Kernkraftwerk Tschernobyl
| Kernkraftwerk Tschernobyl | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Lage | ||||||
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| Koordinaten | 51° 23′ 23″ N, 30° 5′ 59″ O
{{#coordinates:51,389777777778|30,099705555556|primary
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dim=1000 | globe= | name= | region=UA | type=building
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| Land | Datei:Flag of Ukraine.svg Ukraine | |||||
| Daten | ||||||
| Eigentümer | NAEK Enerhoatom (НАЕК Енергоатом) | |||||
| Betreiber | Ministerium für Brennstoff und Energie (Mintopenergo) der Ukraine | |||||
| Projektbeginn | 1970 | |||||
| Kommerzieller Betrieb | 27. Mai 1978 | |||||
| Stilllegung | 15. Dezember 2000 | |||||
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Stillgelegte Reaktoren (Brutto) |
4 (3800 MW) | |||||
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Bau eingestellt (Brutto) |
2 (2000 MW) | |||||
| Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme | 271.262,82 GWh | |||||
| Website | chnpp.gov.ua | |||||
| Stand | 14. Juni 2021 | |||||
| Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation. | ||||||
Das Kernkraftwerk Tschernobyl<ref>Schreibweise nach russischem Namen bis zum Ende der Sowjetunion und insbesondere während der Reaktorkatastrophe; heutige Bezeichnung nach ukrainischem Namen: Tschornobyl</ref> ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist ein ehemals sowjetisches Kernkraftwerk im Norden der heutigen Ukraine. Es wurde von 1970 bis 1983 erbaut. 1978 ging der erste Reaktorblock in Betrieb, im Jahr 2000 wurde der letzte verbliebene Block außer Betrieb genommen.
Im Kraftwerk ereignete sich am 26. April 1986 die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, bei der der Reaktor des Blocks 4 explodierte. Sie war der erste Größte anzunehmende Unfall (GAU), der nicht mehr beherrschbar war,<ref name=":0">Was vor 40 Jahren in Tschernobyl passierte. In: Tagesschau, online. Norddeutscher Rundfunk, 25. April 2026, abgerufen am 26. April 2026.</ref> und gilt als bisher weltweit schwerster Unfall in einem Kernkraftwerk.<ref></ref>
Es werden fortgesetzt Rückbau- und Sicherungsmaßnahmen am Kraftwerk durchgeführt.
Lage
Das Kraftwerk liegt im äußersten Norden der Ukraine nahe der ukrainisch-belarussischen Grenze am Ufer des Flusses Prypjat. Es gehört zum Rajon Wyschhorod im Oblast Kiew. Etwa 4 km entfernt liegt die 1986 evakuierte Stadt Prypjat und 18 km entfernt das ebenfalls evakuierte Tschornobyl. Kiew ist etwa 140 km entfernt. Das Kraftwerk ist Teil der Sperrzone von Tschernobyl.
Planung und Bau
Das Kraftwerk wurde ursprünglich mit einer Kapazität von 2000 MW geplant. Zur Auswahl standen drei verschiedene Reaktortypen; zwei RK-1000, vier WWER-440 oder zwei RBMK-1000. Nach genauer Planung des Projektes fiel aufgrund der Wirtschaftlichkeit die Wahl auf zwei Reaktoren vom Typ RBMK (Beschluss des Ministerrats der Sowjetunion vom 19. Juni 1969/14. Dezember 1970). Damit wurde Tschernobyl die dritte Anlage mit Reaktoren vom Typ RBMK-1000.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Website des Kraftwerkes – Über den Bau ( vom 7. Juni 2008 im Internet Archive) (englisch)</ref> Während der Bauzeit wurden weitere Blöcke geplant und der Ausbau auf bis zu sechs Blöcke genehmigt.
Das Kraftwerk in der heutigen Form wurde etwa von 1970 bis 1983 erbaut. Eigens für das Kraftwerk wurde Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre am Prypjat ein Kühlsee angelegt. Mit dem Bau der Blöcke 5 und 6 wurde der Kühlsee erweitert. Das Kraftwerk galt in der Sowjetunion in den 1980er Jahren als Musteranlage.<ref name="pdf Katastrophe von Tschernobyl"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Reaktorunfall von Tschernobyl ( vom 31. Januar 2012 im Internet Archive) (PDF; 1,3 MB)</ref>
Reaktortechnik
Bei den für Tschernobyl eingesetzten und geplanten Reaktoren handelte es sich um solche des Typs RBMK-1000 der ersten (Blöcke 1 und 2) und zweiten Generation (Blöcke 3 und 4). Diese graphitmoderierten, wassergekühlten Siedewasser-Druckröhrenreaktoren sowjetischer Bauart weisen schwerwiegende Sicherheitsmängel auf. Jedem Reaktor waren zwei Generatoren zugeteilt, die in einer für alle vier Blöcke gemeinsamen Turbinenhalle mit einer Länge von fast 800 m untergebracht waren. Die Reaktoren verfügten von 1983 bis 1986 über eine thermische Maximalleistung von 12,8 Gigawatt, die eine elektrische Bruttoleistung von insgesamt 3,8 Gigawatt erzeugten. Die im Kernkraftwerk aktiven Reaktoren waren geeignet, Waffenplutonium zu erzeugen, das auch im laufenden Betrieb entnommen werden konnte.<ref>Alexander Heinrich: Strahlend wird die Zukunft sein. Das Parlament, 15. August 2016. Abgerufen am 14. August 2024.</ref>
Blöcke
Block 1
Block 1 wurde 1977 fertiggestellt. Am 1. September 1982 wurde ein zentrales Brennelement durch Überhitzung infolge eines Bedienungsfehlers zerstört. Erhebliche Mengen an Radioaktivität traten aus, die radioaktiven Gase gelangten bis zur Stadt Prypjat. Bei der Reparatur wurden mehrere Arbeiter einer deutlich überhöhten Strahlendosis ausgesetzt,<ref name="WUA"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( vom 27. Oktober 2008 im Internet Archive)</ref> der Unfall wird mit Kategorie INES 5 gelistet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Atomkraft in der Ukraine ( vom 12. November 2010 im Internet Archive)</ref> Block 1 ging schließlich im November 1996 vom Netz, nachdem die Betriebsdauer mit Beschluss vom 20. Oktober 1993 ein letztes Mal um drei Jahre verlängert worden war.<ref name="pdf Katastrophe von Tschernobyl" />
Block 2
Block 2 wurde 1978 fertiggestellt. Während längerer Zeit bestand ein Leck im Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente. Der Austritt geringer Mengen an Radioaktivität wird vermutet. Am 11. Oktober 1991 trat durch einen Defekt bei Turbogenerator Nr. 4 Wasserstoff aus, der zur Generatorkühlung benutzt wurde. Ein fehlerhaft schließender Leistungsschalter führte dazu, dass der zu Wartungszwecken abgeschaltete Generator motorisch wieder anlief und die elektrischen und mechanischen Belastungen zu einer Unwucht führten, was Dichtöl und H2-Kühlmittel austreten ließ. Es kam zu einem Großbrand in der Turbinenhalle im Bereich von Generator 4 mit 8 m hohen Flammen und starker Rauchentwicklung. Weil die tragenden Metallstützen des Turbinendachs nicht gekühlt werden konnten, stürzte ein Segment von ca. 50 m × 50 m ein. Dabei fiel es auch auf eine Arbeitsgrube, welche die Hauptkühlmittelpumpen und die Hilfspumpen enthielt, was die reguläre Reaktorkühlung unterbrach. Ein improvisierter Kühlmittelfluß in den Reaktorkern per Kondensatpumpe konnte die Nachzerfallswärme abführen. Da die manuelle Reaktorabschaltung gelang, wurde der Reaktor selbst nur minimal beschädigt und es trat kaum Radioaktivität aus.<ref>Brian K. Grimes: Fire at Chernobyl Unit Unit 2. In: NRC Information Notice 93-71. Nuclear Regulatory Commission, 13. September 1993, abgerufen am 12. Februar 2026.</ref><ref name="WUA" /> Nach Kostenabschätzungen für eine mögliche Reparatur wurde vorerst mit einer Wiederinbetriebnahme abgewartet. In dieser Zeit des Zerfalls der Sowjetunion beschloss die ukrainische Regierung, Block 2 zunächst auf Warteposition zu halten. Am 20. Oktober 1993 entzog sie die Betriebserlaubnis für Block 2 und legte den Reaktor endgültig still.<ref name="pdf Katastrophe von Tschernobyl" />
Block 3
Block 3 wurde 1981 fertiggestellt und lief am längsten von allen Blöcken. Er bildet mit dem Block 4 einen Doppelblock. Im Oktober 1993 wurde die Betriebsdauer um weitere sieben Jahre verlängert.<ref name="pdf Katastrophe von Tschernobyl" /> Am 29. März 2000 wurde die Abschaltung von Block 3 und damit die Stilllegung des Kernkraftwerks beschlossen, welche am 15. Dezember 2000 – auch auf Druck und nach Ausgleichszahlungen der Europäischen Union – durchgeführt wurde.<ref>Alexey: Post-accident operation and shutdown. Abgerufen am 22. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Block 4
Block 4 wurde 1983 fertiggestellt und bildet mit Block 3 und dem dazwischenliegenden Hilfsanlagengebäude einen Doppelblock. Am 26. April 1986 kam es zu einer Kernschmelze und Explosion des Reaktorkerns, wodurch der Block vollständig zerstört wurde. Große Teile des radioaktiven Inventars gelangten in die Umwelt. Das Graphit, mit dem der Reaktor moderiert wurde, geriet in Brand und konnte erst zehn Tage später gelöscht werden.<ref name=":0" /> Der Landstrich um den Reaktor musste geräumt werden und ist bis heute unbewohnbar. Die mit dem Rauch in große Höhe gelangte Radioaktivität wurde nach Westen getrieben und bewirkte einen radioaktiven Niederschlag (Fallout) über Nord- und Mitteleuropa. Diese Havarie machte den Ortsnamen „Tschernobyl“ zum Synonym für die Gefahren der Kernenergie und die unabsehbaren Folgen eines Super-GAUs. Über Block 4 wurde 1986 notdürftig eine Schutzhülle („Sarkophag“) errichtet.<ref name=":0" /> Ab 2010 wurde diese erneuert, 2016 fertiggestellt und im Februar 2025 von einer russischen Drohne stark beschädigt.<ref name=":0" />
Block 5 und 6
Die Blöcke 5 und 6 waren ab 1981 etwas abseits der Blöcke 1 bis 4 im Bau. Block 5 hätte im Herbst 1986 den Probebetrieb aufnehmen sollen, Block 6 war 1986 zur Hälfte fertiggestellt. Auch nach dem Unfall in Block 4 wurde zunächst an beiden Blöcken weitergebaut. Durch die hohe radioaktive Belastung des Gebiets mussten die Bauarbeiten aber im Januar 1988 eingestellt werden. Beide Blöcke wurden mit einem Schutzanstrich vor Witterung und Alterung geschützt. Die UdSSR plante, die Blöcke nach Absinken der Radioaktivität fertigzustellen. Die 1991 unabhängig gewordene Ukraine hatte jedoch nicht den politischen Willen und die finanziellen Mittel zur Fertigstellung.
Daten der Reaktorblöcke
| Reaktorblock<ref name="IAEA">Power Reactor Information System der IAEA: „Ukraine: Nuclear Power Reactors“ (englisch)</ref> | Reaktortyp | Elektr. Netto- leistung |
Elektr. Brutto- leistung |
Thermische Leistung |
Baubeginn | Netzsyn- chronisation |
Kommer- zieller Betrieb |
Abschal- tung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Tschernobyl-1 | RBMK-1000 | 740 MW | 800 MW | 3200 MW | 01.03.1970 | 26.09.1977 | 27.05.1978 | 30.11.1996 |
| Tschernobyl-2 | 925 MW | 1000 MW | 01.02.1973 | 21.12.1978 | 28.05.1979 | 11.10.1991 (beschädigt) | ||
| Tschernobyl-3 | 925 MW | 1000 MW | 01.03.1976 | 03.12.1981 | 08.06.1982 | 15.12.2000 | ||
| Tschernobyl-4 | 925 MW | 1000 MW | 01.04.1979 | 22.12.1983 | 26.03.1984 | 26.04.1986 (zerstört) | ||
| Tschernobyl-5 | 950 MW | 1000 MW | 01.12.1981 | – | – | Bau 1988 eingestellt | ||
| Tschernobyl-6 | 950 MW | 1000 MW | 01.12.1983 | – | – | Bau 1988 eingestellt |
Die Arbeit im Kernkraftwerk
Bis zur Reaktorkatastrophe 1986 kamen die meisten Arbeiter aus der eigens für das Kraftwerk erbauten Stadt Prypjat. Nach deren Evakuierung wohnen die meisten Arbeiter in der neu errichteten Ersatzstadt Slawutytsch. Die Arbeit war – trotz sehr hoher Strahlenbelastung – vergleichsweise attraktiv: einerseits durch eine äußerst gute Bezahlung, andererseits durch den Zwei-Wochen-Zyklus: zwei Wochen (normale) Arbeitszeit, zwei Wochen frei. Bis zur Abschaltung des letzten Blocks im Jahr 2000 arbeiteten bis zu 9000 Menschen im Kraftwerk, danach weniger.
Bedeutung für die Energieversorgung
Das Kraftwerk hatte für die Energieversorgung der UdSSR und vor allem für die ab 1991 unabhängige Ukraine eine sehr hohe energiepolitische Bedeutung. Es lieferte ungefähr ein Sechstel des auf ukrainischem Gebiet erzeugten Atomstroms, was etwa 4–10 % der Gesamtstrommenge entsprach.<ref name="Umweltanwaltschaft">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Das KKW Tschernobyl.] Wiener Umweltanwaltschaft, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 24. April 2006.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Nur dieser Hintergrund macht es erklärbar, weshalb das Kraftwerk noch 14 Jahre lang nach dem Unfall weiterbetrieben wurde und weiterhin viele Menschen in diesem Gebiet arbeiteten.
Die Ukraine litt an dem fehlenden Strom aus dem KKW Tschernobyl. Für den Ersatz der fehlenden Kapazität gab es drei verschiedene Konzepte: die Vollendung von drei sichereren Reaktoren in der Ukraine, deren Bau bereits fortgeschritten war, der Bau eines Gaskraftwerks mit 3.000 MW Leistung nahe der Stadt Slawutytsch, das einem Teil der Angestellten von Tschernobyl Arbeit geben könnte, oder die Modernisierung von einigen Kohlekraftwerken. Man stellte später die jeweils zu 80 % fertiggestellten Kernkraftwerksblöcke Chmelnyzkyj 2 und Riwne 4 vom Typ WWER-1000 fertig.<ref>Martin Czakainski: Der Reaktorunfall von Tschernobyl. Unfallursachen, Unfallfolgen und ihre Bewältigung, Sicherung und Entsorgung des Kernkraftwerks Tschernobyl. Informationskreis KernEnergie, 2006, ISBN 3-926956-48-8, S. 46, 58.</ref>
Ab 2000
Nach der Stilllegung
2006 waren noch ungefähr 3000 Personen mit Überwachungs- und Wartungsarbeiten beschäftigt. Am 23. April 2008 wurde der letzte Kernbrennstoff entfernt. Am gleichen Tag nahm in der Zone am Kraftwerk die Atommüll-Verarbeitungsanlage Vektor den Betrieb auf. Dort soll begonnen werden, die kontaminierten Teile in der Zone zu verarbeiten, um diese für eine Endlagerung vorzubereiten.
Am 12. Februar 2013 stürzte das Dach der Halle 70 m vom Sarkophag entfernt auf einer Fläche von 600 m² unter Schneelast partiell ein.<ref>Teile von Dach und Wand des explodierten Tschernobyl-Reaktors eingestürzt</ref> Der 75 m hohe und sehr markante Abluftkamin der Blöcke 3 und 4 wurde von Oktober bis Dezember 2013 mithilfe eines Großkranes demontiert, auch um den neuen Sarkophag in die vorgegebene Position schieben zu können.<ref>Tschernobyl: Demontage des Lüftungsschachts Nuklearforum Schweiz, 13. November 2013</ref>
Im Jahr 2022 befanden sich noch etwa 21.000 abgebrannte Brennelemente auf dem Gebiet der Blöcke 1–3 und verbliebene Kernbrennstoffe in der Ruine von Block 4.<ref>Wie viele Reaktoren gibt es in der Ukraine? Bundesumweltministerium, 25. Februar 2022. Abruf am 19. Oktober 2024</ref><ref>Viola Kiel und Hilmar Schmundt: Welche Folgen hat der Stromausfall in Tschernobyl? Der Spiegel, 9. März 2022. Abruf am 18. Oktober 2024</ref>
Neubau des Sarkophags
Nach der Vertragsunterzeichnung im August 2007 wurde über dem alten Sarkophag von 2010 bis 2016 die neue Schutzhülle, New Safe Confinement (NSC) durch das Konsortium Novarka errichtet.<ref>Novarka | Chronology. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. September 2019; abgerufen am 9. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Zum 26. Jahrestag der Reaktorkatastrophe wurde am 26. April 2012 der Grundstein für das NSC von Reaktor 4 gelegt. Nach den ursprünglichen Plänen sollte die neue Schutzhülle rund 935 Millionen Euro kosten und bis 15. Oktober 2015 fertiggestellt sein.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Project “New Safe Confinement Construction” (englisch) ( vom 14. Juni 2015 im Internet Archive)</ref> Mit einer neuen Finanzierung konnte im November 2014 ein drohender Baustopp abgewendet werden.<ref>Tschernobyl-Sarkophag droht Baustopp. Süddeutsche Zeitung, 16. September 2014</ref><ref>Ivo Mijnssen: Ein Sarkophag für hundert Jahre. Neue Zürcher Zeitung, 1. Dezember 2014</ref> Am 14. November 2016 wurde mit dem Verschieben der neuen Schutzhülle (auch als „Arka“ bezeichnet<ref>Bernhard Clasen: Verzögerung beim Sarkophag-Neubau: Tschernobyl und die Zeit. In: Die Tageszeitung: taz. 23. April 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 24. April 2018]).</ref>) in Richtung des Sarkophags begonnen. Ihre endgültige Position hatte die Schutzhülle am 29. November 2016 erreicht und sollte im November 2017 in Betrieb genommen werden. Aufgrund der hohen Strahlenbelastung der alten Bausubstanz verzögerte sich jedoch die Inbetriebnahme.<ref>Christoph Seidler: Strahlung zu hoch: Fertigstellung des Tschernobyl-Sarkophags verzögert sich. In: Spiegel Online. 20. Dezember 2017 (spiegel.de [abgerufen am 20. Dezember 2017]).</ref><ref>President: This year the commissioning of a new safe confinement of the Shelter object will be completed. 26. April 2018, abgerufen am 5. Mai 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 25. April 2019 vermeldete die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) den Abschluss eines 72-Stunden-Testbetriebs der Schutzhülle.<ref>Chernobyl’s New Safe Confinement project completes final commissioning test. 25. April 2019, abgerufen am 2. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die offizielle Inbetriebnahme im Beisein des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erfolgte am 10. Juli 2019.<ref>mdr.de: Schutzhülle in Tschernobyl offiziell in Betrieb | MDR.DE. Abgerufen am 12. August 2019.</ref>
Die ca. 270 m lange, 100 m hohe und 30.000 t schwere Schutzhülle gilt zur Zeit der Errichtung als das größte mobile Bauwerk der Welt. Sie soll das Ziel erfüllen, 100 Jahre lang den Austritt radioaktiver Stoffe zu verhindern.<ref>Schutzhülle ist fertiggestellt, zuletzt abgerufen am 29. November 2016.</ref><ref>Zehn Meter pro Stunde. Abgerufen am 15. November 2016.</ref>
Strukturen für den Rückbau des Kernkraftwerkes
Neben dem NSC sind auf dem Gelände des Kernkraftwerkes noch weitere Gebäude errichtet, die spezielle Aufgaben bei der Entsorgung und Demontage des Kraftwerkes übernehmen sollen.
Die Einrichtung „Interim Spent Fuel Storage Facility“ sollte ursprünglich 2018 ihren Betrieb aufnehmen.<ref>Launch of new confinement at Chornobyl NPP postponed until May 2018. Abgerufen am 10. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In ihr sollen die über 20.000 Brennelemente aus den Reaktorblöcken 1, 2 und 3 verarbeitet, getrocknet und zerkleinert werden, die seit Oktober 2013 ein altes Nasslager völlig ausfüllen.<ref>Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 25. Mai 2015, Dagmar Röhrlich: Aufräumen in unruhigen Zeiten (Abrufdatum: 11. November 2016)</ref> Die verarbeiteten Brennelemente sollen dann in Metallfässern in Betonmodulen auf dem Gelände für mindestens 100 Jahre gelagert werden. Anschließend soll diese Einrichtung wieder abgebaut werden.<ref name="EBRDdecommissioning">Decommissioning the Chernobyl Nuclear Power Plant. Abgerufen am 25. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Tests an der Anlage, bei der unter Aufsicht der IAEA 186 Brennelemente in die Anlage überführt wurden, wurden am 14. Dezember 2020 abgeschlossen.<ref>Chornobyl NPP successfully completes transfer of spent nuclear fuel within “hot tests” at ISF-2. In: chnpp.gov.ua. SSE "Chornobyl NPP", 15. Dezember 2020, abgerufen am 23. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Genehmigung, die neue Anlage zu betreiben, wurde am 26. April 2021 erteilt, Überführung der Brennelemente aus der alten Nasslageranlage in das neue Lager wurde am 21. Mai 2021 genehmigt. Am 08. Juni 2021 wurde dann mit dem Betrieb der Anlage begonnen. Bis Januar 2022 wurden 1.698 Brennelemente zur Lagerung in die Anlage überführt.<ref>Interim Spent Nuclear Fuel Dry Storage Facility (ISF-2). In: chnpp.gov.ua. SSE "Chornobyl NPP", 11. Dezember 2023, abgerufen am 23. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Bereits fertiggestellt ist die Behandlungsanlage „Liquid Radioactive Waste Treatment Plant“. In ihr soll flüssiger radioaktiver Abfall, der bislang auf dem Gelände in Tanks aufbewahrt wird, in feste Form umgewandelt werden, damit dieser auch in Containern über lange Zeit gelagert werden kann.<ref name="EBRDdecommissioning" />
Ukraine-Krieg seit 2022
Das Gelände des Kernkraftwerkes Tschernobyl wurde am 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Einmarsches in die Ukraine, von aus Belarus kommenden russischen Truppen eingenommen. Die Einheiten hatten ein Jahr zuvor militärische Übungen im Kernkraftwerk Kursk abgehalten, das beinahe identisch zur Anlage in Tschernobyl war. Die leichtbewaffneten ukrainischen Sicherheitskräfte hatten aus Sorge um die Sicherheit des Kernkraftwerks kapituliert. Die Truppen wurden in der russischen Presse als Helden gefeiert und der kommandierende General Sergei Burakow und Oberst Andrei Frolenkow wurden als Held der Russischen Föderation ausgezeichnet. Beide wurden von der Europäischen Union sanktioniert. Die militärische Besetzung eines Kernkraftwerks war ein Präzedenzfall und eine Verletzung des Genfer Abkommens von 1949 über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten.<ref></ref> Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), erklärte, dass „jeder bewaffnete Angriff auf und jede Bedrohung von Kernanlagen, die friedlichen Zwecken dienen, einen Verstoß gegen die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen, des Völkerrechts und der Satzung der Organisation darstellt“.<ref></ref>
Am 8. März meldete der Betreiber Ukrenergo, dass infolge der Kämpfe eine Stromleitung beschädigt worden sei, sodass das Kraftwerk zur Aufrechterhaltung der Kühlung von abgebrannten Brennelementen auf Notstromgeneratoren angewiesen sei.<ref>Ukrenergo: Mitteilung 1042. 9. März 2022, abgerufen am 9. März 2022.</ref> Diese könnten die Kühlung jedoch nur 48 Stunden gewährleisten, anschließend drohe der Austritt von Strahlung. Die Datenfernleitung sei ebenfalls ausgefallen.<ref>IEAO: PM Nr. 15: Statement on situation in Ukraine. 8. März 2022, abgerufen am 9. März 2022.</ref> Daraufhin forderte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba Russland zu einer Waffenruhe auf, damit der Stromanschluss repariert werden könne.
Bereits zuvor hatte die IAEO das Abschneiden des Kraftwerkes von der Außenwelt gerügt und Russland dafür kritisiert, dass es den ca. 200 Mitarbeitern seit der Eroberung keinen Schichtwechsel mehr ermöglicht habe, sodass diese seit etwa zwei Wochen im Dauereinsatz seien.<ref>Stromversorgung im AKW Tschernobyl gekappt: Radioaktivität könnte austreten. In: Der Standard, 9. März 2022. Abgerufen am 9. März 2022.</ref> Die IAEO äußerte, dass die Stromversorgung zwar ein wesentlicher Sicherheitsfaktor sei, die Abklingbecken aber groß genug seien, um die Wärme auch ohne aktive Kühlung abzuleiten. Daher sehe sie keine „kritische Auswirkung auf die Sicherheit.“<ref>IAEA: Stromausfall in Tschernobyl kein kritisches Problem. In: ORF, 9. März 2022. Abgerufen am 9. März 2022.</ref> Laut IAEO wurden die zerstörten Leitungen am 12. März 2022 teilweise repariert<ref>Strom in Tschernobyl läuft teilweise wieder. 12. März 2022, abgerufen am 12. März 2022.</ref> und die Stromversorgung am nächsten Tag vollständig wiederhergestellt.<ref>AKW Saporischschja unter russischer Kontrolle – Tschernobyl wieder mit Strom versorgt. 13. März 2022, abgerufen am 14. März 2022.</ref>
Die russischen Soldaten sollen mit ihren Stiefeln ohne Sicherheitsmaßnahmen Staub von außen in das Kraftwerksgebäude hinein getragen haben.<ref>Kontrovers vom 30. März 2022.</ref> Am 31. März 2022 meldete das ukrainische Staatsunternehmen Enerhoatom, dass die russischen Streitkräfte sich aus dem Reaktorgelände und der Umgebung zurückgezogen hätten. Bei Soldaten sei die Strahlenkrankheit aufgetreten und habe Panik verursacht. Die IAEO erklärte, dass sie die ukrainischen Angaben bislang nicht bestätigen könne.<ref>Russians fled Chernobyl with radiation sickness, says Ukraine as IAEA investigates, The Guardian vom 31. März 2022.</ref>
Die Techniker und Wissenschaftler wurden beim Abzug gezwungen, ein Dokument zu unterschreiben, keine Ansprüche an Russland zu erheben. Ausrüstung und persönliches Material waren geplündert worden, ebenso Technik und Laboratorien sowie Proben. Containerweise sei hochtechnologische Reparaturausrüstung von den Russen abtransportiert worden. Die Daten der jahrelangen Überwachung im EcoCenter sind mit den lokalen Datenträgern entfernt worden.<ref>Ekaterina Maksimova: Captured Technology and Radiation Victims: What Russians Left in Chernobyl. In: The Insider. 5. April 2022, abgerufen am 22. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Rafael Grossi besuchte am 26. April 2022, dem 36. Jahrestag des Unfalls, als dritter Generaldirektor der IAEO nach Hans Blix im Jahr 1986 und Yukiya Amano im Jahr 2011 das Kernkraftwerk. Die IAEO überprüfte die Strahlungswerte, die während der russischen Besetzung angestiegen und nun wieder auf den Normalwert zurückgegangen waren und unterstützte die Ukrainer bei der Reparatur von Fernüberwachungssystemen, die von den russischen Streitkräften außer Betrieb gesetzt worden waren. Diese waren notwendig, um die Strahlungswerte in der Sperrzone vom Hauptsitz der Organisation in Wien aus zu überwachen.<ref></ref> Im Januar 2023 beschloss die IAEO, mit eigenen Expertenteams an allen ukrainischen Atomkraftwerken präsent zu sein, um das Risiko schwerer Unfälle während des Krieges zu verringern.<ref>IAEA-Beobachter nun auch permanent in Tschernobyl. In: tagesschau.de. 18. Januar 2023, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. Januar 2023; abgerufen am 19. Januar 2023.</ref>
An der Schutzhülle über dem zerstörten Block 4 des Kernkraftwerkes Tschernobyl kam es am 14. Februar 2025 nach Angaben der IAEA zu einer Explosion. Die Ursache dafür war nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein russischer Drohnenangriff. Die Drohne habe die Ummantelung des zerstörten Kraftwerksblocks getroffen und ein Feuer ausgelöst, das jedoch gelöscht werden konnte. Auf Fotos der betroffenen Stelle ist ein Loch in der Schutzhülle zu sehen.<ref>Ukraine meldet Schaden an ehemaligem Kernkraftwerk Tschernobyl. Am früheren Atomkraftwerk Tschernobyl hat es laut IAEA eine Explosion gegeben. Der ukrainische Präsident Selenskyj macht einen russischen Drohneneinschlag dafür verantwortlich. Die Strahlenwerte sind bisher stabil. In: spiegel.de. Der Spiegel, 14. Februar 2025, abgerufen am 14. Februar 2025.</ref> Der Sarkophag sei laut Selenskyj bei dem Einschlag erheblich beschädigt worden. Die Strahlenbelastung habe Stand Freitagmorgen, den 14. Februar 2025 jedoch nicht zugenommen.<ref>Liveblog - Krieg gegen die Ukraine. Selenskyj: Sarkophag in Tschernobyl durch russische Drohne beschädigt. In: tagesschau.de. 14. Februar 2025, abgerufen am 14. Februar 2025.</ref>
Der Einschlag der russischen Kampfdrohne am 14. Februar 2025 in die Schutzhülle hat diese schwerer beschädigt als zunächst angenommen. Bei der 2019 für über 2 Mrd. Euro fertiggestellten Schutzhülle wurde von der Drohne sowohl die äußere als auch die innere Wand der Schutzhülle durchschlagen als auch eine Kunststoffmembran in Brand gesetzt, die sich an der äußeren Hülle zwischen Schichten anderen Materials befand. Um den Schwelbrand zu löschen, mussten Löcher in die äußere Hülle geschnitten werden. Eine vollständige Reparatur wäre zwar wahrscheinlich möglich, sagte der Betriebsleiter Artem Siryj, doch die finanziellen Mittel dafür dürften kaum aufzubringen sein. Zwischen beiden Hüllen herrschte ursprünglich ein Überdruck. der verhinderte, dass hochradioaktive Partikel die Außenwand der Schutzhülle erreichen konnten. Spezialisten halten es jedoch für möglich wenigstens die innere Schutzhülle wieder abzudichten. Möglicherweise kann damit noch 2025 begonnen werden. Der Einschlag einer Kampfdrohne war bei der Konstruktion nicht berücksichtigt worden, da damit niemand gerechnet hatte. Die Investition in Milliardenhöhe für die Schutzhülle wurde dadurch teilweise zunichtegemacht. Der innere Sarkophag von 1986 ist inzwischen zunehmend baufällig. Ein teilweiser Einsturz könnte unkontrolliert eine hochradioaktive Staubwolke freisetzen.<ref>Florian Kellermann: Tschernobyl: Beschädigte AKW-Schutzhülle - was ist zu retten? In: tagesschau.de. 8. Juli 2025, abgerufen am 8. Juli 2025.</ref>
Siehe auch
Weblinks
- SSE „Chernobyl NPP“. Englischsprachige Website des Kernkraftwerks Tschernobyl
- Das KKW Tschernobyl bei der Wiener Umweltanwaltschaft
- Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Ausbreitung der radioaktiven Wolke aus dem Kernkraftwerk Tschernobyl vom 26. April bis 7. Mai 1986.] Metoffice UK, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung
- Bilder aus dem Katastrophengebiet. Der lange Schatten von Tschernobyl.
Einzelnachweise
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| INES 7 |
Tschernobyl (1986) | Fukushima Daiichi (2011) |
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| INES 6 |
Kyschtym (1957) | |
| INES 5 |
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