Carl-von-Ossietzky-Gymnasium (Berlin)
| Carl-von-Ossietzky-Gymnasium | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Pankow Goerschstr Gymnasium.jpg | ||||||
| Frontansicht | ||||||
| Schulform | Gymnasium | |||||
| Schulnummer | 03Y08 | |||||
| Gründung | 1909 | |||||
| Adresse | Görschstraße 42/44 13187 Berlin | |||||
| Ort | Berlin-Pankow | |||||
| Land | Berlin | |||||
| Staat | Deutschland | |||||
| Koordinaten | 52° 34′ 0″ N, 13° 24′ 1″ O
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| Träger | Land Berlin | |||||
| Schüler | 1152 (Schuljahr 2025/26)<ref name="Statistik">Schulporträt. Carl-von-Ossietzky-Gymnasium. In: bildung.berlin.de. Abgerufen am 23. März 2026.</ref> | |||||
| Lehrkräfte | 101 Lehrer + 6 Lehramtsanwärter (Schuljahr 2025/26)<ref name="Statistik" /> | |||||
| Leitung | Harald Musold<ref name="Statistik" /> | |||||
| Website | cvo.berlin | |||||
Das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium ist ein Gymnasium in der Görschstraße 42/44 im Ortsteil Pankow des gleichnamigen Berliner Bezirks, das nach dem Publizisten Carl von Ossietzky benannt ist.
Geschichte
Bauphase
Die überaus schnelle Entwicklung Pankows, das damals noch ein Vorort Berlins mit über 40.000 Einwohnern war, machte die Bereitstellung neuer Schulräume notwendig. Die Gemeindevertretung beschloss daher am 7. Juli 1908 den Bau einer höheren Mädchenschule, eines Lehrerinnenseminars nebst Übungsschule, sowie dreier Gemeindedoppelschulen nach den Entwürfen des Regierungsbaumeisters Carl Fenten, das auf dem bereits 1907<ref name="Heft1008">Hartmut Seefeld: Barocke Nachbarschaft. Aus der Geschichte der Görschstraße in Pankow. (PDF) In: Vor Ort. Mieterberatung Prenzlauer Berg, Gesellschaft für Sozialplanung mbH, 26. September 2008, S. 13, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 2. Februar 2014.</ref> von der Gemeinde gekauften Grundstück an der Görschstraße 42/44 errichtet werden sollte. Am 1. April 1909<ref name="Heft1008" /><ref>Maria Rüger: Erinnerungen an meine jugendbewegte Zeit, Berlin 1950–1952. (PDF) In: Die Kunst des Vernetzens. Verlag für Berlin-Brandenburg, 2006, S. 69, abgerufen am 2. Februar 2014 (1. Auflage).</ref> wurde mit dem Bau eines Lyzeums<ref>Daten zur Organisation Richard-Wagner-Lyzeum (Berlin-Pankow) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek</ref> im Neorenaissance-Stil begonnen.<ref>Oberlyzeum (Berlin-Pankow). BBF Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, abgerufen am 25. Januar 2014.</ref>
Unter der Leitung Fentens wirkten die Architekten Rudolf Klante und Eilert Franzen und die Bildhauer Hans Schmidt und Franz Pristel am Bau mit.
„Die Bebauung ist so erfolgt, dass der Zugang zur höheren Mädchenschule und zum Seminar sowie der damit verbundenen Übungsschule von der Görschstraße, der Zugang für die Mädchen der Gemeindeschulen von der Neuen Schönholzer Straße und für die Knaben der Gemeindeschulen von der Wollankstraße aus erfolgt. Durch diese Verteilung ist eine Überlastung des Straßenverkehrs bei Schulschluss ausgeschlossen.“
Am 1. April 1910 konnten nach nur einjähriger Bauzeit die ersten zehn Klassen der höheren Mädchenschule ihren Einzug in das neue Haus halten, denen am 1. Oktober 1914 Gemeindeschulklassen folgten.
Am 5. November 1911 fanden die Einweihungsfeierlichkeiten der höheren Mädchenschule und des höheren Lehrerinnenseminars statt. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz.<ref>Eintrag 09085240 in der Berliner Landesdenkmalliste</ref>
Richard-Wagner-Lyzeum
Anfang der 1920er Jahre wurde die Schule in Richard-Wagner-Lyzeum umbenannt.<ref name="Heft1008" /><ref>Cea Bilang: Paulas Weg ins Leben: Im Fadenkreuz zwischen Ost-West und Nord-Süd. C.M. Amelung Verlag, 2009, ISBN 3-9811878-8-1, S. 49.</ref>
Anna-Magdalena-Bach-Schule
1939 wurde die höhere Mädchenschule in Anna-Magdalena-Bach-Schule<ref>Anna-Magdalena-Bach-Schule (Berlin). BBF Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, abgerufen am 25. Januar 2014.</ref> nach der zweiten Ehefrau von Johann Sebastian Bach umbenannt. 1943 wurde für Ausgebombte eine Sammelstelle eingerichtet. In den Kriegstagen 1944/1945 zerstörten Bomben die Turnhalle.<ref>Zerstörungen 1940–1945. In: Historisches Heimatarchiv Berlin-Pankow. Abgerufen am 2. Februar 2014.</ref>
Die Aula der Schule wurde nach 1945 für Versammlungen und Ausschüsse von SPD, FDJ, KPD und SED genutzt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />landesarchiv-berlin.de ( vom 30. März 2014 im Internet Archive) (PDF)</ref><ref>SPD-Opposition tagte. Abgerufen am 2. Februar 2015 (Zugriff nur mit Abonnement).</ref>
Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Schüler der Knabenoberrealschule „Carl Peters“, Namensgeber war der Begründer der deutschen Kolonie Ostafrika, nach der Konfiszierung ihres Schulhauses (seit den 1920er Jahren: Reinhold-Burger-Schule)<ref>Joachim Zeller: Die „koloniale Wissens- und Willensbildung der Jugend“. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Februar 2015; abgerufen am 2. Februar 2014. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> in der Neuen Schönholzer Straße 32 durch die Rote Armee in der Görschstraße Unterschlupf fanden, wurde aus diesem Provisorium eine feste Größe. Zunächst wurde im November 1946 der Name von Peters, durch Grausamkeiten gegen Schwarzafrikaner ohnehin schwer belastet, durch den des Pazifisten Carl von Ossietzky ersetzt.<ref name="Heft1008" /> Schon bald übertrug sich dieser auch auf die Bildungseinrichtung der Mädchen. 1950/51 fusionierten die Mädchen- und die Jungenschule zur Ossietzky-Schule.
Erweiterte Oberschule Carl von Ossietzky
In der DDR wurde zunächst der Name Ossietzky-Schule geführt.<ref>Oberschulen. Bezirk Pankow. Ossietzky-Schule. In: Fernsprechbuch für Gross-Berlin (DDR), 1955, S. 100.</ref> Ab Anfang der 1960er Jahre hieß sie Carl von Ossietzky-Schule,<ref>Erweiterte Oberschulen. Stadtbezirk Pankow. Carl von Ossietzky-Schule. In: Fernsprechbuch für die Hauptstadt der DDR, 1963, S. 285.</ref> ab Mitte der 1980er Jahre dann Erweiterte Oberschule (EOS) Carl von Ossietzky.<ref>EOS. Carl von Ossietzky. In: Fernsprechbuch für die Hauptstadt der DDR, 1984, S. 484.</ref>
1955 schuf die Bildhauerin Maria Schockel-Rostowskaja eine Porträtbüste Ossietzkys aus Bronze, die auf einem Sockel vor dem Gebäude aufgestellt wurde. Ein Zweitguss wurde 1977 im Treppenhaus aufgestellt. Beide wurden nach 1989 entwendet. Der Zweitguss wurde später sichergestellt und ist zur Zeit wohl eingelagert.
Ossietzky-Affäre
Im September 1988 fertigten acht Schüler der damaligen EOS kritische Wandzeitungen und Unterschriftenlisten zu den Streiks in Polen und der geplanten NVA-Parade anlässlich des DDR-Jubiläums am 7. Oktober an. Die beteiligten Schüler wurden daraufhin vor ein Schultribunal geladen. Vier von ihnen wurden der Schule verwiesen, zwei wurden zwangsumgeschult, die restlichen zwei erhielten einen Verweis. Zudem wurden drei von ihnen aus der FDJ ausgeschlossen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ossietzky-Affäre ( vom 1. Februar 2015 im Internet Archive) auf fluter.de</ref>
Trotz des Protestes oppositioneller Gruppen und West-Berliner Schulen blieben die Urteile bestehen. Erst nach der politischen Wende konnten die vier verwiesenen Schüler ihr Abitur nachholen.<ref>Ereignisse an der Berliner Ossietzky-Schule. Jugendopposition in der DDR; abgerufen am 16. Mai 2009.</ref>
Carl-von-Ossietzky-Gymnasium
1991 wurde aus der Erweiterten Oberschule Carl-von-Ossietzky das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium,<ref name="SP-SPD" /> außerdem wurde der Schulverein gegründet. Der Schulverein unterstützt bis heute Projekte der Schule, vor allem mit finanziellen Mitteln.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />mabu-immobilien.de ( vom 1. Februar 2015 im Internet Archive)</ref>
Das Gebäude wurde bereits mehrmals als Drehort für Kinoproduktionen genutzt. So ist die Aula der Schule in einer Szene des Films Sonnenallee zu sehen. Die Fassade des Innenhofes diente als Kulisse der Eröffnungsszene in dem Film Was nützt die Liebe in Gedanken sowie 1989 für den DEFA-Spielfilm Coming Out, in dem der damalige Kunstlehrer in einer Nebenrolle auftrat.
Auch für den oscarprämierten Kurzfilm Spielzeugland von Jochen Alexander Freydank dienten Innenhof und Fassade des Gebäudes als Drehort und Kulisse.<ref>Der Tagesspiegel, 23. Februar 2009</ref>
Schulprofil
Im Carl-von-Ossietzky-Gymnasium werden im Schuljahr 2025/26 1152 Schüler unterrichtet. Von ihnen haben 2,1 % eine nichtdeutsche Herkunftssprache.<ref name="Statistik" /> Leistungskurse werden in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Bildende Kunst, Musik, Politikwissenschaft (ehemals Politische Weltkunde), Philosophie, Geschichte, Mathematik, Physik, Chemie und Biologie angeboten.
Außerdem wird als zweite Fremdsprache auch Italienisch unterrichtet und ab der 8. Klasse Chinesisch oder Latein als Wahlpflichtfach angeboten. Die Grundkurse Darstellendes Spiel, Studium und Beruf, Informatik und Digitale Welten ergänzen das Fächerangebot in der Sekundarstufe II.
Es gibt die Möglichkeit, sich in der Freizeit im Chor, in der Bigband, im Awareness-Team sowie im Orchester der Schule zu engagieren.
Die Schule engagiert sich im Bereich Umwelt und wurde 2016 zum vierten Male als Umweltschule in Europa ausgezeichnet.<ref>Frank Schulenberg: Nachhaltiges Denken beginnt in der Schule: Internationales Nachhaltigkeitssiegel für 24 Berliner Schulen. In: berlin.de. 19. Juli 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. September 2016; abgerufen am 23. September 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Sie beteiligte sich als eine von etwa 40 Schulen am Schulversuch Ethik/Philosophie.
Partnerschaften
Die Schule hat Partnerschaften mit der Beijing No. 80 High School in der Volksrepublik China, dem Lycée Privé Saint-Marc Lyon in Frankreich, dem Burgården-Gymnasium Göteborg in Schweden, dem International Business College Kolding in Dänemark und der Godolphin School Milford Hill in England.<ref name="Artikel auf Schulwebsite"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erläuterungen der Partnerschaften ( vom 24. November 2015 im Internet Archive) auf der Website des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums</ref>
Die Schülervertretungen des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums und der Rosa-Luxemburg-Oberschule (Gymnasium) veranstalten einen gemeinsamen Schulball in der Aula der Rosa-Luxemburg-Oberschule. Außerdem findet in den 8. Klassen zwischen diesen Schulen ein Klassentausch statt, bei dem die Schüler für eine Woche am jeweils anderen Gymnasium unterrichtet werden.
Des Weiteren gibt es eine Partnerschaft mit der benachbarten Reinhold-Burger-Schule (Sekundarschule). Sie wurde angestrebt, weil es vermehrt zu Konflikten zwischen den Schülern der Schulen kam. Sie findet z. B. in Form von gemeinsamen Kunstprojekttagen statt. Außerdem wurde zur Gewaltprävention an beiden Schulen eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung mit dem zuständigen Polizeiabschnitt unterzeichnet.<ref name="Artikel auf Schulwebsite" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kooperationsvereinbarung mit der Reinhold-Burger-Oberschule und dem Polizeiabschnitt 17 der Polizeidirektion 1 ( vom 1. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF)</ref>
Schul- und Förderverein
Der Schulverein wurde 1991 als gemeinnütziger Förderverein gegründet. Ihm gehören Schüler, Lehrer, Ehemalige, Eltern und Großeltern sowie Interessierte aus dem Umfeld an. Er finanziert u. a. die Anschaffung ergänzender Unterrichtsmaterialien, Klassenfahrten, Austauschprogramme und kulturelle Events.<ref name="Schulverein">Website des Schulvereins des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums Berlin-Pankow. Abgerufen am 3. September 2019.</ref> Der Schulverein berichtet regelmäßig im Newsletter über seine Aktivitäten.<ref name="Newsletter">Newsletter des Schulvereins des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums Berlin-Pankow. Abgerufen am 15. September 2019.</ref>
Schülerzeitung Moron
Die Schülerzeitung des CvO war in mehreren Schülerzeitungswettbewerben erfolgreich. 2010 erreichte die Moron beim Sonderpreis „EinSatz für eine bessere Gesellschaft“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den dritten Platz, beim Schülerzeitungswettbewerb des Landes Berlin, der Morgenpost und der Jungen Presse Berlin 2010 den ersten und 2011 sowie 2018 den zweiten Platz in der Kategorie „Beste Schülerzeitung (Gymnasium)“.
Persönlichkeiten
Rektoren
- Agnes Katharina Maxsein (1904–1991), Politikerin (CDU), Schulleiterin vor 1948<ref>Bernd Schäfer: Priester in zwei deutschen Diktaturen. Die antifaschistische Legende des Karl Fischer (1900–1972). (PDF)</ref>
Ehemalige Schüler
- Andrej Hermlin (* 1965), Pianist und Bandleader
- Kai Feller (* 1971), evangelischer Pastor, einer der vier relegierten Schüler der Ossietzky-Affäre 1988
- Philipp Lengsfeld (* 1972), Physiker und Politiker (bis 2023 CDU), Abitur 1991, einer der vier relegierten Schüler der Ossietzky-Affäre 1988
- Robert Ide (* 1975), Journalist und Autor, Abitur 1994
- Stefan Gelbhaar (* 1976), Politiker (Bündnis 90/Die Grünen)
- Aline Abboud (* 1988), Journalistin, Abitur 2007
- Liv Lisa Fries (* 1990), Schauspielerin, Abitur 2010
- Lena Klenke (* 1995), Schauspielerin, Abitur 2014
Literatur
- Stadtbezirk Pankow. Görschstraße. Schulkomplex. In: Heinrich Trost (Gesamtredaktion): Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Hauptstadt Berlin. II. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin, 1987, S. 34–38.
- Jörn Kalkbrenner: Margot Honecker gegen Ossietzky-Schüler. Urteil ohne Prozess. Dietz Verlag, Berlin 1990.
Weblinks
- Website der Schule
- Carl-von-Ossietzky-Gymnasium auf gymnasium-berlin.net
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Weblink offline
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Zitat
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2023-12
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2023-03
- Gymnasium in Berlin
- Baudenkmal in Berlin
- Carl-von-Ossietzky-Schule
- Umweltschule in Europa
- Schule in Berlin-Pankow
- Bildungseinrichtungsgründung 1909