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Perchlorsäure

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Chlor(VII)-säure)
Strukturformel
Struktur von Perchlorsäure
Allgemeines
Name Perchlorsäure
Andere Namen
  • Hydrogen-tetraoxochlorat(−I)
  • Chlor(VII)-säure
  • Überchlorsäure
Summenformel HClO4
Kurzbeschreibung

farblose, ölige, hygroskopische, an der Luft rauchende Flüssigkeit<ref name=roempp>Eintrag zu Perchlorsäure. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 231-512-4
ECHA-InfoCard 100.028.648
PubChem 24247
ChemSpider 22669
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 100,46 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig<ref name=roempp/>

Dichte

1,77 g·cm−3<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

−112 °C<ref name="GESTIS"/>

Siedepunkt

130 °C<ref name="Holleman">A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9, S. 480.</ref>

Dampfdruck

40 hPa (20 °C)<ref name="GESTIS"/>

pKS-Wert

−10<ref>A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1.</ref>

Löslichkeit

mischbar mit Wasser, Essigsäure, Chloroform, Nitromethan, Benzol, Dichlormethan, Dichlorethen und Acetonitril<ref name=roempp/>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.028.648">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 271​‐​290​‐​302​‐​314​‐​373
P: 210​‐​280​‐​301+330+331​‐​303+361+353​‐​305+351+338+310​‐​314<ref name="GESTIS" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Perchlorsäure (HClO4) ist eine der Sauerstoffsäuren des Chlors. Ihre Salze heißen Perchlorate.<ref name="Helmut Hofmann">Helmut Hofmann, Gerhart Jander: Qualitative Analyse. Walter de Gruyter, 2011, ISBN 978-3-11-083488-8, S. 265 (books.google.com).</ref> Es ist eine farblose Flüssigkeit, die an der Luft raucht. Sie zählt zu den stärksten Säuren überhaupt und ist hochreaktiv.

Geschichte

Die Verbindung wurde erstmals im Jahr 1816 vom deutschen Chemiker Friedrich von Stadion bei der Umsetzung von Schwefelsäure und Kaliumchlorat als wässrige Lösung erhalten.<ref name="Stadion">F. v. Stadion: Von den Verbindungen des Chlorine mit dem Sauerstoff in Gilbert's Ann. 52 (1816) 197, 339.</ref> 1830 stellte der französische Chemiker Georges Simon Serullas feste Perchlorsäure, als das Perchlorsäure-Monohydrat her.<ref name="Serullas"> G. S. Serullas: Sur l'Acide perchlorique (chlorique oxigéné) in Ann. Chim. Phys. 45 (1830) 270.</ref> Die wasserfreie Säure wurde erstmals 1862 vom englischen Chemiker Henry Enfield Roscoe dargestellt.<ref name="Rescoe">Henry Enfield Roscoe: On Perchloric Acid and Its Hydrates. In: Proceedings of the Royal Society of London. Band 11, 1862, S. 493–503 (Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)).</ref><ref name="Soukup_anorg">Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten anorganischer Substanzen, Version 2020, S. 113 pdf.</ref>

Herstellung

Perchlorsäure wird durch Zugabe von starken Säuren, z. B. Schwefelsäure, aus ihren Salzen, z. B. Kaliumperchlorat, freigesetzt. Kaliumperchlorat lässt sich durch Disproportionierung aus elektrolytisch hergestelltem Kaliumchlorat KClO3 beim Erhitzen erzeugen:<ref>G. Brauer (Hrsg.), Handbook of Preparative Inorganic Chemistry 2nd ed., vol. 1, Academic Press 1963, S. 318–20.</ref>

<chem>4 KClO3 -> KCl + 3 KClO4</chem>

Perchlorsäure entsteht ebenfalls aus der Reaktion von Natriumperchlorat und konzentrierter Salzsäure:<ref name="Holleman" />

<chem>NaClO4 + HCl -> NaCl + HClO4</chem>

Eine weitere Möglichkeit, Perchlorsäure darzustellen, ist das Erhitzen von Kaliumperchlorat mit konz. Schwefelsäure und anschließenden Abdestillieren der Perchlorsäure im Vakuum:<ref name=":0">Perchlorsäure. In: Spektrum. Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, 1998, abgerufen am 11. Februar 2024.</ref> <chem>KClO4 + H2SO4 -> HClO4 + KHSO4</chem>

Eigenschaften

Wasserfreie Perchlorsäure ist eine farblose, sehr bewegliche Flüssigkeit, die stark oxidierend wirkt, an Luft raucht und hygroskopisch und flüchtig ist. Sie ist mit Wasser mischbar und hat in konzentrierter Lösung eine ölige Konsistenz. Im Vakuum lässt sie sich unzersetzt destillieren, zerfällt aber beim Erhitzen unter Normaldruck explosionsartig.<ref name="Helmut Hofmann" /> Beim Erwärmen, vor allem von Perchlorsäure mit über 50 Prozent Massenanteil und in Gegenwart geringster organischer Verunreinigungen (Staub)<ref name="Helmut Hofmann" /><ref name="Holleman" />, besteht Explosionsgefahr, ebenso beim Einengen oder Konzentrieren mit Trocknungsmitteln. Wasserfreie Perchlorsäure kann sich bereits bei Raumtemperatur spontan zersetzen. Zusammen mit einer Vielzahl anderer Stoffe kann es zu stark exothermen Reaktionen, Hitzeentwicklung, Entzündung, Explosion oder Bildung explosiver Gase und Dämpfe kommen. Bei Berührung mit brennbaren Stoffen besteht Brandgefahr, da die Säure wegen ihres hohen Sauerstoffanteils brandfördernd ist. Perchlorsäure ist eine sogenannte Supersäure, also eine extrem starke Säure (pKS = −10). Sie verursacht schwere Verätzungen und ist hochreaktiv.<ref name=":0">Perchlorsäure. In: Spektrum. Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, 1998, abgerufen am 11. Februar 2024.</ref><ref name=roempp>Eintrag zu Perchlorsäure. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Anhydrid

Das Anhydrid der Perchlorsäure ist Dichlorheptoxid (Cl2O7). Es kann durch vorsichtige Umsetzung von Perchlorsäure mit Phosphorpentoxid mit einer sich anschließenden Vakuum-Destillation dargestellt werden. Dichlorheptoxid ist hochexplosiv und reagiert mit Wasser wieder zu Perchlorsäure.

Verwendung

In der Analytischen Chemie wird Perchlorsäure zusammen mit Salpeter- oder Schwefelsäure zur Oxidation von organischen Stoffen genutzt. Dabei ist jedoch mit explosionsartiger Zersetzung bei Einwirkung von Schlag oder Hitze zu rechnen.

Sie kann auch als Aufschlussmittel für Stähle, Legierungen, Erze, Minerale und keramische Erzeugnisse genutzt werden.

Weitere Verwendungen wären die Nutzung als Katalysator bei Veresterungen im Labormaßstab sowie als Hilfsmittel beim Galvanisieren und Elektropolieren und bei der Herstellung des Raketentreibstoffes Ammoniumperchlorat.<ref name=roempp>Eintrag zu Perchlorsäure. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

In Essigsäure gelöst wird sie zur quantitativen Bestimmung von schwachen Basen verwendet.<ref>Teodor Canbäck: Titration schwacher Basen mit Perchlorsäure in Essigsäure. In: J. Pharmac. Belgique. Band 7, 1952, S. 386–390.</ref>

Sicherheitshinweise

Perchlorsäure wirkt stark ätzend auf Haut, Atemwege und Schleimhäute. Sie ist in der Lage, lebendes Gewebe zu zerstören. Als starkes Oxidationsmittel wirkt sie brandfördernd. Zusammen mit einer Vielzahl anderer Stoffe kann es zu stark exothermen Reaktionen, Hitzeentwicklung, Entzündung, Explosion oder Bildung explosiver Gase und Dämpfe kommen. Verdünnte Perchlorsäurelösungen sind weniger gefährlich und stabiler.<ref name=roempp>Eintrag zu Perchlorsäure. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref><ref name=":0">Perchlorsäure. In: Spektrum. Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, 1998, abgerufen am 11. Februar 2024.</ref><ref name="GESTIS" />

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Klappleiste/Anfang Hypochlorige Säure | Chlorige Säure | Chlorsäure | Perchlorsäure Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein