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César Klein

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Datei:Atelier Rembrandt César Klein 1927.jpg
César Klein (1927)

César Carl Robert Andreas Klein,<ref name="PD" /> auch Caesar Klein oder Cesar Klein (* 14. September 1876 in Hamburg; † 13. März 1954 in Pansdorf, Kreis Ostholstein), war ein deutscher Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Kostümbildner.<ref name=":2">Axel Feuß: Klein, César. In: edited by Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdatenbank – Online. K. G. Saur, Berlin / New York 2021.</ref>

Werdegang

Datei:César Klein Dame mit Gitarre c1925.jpg
Dame mit Gitarre, Gouache, um 1925, Privatsammlung
Datei:The Mask Klein.webp
Die Maske, Öl auf Leinwand, 1928, Privatsammlung

César Klein war ein Sohn des Tischlers Carl August Heinrich (1850–1928) und dessen Ehefrau Johanna Catharina Margaretha Elsabe, geborene Münster (1852–1931) aus Elmshorn.<ref name="PD" /><ref>Deutsche Biographie: Klein, Cesar – Deutsche Biographie. Abgerufen am 10. Juli 2023.</ref> Nach einer Malerlehre besuchte er ab 1894 die Hamburger Kunstgewerbeschule, ab 1897 kurz die Kunstakademie Düsseldorf und anschließend bis 1900 die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin bei Max Seliger.<ref>Ruth Irmgard Dalinghaus: Lieber Rhythmus. 2021, S. 16.</ref> 1902 folgte Klein diesem nach Leipzig, um ihm, als Direktor der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, bei dekorativen Monumentalaufgaben zu helfen, so etwa bei den Mosaiken für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Zunächst war er vom Impressionismus beeinflusst, wandte sich dann aber dem Expressionismus zu. 1903 heiratete er seine erste Ehefrau Martha, geborene Steffen (1879–1929) in Hamburg.<ref name=":0">Biographie: Cesar Klein 1876-1954. Freundeskreis Cesar Klein e. V., abgerufen am 28. Juni 2023.</ref>

Klein war 1910 Mitbegründer der Neuen Secession in Berlin. Bei der Ausmalung des Marmorhaus-Kinos in Berlin verwendete er 1913 erstmals eine expressionistische Formgebung im Kunstgewerbe. Schon früh wurde er Mitglied des Deutschen Werkbundes, stellte auf der Werkbundausstellung 1914 in Köln aus und lernte dabei auch Walter Gropius kennen.<ref name=":3">Ruth Dalinghaus: Lieber Rhythmus. S. 30–35.</ref> Der berief ihn 1919 an das Bauhaus nach Weimar zur Erweiterung des Architekturbereiches, was Klein jedoch ablehnte, da er zeitgleich einen Lehrauftrag an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin erhielt.<ref>Ruth Dalinghaus: Lieber Rhythmus. S. 78–84.</ref> 1919 wurde er in den Vorstand des Deutschen Werkbundes gewählt. Infolge der Novemberrevolution schloss er sich mehreren avantgardistischen Künstlergruppen an, die von den revolutionären Umwälzungen inspiriert waren: 1918 gehörte er zu den Mitbegründern der Novembergruppe. Zudem engagierte er sich in der Leitung des Arbeitsrates für Kunst.<ref>Marcel Bois: Kunst und Architektur für eine neue Gesellschaft. Russische Avantgarde, Arbeitsrat für Kunst und Wiener Siedlerbewegung in der Zwischenkriegszeit. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte. Heft III/2017, S. 12–34, hier S. 23.</ref>

In den frühen 1920er Jahren schuf Klein expressionistische Filmszenografien für die Filme Genuine (1920) und Der Puppenmacher von Niang-King (1923) von Robert Wiene und in Österreich für Sodom und Gomorrha von Mihály Kertész. Gleichzeitig war er auch als Bühnenbildner in Berlin tätig. Sein Hauptberuf war 1919 bis 1924 die Lehrtätigkeit an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin und von 1924 bis 1933 an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst. 1921 wurde er zum Professor ernannt.<ref>Antje Kalcher, Dietmar Schenk: Vor der UdK. 1. Auflage. Universität der Künste Berlin, 2024, S. 61, 67/68 (kobv.de [PDF]).</ref> Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde Klein von seiner Lehrtätigkeit beurlaubt. Er konnte zwar bis mindestens 1935 noch ausstellen, erhielt dann jedoch Malverbot. 1937 wurden während der NS-Aktion „Entartete Kunst“ sieben Bilder Kleins aus der Anhaltinischen Gemäldegalerie Dessau, dem Museum Folkwang Essen, der Kunsthalle Hamburg und der Städtische Kunsthalle Mannheim beschlagnahmt. Die meisten wurden zerstört.<ref>Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion „Entartete Kunst“. Forschungsstelle „Entartete Kunst“, FU Berlin.</ref>

1930 heiratete Klein seine zweite Ehefrau, die Geigerin Paula Bock (* 1889) aus Leer.<ref>Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke: Hamburgische Biografie-Personenlexikon. Bd. 2. Wallstein Verlag, Göttingen 2001, ISBN 3-7672-1366-4, S. 219</ref> Seine Schwiegermutter war die Malerin Marie Bock, die später in seinem Haus ihren Lebensabend verbrachte. Von 1935 bis 1954 lebte Klein mit seiner Frau zurückgezogen auf dem Land im ostholsteinischen Pansdorf.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/w3.siemens.deSiemensstadt-Bio (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref> Sein Bruder Bernhard Klein (* 1888 in Hamburg; † 1967 in Berlin) war ebenfalls Künstler. Teile seines graphischen Nachlasses befinden sich heute in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln.<ref>Klein, César. TU Köln, abgerufen am 10. Juli 2023.</ref>

Werke (Auswahl)

Seine Werke werden gesammelt in der Berlinischen Galerie, der Architektur-Sammlung (Berlin), dem Museum Folkwang (Essen), dem Ostholstein-Museum (Eutin), im Museumsberg (Flensburg), dem Altonaer Museum (Hamburg), der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln, der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein (Kiel), der Stadtgalerie (Kiel), dem Stadtmuseum Warleberger Hof (Kiel), dem Museum Ludwig (Köln), dem Museum Behnhaus (Lübeck) und dem Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum im Schloss Gottorf (Schleswig).

Als „entartet“ beschlagnahmte Werke (1937)

  • Frau in Landschaft (Holzschnitt, 27,6 × 19,8 cm; um 1912)
  • Massa Maritima (Öl auf Leinwand, 70 × 80 cm; 1916)
  • Stillleben mit drei Blumenvasen (Holzschnitt, 33,8 × 31 cm)
  • Zwei weitere Stilleben (Druckgrafiken, davon ein Holzschnitt)
  • Weiblicher Akt (Holzschnitt, 27,8 × 20, 6 cm; um 1918)
  • Blumenstrauß (Aquarell)

Weitere Werke der Malerei und Zeichenkunst (Auswahl)

  • 1920: Mann mit Pfeife (Öl auf Leinwand, 114 × 88 cm; Berlinische Galerie)
  • 1930: Expressionistischer Vogel (Öl mit Materialcollage auf Holz; 35,5 × 27,0)<ref name=":1">Cesar Klein. In: Galerie Der Panther – fine art. 6. März 2018, abgerufen am 10. Juli 2023.</ref>
  • 1933: Kreuz vor Barbaren (Mischtechnik auf Holz; 105 × 80,5 cm; Berlinische Galerie)
  • 1950: Portrait einer jungen Frau (Tusche auf Malkarton; 41 × 30)<ref name=":1" />

Baubezogene Werke

Filmografie

  • 1920: „Genuine
  • 1921: „Hannerl und ihre Liebhaber“
  • 1923: „Der Puppenmacher von Kiang-Ning“

Ausstellungen (unvollständig)

Einzelausstellungen

Postum

Gruppenausstellungen

  • 1907: Secession, Berlin<ref name=":2" />
  • 1910: Neue Secession, Berlin<ref name=":2" />
  • 1914: Werkbundausstellung, Köln<ref name=":3" />
  • 1919–31: Große Berliner Kunstausstellung, Berlin<ref name=":2" />
  • 1933, 1934 und 1937: Hannover, Künstlerhaus („Große Frühjahrsausstellung“ des Kunstvereins Hannover)
  • 1935: München, Neue Pinakothek („Berliner Kunst“)

Postum

Ehrungen

Die César-Klein-Schule, Gemeinschaftsschule der Gemeinde Ratekau mit gymnasialer Oberstufe in Ratekau, trägt Kleins Namen.<ref>Cesar Klein Schule – Cesar Klein Gemeinschaftsschule mit Oberstufe Ratekau. 30. Juni 2023, abgerufen am 10. Juli 2023.</ref> Ferner wurden Straßen in Pansdorf<ref>Cesar-Klein-Straße in 23689 Ratekau Pansdorf. In: onlinestreet.de. Abgerufen am 22. März 2025.</ref> und in Hamburg-Steilshoop nach ihm benannt.<ref>César-Klein-Ring, Wandsbek (Steilshoop). In: strassen.openalpha.de. Abgerufen am 22. März 2025.</ref>

Literatur

  • Herbert Ihering: César Klein. In: Regisseure und Bühnenmaler. Goldschmidt-Gabrielli, Berlin-Wilmersdorf 1921, DNB 574110127, S. 87–89.
  • Curt Glaser: Die Graphik der Neuzeit vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Cassirer, Berlin 1923, DNB 996433988 (Erstausgabe: 1922).
  • Klein, César. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 20: Kaufmann–Knilling. E. A. Seemann, Leipzig 1927, S. Vorlage:VonBis (Textarchiv – Internet Archive).
  • Rudolf Pfefferkorn: César Klein. mit 100 Abbildungen. Rembrandt-Verlag, Berlin 1962, DNB 453756573.
  • Rolf Badenhausen: Klein, Cesar. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 11. Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • Helmut Geisert, Elisabeth Moortgat (Red.): Wände aus farbigem Glas. Das Archiv der Vereinigten Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff. Berlinische Galerie, Berlin 1989, ISBN 3-927873-01-2 (Katalog zur Ausstellung vom 8. Dezember 1989–21. Januar 1990 im Martin-Gropius-Bau Berlin; Gegenwart Museum. Nr. 9).
  • Ruth Irmgard Dalinghaus: Lieber Rhythmus. Cesar Klein (1876–1954), Angewandte Kunst. Raumkunst, Wand- und Glasmalerei, Mosaik, Buchillustrationen, Filmausstattungen und Bühnenbild. Werkmonographie auf Basis der Dissertation von 1990/1991. VG Bild-Kunst, Bonn 2021, ISBN 978-3-7557-5505-0.
  • Ruth Irmgard Dalinghaus: Cesar Klein, Angewandte Kunst. In: Jahrbuch des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. Bd. 17/18/19, 1998–2000, S. 177–198
  • Theodor Däubler: César Klein. Mit einer Selbstbiographie des Künstlers, einem farbigen Titelbild und 32 Abbildungen. Verlag Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1919 (= Junge Kunst 5).
  • Uwe Haupenthal (Hrsg.): Cesar Klein 1876-1954. Metamorphosen. Verlag der Kunst, Husum 2004, ISBN 978-3-86530-063-8.
  • Joachim und Angelika Konietzny: Cesar Klein. Figurinen zu Orpheus und Eurydike, 1943. Eine Dokumentation. Pansdorf 2019, ISBN 978-3-00-062619-7.
  • Hans Knudsen: Der Bühnenmaler César Klein. Caesar Klein, Scenic Artist. In: Gebrauchsgraphik. Jg. 3, 1926, Nr. 11, S. 5–22 (Digitalisat)
  • Wulf Schadendorf: Museum Behnhaus. Das Haus und seine Räume. Malerei, Skulptur, Kunsthandwerk (= Lübecker Museumskataloge 3). 2. erw. u. veränd. Aufl. Museum für Kunst u. Kulturgeschichte d. Hansestadt, Lübeck 1976, S. 75, 76.
  • Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 206.
  • Sieben auf einen Streich: Die Malerei Cesar Kleins um 1909. Ausst.-Katalog Kunstmuseum Ahrenshoop, bearb. von Julia Zietlow. Ahrenshoop 2015, ISBN 978-3-9816136-8-1.
  • Marcel Bois: Kunst und Architektur für eine neue Gesellschaft. Russische Avantgarde, Arbeitsrat für Kunst und Wiener Siedlerbewegung in der Zwischenkriegszeit. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte. Heft III/2017, S. 12–34, hier S. 23.
  • Axel Feuß: Klein, César. In: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdatenbank – Online. K. G. Saur, Berlin / New York 2021.

Weblinks

Commons: César Klein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="PD">Cäsar Carl Robert Andreas Klein lautet der vollständige Geburtsname. Siehe hierzu:
Standesamt Hamburg 02, Geburtseintrag, Nr. 4324/1876 vom 16. Sept. 1876;
Standesamt Hamburg 01, Eheregister, Nr. 390/1902 vom 17. Mai 1902;
Standesamt Berlin-Zehlendorf, Eheregister, Nr. 197/1930 vom 30. Aug. 1930;
Standesamt Hamburg 11, Sterberegister, Nr. 190/1928 und Nr. 65/1931 (Angaben zu den Eltern).</ref> </references>

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