sie selten in Ruderalfluren an Schuttplätzen und Wegen, besonders in Eselsdistel- u. Wolldistel-Fluren (im System der Pflanzensoziologie: Verband Onopordion acanthii). Außerdem kommt sie an trockenfallenden Flussufern in Wasserpfeffer-Zweizahn-Uferfluren (Verband Bidention tripartiti) vor.<ref name="BiolFlor" /> Sie bevorzugt Wärme (Steppenklima) und stickstoffreichen Boden. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 5 (überdüngt), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />

Durch Bebauung, Dorfsanierungen, Burgrestaurierungen oder Mauerverfugung gehen die Bestände des Straßen-Gänsefuß in Mitteleuropa stark zurück. In Deutschland gilt er als vom Aussterben bedroht (Rote Liste gefährdeter Arten 1). Während er in Bayern als stark gefährdet eingestuft wird (Rote Liste 2), ist er in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Hessen vom Aussterben bedroht (Rote Liste 1). Aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin ist er bereits verschwunden (Rote Liste 0).<ref name="FloraWeb" />

Auch in der Schweiz ist der Straßen-Gänsefuß in manchen Gebieten vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste<ref name="InfoFlora" />. In Österreich ist er ebenfalls selten und stark gefährdet, in Kärnten bereits ausgestorben.<ref name="BIB" />

Systematik

Oxybasis urbica <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch zählt zur Tribus Atripliceae in der Unterfamilie Chenopodioideae innerhalb der Familie Amaranthaceae.<ref name="Fuentes 2012" />

Die Erstbeschreibung als Chenopodium urbicum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.<ref name="SpPl" /> Durch molekulargenetische Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Art nicht zu Chenopodium im engeren Sinne gehört. Daher wurde sie 2012 von Suzy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila und Thomas Borsch in die Gattung Oxybasis gestellt.<ref name="Fuentes 2012" />

Synonyme für Oxybasis urbica <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch sind Chenopodium urbicum <templatestyles src="Person/styles.css" />L.,<ref name="Fuentes 2012" /> Chenopodium deltoideum <templatestyles src="Person/styles.css" />Lam. (nom. illeg.), Chenopodium intermedium <templatestyles src="Person/styles.css" />Mert. & W.D.J.Koch, Chenopodium melanospermum <templatestyles src="Person/styles.css" />Wallr. und Chenopodium rhombifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Willd.<ref name="Uotila" /> sowie Anserina urbica <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Montandon und Atriplex urbica <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Crantz.<ref name ="Tropicos" />

Nutzung

Die jungen Blätter des Straßen-Gänsefuß können gekocht als Gemüse wie Spinat zubereitet werden. Rohe Blätter sollten allerdings wegen des Gehalts an Saponinen nur in geringen Mengen verzehrt werden. Die Samen sind ebenfalls essbar und werden wie Hirse gekocht. Gemahlen können sie auch als Mehlzusatz beim Backen dienen. Um die Saponine zu entfernen, sollten die Samen vor dem Kochen über Nacht in Wasser einweichen und anschließend gründlich abgespült werden.<ref name="PFAF" />

Die ganze Pflanze kann als Färbepflanze für goldgrüne Farbtöne verwendet werden.<ref name="PFAF" />

Literatur

  • Steven E. Clemants, Sergei L. Mosyakin: Chenopodium. In: (Abschnitte Beschreibung, Trivialname)
  • Gelin Zhu, Sergei L. Mosyakin, Steven E. Clemants: Chenopodium. In: (Abschnitte Beschreibung, Trivialname)
  • (Abschnitt Vorkommen)
  • Pertti Uotila: Chenopodium urbicum. In: Karl Heinz Rechinger et al. (Hrsg.): Flora Iranica. Band 172 – Chenopodiaceae. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1997, ISBN 3-201-00728-5, S. 36–37. (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen)

Einzelnachweise

<references> <ref name="BIB">Eintrag bei Botanik im Bild: Flora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol, abgerufen am 14. Dezember 2011.</ref> <ref name="BiolFlor">Chenopodium urbicum bei Biolflor.de, abgerufen am 14. Dezember 2011.</ref> <ref name="SpPl">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 218 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D218%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).</ref> <ref name="Fuentes 2012">Susy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila, Thomas Borsch: A novel phylogeny-based generic classification for Chenopodium sensu lato, and a tribal rearrangement of Chenopodioideae (Chenopodiaceae). In: Willdenowia. Band 42, Nr. 1, 2012, S. 5–24 (hier: S. 15),DOI:10.3372/wi.42.42101.</ref> <ref name="FloraWeb">Straßen-Gänsefuß. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="HOSTS">Gaden S. Robinson, Phillip R. Ackery, Ian J. Kitching, George W. Beccaloni, Luis M. Hernández: Eintrag bei HOSTS - A Database of the World's Lepidopteran Hostplants, abgerufen am 14. Dezember 2011.</ref> <ref name="PFAF">Chenopodium urbicum bei Plants For A Future, abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name ="Tropicos"> Chenopodium urbicum bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="Uotila">Pertti Uotila: Chenopodiaceae (pro parte majore). Chenopodium urbicum. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011, abgerufen am 14. Dezember 2011.</ref> <ref name="InfoFlora">Chenopodium urbicum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Straßen-Gänsefuß (Oxybasis urbica) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien