Bächlingen
Bächlingen Stadt Langenburg
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(150)&title=B%C3%A4chlingen 49° 15′ N, 9° 51′ O
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| Höhe: | 294 m | |||||
| Fläche: | 11,6 km² | |||||
| Einwohner: | 150 (Nov. 2022)<ref>Stadt Langenburg | Zahlen & Fakten |. Abgerufen am 21. Oktober 2025.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 13 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. Februar 1972 | |||||
| Postleitzahl: | 74595 | |||||
| Vorwahl: | 07905 | |||||
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Bächlingen ist ein Stadtteil der hohenlohischen Kleinstadt Langenburg im Landkreis Schwäbisch Hall im nordöstlichen Baden-Württemberg. Im Stadtteil gibt es ein Dorf gleichen Namens.
Geographie
Geographische Lage
Die Stadtteilgemarkung von Bächlingen umfasst einen über vier Kilometer langen Abschnitt des weiten und stark eingetieften mittleren Tals der Jagst sowie den linksseits begleitenden Höhenrücken teils bis über die Wasserscheide zum Kochertal im Südwesten hinweg. Das namengebende Dorf liegt darin auf Höhen um 294 m ü. NHN am rechten Ufer der Jagst, während auf der seitlichen Hochebene bis über 480 m ü. NHN erreicht werden. Die Hochebene steht fast völlig unterm Pflug, an den oberen Taleinhängen steht meist Wald, darunter finden sich auf einer mittleren Hangverebnung überwiegend Äcker und auf dem Talgrund Wiesen.
Gemeindegliederung
Zur ehemaligen Gemeinde Bächlingen gehörten die Dörfer Bächlingen und Nesselbach, der Weiler Hürden mit dem Wohnplätzen Groß- und Kleinhürden, dazu das Haus Herrenmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Aloswiler (auch Adlatzweiler und Adelotsweiler), Katzenstein (Burg) und Maisenbrunnen.
Geschichte
Bächlingen ist eine sehr alte Siedlung. Vermutet wird, dass der Ort bereits zur Merowingerzeit besiedelt wurde.<ref>Festschrift: 900 Jahre Bächlingen</ref> Erstmals urkundlich fassbar wird der Ort in einer Urkunde, die zwischen 719 und 759 datiert wird.<ref>StiASG, Urk. I 15. Online auf e-chartae, abgerufen am 12. Juni 2020.</ref> Danach wird der Ort in den Zwiefalter Chroniken 1140 urkundlich erwähnt. Danach gehörte Bächlingen 1077 dem Grafen von Achalm. Zur Zeit der fränkischen Missionierung zählte Bächlingen zu den Urpfarreien des Hohenloher Landes. Die einstige Chorturmkirche aus dem 14. Jahrhundert wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut. Sie erhielt ein spätgotisches Schiff. Im Zuge der Reformation wurden der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre abgebrochen und auf einem Acker in der Nähe des Dorfes verbrannt. Die Fresken im Kircheninneren wurden mit einer Kalkschicht überdeckt. In dieser Zeit war Bächlingen Teil der Pfarrei in Langenburg, wurde aber im Jahre 1576 wieder eigenständig.
1580 wurde für Notzeiten ein Kornboden auf das Kirchenschiff aufgesetzt. Die Kirchhofsmauer wurde neu befestigt, das Tor neu gebaut und mit einem Dach versehen. Während des Dreißigjährigen Krieges litt der Ort große Not. Einquartierungen und Truppendurchmärsche waren an der Tagesordnung. Dazu kam die Pest, der 240 Menschen in der Gemeinde zum Opfer fielen.<ref>Festschrift: 900 Jahre Bächlingen</ref>
Am Fastnachtsdienstag 1672 kam Anna Feßler, eine Einwohnerin des Weilers Hürden, unter ungeklärten Umständen ums Leben. Die 27-jährige hatte wenige Tage zuvor ein Kind geboren, weshalb man zunächst von einer postpartalen Erkrankung als Todesursache ausging. Der jähe Tod der jungen Frau, der nach Beschreibung des Ehemanns mit unkontrolliertem Anschwellen unterschiedlicher Körperteile, Verwirrtheitszuständen und extremen Schmerzen einherging, führte schließlich dazu, dass die Verstorbene durch den aus Schwäbisch Hall herbeigerufenen Stadtarzt Dr. Andreas Thym obduziert wurde. Der Mediziner konnte bei der Autopsie Schaumbildung im Mundraum, bläulich-gelbe Verfärbungen der inneren Organe sowie ein halb verdautes Fasnachtsküchle im Magen der Verstorbenen feststellen. Dr. Thyms Beobachtungen legten eine Vergiftung der Anna Feßler nahe, konnten diese Vermutung jedoch nicht sicher belegen. Erst eine mehrere Monate später eingeholte Zweitmeinung der Professoren Moritz Hofmann und Jakob Pankratius Bruno von der medizinischen Fakultät der Universität Altdorf, konnte eine natürliche Todesursache sicher ausschließen und eine Arsen-Vergiftung der Verstorbenen durch das Fasnachtsküchle bestätigen.
Bereits Ende Februar 1672 war die Nachbarin von Anna Feßler, die 60-jährige Ehefrau des Hürdener Müllers, Elisabeth Schmieg, festgenommen und in das Verlies im Schloss Langenburg gebracht worden. In zahlreichen Vernehmungen durch den damaligen Kanzleidirektor von Langenburg, Tobias Ulrich von Gülchen, war Elisabeth Schmieg bereits implizit später auch explizit die Vergiftung der Anna Feßler durch das überbrachte Fasnachtsküchle vorgeworfen worden. Schmieg, welche hauptsächlich aufgrund ihres schlechten Rufs in der Nachbarschaft – sie war nach Schilderungen der Nachbarn und Bekannten dem Alkohol verfallen und häufig verbal entgleisend – festgenommen war, hatte die gegen sie erhobenen Vorwürfe des Giftmords und der Hexerei vehement abgestritten. Unter der erdrückenden Beweislast der kompromittierenden Aussagen der Dorfbewohner, der Einschätzung der Universität Altdorf, sowie der anschließenden Folter, gab die Inhaftierte jedoch schließlich nach und bekannte sich in fünfzehn Anklagepunkten schuldig, unter anderem wegen Giftmordes sowie Hexerei.
Am 8. November 1672 wurde Elisabeth Schmieg schließlich vom Centgericht in Langenburg zum Tode verurteilt und noch am selben Tag zu dem im Osten von Langenburg gelegenen Galgenberg gebracht und dort nach Entstellen durch glühende Zangen vom Scharfrichter erdrosselt und anschließend verbrannt.<ref>Landesarchiv Baden-Württemberg, Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein La 5 Bü 529: Verhaftung, Verhör und Verurteilung der Elisabeth Schmieg zu Hürden wegen Hexerei.</ref><ref>Thomas Robisheaux: The Last Witch of Langenburg: Murder in a German Village. W.W. Norton & Company, New York / London. (1. Auflage 2009; ISBN 978-0393349689)</ref>
1806 wurde die Gemeinde Bächlingen dem Oberamt Gerabronn zugeschlagen. Seit der Kreisreform von 1938 war sie Teil des Landkreises Crailsheim, der im Zuge der Kreisreform 1973 im Landkreis Schwäbisch Hall aufging.
Am 1. Februar 1972 wurde Bächlingen nach Langenburg eingemeindet.<ref></ref>
Söllbot wurde bis 1828 von Obersteinach nach Bächlingen umgemeindet. Seit dem 1. Januar 1973 ist Söllbot wieder ein Teil von Obersteinach, einem Ilshofener Stadtteil.<ref></ref>
Einwohnerentwicklung
Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1925 | 570 |
| 1933 | 557 |
| 1939 | 486 |
| 1961 | 424 |
| 1970 | 377 |
Wappen
Bis zu ihrer Auflösung führte die Gemeinde Bächlingen ein eigenes Wappen. Dessen Blasonierung lautet: „In Gold zwei schwarze Balken“.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die im Jahr 1785 erbaute Archenbrücke über die Jagst geriet im Zweiten Weltkrieg durch Beschuss in Brand und wurde dabei vollständig zerstört. Sie wurde von 1989 bis 1991 für den geplanten Radwanderweg von Rothenburg ob der Tauber nach Heilbronn nach historischem Vorbild wieder errichtet.<ref>H.J. Blaß, Universität Karlsruhe: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Holzbauexkursion 5.-8. Juni 2001 ( vom 7. November 2005 im Internet Archive; PDF; 2,1 MB)</ref> Sie ist nach Angaben des Unternehmens der Rekonstruktion die längste freitragende Holzbrücke der Bundesrepublik in dieser Bauweise.<ref>bauer-holzbau.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>
Die Johanneskirche wurde 1285 erstmals genannt und dürfte die älteste Kirche des gesamten Gebiets sein. Das von einem ummauerten Kirchhof umgebene Gotteshaus war ursprünglich der Jungfrau Maria, dem Evangelisten Johannes und Johannes dem Täufer gewidmet. Sehenswert sind die 1360 entstandenen Wandmalereien im Chorraum, die tonnengewölbte Sakristei mit einem Karner darunter. Das Grabdenkmal für Ritter Rezzo von Bächlingen aus dem 14. Jahrhundert befindet sich an der Südseite des Kirchenschiffs.<ref>pro-region.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Urpfarrkirche in Bächlingen ( vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive; PDF; 11 kB)</ref>
Die ehemaligen fürstlich-hohenlohischen Fischteiche, deren Ursprünge auf das 16. Jahrhundert zurückgehen, liegen im Norden des Dorfes. Drei Teiche sind erhalten, zwei mit Lehm ausgeschlagene Fischweiher und ein gemauertes Wasserbecken. Zur Anlage gehören ein eingeschossiges schmales Sichtfachwerkgebäude, ein eingeschossiges verputztes Fachwerkwohngebäude und ein freistehendes gemauertes Backhaus. In einem 17 m × 18 m großen, gemauerten Wasserbecken stehen vier Steinsäulen mit Kapitellen. Nach derzeitigem Forschungsstand wird davon ausgegangen, dass die Säulen aus dem 16. Jahrhundert stammen und ein Fischhaus stützten, das 1866 abgebrochen wurde. Das eingeschossige Gebäude mit dreigeschossigem Fruchtboden soll ehemals die gesamte Wasserfläche überdeckt haben sowie im Erdgeschoss über einen dreiseitig umlaufenden halboffenen Gang und eine Reihe von Fischkästen an der vierten Gebäudeseite verfügt haben.<ref>Inge Schöck: Das „kleine Rätsel“ von Bächlingen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 17 (1988) Nr. 3, S. 122–125, ISSN 0342-0027.</ref>
Persönlichkeiten
- Anna Elisabeth Schmieg (1611–1672), Einwohnerin des Weilers Hürden, welche wegen Hexerei und Giftmordes hingerichtet wurde
- Gustav Bossert der Jüngere (1882–1948), württembergischer evangelischer Theologe und Kirchenhistoriker
Literatur
- 900 Jahre Bächlingen. Stadt Langenburg, Langenburg 1979.
Weblinks
- Karte von Bächlingen und Umgebung auf: <ref name="DE-BW_GeoView">Geoportal Baden-Württemberg (Hinweise)</ref>
- Landeskundliche Informationssystem für Baden-Württemberg
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Webarchiv
- Geographie (Langenburg)
- Ort im Landkreis Schwäbisch Hall
- Ort an der Jagst
- Ehemalige Gemeinde (Landkreis Schwäbisch Hall)
- Ersterwähnung 1140
- Gemeindeauflösung 1972