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Bayern-Dusel

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Der Bayern-Dusel (von Dusel, d. h. unverdientes Glück)<ref>Eintrag bei duden.de, abgerufen am 6. November 2011.</ref> ist ein in Deutschland verbreiteter Fußballmythos. Er bezieht sich auf den FC Bayern München, den erfolgreichsten Verein der deutschen Fußball-Bundesliga, und besagt, dass die Mannschaft in knappen Spielen häufig als die Dusel-Bayern<ref>Rückkehr der Dusel-Bayern: Jamal Musiala sticht BVB ins Herz. www.br.de, 28. Mai 2023, abgerufen am 12. Juni 2023.</ref> besonderes Glück habe. Der Begriff entstand in den für den Verein besonders erfolgreichen 1970er-Jahren,<ref>Christian Eichler: Lexikon der Fußballmythen, Eichborn-Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 232.</ref> wird von Fans und Vereinen der Konkurrenten als Schlagwort verwendet<ref>TSV 1860 München: Spielbericht nach dem Viertelfinal-Aus im DFB-Pokal gegen den FC Bayern. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 27. Oktober 2021.@1@2Vorlage:Toter Link/tsv-1860-muenchen.net (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) Am Ende bescherte den Bayern ihr sprichwörtlicher Dusel im DFB-Pokal-Viertelfinale in der letzten Minute der Verlängerung gegen eine aufopferungsvoll kämpfende Löwen-Mannschaft den 1:0-Sieg (120.)</ref> und ist in der heutigen medialen Fußball-Berichterstattung weit verbreitet. Als geflügeltes Wort wird Bayern-Dusel auch in Bezug auf andere Vereine angewandt.<ref name="welt-3383247">Till Schwertfeger: Kolumne „Nachspielzeit“: Mit dem Bayern-Dusel wird Hertha sogar Meister. In: welt.de. 16. März 2009, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref><ref name="focus-100348">Schalke vs. Bayern: Schalke mit Bayern-Dusel. In: Focus Online. 16. Oktober 2005, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref>

Verwendung in den Medien

In deutschsprachigen Medien wird spätestens seit 2001 vom Bayern-Dusel gesprochen. Ihm werden regelmäßig Attribute wie „typisch“, „sprichwörtlich“, „berühmt“, „legendär“, „gefürchtet“, „unglaublich“, „ungeheuerlich“, „lauernd“ und „ewig“ zugewiesen, sowie von der „Macht des Mythos“ gesprochen.<ref>Münchner Abendzeitung. 28. Februar 2008, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 27. Oktober 2021.@1@2Vorlage:Toter Link/www.abendzeitung.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) Typisch Bayern: Mäßig gespielt, ins Halbfinale geduselt, ein paar arrogante Sprüche – und am Ende in Partylaune […] Das Glück im entscheidenden Moment, der berühmte Bayern-Dusel.</ref><ref>Augsburger Allgemeine vom 19. Mai 2009 Frank Günther hat noch Hoffnung. Schließlich gebe es ja den sprichwörtlichen „Bayern-Dusel“. Und die Meisterschale will der Vorsitzende des FCB-Fanclubs „Höchstädter Schlosspanther“ vor Samstag nicht verloren geben.</ref><ref name="stern-648131">Bundesliga: Dusel-Bayern stoppen Hoffenheim. In: stern.de. 5. Dezember 2008, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref><ref name="tonight85786" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bye bye Klinsi! (Memento vom 30. April 2009 im Internet Archive)</ref><ref name="taz-5144689">Thomas Winkler: Kolumne Press-Schlag: Sie nennen es Dusel. In: taz.de. 9. April 2010, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref><ref name="SPON-546819">Jörg Schallenberg: Last-Minute-Bayern: Dusel? Welcher Dusel? In: Spiegel Online. 11. April 2008, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref><ref>Hans Moritz: Es war einmal. In: berliner-zeitung.de. 25. November 1994, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref><ref>Die Süddeutsche, 22. März 2002.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />44. Fußball-Knabenturnier – 2010 Live-Berichte (Memento vom 14. Januar 2010 im Internet Archive)</ref><ref name="zeit-2008-10-24">Adrian Bauer: Bundesliga, 8. Spieltag: Der "Bayern-Dusel" kehrt zurück. In: zeit.de. 24. Oktober 2008, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref><ref name="be24-24638099">Peter Altmann: „Mir san mir“. In: be24.at. 31. März 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. Oktober 2017; abgerufen am 27. Oktober 2021.</ref> Dabei werden nicht nur Spiele, die die Bayern zu ihren Gunsten entscheiden, sondern auch vermeintliches Glück bei Auslosungen zu Pokalwettbewerben mit dem Bayern-Dusel erklärt.<ref name="focus-357207">SID: Champions League: Bayern München trifft auf Sporting Lissabon. In: Focus Online. 19. Dezember 2008, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref><ref name="SPON-667875">Champions-League-Auslosung: Der Bayern-Dusel ist zurück. In: Spiegel Online. 18. Dezember 2009, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref> Auch in den Schweizer Medien wurde nach einem knappen Schlussminutensieg der Münchner über den FC Basel der Bayern-Dusel diagnostiziert.<ref name="kicker-543002">Bei Zürcher Geschnetzeltem Dortmund im Blick. In: kicker.de. 29. September 2010, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref> In einem 2011 erschienenen Neujahrsartikel in der österreichischen Zeitung Die Presse äußerte der Autor die Hoffnung, mit dem neuen Nationalmannschaftstrainer Marcel Koller habe die österreichische Nationalmannschaft nun jemanden, „der diesen unerträglichen Bayern-Dusel, den auch das DFB-Team hat, stoppen“ könne.<ref>Warum das Runde eigentlich ins Eckige sollte, Die Presse vom 1. Januar 2011.</ref>

Theoretische Betrachtung

Viele wissenschaftliche Studien und statistische Experten haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt.<ref name=":1" /><ref name=":0" /><ref name=":2" /> Zum Beispiel Christian Hesse, der Mathematik und Statistik an der Universität Stuttgart lehrt, oder der Volkswirtschaftsprofessor Eberhard Feess, sowie das mit Sportdaten handelnde Unternehmen Opta Sports. Ihre Erhebungen belegen, dass der Bayern-Dusel bei Schiedsrichterentscheidungen eine statistisch bewiesene Entsprechung in einer deutlichen Bevorteilung des FC Bayern München findet.

Es wird auch die These vertreten, dass der Bayern-Dusel auf einer Bevorteilung der Bayern durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Allgemeinen und durch Schiedsrichter im Speziellen beruhe. In diesem Zusammenhang ist auch von einem Bayern-Bonus die Rede.<ref name="SPON-44980">Schalker klagen über „Bayern-Bonus“: Schalke 04 – Bayern München 1:1. In: Spiegel Online. 2. Oktober 1999, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref><ref>tz.de: Bayern-Bonus! HSV stocksauer, abgerufen am 25. März 2014.</ref> Vermutet wird, dass sich der DFB aufgrund des großen Einflusses des finanzkräftigen und meinungsstarken FC Bayern München teilweise nicht traue, harte Entscheidungen gegen den Verein zu treffen, was dann auch bei einzelnen Funktionären dieses Verbandes – wie etwa den jeweiligen Schiedsrichtergespannen – zu vorauseilendem Gehorsam bei der Bewertung konkreter Spielsituationen führe.<ref>Südkurier am 30. September 2010 Immer wieder wurde die alte Leier vom typischen Bayern-Dusel abgespielt, hier und da wurden abstruse Verschwörungstheorien aufgestellt. Ein paar Fans rieben Daumen, Zeige- und Mittelfinger aufeinander, äußerten ihre feste Überzeugung, dass der Schiedsrichter von den reichen Münchnern bestochen wurde, um die armen Basler zu besiegen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatten die eidgenössischen Versuche, ein bitteres Erlebnis zu verarbeiten, amüsante Züge. Doch als selbst Basels Trainer Thorsten Fink auf der Pressekonferenz allen Ernstes erzählte, dass sich die Bayern bei Schiedsrichtern nun mal einen Status erarbeitet hätten, bei denen ihnen schneller als anderen Vereinen ein Strafstoß zugesprochen werde, da war die Grenze überschritten […]</ref> Dass ein Bayern-Bonus tatsächlich existiert, wurde wissenschaftlich belegt.<ref name=":0">Kein Witz: Der Bayern-Bonus. Abgerufen am 23. Dezember 2017: „Für eine Studie der Frankfurt School of Finance and Management hat sich der Volkswirtschaftsprofessor Eberhard Feess einen Datensatz aus der Bundesliga-Datenbank schicken lassen, mit Schiedsrichter-Entscheidungen von über 4000 Erstliga-Spielen aus den letzten 15 Jahren. […] Da kann man schon ziemlich eindeutig von einem Bayern-Bonus sprechen, sagt Feess.“</ref><ref name=":1">Signifikant mehr Fehlentscheidungen zugunsten der Bayern. Abgerufen am 23. Dezember 2017: „Eine Gruppe von Wissenschaftlern an der Universität Münster hat sich dieser Frage mit einer Studie angenommen. […] Die Daten-Analyse bestätigt einen signifikanten Bonus für den FC Bayern München. […] Die erhobenen Daten bestätigen eine Bevorteilung des FC Bayern bei kritischen Schiedsrichterfehlentscheidungen.“</ref><ref name=":2">Der statistische Beweis für den späten Bayern-Bonus. Abgerufen am 23. Dezember 2017: „Zudem kommt Opta [weltweit führender Anbieter von Live-Sportdaten] zu dem Ergebnis, dass die Schiedsrichter die Nachspielzeit bei einer Münchner Führung deutlich geringer ansetzen als bei einem Rückstand oder einem Unentschieden.“</ref><ref>Frankfurt School of Finance & Management: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schiedsrichterentscheidungen im Fußball: Vermuteter Promibonus bestätigt (Memento vom 29. Dezember 2016 im Internet Archive)</ref> Andererseits ergibt sich aus den Berechnungen des Portals wahretabelle.de, dass historisch der FC Bayern durch fehlerhafte Schiedsrichterentscheidungen in einigen Spielzeiten Punkte und Tore verloren hat.<ref>Historische wahre Tabelle von 1995/96 bis heute. Abgerufen am 19. März 2022.</ref>

In der Fachpublikation „Management für die Champions League: Was wir vom Profifußball lernen können“ wird der Bayern-Dusel als direkte Folge des Selbstvertrauens beschrieben, das den Spielern beim FC Bayern „eingeimpft“ werde.<ref>Sven C. Voelpel, Ralf Lanwehr: Management für die Champions League: Was wir vom Profifußball lernen können, Erlangen 2009.</ref> Eine ähnliche Auffassung vertritt der Managementberater und Sportphilosoph Reinhard K. Sprenger. Auf die Frage, wie der „seit Jahrzehnten andauernde Bayern-Dusel“ zu Stande komme, antwortete Sprenger in einem Zeitungsinterview: „Ungefähr ab der 85. Minute greift die enorme Erfolgszuversicht der Bayern-Spieler. Und in gleichem Maße schrumpft sie bei den Gegenspielern. Der FC Bayern schafft es, diesen Mythos der Erfolgszuversicht immer wieder neu zu impulsieren.“<ref name="derweste-11728974">11Freunde: Von Glückspilz Klinsmann und überschätzten Trainern. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 2. Februar 2009, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref>

Der Sportpsychologe und ehemalige Profifußballer Philipp Laux führte in einem Interview aus, spielentscheidend sei „kein Dusel, sondern der Glaube, jedes Spiel zu jedem Zeitpunkt noch gewinnen zu können. Diese Überzeugung, die hier [beim FC Bayern] sehr ausgeprägt ist, hat aber auch wieder etwas mit der Erwartungshaltung zu tun und mit den Zielen, die sich der Verein steckt, und mit denen sich die Spieler identifizieren.“<ref name="faz-1.743965">„Das Sieger-Gen ist im ganzen Verein spürbar“. In: FAZ.net. 16. Dezember 2008, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref>

Beurteilung durch den FC Bayern

Spieler und Verantwortliche des FC Bayern reagieren unterschiedlich auf die Erwähnung des Bayern-Dusels. Der langjährige Kapitän und Torwart des FC Bayern, Oliver Kahn, äußerte nach einem Sieg in den letzten Spielminuten über Hannover 96, der für eine Vorentscheidung im Titelkampf 2004/2005 sorgte: „Aus der Tradition des FC Bayern heraus haben wir gute Nerven. Es gibt kein Glück, man muss es erzwingen.“<ref>Marcus Bark: Der FC Dusel. In: Berliner Zeitung. 18. April 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. September 2012; abgerufen am 15. Juni 2015.</ref> Bastian Schweinsteiger kommentierte nach einem knappen Sieg über den Hamburger SV im Februar 2004 selbstironisch: „Der Bayern-Dusel ist wieder da!“<ref name="sz-2016-12-30">Bayern – HSV „Der Bayern-Dusel ist wieder da“</ref> Auch Felix Magath erklärte während seiner Zeit als Bayerncoach nach einer nur knapp entschiedenen Partie: „Wenn man in der 90. Minute noch ein Tor schießt, ist das eben der berühmte Bayern-Dusel.“<ref name="tonight85786">Tor durch Owen Hargreaves Bayern siegt in letzter Minute</ref> Mitglieder des FC Bayern reagieren jedoch mitunter auch dünnhäutig darauf. Uli Hoeneß, der im Jahr 2008 von einem Reporter des vereinseigenen „FCB TV“ gefragt wurde, ob ein knapper 1:0-Sieg gegen den Karlsruher SC auf den Bayern-Dusel zurückzuführen sei, reagierte mit den Worten: „Sie müssen sich einen anderen Job suchen.“<ref name="bild-20081019">U. Vielberg, J. Althoff, F. Seidel, H. Falsehr: Sieg gegen Karlsruhe: Bayern-Dusel und Hoeneß-Zoff. In: bild.de. 19. Oktober 2008, abgerufen am 30. Dezember 2016.</ref>

Fergie Time

Als das britische Äquivalent des Bayern-Dusels gilt die sogenannte Fergie Time.<ref name=gur>Philip Olterman: Bayern Munich are the club Germans love to hate. Englisch. Online auf theguardian.com vom 25. Mai 2013.</ref>

Literatur

  • Christian Eichler: Lexikon der Fußballmythen, Frankfurt am Main 2000
  • Christian Schütte: Matchwinner und Pechvögel: Ergebniserklärung in der Fußballberichterstattung, Hamburg 2006

Weblinks

Einzelnachweise

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