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Diacetyl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Butan-2,3-dion)
Strukturformel
Strukturformel von Diacetyl
Allgemeines
Name Diacetyl
Andere Namen
  • 2,3-Butandion (IUPAC)
  • Dimethylglyoxal
  • Dimethyldiketon
Summenformel C4H6O2
Kurzbeschreibung

gelbgrüne Flüssigkeit mit strengem Geruch<ref name="roempp">Eintrag zu Butan-2,3-dion. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 207-069-8
ECHA-InfoCard 100.006.428
PubChem 650
ChemSpider 630
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 86,09 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig<ref name="roempp" />

Dichte

0,99 g·cm−3 (20 °C)<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

−2 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

88 °C<ref name="GESTIS" /> (thermische Zersetzung ab 110 °C)

Dampfdruck
  • 58,2 hPa (20 °C)<ref name="GESTIS" />
  • 99,8 hPa (30 °C)<ref name="GESTIS" />
  • 163 hPa (40 °C)<ref name="GESTIS" />
  • 254 hPa (50 °C)<ref name="GESTIS" />
Löslichkeit
  • gut in Wasser (200 g·l−1 bei 25 °C)<ref name="GESTIS" />
  • löslich in Ethanol und Diethylether<ref name="roempp" />
Brechungsindex

1,3951 (20 °C)<ref name="CRC90_3_72">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-72.</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 225​‐​302​‐​331​‐​315​‐​317​‐​318​‐​373
P: 210​‐​280​‐​301+312​‐​304+340+311​‐​305+351+338​‐​314<ref name="GESTIS" />
MAK

0,02 ml·m−3; 0,07 mg·m−3 <ref>The MAK Collection for Occupational Health and Safety: Diacetyl MAK Value Documentation in German Language, 2015, doi:10.1002/3527600418.mb43103d0058.</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Diacetyl ist eine organische chemische Verbindung aus der Gruppe der Ketone und der einfachste Vertreter der Stoffklasse der Diketone. Es besitzt in verdünnter Form einen ausgeprägten Geschmack und Geruch nach Butter und ist auch Bestandteil des natürlichen Butteraromas. In hohen Konzentrationen riecht es ranzig. Diacetyl gibt eine positive Iodoformprobe.

Im Bierbrau-Prozess produzieren Bierhefen aus dem Stoffwechsel-Zwischenprodukt Acetolactat Diacetyl, das sie weiter zu 2,3-Butandiol reduzieren. Unterbleibt letzterer Abbau oder wird durch ungünstige Nährstoffgehalte die Diacetylfreisetzung forciert, so bekommt das Bier einen deutlichen und unangenehmen Fehlgeschmack. Ähnliche Prozesse mit großem Einfluss auf den Geschmack des Weins finden auch bei der Weinlagerung durch spezielle Milchsäurebakterien (siehe auch Milchsäuregärung bzw. malolaktische Gärung) statt (→ Weinfehler). Am 8. Dezember 2015 veröffentlichten Forscher der Harvard University eine Studie, nach der 39 von 54 untersuchten Liquids für elektrische Zigaretten Diacetyl enthielten.<ref>Joseph G. Allen, Skye S. Flanigan, Mallory LeBlanc, Jose Vallarino, Piers MacNaughton, James H. Stewart, David C. Christiani: Flavoring Chemicals in E-Cigarettes: Diacetyl, 2,3-Pentanedione, and Acetoin in a Sample of 51 Products, Including Fruit-, Candy-, and Cocktail-Flavored E-Cigarettes. In: Environmental Health Perspectives. Band 124, Nr. 6, 2015, S. 733–739, doi:10.1289/ehp.1510185, PMID 26642857.</ref> Allerdings ist Diacetyl zu einem wesentlich höheren Anteil auch in Tabakzigaretten enthalten und liegt auch hier noch unter den von der amerikanischen NIOSH ausgegebenen Grenzwerten.<ref>Konstantinos E. Farsalinos, Kurt A. Kistler, Gene Gillman, Vassilis Voudris: Evaluation of Electronic Cigarette Liquids and Aerosol for the Presence of Selected Inhalation Toxins. In: Nicotine & Tobacco Research. Band 17, Nr. 2, Februar 2015, S. 168–174, doi:10.1093/ntr/ntu176.</ref>

Schädigende Wirkung

Nachdem bereits im Mai 2000 die Gesundheitsbehörden des US-Bundesstaats Missouri über die Erkrankung von zehn Arbeitern einer Popcorn-Fabrik an Bronchiolitis obliterans, einer sonst eher seltenen Atemwegskrankheit, berichteten und im Zusammenhang damit die Untersuchung der Fabrik durch die US-Arbeitsschutzbehörde OSHA forderten – allerdings ohne wirksame Folgen –, kam es im Juli 2004 vor einem US-Gericht in Iowa zu einer Klage gegen die Symrise Inc. sowie eine Reihe weiterer Butteraroma-Hersteller, bei der es um Schadensersatzansprüche aufgrund der Erkrankung an Bronchiolitis obliterans ging, bewirkt durch das Einatmen von Diacetyl-Dämpfen, wie sie bei der Herstellung von künstlich aromatisiertem Mikrowellen-Popcorn freigesetzt werden. Geklagt hatten Angestellte eines Lebensmittelherstellers und Zwischenhändler, die Produkte von Symrise in der Lebensmittelverarbeitung einsetzten. Weitere Klagen im Zusammenhang mit der inzwischen als „Popcorn Workers Lung“ bezeichneten Krankheit wurden im Sommer 2005 vor Gerichten in Illinois und St. Louis, Missouri, eingereicht, bis schließlich im Juni 2007 im amerikanischen Kongress ein Gesetzgebungsentwurf eingebracht wurde, verbindliche Grenzwerte für die Diacetylbelastung am Arbeitsplatz festzulegen. Wie Der Spiegel wenig später berichtete, mussten die Hersteller künstlichen Butteraromas bis zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 100 Millionen Dollar Entschädigungen an kranke Mitarbeiter zahlen, und offiziell wurde sogar der Tod eines Menschen auf die Erkrankung zurückgeführt. Anfang September 2007 wurde schließlich der Fall einer weiteren, schon im Juli diagnostizierten, allerdings bis dahin von den Behörden ignorierten Erkrankung an Bronchiolitis obliterans bekannt, diesmal bei einem Mann, der regelmäßig und in großer Menge selbst zubereitetes Mikrowellen-Popcorn zu sich genommen hatte und anschließend an „Popcorn Workers Lung“ erkrankte, vermutlich, weil er bei der Zubereitung die dabei freigewordenen Diacetyl-Dämpfe eingeatmet hatte. Drei Wochen später verabschiedete daraufhin das US-Repräsentantenhaus den Popcorn Workers Lung Disease Prevention Act, mit dem es die OSHA dazu verpflichtete, verbindliche Standards für den Umgang mit Diacetyl festzulegen.<ref>Schädliche Lebensmittelzusätze – Krankheitsbild Popcorn-Lunge. Spiegel-Bericht vom 7. September 2007.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Background on Diacetyl & Popcorn Workers Lung (Memento vom 14. Dezember 2010 im Internet Archive).</ref> Neuere Forschungen zeigen, dass Diacetyl verschiedene Aspekte der Amyloid-β-Aggregation fördert. Solche Beta-Aggregationen werden mit der Alzheimer-Erkrankung in Verbindung gebracht.<ref>Swati S. More, Ashish P. Vartak, Robert Vince: The Butter Flavorant, Diacetyl, Exacerbates β-Amyloid Cytotoxicity. In: Chemical Research in Toxicology. Band 25, Nr. 10, Juli 2012, S. 2083–2091, doi:10.1021/tx3001016.</ref>

Trimeres Diacetyl

Unter definierten Bedingungen erhält man aus Diacetyl mehrere strukturell verschiedene homotrimere Verbindungen mit identischer Summenformel (C12H18O6):

Analysen im Jahr 1999<ref>Ioanna Alexandropoulou, Trevor A. Crabb, Asmita V. Patel, John Hudec: Acid-promoted reactions of butan-2,3-dione. In: Tetrahedron. Band 55, Nr. 18, April 1999, S. 5867–5874, doi:10.1016/S0040-4020(99)00249-5.</ref> identifizierten die trimere Hauptverbindung als 6-Hydroxy-1,3,6,7,9-pentamethyl-2,8,10,11-tetraoxa-tricyclo[5.2.1.13.9]undecan-4-on und klärten die Strukturen von vier weiteren Nebenprodukten auf. Verwendung dieses Trimers und sein Einsatz in Formulationen von Kosmetika und Therapeutika wurde patentiert.<ref>Patentanmeldung WO2007110415A2: Use of diacetyl trimers and cosmetic or therapeutic formulations containing these compounds. Angemeldet am 26. März 2007, veröffentlicht am 4. Oktober 2007, Anmelder: Symrise, Erfinder: Karin Schaper, Sabine Lange, Holger Joppe, Gabriele Vielhaber, Jakob Ley.</ref>

Verwendung

Durch Kondensation mit 2,3-Butandiamin kann 2,3,5,6-Tetramethylpyrazin gewonnen werden.<ref name="George A. Burdock">George A. Burdock: Fenaroli's Handbook of Flavor Ingredients. CRC Press, 2004, ISBN 978-1-4200-3787-6, S. 1786 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Diacetyl wird als Lebensmittelzusatzstoff (Butteraroma) verwendet.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein