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Betriebshof Schöneberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:1914 EKuB Strassenbahnbetriebshof-Schoeneberg.jpg
Betriebshof Schöneberg, 1914

Der Betriebshof Schöneberg ist ein ehemaliger Betriebshof der Berliner Straßenbahn. Er wurde 1899 von der Großen Berliner Straßenbahn (GBS) als Bahnhof X eröffnet und 1964 durch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geschlossen. Das Grundstück dient gegenwärtig als Fahrzeugsammelstelle der Berliner Polizei und soll in den kommenden Jahren zu einem Feuerwehr- und Polizeimuseum ausgebaut werden.<ref>Auskunfts- und Fahndungsstelle. In: berlin.de. Abgerufen am 10. April 2022.</ref><ref name=":0" />

Lage und Aufbau

Datei:Hkb 036-64 45.tif
Straßenbahntriebwagen vor der Wagenhalle, 1964
Datei:Berlin strassenbahndepot belziger strasse fuhrpark 25.09.2011 18-27-31.JPG
Zufahrt und Halle III, 2011
Datei:Berlin Schöneberg Strassenahndepot 22.06.2015 10-56-05.jpg
Nordseite, 2015

Der Betriebshof liegt an der Belziger Straße 52–58 im Ortsteil Schöneberg des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Das Grundstück mit einer Fläche von 15.779 Quadratmetern grenzt im Westen an die Gothaer Straße und im Norden an die Wartburgstraße. Die dreiteilige Wagenhalle bot auf 24 Hallengleisen Platz für bis zu 280 Straßenbahnwagen. Werkstätten und Diensträume waren im hinteren Teil der Halle angeordnet, die Verwaltung befand sich in einem separaten Gebäude im vorderen Teil an der Belziger Straße. Die Anlage steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Das Depot wurde anlässlich der Elektrifizierung des Streckennetzes der GBS zusammen mit sieben weiteren Anlagen erbaut. Entwurf und Ausführung des Baus oblagen der Bauabteilung der GBS unter Leitung von Joseph Fischer-Dick. Am 6. Februar 1899 wurde der Bahnhof X in Betrieb genommen. Er ersetzte den bisherigen Hof in der Hauptstraße aus dem Jahr 1879.<ref name="BVB 11/64">Siegfried Münzinger: Die Betriebshöfe “Schön” und “Moa”. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 11, 1964, S. 141.</ref><ref>Siegfried Münzinger: Die Betriebshöfe der Berliner Straßenbahnen. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 6, 1969, S. 89–103.</ref> Ab 1920 wurde er als Hof 10 geführt, um 1935 erhielt er das Kürzel Schön. Zu den vom Hof aus eingesetzten Linien zählten unter anderem (Stand: 1937) die 7 (Westring), 60 (Weißensee, Rennbahnstraße – Lindenhof), 88 (Steglitz, Stadtpark – Bahnhof Schönholz) und 95 (Bahnhof Köpenick – Schöneberg, Belziger Straße).<ref>Der Wageneinsatz auf den Berliner Straßenbahnlinien in den Jahren 1928 und 1937. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 12, 1972, S. 168–169.</ref>

Die Bedeutung des Hofs ließ mit der bevorstehenden Einstellung des West-Berliner Straßenbahnbetriebs ab Ende der 1950er Jahre stetig nach. Zuletzt war die Linie 55 (Nollendorfplatz – Hakenfelde) mit 41 Trieb- und zwölf Beiwagen auf dem Hof beheimatet, 170 Schaffner und Fahrer taten hier ihren Dienst. Nach deren Verkürzung zum Bahnhof Zoo wurde der Betriebshof am 1. Oktober 1964 geschlossen. Zunächst war die Wagenreserve noch auf dem Gelände stationiert, gleichzeitig wurden nicht mehr benötigte Wagen vor Ort verschrottet.<ref name="BVB 11/64" />

Das Grundstück diente danach der Unterstellung des Senatsfuhrparks sowie als Abstellfläche der Berliner Polizei für abgeschleppte und sichergestellte Fahrzeuge. Bereits in den 1990er Jahren war eine Umnutzung für künstlerische Zwecke vorgesehen.<ref>Nicola Kuhn: Belziger Straße: Willkommen im Narkosestübchen. In: Der Tagesspiegel. 22. Oktober 2010 (tagesspiegel.de).</ref> Im November 2012 wurde die erneute Veräußerung des Grundstücks wieder aktuell. Die Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg gab im Januar 2013 bekannt, dass dem Bezirksamt die Empfehlung unterbreitet werden soll, das Grundstück nicht an den Meistbietenden zu veräußern. Vielmehr soll derjenige den Zuschlag erhalten, dessen Projekt den größten sozialen und kulturellen Nutzen aufweist. Die Schaffung von Wohnraum auf dem Gelände wurde dabei nicht ausgeschlossen.<ref>Protokoll. 16. öffentliche Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg von Berlin. (PDF) Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg von Berlin, 16. Januar 2013, S. 6, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 9. März 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www.berlin.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Eine im Januar 2015 von der Berliner Immobilienmanagement GmbH und dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg vorgestellte Entwicklungsstrategie sah vor, dass Künstlerateliers und Büros für kulturelle oder soziale Projekte in die Hallen einziehen und ein zusätzlicher Neubau mit Wohnungen für Studenten und Senioren errichtet werden soll.<ref>Straßenbahnbetriebshof an der Belziger Straße: Was vom Denkmal übrig bleibt. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 12. März 2026]).</ref>

Der Umzug der Fahrzeug-Sicherstellung der Polizei in einen Neubau in Biesdorf war für 2018 angekündigt. Die Übergabe des Neubaus erfolgte schließlich im August 2022. Die vollständige Räumung des Geländes Belziger Straße wurde für November 2022 angegeben.<ref>Drucksache 18/15287. Abgeordnetenhaus Berlin, 27. Juni 2018, abgerufen am 12. März 2026.</ref><ref>So sieht die neue Kfz-Sicherstellungshalle in Biesdorf aus. 17. August 2022, abgerufen am 12. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Innensenatorin übergibt Polizei Berlin neues Gelände fürKfz-Sicherstellung. BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, 17. August 2022, abgerufen am 12. März 2026.</ref><ref>Drucksache 19/13253. Abgeordnetenhaus Berlin, 30. September 2022, abgerufen am 12. März 2026.</ref>

Zur vollständigen Räumung kam es jedoch nicht, da der Platz auf dem neuen Gelände nicht ausreichte.<ref>Andreas Kopietz: Zu klein geplant: Berliner Polizei verkalkuliert sich bei Kfz-Sicherstellungsgelände. In: Berliner Zeitung online. 7. September 2022, abgerufen am 12. März 2026.</ref><ref>Martina Zander-Rade: Nutzung des ehemaligen Straßenbahndepots durch die Polizei – wie lange noch? 5. Juli 2024, abgerufen am 12. März 2026.</ref><ref>Claudia Liebram, Franziska von Werder: Neues Sicherstellungsgelände schon zu klein: Berliner Polizei muss alten Parkplatz für einkassierte Autos in Schöneberg noch lange nutzen. In: Der Tagesspiegel Online. 11. August 2024, abgerufen am 12. März 2026.</ref> Für eine Umnutzung der Hallen nach dem Auszug der Polizei wurden zwei verschiedene Nutzungskonzepte erarbeitet. Während der Plan der Senatsverwaltung für Kultur unter dem Titel Probenbühnenzentrum (PBZ) Belziger Straße die Errichtung von Probebühnen für die Berliner Theaterszene vorsah, plante die Senatsinnenverwaltung die Einrichtung eines Feuerwehr- und Polizeimuseums.<ref>Aktueller Sachstandsbericht zur Immobilie Bahnhofsdepot Belziger Straße in Tempelhof-Schöneberg. Senatsverwaltung für Inneres und Sport, 10. Juli 2024, abgerufen am 12. März 2026.</ref><ref>Hanno Fleckenstein: Ehemaliges Tramdepot in Schöneberg: Polizei macht die Musik. In: Die Tageszeitung: taz. 28. Februar 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 12. März 2026]).</ref><ref>Berlin: Zoff um Straßenbahn-Depot. 22. November 2024, abgerufen am 12. März 2026.</ref><ref name=":0">Drucksache 19/25137. Abgeordnetenhaus Berlin, 24. Februar 2026, abgerufen am 12. März 2026.</ref>

Ende 2025 wurden neben weiteren historischen Gegenständen auch 30 Fahrzeuge, 15 Kutschen und neun Anhänger der historischen Sammlung der Berliner Feuerwehr in einer der drei Hallentrakte überführt, da der langjährige Depotstandort auf dem Gelände der Julius-Leber-Kaserne wegen Eigenbedarf seitens der Bundeswehr gekündigt worden war.<ref name=":0" /> Der Ausbau zu einem kombinierten Museumsstandort für BVG, Feuerwehr und Polizei soll ab 2029/30 erfolgen.<ref>Jörn Hasselmann: Umbau kostet 62 Millionen Euro: Altes Straßenbahndepot in Berlin-Schöneberg soll zum Museum werden. In: Der Tagesspiegel Online. 20. Juni 2025, abgerufen am 12. März 2026.</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: Straßenbahndepot Belziger Straße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 52° 29′ 11″ N, 13° 20′ 54,2″ O

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