Charles Alexandre de Calonne
Charles Alexandre, vicomte de Calonne (* 20. Januar 1734 in Douai; † 29. Oktober 1802 in Paris<ref>Charles-Alexandre de Calonne | Reformer, Financier, Minister | Britannica. Abgerufen am 9. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>) war ein französischer Staatsmann. Er war Generalkontrolleur der Finanzen (1783–1787) und später eine der führenden Gestalten der konterrevolutionären Emigration.
Leben und Wirken
Sein Vater, Louis de Calonne (1700–1784) war als Jurist am Gericht in Douai, premier président du parlement tätig, seine Mutter war die Anne Henriette de Francqueville. Er hatte weitere Geschwister, so Marie Anne de Calonne, Jacques de Calonne und Marie Madeleine de Calonne.
Er beschritt des Vaters Weg, studierte Jurisprudenz in Paris und war in der Folge zunächst Staatsanwalt, avocat général bei der Provinzregierung von Artois. Später sollte Calonne als Staatsanwalt vom Gericht in Artois nach Douai gehen, wo er seine Karriere als Generalstaatsanwalt, Procureur général fortsetzte.<ref>abbe-papon.net: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Charles-Alexandre de Calonne (1734-1802) ( vom 18. Juni 2011 im Internet Archive) (französisch).</ref> Dann avancierte er zum Intendanten von Metz (1768) und Lille (1774).
1769<ref>Neil Jeffares: Dictionary of pastellists before 1800. (PDF) In: pastellists.com. 4. März 2011, abgerufen am 23. Februar 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> heiratete er Marie-Joséphine Marquet de Mont-Saint-Peyre (1751–1770), die Tochter eines Finanzinspektors (receveur général des finances).
Während der Krise, die der Französischen Revolution vorausging, als Minister auf Minister vergeblich versuchte, die leere Staatskasse aufzufüllen und wegen Erfolglosigkeit entlassen wurde, wurde Calonne herbeigeholt, um die Führung der Dinge zu übernehmen. Am 3. November 1783 übernahm er sein Amt. Er verdankte seine Position Vergennes, der ihn für dreieinhalb Jahre weiter unterstützte; der König aber war ihm nicht gut gewogen, und – der Aussage eines österreichischen Botschafters zufolge – war sein Ansehen in der Öffentlichkeit extrem schlecht.
Bei seiner Amtsübernahme fand er nach eigenen Aussagen ausstehende Zahlungen in Höhe von 575,194 Millionen Livre vor, die Einnahmen betrugen aber nur 245,209 Millionen Livre und nicht, wie sein Vorgänger behauptet hatte, 609,920 Millionen Livre.<ref></ref> Zunächst versuchte er Kredit zu besorgen und die Regierung mit Hilfe von Darlehen so fortzuführen, dass das öffentliche Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit des Staates erhalten bliebe. Im Oktober 1785 ließ er die Goldmünzen umprägen und entwickelte die caisse d’escompte. Als diese Maßnahmen nichts halfen, schlug er dem König die Abschaffung interner Zölle und Abgaben und die Besteuerung des Eigentums des Adels und des Klerus vor. Turgot und Necker hatten diese Reformen versucht, und Calonne schrieb ihr Scheitern der böswilligen Kritik durch die Parlements zu. Deshalb ließ er für den 29. Januar 1787 eine Notabelnversammlung einberufen, der er das Defizit in der Schatzkammer darlegte. Er schlug die Einführung einer subvention territoriale vor, die auf jede Art von Eigentum ohne Unterschied erhoben werden solle. Diese Abschaffung von Privilegien wurde von den Notabeln schlecht aufgenommen. Calonne ließ nun verärgert seine Berichte drucken und brachte damit den Hof gegen sich auf. Ludwig XVI. entließ ihn am 8. April 1787 und verbannte den als „Monsieur Deficit“ bekannten Calonne nach Lothringen. Paris war allgemein erleichtert.
Sein kühner Reformplan, den Jacques Necker später wieder aufnahm, hätte die Monarchie vielleicht retten können, wenn er nur vom König unterstützt worden wäre. Calonne begab sich bald darauf nach England und hielt mit Necker eine polemische Korrespondenz über die Finanzen aufrecht. 1789, als die Generalstände, États généraux vor der Einberufung standen, kam er zurück nach Flandern, in der Hoffnung, sich für die Wahl aufstellen zu lassen; ihm wurde aber verboten, Frankreich zu betreten. Aus Rache schloss er sich der Emigrantenpartei in Koblenz an und schrieb für sie.<ref>regionalgeschichte.net: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Das Emigrantenzentrum Koblenz als Symbol der Gegenrevolution und des französischen Absolutismus ( vom 2. November 2013 im Internet Archive).</ref> Auf diese Weise gab er fast sein ganzes Vermögen aus, das seine Frau, eine reiche Witwe, in die Ehe eingebracht hatte. 1802, nachdem er wiederum in London Domizil bezogen hatte, erhielt er von Napoleon Bonaparte die Erlaubnis, nach Frankreich zurückzukehren. Er starb einen Monat nach der Ankunft in seinem Heimatland in Paris.
Trivia
Er war Erbauer der Tranchée de Calonne.
Werke
Literatur
- Charles Gomel: Les Causes financières de la Revolution. – Paris: Guillaumin, 1892–93 (2 Bände)
- René Stourm: Les Finances de l'ancien régime et de la Révolution: origines du système financier actuel. – Guillaumin, 1885 (2 Bände)
- G. Susane: La tactique financière de Calonne. – Paris: Arthur Rousseau, 1901 <reprint Burt Franklin, 1972; ISBN 0-8337-3461-X
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Henri François de Paule Lefèvre d’Ormesson | Generalkontrolleure der Finanzen 3. November 1783 – 9. April 1787 | Michel Bouvard de Fourqueux |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Calonne, Charles Alexandre de |
| ALTERNATIVNAMEN | Calonne, Charles Alexandre vicomte de (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Staatsmann |
| GEBURTSDATUM | 20. Januar 1734 |
| GEBURTSORT | Douai |
| STERBEDATUM | 29. Oktober 1802 |
| STERBEORT | Paris |
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