Britta Böhler
Britta Böhler (* 17. Juli 1960 in Freiburg im Breisgau) ist eine niederländische Juristin, Autorin und Politikerin (GroenLinks) deutscher Herkunft.
Leben
Jugend und Ausbildung
Britta Böhler stammt aus einem sozialdemokratisch und pazifistisch orientierten Elternhaus. Sie wuchs in Freiburg im Breisgau auf und besuchte dort das Goethe-Gymnasium. Prägend waren für sie die Strafprozesse gegen die Rote Armee Fraktion in den 1970ern, bei denen sie besonders der eloquente Rechtsanwalt Otto Schily beeindruckte.<ref NAME="Des Teufels Advokatin">Elisabeth Wehrmann, Des Teufels Advokatin, Die Zeit, Heft 18/1999.</ref>
Sie studierte 1979 bis 1984 Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und promovierte dort zum Dr. jur. Außerdem studierte Britta Böhler 1979 bis 1980 Wirtschaftswissenschaften und 1980 bis 1982 Politikwissenschaften an der Universität in Freiburg. Von 1985 bis 1989 leistete sie den Referendarsdienst in München ab.
Juristin
Ab 1989 war sie als Anwältin in Frankfurt am Main tätig, sie war hierbei noch wirtschaftsrechtlich ausgerichtet. 1991 zog sie in die Niederlande und wurde 1994 als Advokatin in Amsterdam vereidigt. 1995 wurde Britta Böhler Partnerin in der heutigen Kanzlei Böhler Franken Koppe Wijngaarden. Sie befasst sich vor allem mit strafrechtlichen Fällen.<ref>bfkw.nl: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Böhler-Franken-Koppe-Wijngaarden – Britta Böhler ( vom 2. Juni 2010 im Internet Archive) (englisch)</ref>
Sie versteht sich als politische Anwältin.<ref NAME="Des Teufels Advokatin"/> Bekannt wurde Britta Böhler durch ihre strafrechtlichen Mandate. So vertrat sie 1999 in zwei Verfahren Abdullah Öcalan vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).<ref NAME="Des Teufels Advokatin"/><ref>Ocalan lawyer says fair trial unlikely in Turkey, CNN vom 19. Februar 1999 (englisch)</ref> 2002 wurde sie Strafverteidigerin von Volkert van der Graaf wegen dessen Anschlag auf Pim Fortuyn.<ref NAME="Tod eines Exzentrikers">Kerstin Schweighöfer: Tod eines Exzentrikers, Focus, Heft Nr. 20/2002.</ref><ref name="Inquisitor mit Ärmelschonern">Erich Wiedemann: Inquisitor mit Ärmelschonern. In: Der Spiegel. Nr. 3, 2003, S. 112 (online).</ref> Sie vertrat Margarita von Bourbon, die Tochter von Irene von Oranien-Nassau, in der Affäre um die angebliche Bespitzelung ihrer Mandantin durch das niederländische Königshaus. Dies sorgte im Königshaus für besonderes Aufsehen, da Böhler als Republikanerin gilt.<ref>Erich Wiedemann: Wir machen es ganz ohne Guillotine. In: Der Spiegel. Nr. 48, 2003, S. 148 (online).</ref><ref>Helmut Hetzel, Anti-Monarchisten sägen an Beatrix' Thron, Die Welt vom 12. August 2003.</ref>
Bei einer Anhörung im niederländischen Parlament am 10. Dezember 2003 legte sie dar, dass die Anti-Terror-Gesetzgebung der Niederlande ihrer Ansicht nach ein Schritt zum Gesinnungsstrafrecht sei.<ref>Floriaan Went , Terrorismus und Radikalisierung in den Niederlanden, Heise Online vom 9. März 2005.</ref> Sie war auch die Anwältin der Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali bei ihrem Ausbürgerungsverfahren.<ref>Marlise Simons, Critic of Islam Confronts Dutch Over Guards, New York Times vom 3. Oktober 2007. (englisch)</ref>
Von 2012 bis 2017 war Böhler Professorin an der Universität von Amsterdam. Am 1. März 2019 wurde sie Professorin für das juristische Berufsleben und Berufsethik an der Universität Maastricht.<ref>Pressemitteilung der Universität Maastricht</ref>
Politik
Britta Böhler engagierte sich in Ämtern bei Greenpeace ab 1994 und leitete dessen niederländische Sektion von 2000 bis 2003.<ref NAME="Parlament">Eerste Kamer: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dr. B. Böhler (GroenLinks) ( vom 15. Juli 2009 im Internet Archive) (niederländisch)</ref> Diese Position gab sie im Zusammenhang mit dem Strafprozess wegen der Tötung Pim Fortuyns auf.<ref NAME="Tod eines Exzentrikers"/> Von 2007 bis 2011 war Böhler Abgeordnete in der Ersten Kammer der Generalstaaten, dem Oberhaus des niederländischen Parlaments. Sie war dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende ihrer Partei GroenLinks.<ref NAME="Parlament"/> Für diese Position musste Böhler ihren deutschen Pass abgeben.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aftrap voor Böhler ( des Vorlage:IconExternal vom 25. März 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., EénVandag vom 12. Juni 2007 (niederländisch)</ref>
Autorin
Ihr erster Roman Der Brief des Zauberers über drei Tage im Leben von Thomas Mann, erschien im Februar 2014 bei Aufbau Verlag und im September 2013 auf Niederländisch (De beslissing) bei Cossee Uitgeverij Amsterdam. Bis Ende 2015 war das Buch in acht Sprachen übersetzt worden.<ref name="NYT 2015">Stephen Heyman, Britta Böhler, From the Courtroom to the Literary Life, The New York Times vom 17. Dezember 2015.</ref>
Unter dem Pseudonym Britta Bolt veröffentlichte sie zusammen mit Rodney Bolt eine Reihe von Kriminalromanen, die in Amsterdam spielen.<ref name="NYT 2015"/>
Weblinks
- Literatur von und über Britta Böhler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Lebenslauf bei parlement.com (niederländisch)
Einzelnachweise
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Böhler, Britta |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-niederländische Rechtsanwältin und Politikerin (GroenLinks) |
| GEBURTSDATUM | 17. Juli 1960 |
| GEBURTSORT | Freiburg im Breisgau |
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- Mitglied der Ersten Kammer der Generalstaaten
- GroenLinks-Mitglied
- Rechtsanwalt (Niederlande)
- Rechtsanwalt (Deutschland)
- Deutscher
- Niederländer
- Geboren 1960
- Frau
- Rechtswissenschaftler (21. Jahrhundert)
- Dichterjurist