Keulenpilze
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| Keulenpilze | ||||||||||||
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| Datei:Clavulina cristata.jpg
Kammförmiger Keulenpilz (Clavulina coralloides) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Clavulina | ||||||||||||
| J. Schröt. |
Die Keulen- oder Korallenpilze (Clavulina) sind eine Pilzgattung aus der Familie der Stoppelpilzverwandten (Hydnaceae).<ref>Ting Cao, Ya-Ping Hu, Jia-Rui Yu, Tie-Zheng Wei, Hai-Sheng Yuan: A phylogenetic overview of the Hydnaceae (Cantharellales, Basidiomycota) with new taxa from China. In: Studies in Mycology. Band 99, 1. Juni 2021, ISSN 0166-0616, S. 100121, doi:10.1016/j.simyco.2021.100121, PMID 35035603, PMC 8717575 (freier Volltext) – (sciencedirect.com [abgerufen am 28. Februar 2022]).</ref> Die „echten“ Korallen (Ramaria) aus dem Pilzreich zählen dagegen zur Familie der Schweinsohrverwandten (Gomphaceae) und sind trotz der ähnlich geformten Fruchtkörper nicht näher mit den Hydnaceae verwandt. Die beiden Gattungen unterstehen zudem verschiedenen Ordnungen.
Die Typusart ist Clavulina cristata, der Kammförmige Keulenpilz.
Merkmale
Makroskopische Merkmale
Es gibt in dieser Gattung mehr und weniger stark verzweigte korallenförmige, aber auch keulenförmige, unverzweigte und sogar rein resupinate Arten<ref>Jessie K. Uehling, Terry W. Henkel, M. Catherine Aime, Matthew E. Smith: New species of Clavulina with effused or resupinate basidiomata from the Guiana Shield. In: Mycologia. Band 104, 2012, S. 547–556.</ref>. Keulenförmige Fruchtkörper stehen meist in Büscheln zusammen und erreichen eine Höhe von etwa 10 cm. Sie besitzen eine glatte bis runzelige Oberfläche und haben eine weiche, wachsartige, aber nicht brüchige Konsistenz. Die Farben differieren, das Fleisch ist jedoch immer weiß bis schmutzig-grau gefärbt. Das Sporenpulver hinterlässt einen weißen Abdruck.
Mikroskopische Merkmale
An den zylindrischen bis schmal keulenförmigen, je nach Art zwei- bis sechssporigen<ref>Jason R. Thacker, Terry W. Henkel: New species of Clavulina from Guyana. In: Mycologia. Band 96, Nr. 3, 2004, S. 650–657, doi:10.1080/15572536.2005.11832961.</ref> Basidien reifen annähernd kugelige bis breit ellipsoide, dünn- und glattwandige Sporen heran. Sie sind hyalin, mit einem großen Öltropfen gefüllt. Auffällig und typisch für Vertreter der Familie der Keulenpilzverwandten sind die gebogenen Sterigmen<ref name=":0">Jessie K. Uehling, Terry W. Henkel, Rytas Vilgalys, Matthew E. Smith: Membranomyces species are common ectomycorrhizal symbionts in Northern Hemisphere forests. In: Mycorrhiza. Band 22, Nr. 7, 2012, S. 577–581, doi:10.1007/s00572-012-0457-8.</ref> der Basidien.
Gattungsabgrenzung
Einige Arten der Gattung Clavulina, die korallenförmige Fruchtkörper bilden, können mit Spezies der Gattung Ramaria verwechselt werden. Letztere hat aber ein ockerfarbenes Sporenpulver, welches man bei älteren Fruchtkörpern in den unteren Astgabelungen sehen kann<ref name=":1">Josef Christian: Die Gattung Ramaria in Deutschland. Monografie zur Gattung Ramaria in Deutschland, mit Bestimmungsschlüssel zu den europäischen Arten. 1. Auflage. IHW-Verlag, Eching 2008, ISBN 978-3-930167-71-5, S. 1–352.</ref>. Zudem lassen sich die Clavulina-Arten an glatten, breitellipsoiden bis subglobosen Sporen erkennen, während die Sporen der Vertreter der Gattung Ramaria ornamentiert und lang gestreckt sind<ref name=":1" />.
Resupinate Vertreter der Gattung Clavulina ähneln sehr den ebenfalls ektotrophen Vertretern der Gattung Membranomyces, lassen sich durch das Fehlen von Schnallen bei letzteren mit Hilfe des Mikroskops unterscheiden<ref name=":0" />.
Ökologie und Phänologie
Heimische Korallenpilze kommen in Laub- und Nadelwäldern vor und bilden Ektomykorrhizen<ref>Mark Brundrett: Section 9. Ectomycorrhizal Fungi. In: Mycorrhizal Associations: The Web Resource. 2008, abgerufen am 28. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. In den Tropen sind Korallenpilze wichtige Ektomykorrhizapilze und können sogar im Kronenbereich an Adventivwurzeln ihre Mykorrhiza ausbilden<ref>David A. Orlovich, Suzy J. Draffin, Robert A. Daly & Steven L. Stephenson: Piracy in the high trees: ectomycorrhizal fungi from an aerial ‘canopy soil’ microhabitat. In: Mycologia. Band 105, Nr. 1, 2013, S. 52–60, doi:10.3852/11-307.</ref>.
In Europa kann man sie in kleinen Gruppen zerstreut von Juli bis Dezember entdecken.
Arten
Weltweit sind rund 75 Arten bekannt<ref>Jessie K. Uehling, Terry W. Henkel, M. Catherine Aime, Rytas Vilglys, Matthew E. Smith: New species and distribution records for Clavulina (Cantharellales, Basidiomycota) from the Guiana Shield, with a key to the lowland neotropical taxa. In: Fungal Biology. Band 116, 2012, S. 1263–1274, doi:10.1016/j.funbio.2012.09.004.</ref><ref name="Kirk2008" />. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen<ref>Jason R. Thacker, Terry W. Henkel: New species of Clavulina from Guyana. In: Mycologia. Band 96, Nr. 3, 2004, S. 650–657, doi:10.2307/3762182.</ref>. In Europa kommen 5 Arten vor bzw. sind dort zu erwarten:
| Keulenpilze (Clavulina) in Europa |
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Violetter Keulenpilz
Clavulina amethystina -
Grauer Keulenpilz
Clavulina cinerea -
Kammförmiger Keulenpilz
Clavulina coralloides -
Runzeliger Keulenpilz
Clavulina rugosa
Bedeutung
Korallenpilze der Gattung Clavulina sind essbar. Sie riechen kaum und haben nur ein sehr mildes Aroma.
Quellen
Literatur
- Stanisław Domański: Clavariaceae, Clavariadelphaceae, Clavulinaceae, Pterulaceae, Ramariaceae, Stephanosporaceae, Gomphaceae (II), Hericiaceae (II). In: Mała flora grzybów. Band 1, Nr. 4. Warschau 1984, ISBN 83-01-05555-3.
- German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Kirk2008"> Paul M. Kirk, Paul F. Cannon, David W. Minter, J.A. Stalpers: Dictionary of the Fungi. 10. Auflage. CABI Europe, Wallingford, Oxfordshire (UK) 2008, ISBN 978-0-85199-826-8 (784 Seiten). </ref> </references>