Quendel-Seide
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| Quendel-Seide | ||||||||||||
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| Datei:Cuscuta epithymum 140808d.jpg
Quendel-Seide (Cuscuta epithymum) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Cuscuta epithymum | ||||||||||||
| (L.) L. |
Die Quendel-Seide (Cuscuta epithymum) ist ein Vollschmarotzer aus der Gattung Seide (Cuscuta) in der Familie der Windengewächse (Convolvulaceae). Das Artepitheton epithymum (von griechisch epi, „auf“, und thymon, „Thymian, Quendel“) bezieht sich auf das Wachsen bzw. Schmarotzen der Pflanze auf den Trieben von Thymian-Arten (insbesondere von Thymus serpyllum).<ref>Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, ISBN 3-7643-0755-2, S. 157.</ref><ref>Vgl. auch Walther Ryff: Confect Büchlin und Hausz Apoteck. Frankfurt am Main 1544, c<1> recto (übersetzt „Zugewächs des edlen wohlriechenden Thymians oder Welschen Quendels; bei den Alten Quendelblüte oder Thymianblüte“).</ref>
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Quendel-Seide Pflanze ist eine einjährige krautige Pflanze und wird 20 bis 60 Zentimeter lang. Die dünnen, verzweigten, rötlichen Stängel der Quendel-Seide tragen kaum erkennbare Blätterreste.
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die kurzgestielten bis sitzenden Blüten stehen in unscheinbaren rosafarbenen Blütenknäueln zusammen. Die Knäuel sind 8- bis 18-blütig.<ref name="Hegi1966" /> Sie haben einen Durchmesser von 5 bis 12 Millimeter und stehen in den Achseln einzelner rötlicher Hochblätter.<ref name="Hegi1966" /> Der Kelch ist 5-teilig und etwa halb so lang wie die Kronröhre.<ref name="Hegi1966" /> Die Blütenkronen sind glockig bis walzlich.<ref name="Hegi1966" /> Die 5 Kronzipfel sind etwa so lang wie die Kronröhre; ihre Spitzen sind zurückgeschlagen.<ref name="Hegi1966" /> Die Krone besitzt Schlundschuppen, die nach innen zusammenneigen und die Kronröhre verschließen.<ref name="Hegi1966" /> Die zwei bis vier Griffel sind aufrecht und länger als der Fruchtknoten.<ref name="Hegi1966" /> Die Narbe ist blass braunrot, vertrocknet dunkelrot, selten gelb.<ref name="Hegi1966" /> Die Kapselfrucht enthält vier Samen.<ref name="Hegi1966" /> Sie springt regelmäßig quer auf, immer auf oder kurz unter dem Scheitel. Die Blütenkrone bleibt an der Frucht erhalten.<ref name="Hegi1966" /> Die Samen sind rundlich, 0,3 bis 1,3 Millimeter lang und wiegen im Mittel 0,3 bis 0,35 mg.<ref name="Hegi1966" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Vorlage:Hinweisbaustein Wie bei allen Cuscuta-Arten sucht sich schon der Keimling eine Wirtspflanze, indem sich der fadenförmige Stängel in kreisenden Bewegungen so lange dreht, bis er eine geeignete Pflanze findet, an der er sich emporwinden kann. Im Falle der Quendel-Seide geschieht dies linkswindend. Mit ihren Saugfortsätzen (Haustorien) dringt die Seide in das Leitungsgewebe (Phloem) der Wirtspflanze (insbesondere bestimmte Thymianarten und Klee) ein und entzieht ihr die zum Wachstum nötige Nährlösung.
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet der Quendel-Seide reicht in Europa vom westlichen England und südlichen Norwegen, Lettland und Estland bis in den Süden ins nördliche Spanien, Italien (einschließlich Sizilien) und Griechenland. Außerhalb Europas kommt sie ursprünglich in Nordafrika und von der Türkei bis China vor.<ref name="WCSP" /> In Australien, Neuseeland, Nord- und Südamerika ist sie ein Neophyt.<ref name="WCSP" /> Die Klee-Seide kommt in Mitteleuropa in Gesellschaften des Verbands Violion caninae, Genistion pilosae, auch des Unterverbands Sarothamnenion, seltener im Mesobromion vor. Sie ist eine Charakterart der Klasse der Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden (Nardo-Callunetea).<ref name="Oberdorfer2001" /> In den Allgäuer Alpen steigt die Unterart Cuscuta epithymum subsp. epithymum im Tiroler Teil an der Wildmahdspitze bis in eine Höhenlage von 2120 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert" /> In der Schweiz wurde Cuscuta epithymum im Oberengadin in 2200 Meter Meereshöhe beobachtet.<ref name="Hegi1966" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w+ (frisch aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 als Varietät Cuscuta europaea var. epithymum durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 1, S. 129. Den Rang einer Art Cuscuta epithymum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) L. hat Carl von Linné 1759 in Amoenitates Academici seu dissertationes variae physicae, medicae..., ed. 4, S. 478 (1759) veröffentlicht. Synonyme sind Cuscuta alba <templatestyles src="Person/styles.css" />C. Presl, Cuscuta stenoloba <templatestyles src="Person/styles.css" />Bornm. & O. Schwarz.<ref name="POWO" />
Je nach Autor gibt es von Cuscuta epithymum mehrere Unterarten und Varietäten:<ref name="WCSP" />
- Cuscuta epithymum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) L. subsp. epithymum
- Cuscuta epithymum subsp. kotschyi <templatestyles src="Person/styles.css" />(Des Moul.) Arcang.: Sie ist von Südeuropa bis zum Iran verbreitet.<ref name="WCSP" />
- Cuscuta epithymum var. alba <templatestyles src="Person/styles.css" />(J.Presl & C.Presl) Trab. (Syn.: Cuscuta alba <templatestyles src="Person/styles.css" />C. Presl): Sie kommt vom Mittelmeerraum bis Turkmenistan vor.<ref name="WCSP" />
- Cuscuta epithymum var. angustissima <templatestyles src="Person/styles.css" />(Engelm.) Yunck.: Sie kommt im westlichen und im zentralen Mittelmeerraum vor.<ref name="WCSP" />
- Cuscuta epithymum var. macranthera <templatestyles src="Person/styles.css" />(Heldr. & Sart. ex Boiss.) Engelm.: Sie kommt im Mittelmeerraum vor.<ref name="WCSP" />
- Cuscuta epithymum var. rubella <templatestyles src="Person/styles.css" />(Engelm.) Trab.: Sie kommt im zentralen Mittelmeerraum vor.<ref name="WCSP" />
- Cuscuta epithymum var. sagittanthera <templatestyles src="Person/styles.css" />Engelm.: Sie kommt in Tunesien vor.<ref name="WCSP" />
- Cuscuta epithymum var. scabrella <templatestyles src="Person/styles.css" />(Engelm.) Yunck.: Sie kommt von Südosteuropa bis zur Türkei vor.<ref name="WCSP" />
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Die Klee-Seide (Cuscuta epithymum subsp. trifolii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bab. & Gibson) Berher) wird manchmal als eigene Art angesehen, andererseits von einigen Autoren nicht einmal als Unterart anerkannt, sondern zur „Echten Quendelseide“ Cuscuta epithymum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) L. subsp. epithymum gestellt.<ref name="WCSP" /> Die Klee-Seide schmarotzt auf Klee-Arten (Trifolium) und auf Luzerne (Medicago sativa).<ref name="Oberdorfer2001" />
Nutzung
Die Quendel-Seide fand früher auch Anwendung in der Heilkunde.<ref>Vagn J. Brøndegaard. Ethnobotanik. Pflanzen im Brauchtum, in der Geschichte und Volksmedizin. Mensch und Leben, Berlin 1985, S. 256–264.</ref>
Trivialnamen
Für die Quendel-Seide (lateinisch früher auch epithymum, epithimum<ref>Vgl. auch Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 142 (Epithymus).</ref> und epitimum<ref>Vgl. Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 31 (Epitimum „die fasen au[…]“).</ref>)<ref>Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 182 („Epitimum – die fasen off den cleen, Epitimon, athemon – Epithimum – asithemon“).</ref> bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen wie Quendelflachsseide, Fasen auf dem Cleen (bereits 1485 erwähnt), Filzkraut, Quendelwolle, Kleine Seide, Thymdotterkraut, (kleine) Thymseide,<ref>B. Lagrange: Vollständige Apothekerwissenschaft. Zweiter Theil: Materia medica. Aus dem Französischen übersetzt. Friedrich Gotthelf Baumgärtner, Leipzig 1796, S. 92.</ref> Thymseiden und Kretisches Thymseidenkraut.<ref>Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 123 (online).</ref>
Siehe auch
Weblinks
- Cuscuta epithymum agg., Artengruppe Quendel-Seide. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Cuscuta epithymum (L.) L., Quendel-Seide. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Cuscuta epithymum subsp. epithymum (L.) L., Quendel-Seide (Unterart). auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Vorlage:BIB
- Quendel-Seide. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Thomas Meyer: Seide Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Cuscuta epithymum und Unterarten sowie Synonyme in der Flora Europaea des Royal Botanic Garden Edinburgh.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Oberdorfer2001"></ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 361.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Hegi1966">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2094–2098.</ref> <ref name="InfoFlora"> Cuscuta epithymum (L.) L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="POWO">Datenblatt Cuscuta bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.</ref> </references>