Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Blei(II)-acetat – Wikipedia Zum Inhalt springen

Blei(II)-acetat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Bleipapier)
Strukturformel
Bleiion   <math>\mathrm{ \ \Biggl[}</math> Acetation <math>\mathsf{ \ \!\ \Biggr]_2}</math>
Allgemeines
Name Blei(II)-acetat
Andere Namen
  • Bleiacetat
  • Bleizucker
  • Bleiessig
  • essigsaures Blei
  • essigsaures Bleioxyd (veraltet)
  • Plumbum aceticum (lat.)
Summenformel
  • C4H6O4Pb (wasserfrei)
  • C4H7O4,5Pb (Hemihydrat)
  • C4H12O7Pb (Trihydrat)
Kurzbeschreibung

farblose, süßlich schmeckende, monokline Kristalle<ref name=roempp>Eintrag zu Bleiacetate. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 206-104-4
ECHA-InfoCard 100.005.551
PubChem 16685321
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse
  • 325,28 g·mol−1 (wasserfrei)
  • 334,29 g·mol−1 (Hemihydrat)
  • 379,33 g·mol−1 (Trihydrat)
Aggregatzustand

fest

Dichte

3,25 g·cm−3 (wasserfrei)<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt
  • 280 °C (wasserfrei)<ref name="GESTIS" />
  • 75 °C (Trihydrat)<ref name="GESTIS" />
Siedepunkt

Zersetzung: ab 200 °C<ref name=roempp />

Löslichkeit
  • leicht löslich in Wasser (0,456 g·ml−1 bei 15 °C, 2,0 g·ml−1 bei 100 °C)<ref name="eEROS">e-EROS Encyclopedia of Reagents for Organic Synthesis, 1999–2023, John Wiley and Sons, Inc., Eintrag für Lead(II) Acetate, abgerufen am 18. März 2026.</ref>
  • wenig löslich in Ethanol (0,033 g·ml−1)<ref name="eEROS" />
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.005.551">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 360Df​‐​373​‐​410
P: 201​‐​273​‐​308+313​‐​501<ref name="GESTIS" />
Zulassungs­verfahren unter REACH

besonders besorgnis­erregend: fortpflanzungs­gefährdend (CMR)<ref name="SVHC_100.005.551">Eintrag in der SVHC-Liste der Europäischen ChemikalienagenturVorlage:Abrufdatum</ref>

Toxikologische Daten

4670 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="GESTIS" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Blei(II)-acetat, ein farbloser kristalliner Feststoff, ist ein Acetat des Bleis, also ein Salz der Essigsäure. Neben der wasserfreien Form sind auch ein Trihydrat Pb(CH3COO)2 · 3 H2O, ein Hemihydrat Pb(CH3COO)2 · 1/2 H2O und ein instabiles Dekahydrat Pb(CH3COO)2 · 10 H2O bekannt. Historische Bedeutung hat es als Süßstoff, wofür es wegen seiner Giftigkeit heute nicht mehr verwendet wird. Heutzutage dient es insbesondere als Zwischenprodukt bei der Herstellung anderer Bleiverbindungen. Das andere wichtige Acetat des Bleis ist Blei(IV)-acetat, ein starkes Oxidationsmittel.

Geschichte

Datei:Lead(II)Acetate.jpg
Bleizucker in kristalliner Form

Bekannt ist Blei(II)-acetat als Bleizucker, da es süß schmeckt und gut in Wasser löslich ist. Trotz seiner Giftigkeit wurde Bleizucker bis zum 19. Jahrhundert als Zuckerersatz (Defrutum) verwendet – insbesondere wurde Wein damit gesüßt. Ludwig van Beethovens Tod durch verpanschte Weine wurde kontrovers diskutiert.<ref name="beethoven1">Brigitte M. Gensthaler: Beethoven und Blei – Tödliches Zusammenspiel. In: Pharmazeutische Zeitung, 30, 2001, abgerufen am 12. Mai 2018.</ref><ref>Beethovens Tod: Blei war nicht die Ursache n-tv.de, 29. Mai 2010.</ref><ref>Die Leiden des Ludwig van Beethoven. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 18. Dezember 2016]).</ref> Laut neuesten Untersuchungen, bei denen drei seiner Haarlocken analysiert wurden, litt er tatsächlich an einer chronischen Bleivergiftung.<ref>Julia Sica: Starb Beethoven an Bleivergiftung? Analyse liefert neue Hinweise. In: Der Standard. 7. Mai 2024;.</ref> Eine Bleizuckerfabrik, die Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Gelände des Sacrower Schlossparks betrieben wurde, konnte archäologisch untersucht werden.<ref>Annett Dittrich/Kerstin Gessner: Bittersüßes Salz.pdf. In: Bittersüßes Salz – Ausgrabung der Bleizuckerfabrik im Schlosspark Sacrow, Stadt Potsdam. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg (2013). 1. Januar 2015 (academia.edu [PDF; abgerufen am 18. Februar 2023]).</ref>

Daneben diente Blei(II)-acetat als Edukt in frühen Synthesen von Aceton. Dessen Herstellung durch Pyrolyse von Metallacetaten war schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts bekannt und Bleiacetat wurde am häufigsten eingesetzt.<ref>Mel Gorman: The History of Acetone, 1600-1850. In: Chymia. Band 8, 1. Januar 1962, S. 97–104, doi:10.2307/27757220.</ref>

Darstellung

Wasserfreies Blei(II)-acetat kann durch Reaktion von Blei(II)-oxid oder Blei(II)-carbonat mit Eisessig (reiner Essigsäure) gewonnen werden:<ref name=":0" />

<math>\mathrm{PbO \ + \ 2 \ CH_3COOH \rightarrow Pb(CH_3COO)_2 \ + \ H_2O}</math>

Durch Reaktion von Blei(II)-oxid mit verdünnter Essigsäure wird Blei(II)-acetat-Trihydrat erhalten.<ref name=":0" /> Ein Hemihydrat wird bei der Lagerung des Anhydrates bei 40 % Luftfeuchte über fünf Tage gebildet.<ref name="Martinez">Martínez-Casado, F.J.; Ramos-Riesco, M.; Rodríguez-Cheda, J.A.; Cucinotta, F.; Matesanz, E.; Miletto, I.; Gianotti, E.; Marchese, L.; Matej, Z.: Unraveling the Decomposition Process of Lead(II) Acetate: Anhydrous Polymorphs, Hydrates, and Byproducts and Room Temperature Phosphorescence in Inorg. Chem. 55 (2016) 8576–8586, doi:10.1021/acs.inorgchem.6b01116.</ref>

Eigenschaften

Wasserfreies Blei(II)-acetat ist ein weißer kristalliner und hygroskopischer Feststoff.<ref name="Martinez"/> Die Verbindung ist sehr leicht wasserlöslich. Das Trihydrat ist ebenfalls ein farbloser kristalliner Feststoff und gut wasserlöslich, aber unlöslich in Ethanol.<ref name=":0" /> Blei(II)-acetat-Trihydrat kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12 mit den Gitterparametern a = 15,85 Å; b = 7,30 Å, c = 9,10 Å und β = 109,8 ° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref>R. K. Rajaram, J. K. Mohana Rao: Crystal structure of lead acetate trihydrate. In: Zeitschrift für Kristallographie - Crystalline Materials. Band 160, Nr. 1–4, 1. November 1982, S. 225–234, doi:10.1524/zkri.1982.160.14.225.</ref>

Weiterhin ist noch ein instabiles Dekahydrat beschrieben, welches schon ab 22 °C das Kristallwasser abgibt. Es kristallisiert in einem rhombischen Kristallsystem.<ref name = "Patniak">Pradyot Patnaik: Handbook of Inorganic Chemicals, 2003 McGraw-Hill, New York, ISBN 978-0070494398, S. 458–459.</ref>

Verwendung

Lösungen von Blei(II)-acetat dienen vor allem zur Gewinnung anderer Bleiverbindungen. Oft wird das Trihydrat zur Herstellung von Bleiverbindungen verwendet, beispielsweise Blei(II)-carbonat durch Reaktion mit Kohlenstoffdioxid, außerdem Bleichromat und Bleiseifen.<ref name=":0">Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry. 1. Auflage. Wiley, 2003, ISBN 978-3-527-30385-4, doi:10.1002/14356007.a15_249.</ref>

Blei(II)-acetat-Lösung dient auch zur Herstellung des Lindlar-Katalysators. Dabei handelt es sich um einen Palladium-auf-Calciumcarbonat-Katalysator, der zur selektiven Hydrierung von Alkinen zu cis-Alkenen verwendet wird. Für die selektive Reduktion wird der Katalysator einerseits mit Bleiacetat behandelt und andererseits in Gegenwart von Chinolin eingesetzt.<ref>Judith G. Ulan, Emilio Kuo, Wilhelm F. Maier, Raghaw S. Rai, Gareth Thomas: Effect of lead acetate in the preparation of the Lindlar catalyst. In: The Journal of Organic Chemistry. Band 52, Nr. 14, Juli 1987, S. 3126–3132, doi:10.1021/jo00390a031.</ref>

Blei(II)-acetat dient auch als Nachweisreagenz für Sulfide. Bleipapier, ein mit einer einprozentigen wässrigen Lösung von Bleiacetat getränktes und in schwefelwasserstofffreier Luft getrocknetes Filterpapier,<ref name="Wittenberger">Walter Wittenberger: Chemische Laboratoriumstechnik, Springer-Verlag, Wien, New York, 7. Auflage, 1973, S. 94, ISBN 3-211-81116-8.</ref> dient zur qualitativen Erkennung von Schwefelwasserstoff (H2S), es entsteht braungraues, metallisch glänzendes Bleisulfid.<ref name="roempp" /> Bei der Isolierung von Naturstoffen kann Blei(II)-acetat genutzt werden, um störende Gerbstoffe und Flavonoide auszufällen. Der Niederschlag kann im Anschluss per Filtration abgetrennt werden. Überschüssige Pb2+-Ionen können durch Zugabe von SO42−-Ionen als Blei(II)-sulfat gefällt werden.<ref>Egon Stahl, Werner Schild: Isolierung und Charakterisierung von Naturstoffen. 1. Auflage. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart/New York 1986, ISBN 3-437-30511-5, S. 59 f.</ref>

Risikobewertung

Blei(II)-acetat wurde am 16. Dezember 2013 in der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen.<ref name="SVHC_100.005.551" />

Weblinks

Commons: Blei(II)-acetat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />