Beowulf: Die Ungeheuer und ihre Kritiker
Beowulf: The Monsters and the Critics (deutsch: Die Ungeheuer und ihre Kritiker) war eine Vorlesung, die J. R. R. Tolkien 1936 über die Literaturkritik an dem altenglischen Heldenepos Beowulf hielt. Das Manuskript wurde erstmals im selben Jahr in den Proceedings of the British Academy veröffentlicht und ist seitdem vielfach in verschiedenen Sammlungen wiedergegeben worden, unter anderem in The Monsters and the Critics and Other Essays, einer 1983 von Christopher Tolkien herausgegebenen Sammlung von Tolkiens wissenschaftlichen Aufsätzen.
Der Aufsatz wird als wegweisendes Werk in der modernen Beowulf-Erforschung betrachtet. In seinem Vortrag spricht sich Tolkien gegen die Kritiker aus, die die phantastischen Elemente des Gedichts (wie z. B. Grendel und den Drachen) herunterspielen, damit sie Beowulf allein als Quelltext für angelsächsische Geschichtsforschung betrachten können. Tolkien argumentiert, dass diese fiktiven Elemente keineswegs belanglos sind, sondern als Schlüsselelemente der Erzählung dienen und daher im Brennpunkt der Forschung stehen sollten. Er erzeugte damit eine vermehrte Beachtung der zuvor vernachlässigten literarischen Qualitäten des Epos und führte weiterhin an, dass man es als ein Kunstwerk, nicht als historisches Dokument verstehen müsse. Spätere Literaturkritiker, die in diesem Punkt Tolkiens Meinung waren, haben ihn routinemäßig zitiert, um ihre eigenen Standpunkte zu festigen.
Der Aufsatz ist immer noch ein üblicher Quelltext für Studenten und Wissenschaftler, die Beowulf erforschen, und wurde von Seamus Heaney in der Einleitung zu seiner Übersetzung des Gedichtes gelobt. Bruce Mitchell und Fred C. Robinson nennen ihn in ihrem Beowulf, An Edition (1998) „die einflussreichste Literaturkritik des Gedichtes, die je geschrieben wurde“ (“the most influential literary criticism of the poem ever written”). Das Papier wirft auch Licht auf viele von Tolkiens Vorstellungen zur Literatur und dient als Quelle für diejenigen, die seine Schriften intensiver studieren.
Die Vorlesung war Teil einer längeren Reihe, die in zwei Manuskriptversionen existiert, welche 2002 zusammen als Beowulf and the Critics von Michael D. C. Drout herausgegeben wurden.
Ausgaben (Auswahl)
- J. R. R. Tolkien: Beowulf: The Monsters and the Critics. In: Proceedings of the British Academy, Band 22, 1936, S. 245–295 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />online ( vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive)).
- J. R. R. Tolkien: The Monsters and the Critics. Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1983, ISBN 0-0480-9019-0.
- Lewis E. Nicholson (Hrsg.): An Anthology of Beowulf Criticism. University of Notre Dame Press, Notre Dame 1963, ISBN 0-268-00006-9.
- J. R. R. Tolkien: Beowulf: Die Ungeheuer und ihre Kritiker. In: J. R. R. Tolkien: Gute Drachen sind rar. Drei Aufsätze. Aus dem Englischen von Wolfgang Krege. Klett-Cotta, Stuttgart 1987, ISBN 3-608-95257-8, S. 141–214.
Weblinks
- Helmut W. Pesch: Die Hobbits und die Kritiker auf helmutwpesch.de
<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang
| Belletristik |
Songs for the Philologists (1936) • Der Hobbit (1937) • Blatt von Tüftler (1947) • The Lay of Aotrou and Itroun (1945) • Bauer Giles von Ham (1949) • The Homecoming of Beorhtnoth Beorhthelm’s Son (1953) • Der Herr der Ringe (1954/55) • Die Abenteuer des Tom Bombadil und andere Gedichte aus dem Roten Buch (1962) • Tree and Leaf (1964) • The Tolkien Reader (1966) • The Road Goes Ever On (1967) • Smith of Wootton Major (1967) |
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| Posthum veröffentlichte Belletristik |
Die Briefe vom Weihnachtsmann (1976) • Das Silmarillion (1977) • Nachrichten aus Mittelerde (1980) • Mr. Bliss (1982) • Bilbos Abschiedslied (1990) • The History of Middle-earth (12 Bände; 1983–1996) • The Lost Road and Other Writings (1987) • Roverandom (1998) • Die Kinder Húrins (2007) • The History of The Hobbit (2007) • Die Legende von Sigurd und Gudrún (2009) • König Arthurs Untergang (2013) • Die Geschichte von Kullervo (2015) • Beren und Lúthien (2017) • Der Fall von Gondolin (2018) • Natur und Wesen von Mittelerde (2021) • Der Untergang von Númenor (2022) • Die Bovadium-Fragmente (2025) | |
| Akademische Veröffentlichungen |
A Middle English Vocabulary (1922) • Sir Gawain and the Green Knight (Mittelenglischer Text, 1925) • Some Contributions to Middle-English Lexicography (1925) • The Devil’s Coach-Horses (1925) • Ancrene Wisse and Hali Meiðhad (1929) • The Name Nodens (1932) • Sigelwara Land Teile I und II, in Medium Aevum (1932–1934) • Chaucer as a Philologist: The Reeve’s Tale (1934) • Beowulf: Die Ungeheuer und ihre Kritiker (1936) • The Reeve’s Tale: version prepared for recitation at the „summer diversions“ (1939) • On Fairy-Stories (1939) • Sir Orfeo (1944) • Ofermod and Beorhtnoth’s Death (1953) • Middle English „Losenger“: Sketch of an etymological and semantic enquiry (1953) • Ancrene Wisse: The English Text of the Ancrene Riwle (1962) • English and Welsh (1963) • Einleitung zu Tree and Leaf (1964) • Beiträge zur Jerusalemer Bibel (als Übersetzer und Lexikograph) (1966) • Tolkien on Tolkien (autobiografisch) (1966) | |
| Posthume akademische Veröffentlichungen |
Sir Gawain and the Green Knight, Pearl und Sir Orfeo (Übersetzungen in moderne englische Sprache, 1975) • Finn and Hengest (1982) • The Monsters and the Critics (1983) • Beowulf and the Critics (2002) • Beowulf: A Translation and Commentary (2014) • A Secret Vice (2016) |